{"id":46,"date":"2020-06-17T00:24:53","date_gmt":"2020-06-16T22:24:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/?p=46"},"modified":"2020-06-17T00:24:53","modified_gmt":"2020-06-16T22:24:53","slug":"ansaetze-zur-entwicklung-einer-interkulturellen-gendersensiblen-paedagogik-rv09","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/2020\/06\/17\/ansaetze-zur-entwicklung-einer-interkulturellen-gendersensiblen-paedagogik-rv09\/","title":{"rendered":"Ans\u00e4tze zur Entwicklung einer interkulturellen gendersensiblen P\u00e4dagogik (RV09)"},"content":{"rendered":"<p>Zuallererst soll angemerkt werden, dass im Folgenden &#8211; ausnahmsweise und nur weil die Vorlesung dies auch so behandelt! &#8211; wenn von Gender gesprochen wird, lediglich Bezug genommen wird auf Jungs und M\u00e4dchen, um den Sachverhalt zu erleichtern. Dies soll keinen ganzheitlichen, realit\u00e4tsentsprechenden Anspruch haben. Die volle Gender-Bandbreite verdient eine ganz eigene Betrachtung und soll hier aber nicht im Hauptaugenmerk liegen.<\/p>\n<h5>1. Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -p\u00e4dagogik in der Schule.<\/h5>\n<div class=\"entry\">\n<div dir=\"ltr\">Jungen und M\u00e4dchen werden von unterschiedlichen Seiten bestimmte Vorlieben, St\u00e4rken und Schw\u00e4chen zugeordnet. Das typische &#8222;M\u00e4dchen m\u00f6gen rosa, Jungs dagegen schwarz&#8220; \u00e4u\u00dfert sich genauso in der Schule als &#8222;M\u00e4dels sind besser in Deutsch und Jungs besser in Physik&#8220;, aber auch &#8222;Frauen k\u00f6nnen eben besser mit jungen Sch\u00fcler*innen, M\u00e4nner sind f\u00fcr h\u00e4rtere Jobs bestimmt&#8220;. Wo kommt das her?<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Dass es eine (zumindest in Teilen) k\u00fcnstliche Zuschreibung ist, erkennt man an der Tatsache, dass sie sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. Heute wissen wir, dass auch Frauen die F\u00e4higkeit besitzen zum Studieren und f\u00fcr sich selbst entscheiden k\u00f6nnen. Durch Erziehung in der Familie und in der Gesellschaft werden wir in einer Welt gro\u00df, die uns geschlechterabh\u00e4ngig mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen konfrontiert. Selbst in der Schule werden die gleichen Leistungen von Jungen in sprachlichen F\u00e4chern anders bewerten als solche von M\u00e4dchen, weil die Erwartungen jeweils anders ausfallen und dies sich in der unbewussten Notengebung der Lehrer*innen \u00e4u\u00dfert.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Dies f\u00fchrt zu einer sich selbst erf\u00fcllenden Prophezeihung, denn die F\u00e4cher und Eigenschaften, die genderspezifisch auf ein bestimmtes Kind zutreffen, werden verst\u00e4rkt und gef\u00f6rdert und f\u00fchren schlussendlich tats\u00e4chlich zu einer signifikant unterschiedlichen Tendenz in der Leistung, die sp\u00e4ter unterschiedlichen Berufswahlen mit sich zieht. Eine sich selbst erf\u00fcllende Prophezeihung also? In der Wissenschaft geht man von der Koexistenz von &#8222;nurture&#8220; und &#8222;nature&#8220; aus. Aber einer genderspezifischen k\u00fcnstlichen Trennung der Interessen und St\u00e4rken sollte auf jeden Fall entgegen gearbeitet werden. Oder einfach &#8220; die Unterscheidungen \u201eRuhenlassen\u201c &#8220; f\u00fcr eine<br \/>\n&#8222;Entdramatisierung von Geschlecht&#8220;, wie Weber 2006 vorschlug.<\/div>\n<div class=\"entry\">\n<div dir=\"ltr\"><\/div>\n<h5>2. Reflektieren Sie ihre bisherigen Praxiserfahrungen aus der eigenen Schulzeit und ersten Praktika zum\u00a0schulischen \u201eGenderplay\u201c, m\u00f6glichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenit\u00e4tsfeld\u00a0der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion.<\/h5>\n<div dir=\"ltr\">Auch auf meiner Schule waren die durchschnittlichen Leistungen von M\u00e4dchen im Allgemeinen besser als die der Jungen. Und die von Sch\u00fcler*innen mit Deutsch als Zweitsprache hinter denen mit Deutsch als Erstsprache.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Ich kann nicht mehr sagen, ob wirklich genderspezifische Unterschiede gemacht wurden, au\u00dfer in der Benotung im Sportunterricht &#8211; wo dies durchaus biologisch sinnvoll erscheint. Ich glaube eher, dass es genau die gleiche Behandlung von Sch\u00fcler*innen als homogene Masse war, die Unterschiede vergr\u00f6\u00dfert hat. Es gibt einfach unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse auf die mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t eingegangen werden sollte. Als Lehrer*in mit einer Jungsgruppe, die sich f\u00fcr die Deutschlekt\u00fcre nicht begeistern l\u00e4sst, k\u00f6nnte man gerade diese Jungs die n\u00e4chste Lekt\u00fcrewahl machen lassen, sodass der Unterricht mehr an ihre Interessen angepasst werden k\u00f6nnen. Oder man k\u00f6nnte den Deutschunterricht inklusiver f\u00fcr alle ethnischen Hintergr\u00fcnde gestalten. Statt nur Literatur der deutschen &#8222;Dichter und Denker&#8220; und vielleicht ein bisschen Shakespeare, wieso nicht auch Autoren des Nahen Ostens lesen, die uns von ethnischen Minderheiten der Klasse vorgestellt werden. Solche Entscheidungen haben meine Lehrer*innen selten getroffen.<\/div>\n<h5>3. Formulieren Sie eine Beobachtungsaufgabe f\u00fcr kommende Praktika zum Thema \u201egendersensible\u00a0P\u00e4dagogik\u201c, auch hier m\u00f6glichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenit\u00e4tsfeld\u00a0der Ringvorlesung, wie Sprache, soziokultureller Background, Leistung, Inklusion, um deutlich zu machen, dass die Kategorie Gender nicht f\u00fcr sich steht, sondern andere Dimensionen von Heterogenit\u00e4t oftmals wesentlich mit beeinflusst.<\/h5>\n<div dir=\"ltr\">Beobachten Sie aktive R\u00fccksichtsnahmen auf gender- oder herkunftsspezifische Unterschiede. Versuchen Sie hierbei zu beurteilen, ob diese Unterschiede die bestehenden Vorurteile verst\u00e4rken\/inszenieren oder begr\u00fcndet get\u00e4tigt wurden. Wann kann eine Differenzierung Sinn machen?<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuallererst soll angemerkt werden, dass im Folgenden &#8211; ausnahmsweise und nur weil die Vorlesung dies auch so behandelt! &#8211; wenn von Gender gesprochen wird, lediglich Bezug genommen wird auf Jungs und M\u00e4dchen, um den Sachverhalt zu erleichtern. Dies soll keinen ganzheitlichen, realit\u00e4tsentsprechenden Anspruch haben. 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