{"id":29,"date":"2020-05-11T00:16:26","date_gmt":"2020-05-10T22:16:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/?p=29"},"modified":"2020-05-11T00:19:13","modified_gmt":"2020-05-10T22:19:13","slug":"gesellschaften-und-kulturen-als-teil-des-fremdsprachenunterrichts-rv03","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/2020\/05\/11\/gesellschaften-und-kulturen-als-teil-des-fremdsprachenunterrichts-rv03\/","title":{"rendered":"Gesellschaften und Kulturen als Teil des Fremdsprachenunterrichts? (RV03)"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><strong><strong>Kritik \u00fcber den R\u00fcckgriff auf Stereotypen bei der Fremdsprachenvorstellung<\/strong><\/strong>&nbsp;\n<p>Bei der Vorstellung der zweiten Fremdsprache auf dem Elternsprechtag haben viele meiner Kolleg*innen in ihrer Pr\u00e4sentation auf landesspezifisch etablierte Stereotypen zur\u00fcckgegriffen: ich sah Franzosen mit Baskenm\u00fctze und Baguettes unter&#8217;m Arm . Das ist eine bequeme Art und Weise, kulturelle Unterschiede zu verdeutlichen und einen m\u00f6glichen Reiz f\u00fcr die jeweilige Fremdsprache zu vermitteln, aber doch eine sehr armselige Reduktion auf verbreitete Vorurteile. Sollte es nicht unsere Aufgabe als Lehrende sein, genau solche Stereotypen zu durchbrechen und durch die reiche Vielfalt von Gemeinsamkeiten und der besonderen Bedeutung von Sprache als Ausdrucksmittel f\u00fcr kulturelle Feinheiten zu erg\u00e4nzen? Diese kontrastive Herangehensweise \u00fcber internationale Differenzen vernachl\u00e4ssigt zudem die intranationalen Differenzen und die vielen Aspekte der Transkulturalit\u00e4t, die durch eine heterogene Gesellschaft und durch eine eben nicht lineare historische Nationalentwicklung herrscht.<br \/>\nByram postulierte 1997 ein Modell \u00fcber die interkulturelle kommunikative Kompetenz, die gl\u00fccklicherweise nicht nur im Klassenraum entsteht, sondern durch eigene au\u00dferschulische Erfahrungen mit der Kultur &#8211; etwa im Sch\u00fcleraustausch oder im Urlaub &#8211; erg\u00e4nzt wird und mit Stereotypen bricht. Entscheidend f\u00fcr die Sprachenwahl ist das Verst\u00e4ndnis dar\u00fcber, was in Sprache (abgesehen des rein informativen Inhalts) implizit mitschwingt: soziolinguistisches Verst\u00e4ndnis, genauso wie der Umgang im Diskurs sind kulturelle Aspekte, die sich eben nicht einfach durch eine Baskenm\u00fctze und ein Baguette repr\u00e4sentieren lassen.<\/li>\n<li><strong><strong><strong>Inhaltliche Bestandteile des eigenen Fremdsprachenunterrichts<\/strong><\/strong><\/strong>&nbsp;\n<p>Ich besinne mich auf meinen eigenen Englischunterricht zur\u00fcck. Zu Beginn lag der Fokus vorrangig im rein sprachlichen Erwerb. Durch die Augen von gleichaltrigen Jugendlichen im Buch haben wir Situationen im englischen\/amerikanischen\/australischen\/&#8230; Alltag kennengelernt und simuliert. In h\u00f6heren Klassen wurde dies immer weiter erg\u00e4nzt durch kulturelle Kompetenz. Abgesehen von vielen landeswissenschaftlichen, geographischen und geschichtlichen Aspekten englisch-sprachiger L\u00e4nder (Entstehung und Verfall sowie Folgen des &#8222;British Empire&#8220;) haben wir auch h\u00e4ufig die politische Aktualit\u00e4t besprochen und diskutiert. Meiner Meinung nach ist dies ein sehr erfolgreiches Beispiel einer vielseitigen und distinktiven Aneignung der Sprache mit soziokultureller Einbettung.<\/li>\n<li><strong><strong><strong>Projektarbeit zu Corona als kulturelles Ph\u00e4nomen<\/strong><\/strong><\/strong>&nbsp;\n<p>Man kann Corona als kulturelles Ph\u00e4nomen betrachten, sollte hierbei allerdings nicht in Vorurteile verfallen, wie &#8222;alle Spanier k\u00fcssen sich zur Begr\u00fc\u00dfung, deshalb haben sie sich schneller angesteckt&#8220;.\u00a0 Es ist ein sehr vielseitiges mehrdimensionales Ph\u00e4nomen, das auch als solches betrachtet werden sollte.<br \/>\nUm diesen entgegenzuwirken sollen sich meine Sch\u00fcler*innen im Mathematikunterricht komparativ mit der Statistik sozialer Kontakte in Wuhan, sowie in Mailand befassen und einen mathematischen Zusammenhang mit der Anzahl an Corona-Infizierten widerlegen.<\/li>\n<li><strong><strong><strong>Vorhandene Heterogenit\u00e4t im Unterricht einflie\u00dfen lassen<\/strong><\/strong><\/strong>&nbsp;\n<p>In jedem Klassenzimmer Deutschlands findet man kulturelle Heterogenit\u00e4t.<br \/>\nDie Grundlage, um dieses Vorwissen und diese schon vorhandenen kulturellen Kompetenzen in den Unterricht einflie\u00dfen zu lassen, ist diese Heterogenit\u00e4t als Bereicherung anzusehen. Man sollte einen Raum f\u00fcr Diskurs und Austausch schaffen und den Sch\u00fcler*innen beibringen, differenziert und reflektiert zu berichten und zu kommentieren. Sprachliche Nuancen k\u00f6nnen humoristisch verglichen werden, Entstehung von W\u00f6rtern, Begriffen und Floskeln untersucht: machen diese Unterschiede oder Entwicklungen eigentlich an Landesgrenzen halt? Dazu k\u00f6nnen polarisierende Bilder, aktuelle Zeitungsberichte oder Karikaturen herbeigezogen werden, die ausf\u00fchrlich und von vielen Perspektiven besprochen werden sollen. Verstehen unterschiedliche Menschen diese verschieden? Von wem und warum? Man kann konkrete Stereotypen eines Landes durch nationale Repr\u00e4sentant*innen in der Klasse relativieren, widerlegen oder best\u00e4tigen.<br \/>\nAllgemein soll das Ziel hierbei sein, eine Wahrnehmung f\u00fcr die vorhandene Transkulturalit\u00e4t zu schaffen. Aus diesem Verst\u00e4ndnis heraus entsteht eine intrinsische Motivation f\u00fcr interkulturelle Kompetenz.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kritik \u00fcber den R\u00fcckgriff auf Stereotypen bei der Fremdsprachenvorstellung&nbsp; Bei der Vorstellung der zweiten Fremdsprache auf dem Elternsprechtag haben viele meiner Kolleg*innen in ihrer Pr\u00e4sentation auf landesspezifisch etablierte Stereotypen zur\u00fcckgegriffen: ich sah Franzosen mit Baskenm\u00fctze und Baguettes unter&#8217;m Arm . 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