{"id":24,"date":"2020-04-26T18:25:41","date_gmt":"2020-04-26T16:25:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/?p=24"},"modified":"2020-04-26T18:29:18","modified_gmt":"2020-04-26T16:29:18","slug":"einfuehrung-heterogenitaet-als-herausforderung-rv01","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariasblog\/2020\/04\/26\/einfuehrung-heterogenitaet-als-herausforderung-rv01\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung: Heterogenit\u00e4t als Herausforderung (RV01)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>Heterogenit\u00e4t als Herausforderung (im schulischen Kontext)<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Heterogenit\u00e4t beinhaltet eine Diversit\u00e4t verschiedener Eigenschaften, wie Herkunft, Muttersprache, Alter, Leistungsst\u00e4rke, Konzentrationsf\u00e4higkeit, Geschlecht oder weitere Faktoren, die Auswirkungen auf schulischen Unterricht haben k\u00f6nnten. Diese verschiedenen Eigenschaften haben nat\u00fcrlich Auswirkungen auf den Unterricht.<\/p>\n<p>Oft wird davon ausgegangen, dass eine m\u00f6glichst homogene Lerngruppe die Idealvorstellung einer perfekten Unterrichtsgrundlage ist. Es werden Ma\u00dfnahmen getroffen, um diese Homogenit\u00e4t zu erzeugen, wie: Einschulungsalter, Vorklassen f\u00fcr eine Anpassung des Wissensstandards neuzugezogener Sch\u00fcler mit Migrationshintergrund, die Teilung in der 5. Klasse nach Leistungsst\u00e4rke.<br \/>\nDiese Ma\u00dfnahmen werden basierend auf der These getroffen, dass Heterogenit\u00e4t an Schulen eine Herausforderung darstellt. Man bef\u00fcrchtet zus\u00e4tzliche Belastungen der Lehrkr\u00e4fte durch individuelle Anpassung an Sch\u00fcler mit unterschiedlichen Kapazit\u00e4ten und Bed\u00fcrfnissen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>&#8222;Konstruktionscharakter&#8220; von Heterogenit\u00e4t<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Man muss sich allerdings der Tatsache bewusst werden, dass die Definition von Heterogenit\u00e4t gleichzeitig einen Status Quo einer angenommenen Homogenit\u00e4t zugrunde legt. Was ist diese Einheitlichkeit? Sind &#8211; provokativ formuliert &#8211; lediglich deutsche, leistungsstarke Sch\u00fcler*innen aus akademischen, mittelst\u00e4ndigen Elternh\u00e4usern die &#8222;einheitliche Norm&#8220;, von der wir als &#8222;Normalzustand&#8220; ausgehen, um <em>im Vergleich dazu<\/em> Eigenschaften anderer Sch\u00fcler*innen herauszustellen, auf die <em>mit besonderen Ma\u00dfnahmen eingegangen<\/em> werden muss, um Bildungserfolg zu garantieren? Es stellt uns vor eine schwierige Aufgabe Heterogenit\u00e4t konkret in Parameter zu fassen. Wer oder welches Verhalten ist schon normal? Diese Schwierigkeit einer neutralen Defintionsfindung des Begriffs der Heterogenit\u00e4t sollte in jedem Fall beachtet werden.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><strong>Aus aktuellem Anlass: Corona-bedingte Ungleichheit der Bildungschancen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie ist eine riesige Herausforderung vieler Bereiche unserer Gesellschaft. Auch in der schulischen Bildung m\u00fcssen gro\u00dfe Anforderungen gestemmt werden. Gibt es hierbei unterschiedliche Chancen?<\/p>\n<p>Heute findet jede Art des Unterrichts digital statt. Dies hat viele Folgen:<\/p>\n<ol>\n<li>Haushalte, die nicht genug elektronische Ger\u00e4te zur Verf\u00fcgung haben, um Home-Office gleichzeitig wie Home-Schooling-Bed\u00fcrfnisse (m\u00f6glicherweise mehrerer Kinder) unter einen Hut zu bekommen, haben schon sehr andere Voraussetzungen f\u00fcr den Lernerfolg in diesen Tagen.<\/li>\n<li>Eine Lehre von Zuhause aus verst\u00e4rkt zunehmend wirtschaftliche und soziale Unterschiede der Sch\u00fcler*innen. Berufst\u00e4tigen Eltern in &#8222;systemrelevanten&#8220; Berufen, die meistens im niedrigeren Lohnsektor sind, k\u00f6nnen nicht gleichzeitig eine soziale oder gar didaktische St\u00fctze f\u00fcr ihre Kinder sein. Dies steht im klaren Unterschied zu Eltern, die nun privat noch viel mehr Zeit, Konzentration oder Geld in den Lernerfolg ihrer Kinder stecken k\u00f6nnen als sonst.<\/li>\n<li>Werteunterschiede haben gr\u00f6\u00dfere Folgen als sonst. Kinder mit Familien, die sich weder wertebasiert noch ideologisch um ihren schulischen Erfolg k\u00fcmmern (oder k\u00fcmmern k\u00f6nnen), leiden st\u00e4rker unter dieser Situation. Der sonst externe Unterricht an Schulen lindert normalerweise diese starken Differenzen, da ein Minimum von meist 4 Unterrichtsstunden t\u00e4glich garantiert wird. In Situationen wie diesen h\u00e4ngt es ganz allein vom Sch\u00fcler oder von der Sch\u00fclerin ab, wie viel Zeit und Kraft sie in die eigene Bildung stecken.<\/li>\n<li>Kinder mit Konzentrationsschw\u00e4chen sind nun auch st\u00e4rker benachteiligt, da die p\u00e4dagogischen Qualit\u00e4ten eines Lehrers fehlen. F\u00fcr Kinder, die damit keine Schwierigkeiten machen, ist diese Situation unproblematisch.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Sobald alle Sch\u00fcler*innen irgendwann wieder zusammenfinden, werden die gruppenspezifischen Unterschiede gr\u00f6\u00dfer denn je zuvor sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heterogenit\u00e4t als Herausforderung (im schulischen Kontext) Heterogenit\u00e4t beinhaltet eine Diversit\u00e4t verschiedener Eigenschaften, wie Herkunft, Muttersprache, Alter, Leistungsst\u00e4rke, Konzentrationsf\u00e4higkeit, Geschlecht oder weitere Faktoren, die Auswirkungen auf schulischen Unterricht haben k\u00f6nnten. Diese verschiedenen Eigenschaften haben nat\u00fcrlich Auswirkungen auf den Unterricht. Oft wird davon ausgegangen, dass eine m\u00f6glichst homogene Lerngruppe die Idealvorstellung einer perfekten Unterrichtsgrundlage ist. 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