Abschlussreflexion

1. Benennen Sie die für Sie zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie Erkenntnisse auf die Didaktiken ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen.

 

Die Vorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ hat mich dazu angeregt, mich noch intensiver mit dem Begriff der Heterogenität auseinanderzusetzen. Während meines bisherigen Studiums war dieser Begriff schon häufig gefallen, ob in Vorlesungen oder Seminaren und in jedem Fach, doch immer wurde er nur angeschnitten. Mir war bis zu dieser Vorlesung nicht bewusst, wie viel mehr sich hinter dem Begriff der Heterogenität verbirgt. Die Ringvorlesung mit den vielen unterschiedlichen Gastvorträgen hat diesen Begriff mir wesentlich deutlicher erscheinen lassen.

Bezogen auf meine Fächerwahl konnten die einzelnen Gastvorträge zu diesen Fächern mir viele neue Erkenntnisse liefern.

Eines meiner Fächer ist Mathematik. Zu diesem Fach hat Frau Bönig einen sehr interessanten Vortrag gehalten. Dabei ist mir besonders der Ausdruck des „sprachsensiblen Mathematikunterrichts“ im Gedächtnis geblieben. Die Sprache und die Sprachkenntnisse spielen in Schule eine wichtige Rolle. Dabei ist zu beachten, dass dies sich nicht nur auf das Fach Deutsch sondern auch auf alle anderen Fächer auswirkt. Dies ist mir durch den Vortrag von Frau Bönig noch einmal besonders klar geworden.

Laut dem statistischen Bundesamt haben mehr als ein Drittel der Grundschulkinder einen Migrationshintergrund und dadurch treffen in der Grundschule viele verschiedene Sprachen aufeinander, welche den gesamten Unterricht beeinflussen.

Dabei spielt die Sprache auch im Mathematikunterricht eine wichtige Rolle. Man benötigt die Sprache für Textaufgaben, um diese zu verstehen, für die Verständigung über mathematische Themen und als Werkzeug mathematischen Denkens. Insgesamt ist es daher für Kinder wichtig Bildungssprache und Fachsprache, in diesem Fall für Mathematik, zu beherrschen. Jedoch ist nur die Alltagssprache bei allen Kindern Lernvoraussetzung und die Bildungs- und Fachsprache ein Lerngegenstand. Dies dürfen Mathematiklehrkräfte nicht missachten, sondern in ihrem Mathematikunterricht integrieren.

Dies ist allerdings nicht nur im Mathematikunterricht wichtig. Mehrsprachigkeit spielt im gesamten schulischen Kontext eine wichtige Rolle.
Zu diesem Thema habe ich zwei allgemeine Erkenntnisse erworben. Zum einen, dass in der heutigen Zeit als Lehrkraft nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Schülerinnen und Schüler die gleiche Muttersprache besitzen. Die deutsche Sprache und besonders die deutsche Bildungssprache muss im Laufe der Schulzeit erlernt werden. Dabei ist es wichtig, dass trotzdem die Muttersprache der Kinder anerkannt und akzeptiert wird, sowie dass diese in das Schulleben miteinbezogen wird.
Zum anderen sollte die Erstsprache, also Muttersprache der Kinder gefördert werden. Dadurch werden fachliche Denk- und Verstehensprozesse angeregt und somit gefördert. Erfahrungen, welche beim Erlernen der Muttersprache gesammelt werden, können den Kindern dann beim Erlernen der Zweitsprache weiterhelfen.

Außerdem ist mir der Themenbereich der Gendersensibilität in der Ringvorlesung besonders hängen geblieben.
Frau Murmann brachte dafür ein passendes Beispiel in ihrem Vortrag: Ein Mädchen wunderte sich, dass ihre Sachunterrichts Lehrerin mit den Kindern Holz-Fahrzeuge bauen wollte. Ihrer Meinung nach hätte es der Hausmeister der Schule besser machen können, da er in der Schule vieles repariert.
Durch dieses Beispiel ist mir bewusst geworden, dass im Sachunterricht, besonders im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, Gender eine relevante Heterogenitätsdimension ist. Dies meint, dass Kinder unabhängig ihres Geschlechts ihren eigenen Interessen folgen und ihre eigene Identität entwickeln sollen, auch wenn das nicht den stereotypischen Genderrollen entspricht. Die Lehrkraft sollte deshalb auf einen sensiblen Umgang mit Genderrollen achten. Im Sachunterricht sollten Themen außerdem vielperspektivisch betrachtet werden, um jedem Kind einen passenden Zugang zu dem Thema zu ermöglichen.

 

 

3. Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema BAUMHET. Bitte begründen Sie Ihre Wahl?

 

Mich haben tatsächlich sehr viele Fragestellungen der Ringvorlesung angesprochen und Interesse in mir geweckt. Aus diesem Grund ist mir noch einmal klar geworden wie groß das Themenfeld der Heterogenität ist und ich hoffe in den weiteren Seminaren dazu noch mehr erfahren zu können.

Zwei Themenbereich, welche mich aber besonders ansprechen sind einmal die Leistungsrückmeldung sowie der Umgang mit dem Vorwissen der Kinder.

Ich würde gerne mehr über den Themenbereich „Leistungen wahrnehmen, rückmelden und beurteilen“ erfahren, da ich es als sehr wichtig empfinde mit den Kindern in den individuellen Austausch zu gehen, um ihnen größtmögliche Transparenz zu ihren Leistungen geben zu können. Dies geschah bei mir bis jetzt immer eher intuitiv und ich denke durch ein tieferes Wissen zu diesem Themenbereich kann ich dies noch viel besser ausbauen. Auch würde mich interessieren wie man diese Atmosphäre der Rückmeldung am besten gestaltet, so dass sie nicht aufgesetzt wirkt und man den Kindern ein positives Gefühl gibt, auch wenn ihre Leistungen etwas anderes wiederspiegeln. Denn jedes Kind verdient es, angenommen zu werden wie es ist und es bestmöglich zu fördern.

Durch eine weitere Erkenntnis, welche ich durch die Vorlesung erwerben durfte, nämlich dass das Vorwissen der Kinder wichtiger als ihre Intelligenz ist, ist der Umgang mit diesem Vorwissen für mich sehr interessant.

Ich würde mich in Zukunft gerne noch tiefergehender damit beschäftigen, welche Möglichkeiten/Methoden Lehrkräfte nutzen können, um die gewonnenen Erkenntnisse aus der Erhebung des Vorwissens der Schülerinnen und Schüler auch zu verwenden. Hierbei würde ich mir konkrete Beispiele für Unterrichtsformen und Aufgabenarten wünschen, welche sich besonders eignen, um die unterschiedlichen Vorkenntnisse der einzelnen Kinder aufzugreifen und jeweils genau dort (individuell) anzusetzen.

 

 

4. Welche in den Vorlesungseinheiten von BAUMHET thematisierten Problematiken/Aspekte sehen Sie für sich persönlich als besondere Herausforderung? Wie könnten Sie sich, im Uni-Kontext oder auch darüber hinaus, auf diese Herausforderungen vorbereiten?

 

Eine besondere Herausforderung sehe ich bei mir im Themenkontext der Leistungsrückmeldung. Dies benötigt ein sehr starkes und umfangreiches Wissen zu dem Thema und meiner Meinung nach besonders praktische Erfahrungen. Im Uni-Kontext kann ich mir dazu gut Seminare vorstellen, welche den theoretischen Hintergrund fördern können, weshalb ich hoffe ein solches Seminar noch besuchen zu können. Jedoch fehlt es mir an jeglicher professionellen praktischen Erfahrung. Bei meinen bisherigen Erfahrungen, ob im Bundesfreiwilligendienst oder im Praktikum, geschah die Leistungsrückmeldung von mir nur intuitiv und ohne jegliches Wissen zu diesem Thema. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass ich nicht immer alles richtig gemacht habe. Aus diesem Grund würde ich mir in zukünftigen Praktika wünschen in dieses Themenfeld deutlich stärker miteinbezogen zu werden, sowie selbst üben zu können und dann professionelles Feedback zu dem Thema zu erhalten.

Auch zum Thema Mehrsprachigkeit fehlt mir viel an praktischer Erfahrung und stellt deshalb für mich eine Herausforderung dar. Ich habe bis jetzt nicht viel Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit sammeln können, da an den Schulen an denen ich bis jetzt war der Migrationsanteil noch sehr gering war. Dies entspricht ja aber definitiv nicht dem Regelfall und waren deshalb Ausnahmen. Auch hier würde ich mir im Uni-Kontext noch eine tieferes theoretisches Wissen wünschen, doch besonders wichtig sind für mich direkte Beispiele für Handlungsmöglichkeiten und besonders praktische Erfahrungen.

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