Leistungsheterogenität – Leistung wahrnehmen, rückmelden und beurteilen

Der folgende Beitrag bezieht sich auf die fünfte Sitzung der Ringvorlesung „Umgang mit Heterogenität in der Schule“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Leistungsheterogenität.

 

In der Schule wird von Schülerinnen und Schülern (SuS) Leistung gefordert, sie funktioniert also nach einem Leistungsprinzip. Die Kinder sollen Leistungen erbringen und dabei bestätigt, bestärkt und unterstützt werden. Man würde denken, dass die Lehrkraft darauf am größten Einfluss hat, doch laut Befunden einer empirischen Bildungsforschung (national: Helmke, Lipowsky et al., 2007 und international: z.B. Hattie (2009) nach Zierer, 2014) haben die Lehrkräfte nur 20-25% Einfluss darauf, wie leistungsstark die SuS sind.

Es spielen noch weiter Faktoren auf die Leistung eines Schulkindes mit ein, wie beispielsweise die zur Verfügung stehende Ressourcen wie z.B. Zeit, personelle, räumliche, materielle Ausstattung. Auch die strukturellen Unterrichtskonzeptionen sowie die Zusammensetzung einer Lerngruppe spielen eine wichtige Rolle.

Aber vor allem die Kinder selbst in ihren unterschiedlichen Entwicklungen und Erfahrungen, sowie ihre Bedingungen Zuhause (also ihr Elternhaus, ihre Eltern) sind entscheidend. Deshalb ist für eine guten Lernerfolg die Zusammenarbeit aller am Unterrichtsprozess Beteiligten notwendig.

Um einen guten Lernerfolg generieren zu können, muss die Leistungsheterogenität der Kinder berücksichtigt werden, welche sich nach Wenning (2007) in Geschwindigkeit, Fähigkeit, Bereitschaft und die im Abschluss abweichenden Ergebnisse beim Lernprozess unterscheiden.

Dafür muss die Leistung jedes/r einzelnen Schülers/in von der Lehrkraft wahrgenommen und differenziert werden, es muss eine effektive Rückmeldung stattfinden und die Leistung muss beurteilt werden, um den Kindern eine Orientierung zu geben, Motivationen zu schaffen und eine weitere positive Lernentwicklung zu ermöglichen.

 

In meinem Orientierungspraktikum wurde ich in einer ersten Klasse eingesetzt. Dort konnte ich feststellen, dass die Schülerinnen und Schüler sich stark in ihrer Leistung unterschieden haben. Da ich in den Wochen auch viel über ihren sozialen Background erfahren durfte, wurde mir auch schnell klar wieso sich die Kinder so stark unterschieden. Dabei habe ich schnell erkennen können, dass eben viele verschiedene Faktoren auf die Leistung der SuS Einfluss haben, denn die Lehrkraft war zu jedem Kind relativ gleich in ihrem Verhalten. Leistungsrückmeldung gab es meiner Meinung in den ersten Wochen sehr viel. Dabei war diese, meiner Meinung nach aber überhaupt nicht differenziert und somit etwas unnütz. Kinder die etwas nicht richtig gemacht haben wurden mit den anderen Kindern gleichgestellt und auf ihre Fehler wurde nicht groß eingegangen. Ich denke die Lehrkraft wollte die Kinder am Anfang ihrer Schulzeit nicht direkt entmutigen, aber meiner Meinung nach hätte ein korrektives Feedback auf positiver Art und Wise viel mehr gebracht, als die Kinder denken zu lassen, sie machen alles richtig und toll.

In meinem Bundesfreiwilligendienst an einer Grundschule, habe ich mehr im Bereich Leistungswahrnehmung, -rückmeldung und -beurteilung und deren Herausforderungen kennengelernt. Dabei kann die Zeit eine große Herausforderung sein. Es kann schwer sein, jedem/jeder einzelnen Schüler*in eine ausführliche Rückmeldung zu seinem/ihrem Leistungsstand zu geben. In der Grundschule, in der ich gearbeitet habe, wurde dies in den höheren Klassen oftmals durch individuelle Wochenpläne gelöst, die die SuS selbstständig bearbeiten konnten. Dies gab der Lehrperson die Zeit den SuS einzeln Feedback geben zu können und beobachten zu können, wo der/die jeweilige Schüler*in individuell in seinem/ihrem Leistungsstand steht.

 

Forschungsfragen könnten sein, inwieweit die Lehrkraft die Entwicklungsübersicht für ihre Unterrichtsplanung verwendet oder inwieweit werden individuelle, vielleicht auch Unterrichts unabhängige Lernerfolge von SuS in dem Modell deutlich. Mich würde auch interessieren ob durch das Bremer Kompo-Lei Modell der Leistungsdruck ensteht, wie er mit Schulnoten entstehen kann?

 

Fend beschreibt die „Leistungsbeurteilung als Werkzeug zur Aufrechterhaltung von Ungleichheit“ (Fend 1980). Das Bildungssystem legt seinen Fokus also weiterhin auf die Aufrechterhaltung des Leistungsprinzips der Schule, bei dem die Unterschiede zwischen den einzelnen Leistungen in den Fächern bei einem Kind sowie die zwischen den einzelnen SuS aufgezeigt werden. Dafür kann die Notenvergabe oder dafür entsprechende Ausdrücke verwendet werden. Dies könnte einerseits bewirken, dass das Kind für ihn erreichbare Ziele anstrebt, sich bewusst über unterschiedliche Leistungserwartungen wird und seine Anstrengungen und Motivation zur Verbesserung bestimmter Leistungen verstärkt. Andererseits könnte dies auch bewirken, dass es zu Frustration und Demotivation führt, wenn die Schüler ständig im Vergleich zu anderen stehen und die Beurteilung nur als Endergebnis gilt und nicht die individuellen Entwicklungen der Schüler berücksichtigt.

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