Auswirkungen digitaler Kommunikation auf unser Sozialverhalten

Ich möchte mich in diesem Beitrag der Frage widmen, welche Auswirkungen  die zunehmend online stattfindende Kommunikation auf unser Miteinander haben kann. Da man über dieses Thema Bücher schreiben kann, könnten einige der folgenden Gedanken etwas verkürzt sein.

Grundsätzlich wird die Kommunikation über WhatsApp, Facebook und andere Dienste unser Miteinander verändern. Das ist ja in den letzten Jahren bereits passiert. Wir werden flexibler, aber unzuverlässiger. Treffen können spontan abgesagt und verändert werden. Wo „früher“ abgesprochene Zeiten und Orte eingehalten werden mussten, tritt heute eine Unverbindlichkeit zu Tage, ein „ich will mir das noch offen halten“. Das hat zwar auch viele Vorteile, führt aber zu einem zwischenmenschlichen Problem der Priorisierung von „Freunden“. Wer würde im direkten Gespräch mit seinen Freunden denn schon sagen: „Ich kann dir noch nicht sagen, ob ich zu deiner Party komme. Vielleicht gibt es noch eine wichtigere Veranstaltung.“?

Ein weiterer zu bedenkender Punkt ist die Abgeschlossenheit von Kommunikation. Persönliche Gespräche haben irgendwann ein Ende, entweder durch die physische Trennung der Gesprächspartner oder das Auflegen des Telefons. Durch die always-on Mentalität und ständige Erreichbarkeit (dank fast flächendeckendem mobilen Internet) enden digitale Konversationen nicht mehr. Ein Gespräch ist nicht zu Ende, es wird verändert – Themenwechsel.

Digitale Kommunikation läuft zumindest aktuell hauptsächlich schriftlich ab. Durch noch schnelleres mobiles Internet geht der Trend zwar wieder zu audiovisueller und auditiver Kommunikation, die ist jedoch auch anderweitig in der Nutzung eingeschränkt (Tippen kann man auch in der Vorlesung). Das führt zu dem interessanten Phänomen, dass wir Schriftsprache in Lautsprache übersetzen. Die umgekehrte Richtung ist uns bewusst, durch sprachliche Anpassung und Dialekte wird Schrift angepasst. In den Messengern verwenden wir aber häufig Abkürzungen und Symbolwörter wie lol, bae, lit, etc., die wir allmählich in unseren Sprachgebrauch übernehmen.

Die online Kommunikation wird unser Sozialverhalten verändern, ob positiv oder negativ ist immer Ansichtssache. Sie wird unsere Vorstellung von Intimität verändern und vor allem die Frage aufwerfen, ob es eine „bessere“ Form der Kommunikation gibt. Ist das persönliche Gespräch „besser“ als eine Textnachricht? Darf ich beim Essen per Messenger kommunizieren oder gilt „Mit vollem Mund schreibt man nicht“? Vor uns liegt ein langer Prozess von Gewöhnung und Normalisierung. Wir müssen Grenzen und Regeln neu aushandeln, dabei werden einige Normen über Bord geworfen, andere halten dem Druck stand.

Ein Gedanke zu „Auswirkungen digitaler Kommunikation auf unser Sozialverhalten“

  1. Hallo Manuel,

    ich finde deine Denkweise wirklich beeindruckend. Du hast mich wirklich zum Nachdenken gebracht und vor allem im ersten Absatz erkenne ich mich wieder. Ich hätte es gut gefunden wenn du noch einige Vorteile genannt hättest, es sei denn du siehst nur Nachteile in der online stattfindenden Kommunikation.

    Viele Grüße

    Stefan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.