{"id":14,"date":"2024-08-10T18:03:02","date_gmt":"2024-08-10T16:03:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/lernstandserhebung\/?p=14"},"modified":"2024-08-20T21:35:32","modified_gmt":"2024-08-20T19:35:32","slug":"sinnhaftigkeit-von-lernstandserhebungen-mit-digitalen-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/lernstandserhebung\/2024\/08\/10\/sinnhaftigkeit-von-lernstandserhebungen-mit-digitalen-medien\/","title":{"rendered":"Sinnhaftigkeit von Lernstandserhebungen mit digitalen Medien"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen habe ich Recherche bez\u00fcglich der Argumente f\u00fcr und gegen den Einsatz von digitalen Medien zum Dokumentieren des Lernprozesses betrieben. Dabei ist die Liste der Argumente f\u00fcr eine Digitalisierung lang, w\u00e4hrend Contra-Argumente oft nur in Zusammenhang mit bestimmten Plattformen und Programmen Erw\u00e4hnung finden. Trotzdem werden die Argumente einmal gegen\u00fcber gestellt, sodass die Sinnhaftigkeit der Nutzung von digitalen Medien f\u00fcr Lernstandserhebungen diskutiert werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><b>Das F\u00fcr und Wider &#8211; Medienp\u00e4dagogik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Medienbildung ist als solche bereits in den Curricularen der jeweiligen Bundesl\u00e4nder gefordert, da die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler von Anfang an mit digitalen Medien aufwachsen und sie im Berufsleben heutzutage essentiell sind. Insofern ist eine Entwicklung von Medienkompetenzen im schulischen Bildungskontext sinnvoll. Doch inwieweit dies auch f\u00fcr Lernstandserhebungen gilt, ist nun zu diskutieren.<\/p>\n<p>Mithilfe von digitalen Medien soll die individuelle F\u00f6rderung der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler gew\u00e4hrleistet werden. Sie sollen eine Unterst\u00fctzung bieten, damit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eigene Lernkulturen und -strategien entwickeln k\u00f6nnen, um selbstst\u00e4ndig eigene St\u00e4rken und Schw\u00e4chen herauszuarbeiten (vgl. Heinen\/Kerres 2015: 4). Es gibt viele verschiedene M\u00f6glichkeiten, mithilfe von digitalen Medien die Lernprozesse der Lernenden zu unterst\u00fctzen; darunter fallen etwa die Veranschaulichung von Texten durch Bild und Ton, interaktive Aufgaben, mit welchen der Lernprozess beobachtet werden kann oder die Zusammenarbeit mit Mitsch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern, indem an Dokumenten und digitalen Pr\u00e4sentationen zusammengearbeitet wird (vgl. Heinen\/Kerres 2015: 6-7). Zum Bereich der Lernstandserhebung z\u00e4hlen Formate, mit denen das &#8222;Lernen sichtbar&#8220; (Heinen\/Kerres 2015: 7) gemacht werden kann; hierbei werden das Erarbeiten eines Portfolios oder die Reflexion von Weblogs vorgeschlagen. Das bedeutet, dass Lernstandserhebungen einen Beitrag zur individuellen F\u00f6rderung leisten k\u00f6nnen, sofern diese transparent gemacht und reflektiert werden.<\/p>\n<p>Digitale Medien zeigen weitere Vorz\u00fcge, denn dadurch k\u00f6nnen Lernzeiten und -orte flexibel gestaltet werden (vgl. Heinen\/Kerres 2015: 8). Eine entsprechend transparent gestaltete Lernstandserhebung kann die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dabei unterst\u00fctzen, da sie prinzipiell zu jedem Zeitpunkt und an jedem Ort an Inhalten arbeiten k\u00f6nnen, die ihnen Schwierigkeiten bereiten. Dies kann zu einem intensiveren Lernen f\u00fchren und die Motivation der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler steigern. Durch die verschiedenen M\u00f6glichkeiten, die sich mit digitalen Medien bieten, k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich Medienkompetenzen erworben werden, die f\u00fcr das sp\u00e4tere Leben verf\u00fcgbar sein werden, unter anderem instrumentale F\u00e4higkeiten und das Verschaffen von Zug\u00e4ngen zu Wissen (vgl. Heinen\/Kerres 2015: 8-9).<\/p>\n<p>Allerdings sind die M\u00f6glichkeiten begrenzt, denn es braucht gewisse Voraussetzungen, damit solches Lernen funktionieren kann. Die mitunter wichtigste Voraussetzung f\u00fcr flexibles Lernen ist ein Internetzugang, da einige Programme einer Internetverbindung bed\u00fcrfen, um diese nutzen zu k\u00f6nnen (vgl. Novack 2020: 4). Wenn keine Internetverbindung gew\u00e4hrleistet ist, k\u00f6nnen Lernzeit und -ort nur eingeschr\u00e4nkt gestaltet werden, da sich das Lernen dann meist auf die eigenen vier W\u00e4nde nach der Schule und Freizeitaktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkt. Zudem spielen auch die Kosten eine wichtige Rolle: Hierbei ist die Frage, ob die Ger\u00e4te von der Schule gestellt werden oder diese selbst anzuschaffen sind (vgl. Novack 2020: 4). Wenn die Lernstandserhebungen digital erfolgen sollen, so werden Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler abgeh\u00e4ngt, die das Geld f\u00fcr ein solches Ger\u00e4t nicht aufbringen k\u00f6nnen. Dies schafft Ungleichheiten innerhalb der Klasse oder auch des Jahrgangs, sodass es nicht nur zu Mobbing kommen k\u00f6nnte, sondern auch eine faire Bewertung der Leistung nicht gew\u00e4hrleistet werden kann. Sollte der digital erhobene Lernstand nur f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit entsprechenden Endger\u00e4ten zur Verf\u00fcgung stehen, k\u00f6nnen benachteiligte Lernende nicht darauf zugreifen, was zur Folge hat, dass die Lehrkraft sie auch ohne ihr Wissen schlechter bewerten k\u00f6nnte. Weiterhin steht die Frage im Raum, inwiefern ein technischer Support vorhanden ist, damit im Problemfall eingegriffen werden kann (vgl. Novack 2020: 4). Sollte es keine M\u00f6glichkeit geben, einen technischen Support zu kontaktieren, so ist auch die digitale Lernstandserhebung nicht m\u00f6glich, wenn nicht darauf zugegriffen werden kann.<\/p>\n<p>Insgesamt ist rein aus medienp\u00e4dagogischer Sicht ein hoher Aufwand n\u00f6tig, um Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler an Medienkompetenzen heranzuf\u00fchren und diese gemeinsam mit ihnen zu entwickeln. Jedes kleine Problem kann die Technik lahmlegen, sodass eine transparente Lernstandserhebung schwierig wird. Dennoch bieten digitale Lernstandserhebungen M\u00f6glichkeiten zum selbstst\u00e4ndigen Lernen &#8222;unabh\u00e4ngig&#8220; von Ort und Zeit und zum Erwerb von Medienkompetenzen.<\/p>\n<p>Es gibt nun aber auch einige Methoden, mit denen Lernstandserhebungen durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Einige sind in Artikeln explizit erw\u00e4hnt worden, sodass auch einzelne Methoden n\u00e4her beleuchtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Argumentation hinsichtlich bestimmter Methoden der Lernstandserhebung mit digitalen Medien<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bei meinen Recherchen bin ich auf einen Artikel auf der Seite der Eberhard Karis Universit\u00e4t T\u00fcbingen gesto\u00dfen, in welchem Vorteile und M\u00f6glichkeiten der Lernstandserhebungen mit digitalen Medien erl\u00e4utert werden. Ein Vorteil besteht in der verbesserten M\u00f6glichkeit der Selbsteinsch\u00e4tzung von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern. Tendenziell sch\u00e4tzen sie sich eher besser ein als ihre Leistungen wirklich sind. Durch eine transparent gestaltete, digitale Alternative k\u00f6nnten die Lernenden einen \u00dcberblick \u00fcber ihren aktuellen Lernstand bekommen und herausfinden, was sie schon gut k\u00f6nnen und worin noch Nachholbedarf besteht (vgl. Lachner 2020). Ebenfalls k\u00f6nnen je nach Art der Lernstandserhebungen zwischen den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Feedback und Kritik ausgetauscht werden, um das gemeinsame Lernen und den Zusammenhalt in der Klasse zu st\u00e4rken (vgl. Lachner 2020). Dies gelinge zum Beispiel mit Online-Tests, die geschlossene und offene Aufgaben gleicherma\u00dfen beinhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Es gibt allerdings bestimmte Gelingensbedingungen, damit dies auch f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sinnvoll ist. Darunter f\u00e4llt zum einen, dass diese Methode kontinuierlich im Unterricht eingesetzt werden muss und sich nicht am Ende einer Unterrichtseinheit sammelt, damit sich Wissen besser festigen kann (vgl. Lachner 2020). Weiterhin ist auch die Motivation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern f\u00fcr dieses Unterfangen relevant, sich regelm\u00e4\u00dfig &#8222;Pr\u00fcfungen&#8220; zu unterziehen, was sicherlich auch f\u00fcr sie eine Herausforderung darstellen kann (vgl. Lachner 2020). Zum anderen bedarf es bei offenen Aufgaben gezielte Leitfragen, um die Bearbeitung zu erleichtern. In Summe gibt es also bei dieser Methode viele Aspekte zu beachten, damit eine entsprechende Lernstandserhebung funktionieren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus einem weiteren Artikel von Middendorf geht hervor, dass eine digitale Lernstandserhebung im Vergleich zu einer analogen Lernstandserhebung M\u00f6glichkeiten zur Interaktivit\u00e4t und Wiederverwendbarkeit bietet, um Lektionen bei Wiederholungsbedarf nochmal zu absolvieren (vgl. Middendorf 2022: 3). Dabei kann die lernende Person eigene Wissensl\u00fccken erkennen und an ihnen gezielt arbeiten. Durch ein Feedback erf\u00e4hrt sie dann auch, ob ein Leistungsfortschritt vorhanden ist (vgl. Middendorf 2022: 3).<\/p>\n<p>Problematisch bei einer der Nutzung von digitalen Medien, um Lernstandsdiagnosen machen zu k\u00f6nnen, kommen Ger\u00e4te und Programme an ihre Grenzen: Jedes Programm leistet unterschiedliche Formen, mit denen ein Lernstand erhoben werden kann (vgl. Middendorf 2022: 5). Exemplarisch gibt es Programme, die nur auf Tests ausgelegt sind, womit in den Fremdsprachen aber keine Aussprache ge\u00fcbt werden kann. Auch Programme, mit denen Naturwissenschaften und Mathematik hervorragend bearbeitet werden k\u00f6nnen, bieten keine M\u00f6glichkeit, Kompetenzen im Bereich der Kreativit\u00e4t zu entwickeln (vgl. Middendorf 2022: 5). Je nach Anlass kann es dementsprechend zu einer Nutzung vieler verschiedener Programme kommen, womit auch der \u00dcberblick einerseits f\u00fcr die Lehrkraft, andererseits auch f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verloren gehen k\u00f6nnte. Andernfalls m\u00fcsste ein Programm gefunden werden, welches viele sinnvolle M\u00f6glichkeiten abdeckt, sodass nur eines, maximal zwei Programme genutzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit und Ausblick f\u00fcr kommende Beitr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle kann schon zusammengefasst werden, dass eine Nutzung von digitalen Medien zur Lernstandsdiagnostik sinnvoll ist, jedoch die Vor- und Nachteile abh\u00e4ngig sind von den jeweilig genutzten Programmen. Im Allgemeinen bieten diese allerdings die M\u00f6glichkeiten, bestimmte Kompetenzen mit ihnen zu erwerben. Auch kann das Lernen dadurch verbessert werden, indem die eigenen Leistungen transparent dargestellt werden und Wiederholungsm\u00f6glichkeiten bei Wissensl\u00fccken bestehen. Folglich sollten diese also genutzt werden, allerdings ist eine kontinuierliche Nutzung wichtig, sodass auch die Lernenden einen Vorteil darin sehen k\u00f6nnen, indem sie ihren Lernprozess genau beobachten. Zudem m\u00fcssen allgemeine Voraussetzungen geschaffen werden, damit ein solches Unterfangen m\u00f6glich ist, wie etwa eine Internetverbindung und Endger\u00e4te f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler.<\/p>\n<p>An dieser Stelle stellt sich dann die Frage, welche Programme es gibt und auf welche Art und Weise mit ihnen ein Lernstand diagnostiziert werden kann. Dies wird in einem neuen Beitrag behandelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><strong>Literaturreferenz<\/strong><\/p>\n<p>Heinen, Richard\/Kerres, Michael (2015): &#8222;Individuelle F\u00f6rderung mit digitalen Medien. Handlungsfelder f\u00fcr die systematische, lernf\u00f6rderliche Integration digitaler Medien in Schule und Unterricht&#8220;; in: Bertelsmann-Stiftung &lt;https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/fileadmin\/files\/BSt\/Publikationen\/GrauePublikationen\/Studie_IB_iFoerderung_digitale_Medien_2015.pdf&gt; [Letzter Zugriff: 10.08.2024]<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Lachner, Andreas (2020): &#8222;Evidenzbasierte Hinweise zum Einsatz digitaler Medien im Lehr-Lernkontext. Lernstand diagnostizieren mit digitalen Medien&#8220;, in: Eberhard Karis Universit\u00e4t T\u00fcbingen &lt;https:\/\/lms-public.uni-tuebingen.de\/ilias3\/ilias.php?baseClass=ilwikihandlergui&amp;cmdNode=181:sf&amp;cmdClass=ilobjwikigui&amp;cmd=viewPage&amp;ref_id=6687&amp;page=Lernstand_diagnostizieren_mit_digitalen_Medien&gt; [Letzter Zugriff: 31.07.2024]<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Middendorf, Wiliam (2022): &#8222;Zu der KMK-Forderung nach digital gest\u00fctzter Diagnostik und Lernf\u00f6rderung in Schule&#8220;; in: predocs &lt;https:\/\/www.pedocs.de\/volltexte\/2022\/23907\/pdf\/Middendorf_2022_Zu_der_KMK-Forderung.pdf&gt; [Letzter Zugriff: 03.08.2024]<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Novack, Ericka (2020): &#8222;Digitalisierung an Schulen: Welche M\u00f6glichkeiten und H\u00fcrden gibt es f\u00fcr den Einsatz von digitalen Medien in Schulen?&#8220;; in: ResearchGate &lt;https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Erika-Novack\/publication\/341353862_Digitalisierung_an_Schulen_Welche_Moglichkeiten_und_Hurden_gibt_es_fur_den_Einsatz_von_digitalen_Medien_in_Schulen\/links\/5ebbf551299bf1c09aba0a67\/Digitalisierung-an-Schulen-Welche-Moeglichkeiten-und-Huerden-gibt-es-fuer-den-Einsatz-von-digitalen-Medien-in-Schulen.pdf origin=publication_detail&amp;_tp=eyJjb250ZXh0Ijp7ImZpcnN0UGFnZSI6InB1YmxpY2F0aW9uIiwicGFnZSI6InB1YmxpY2F0aW9uRG93bmxvYWQiLCJwcmV2aW91c1BhZ2UiOiJwdWJsaWNhdGlvbiJ9fQ&gt; [Letzter Zugriff: 10.08.2024]<br \/>\n<!--more--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen habe ich Recherche bez\u00fcglich der Argumente f\u00fcr und gegen den Einsatz von digitalen Medien zum Dokumentieren des Lernprozesses betrieben. 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