{"id":16,"date":"2024-05-16T11:31:06","date_gmt":"2024-05-16T09:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/?p=16"},"modified":"2024-05-16T11:31:06","modified_gmt":"2024-05-16T09:31:06","slug":"rv06-schule-ganz-anders-oder-einfach-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/2024\/05\/16\/rv06-schule-ganz-anders-oder-einfach-gut\/","title":{"rendered":"RV06: Schule ganz anders oder einfach gut?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich habe das Video von Carina K\u00fchne mit dem Titel &#8222;Schulzeit&#8220; ausgesucht (<\/span><a href=\"https:\/\/ml.zmml.uni-bremen.de\/video\/5eb95d01d42f1cee3a8b4567\"><span style=\"font-weight: 400\">Schulzeit &#8211; Carina K\u00fchne<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\">). Da ich mir nur bedingt vorstellen kann, wie das Leben sein k\u00f6nnte mit Trisomie 21, lag es mir am Herzen, h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, wie es f\u00fcr jemanden mit Trisomie 21 ist, die Schule zu besuchen, wie eben Carina K\u00fchne.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>1. Welche theoretischen Hinweise aus der Vorlesung passen zu den Inhalten des Videos (oder sind widerspr\u00fcchlich)?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Beim H\u00f6ren von Carina K\u00fchnes Erfahrungen bei der Ausbildungssuche erinnerte ich mich an die UN-Behindertenrechtskonvention. Insbesondere an Artikel 24, welcher festlegt, dass Menschen mit Behinderungen das Recht auf Bildung haben, ohne Diskriminierung und mit Chancengleichheit. Dies umfasst ein integratives Bildungssystem, das darauf abzielt, die individuellen F\u00e4higkeiten und die Teilhabe an der Gesellschaft zu f\u00f6rdern. Die Staaten m\u00fcssen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen nicht vom Bildungssystem ausgeschlossen werden, sondern Zugang zu hochwertigem Unterricht haben und angemessene Unterst\u00fctzung erhalten. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen sie lebenspraktische Fertigkeiten und soziale Kompetenzen erwerben k\u00f6nnen. Das erfordert Ma\u00dfnahmen wie die Schulung von Lehrkr\u00e4ften und die Bereitstellung geeigneter Ressourcen f\u00fcr die Bildung von Menschen mit Behinderungen, einschlie\u00dflich individuell angepasster Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen (UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 24).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Vergleicht man die achte Folie der RV06, welche darauf abzielt, dass es um nicht mehr und nicht weniger als gute Schule geht (vgl. RV06, Folie 8) und man durch die generelle Differenzierungsnotwendigkeit inklusiv Unterrichten muss, l\u00e4sst sich eine Widerspr\u00fcchlichkeit zu der Einstellung von Carinas Lehrerin erkennen. Diese hingegen scheint Carina gar nicht als eine weitere, normale Sch\u00fclerin zu sehen, bei der auch differenziert werden muss, sondern schreibt Carina von vorn hinein direkt ab. Die Lehrerin von Carina hatte anscheinend kein Interesse an einem Dialog \u00fcber ungleiche Wege (Seitz, 2006).<\/span><\/p>\n<p><b><\/b><\/p>\n<p><b>2. Welche eigenen Praxiserfahrungen sind Ihnen zum Thema des Videos in den Sinn? Es k\u00f6nnen kontr\u00e4re oder vergleichbare Aspekte sein.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Beschreibung von Carina K\u00fchne \u00fcber das schwierige Verh\u00e4ltnis zwischen Sonderp\u00e4dagogin und Klassenlehrerin erinnerte mich an meine eigene Schulzeit, sowohl an die Grundschulzeit als auch an die Zeit an der weiterf\u00fchrenden Schule. Obwohl das Verh\u00e4ltnis nicht so schlecht war wie beschrieben, gab es dennoch eine klare Hierarchie, die einer echten Teamarbeit nicht entsprach. Zudem kam mir die Situation einer vorgeschlagenen \u00dcberweisung auf eine Sonderschule bekannt vor, da ich mitbekommen hatte, wie eine fr\u00fchere Mitsch\u00fclerin dazu angeraten wurde. Es ist problematisch, Kinder mit Trisomie 21 ohne konkreten Grund an eine Sonderschule zu \u00fcberweisen, weil dies ihre Integration und Teilhabe am allgemeinen Bildungssystem behindern kann. Indem sie fr\u00fchzeitig von regul\u00e4ren Schulen ausgeschlossen werden, k\u00f6nnten sie nicht die gleichen Bildungschancen und sozialen Interaktionsm\u00f6glichkeiten erhalten wie ihre Altersgenossen ohne Behinderungen. Dies wiederum k\u00f6nnte zu einer sozialen Isolation f\u00fchren und die Entwicklung ihrer F\u00e4higkeiten und ihr Selbstwertgef\u00fchl beeintr\u00e4chtigen. Stattdessen sollten Sch\u00fcler mit Trisomie 21 die M\u00f6glichkeit haben, in inklusiven Umgebungen zu lernen, die ihre individuellen Bed\u00fcrfnisse ber\u00fccksichtigen und ihnen die bestm\u00f6gliche Unterst\u00fctzung bieten, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Des Weiteren sollte auch nicht partout davon ausgegangen werden, dass Sch\u00fcler:innen mit Trisomie 21 schlechter Leistungen erbringen und meistens untersch\u00e4tzt werden. Bei Carina geschah dies leider, wie sie schilderte, trotzdem hat sie nicht nachgelassen und hatte am Ende in ihrem Lieblingsfach Englisch eine Eins, obwohl zuvor hinterfragt worden ist, ob sie denn \u00fcberhaupt Englisch lernen k\u00f6nnte. Was ich des \u00d6fteren auch geh\u00f6rt habe, was sich aber nicht als eigene Praxiserfahrung betiteln l\u00e4sst ist, dass es auch Lehrkr\u00e4fte gibt, die nach wie vor mit einer Pseudo-Inklusivit\u00e4t unterrichten, was \u00e4u\u00dferst traurig und verwerflich ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Carina berichtet dar\u00fcber, dass sie mit ihren Mitsch\u00fcler:innen eigentlich immer gut ausgekommen ist und die Barriere nur durch die Lehrer-Sch\u00fcler-Beziehung zustande kam. Aus eigener Erfahrung kann ich f\u00fcr mich sagen, dass wenn die Lehrer:innen aufgeschlossen und normal mit den Sch\u00fcler:innen mit Trisomie 21 umgegangen sind, das Lernen und Lehren automatisch besser funktioniert hat.<\/span><\/p>\n<p><b><\/b><\/p>\n<p><b>3. Welche Fragen an ihre (zuk\u00fcnftige) Praxis ergeben sich aus dem Video? Fokussieren Sie auf sich als Lehrperson.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine Frage, die wahrscheinlich rhetorischen Charakters ist, lautet: \u201cgibt es immer noch Lehrpersonen, die Kinder mit Behinderungen nicht inkludieren m\u00f6chten und aktiv versuchen, sie davon abzuhalten, dasselbe zu lernen?&#8220;. Falls ja, wie gehe ich am besten mit solchen Personen um? Des Weiteren frage ich mich nicht nur, wie ich mit solchen Lehrer:innen umgehen soll, sondern auch wie ich mit Eltern umgehen soll, die die Bildung ihrer eigenen Kinder beispielsweise gef\u00e4hrdet sehen, weil Kinder mit Trisomie 21 oder anderen F\u00f6rderbed\u00fcrfnissen, normal (wie es sein sollte) integriert werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Zusatz: <\/b><b>Welche (An)Forderungen an schulische Inklusion und inklusiven Unterricht in Bremen ergeben sich aus dem\u00a0 Video?\u00a0 Fokussieren auf Strukturen und Praktiken (nicht Ressourcen).<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine verbesserte Teamarbeit zwischen Sonderp\u00e4dagog*innen und anderen Lehrkr\u00e4ften ist entscheidend. Eine Begegnung auf Augenh\u00f6he und klare Rollenverteilung k\u00f6nnen dazu beitragen, Konflikte zu minimieren. Es ist wichtig, dass Sch\u00fcler mit F\u00f6rderbedarf weder \u00fcber- noch unterfordert werden. Allgemein k\u00f6nnen sich die Anforderungen an schulische Inklusion und inklusiven Unterricht in Bremen aber auch auf die Notwendigkeit von Schulungen und Ressourcen f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte konzentrieren, um sie dabei zu unterst\u00fctzen, effektive, inklusive Praktiken zu entwickeln und umzusetzen. Strukturelle Ver\u00e4nderungen, wie die Schaffung unterst\u00fctzender Schulnetzwerke oder die Integration von Inklusionsbeauftragten in Schulen, k\u00f6nnten ebenfalls erforderlich sein, um eine erfolgreiche Inklusion gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Quellen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr die Belange von Menschen mit Behinderungen. \u201cUN-Behindertenrechtskonvention\u201d, November 2018. URL: <\/span><a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/DB_Menschenrechtsschutz\/CRPD\/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/fileadmin\/Redaktion\/PDF\/DB_Menschenrechtsschutz\/CRPD\/CRPD_Konvention_und_Fakultativprotokoll.pdf<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\">, letzter Zugriff: 16.05.2024, 10:35.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Seitz, Simone. \u201cInklusive Didaktik: Die Frage nach dem Kern der Sache\u201d. 01\/2006. URL: <\/span><a href=\"https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/184\/184\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/www.inklusion-online.net\/index.php\/inklusion-online\/article\/view\/184\/184<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\">, letzter Zugriff: 16.05.21, 11:19.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe das Video von Carina K\u00fchne mit dem Titel &#8222;Schulzeit&#8220; ausgesucht (Schulzeit &#8211; Carina K\u00fchne). Da ich mir nur bedingt vorstellen kann, wie das Leben sein k\u00f6nnte mit Trisomie 21, lag es mir am Herzen, h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, wie es f\u00fcr jemanden mit Trisomie 21 ist, die Schule zu besuchen, wie eben Carina K\u00fchne.\u00a0 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15743,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4],"class_list":["post-16","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-rv06"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15743"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions\/17"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/leenamolz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}