{"id":316,"date":"2025-08-29T15:40:22","date_gmt":"2025-08-29T13:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/?p=316"},"modified":"2025-09-18T12:49:00","modified_gmt":"2025-09-18T10:49:00","slug":"reflexion-aus-meiner-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/2025\/08\/29\/reflexion-aus-meiner-arbeit\/","title":{"rendered":"Reflexion aus meiner Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-153\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-1024x768.jpeg 1024w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-300x225.jpeg 300w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-768x576.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-1536x1152.jpeg 1536w, https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/latrinaliaunibremen\/files\/IMG_7288-2048x1536.jpeg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zu Beginn meiner Arbeit ging ich mit der \u00dcberzeugung rein, dass Latrinalia und der anonyme Austausch im \u201egesch\u00fctzten\u201c Raum der Toiletten inh\u00e4rent gut sei. Durch die Arbeit mit dem Thema und vor allem den transfeindlichen Aussagen die sich \u00fcber den Zeitraum anh\u00e4uften erkannte ich immer mehr parallelen zu Diskussionen und Austausch in den Kommentarspalten auf Social Media: die gegebene Anonymit\u00e4t gibt vielen Menschen den Mut und Sicherheit diskriminierende Aussagen ohne gro\u00dfe Sorgen zu verbreiten. Dennoch fanden sich auch viele Gegenstimmen und Solidarit\u00e4t, die sich klar gegen die menschenfeindlichen Aussagen stellten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Wie wichtig ist nun dieser Raum als Ort um seine Gedanken, Sorgen und Meinungen mit anderen anonym zu teilen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Einerseits k\u00f6nnen Toiletten einer Universit\u00e4t Menschen den Raum geben, sich und ihre Gef\u00fchle nach au\u00dfen zu tragen, w\u00e4hrend man durch die Anonymit\u00e4t des Latrinalia gesch\u00fctzt ist. Andererseits zeigen die Toiletten der Universit\u00e4t Bremens, dass diese Anonymit\u00e4t auch etwas negatives hervorbringen kann: menschenverachtende und hasserf\u00fcllte Inhalte, die gegen marginaliserte Menschen gehen, bei denen die Anonymit\u00e4t diese T\u00e4ter*innen sch\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die Latrinalia an der Universit\u00e4t Bremen sind eine Mischung aus kollektivem Schmerz und Wut, aus Kreativit\u00e4t, r\u00e4umliche Einnahme und aus Stimmen die ansonsten nicht geh\u00f6rt bzw. gelesen werden w\u00fcrden. Dabei k\u00f6nnen sich verschiedenste Menschen zusammentun aber sich auch gegeneinander aufstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die behandelten Themen haben eine breite Bandweite: Feminismus, Intersektionalit\u00e4t, Antifaschismus, Ani-Rassismus, Queerness, Kreatives ausleben, mentale Gesundheit und klassische Tags. Die Toiletten sind und bleiben ein Ort der anonymen Begegnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das Institut selbst spiet dabei auch eine wichtige Rolle: die Universit\u00e4t kann entscheiden was stehen bleibt und welche W\u00f6rter bzw. S\u00e4tze direkt entfernt werden. Dies kommt nat\u00fcrlich auch auf die Kapazit\u00e4ten an, wie oft und frequentiert die Latrinalia entfernt werden k\u00f6nnen. Es stellt sich die Frage: ist es von Vorteil Aussagen stehen zu lassen um die Diskussion und den Meinungsaustausch gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen? Welche Stimmen werden eingeschr\u00e4nkt? Welche werden zelebriert?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das Interview zeigte mir, dass Latrinalia oft durch direkte Emotionen und pers\u00f6nliche Bez\u00fcge erstellt werden. Die Anonymit\u00e4t hilft dabei, sich so auszudr\u00fccken, wie man es m\u00f6chte. Dennoch kann es auch einschr\u00e4nkend sein, da es nicht immer leicht ist die \u201erichtigen\u201c Worte zu finden. Die Reaktionen anderer k\u00f6nnen einen dennoch treffen und verletzen, auch wenn man nicht genau wei\u00df, wer diese verfasst hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bei den fehlenden Worten greifen viele Personen zu Stickern, welche bereits ein zentrales Thema besitzen und mit Darstellungen dieses untermalen k\u00f6nnen. Oft sind diese von verschiedenen Organisationen oder auch Parteien.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Latrinalia sind gleichzeitig ein kreatives Ausleben und definieren sich aus spontanen Gedanken und dem Bed\u00fcrfnis in kurzer Zeit eine Message oder etwas kreatives r\u00fcberzubringen. Das politische steht oft im Mittelpunkt. Au\u00dferdem interessant zu sehen ist, dass je nach Fakult\u00e4t die Latrinalia sich \u00e4ndern: in vielen Fakult\u00e4ten gab es keine bis ein paar Latrinalia auf den Toiletten, wie zum Beispiel bei P\u00e4dagogik. In den R\u00e4umlichkeiten, in denen gr\u00f6\u00dftenteils Geisteswissenschaften oder Kunst gelehrt werden, finden sich umso mehr Latrinalia. Bei der Cafeteria des GW2 sind ebenfalls viele Latrinalia zu finden, wie zum Beispiel die transfeindlichen Aussagen. Dort gehen viele verschiedene Menschen auf Toilette, es kann nicht genau differenziert werden, welche Studieng\u00e4nge diese Menschen besuchen. \u00dcber die Jahre, in denen ich an der Universit\u00e4t Bremen studierte (Winter 2022), gab es auf den Toiletten der Cafeteria des GW2-Geb\u00e4udes und des SFG-Geb\u00e4udes den gr\u00f6\u00dften Austausch. Dabei wurden regelm\u00e4\u00dfig ganze Diskussionen entfernt, es finden sich aber immer neue wieder. Die Themen sind oft aktuell: seien es die Wahlen Anfang des Jahres, der Genozid in Pal\u00e4stina oder der allgemeine Rechtsruck. Die Diskussionen zeigen, das viele verschiedene Menschen die Universit\u00e4t Bremen besuchen und dass diese aus den unterschiedlichsten Postionen, Klassen, Studieng\u00e4ngen und Sozialisationen kommen. Dies kann zu entweder spannenden Konversationen mit Chancen auf neue Erkenntnisse sein, oder ein gegenseitiges degradieren und Beleidigungen beinhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ausblick:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Interessant zu wissen w\u00e4re, was mit den transfeindlichen Aussagen auf den Frauen*-Toiletten des GW2-Geb\u00e4udes passiert: was genau m\u00f6chte die Universit\u00e4t dagegen tun? Das stumpfe Entfernen der Latrinalia hilft nicht dabei, dass sich betroffene Studierende in den Kreisen der Universit\u00e4t wohl f\u00fchlen. Das Thema Transfeindlichkeit sollte aufgegriffen werden. Im Idealfall sollte es Angebote geben, die \u00fcber diese Feindlichkeit aufkl\u00e4ren, denn Bildung ist der Schl\u00fcssel gegen die Menschenfeindlicheit vorzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Mich w\u00fcrde interessieren, wie sich die Diskussionen und Konversationen \u00fcber die n\u00e4chsten Monate entwickeln: welche Themen werden von Relevanz sein? Welche werden weniger? Latrinalia sind nah an den Geschehnissen der Welt verkn\u00fcpft und sind ein Spiegel unserer Zeit. Ich frage mich ebenfalls, wie sich der Austausch \u00fcber Pal\u00e4stina entwickeln wird, da dieses Gebiet auch im Universit\u00e4tskontext \u00e4u\u00dferst umstritten ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Auch ich habe bei manchen Diskussionen auf den Toiletten mitgewirkt und es war spannend nach verschiedenen Zeitabst\u00e4nden zu schauen, ob andere Leute einem geantwortet haben. Diese Art der Kommunikation ben\u00f6tigt viel Geduld aber gibt einem auch eine ganz neue Weise, sich Anonym mit anderen auszutauschen. Nicht wie auf Social Media oder im Internet, gibt das Analoge und Schreiben mit Stift oder Marker mit den eigenen H\u00e4nden ein anderes Gef\u00fchl von Ausdruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ich h\u00e4tte gerne \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum verschiedene Latrinalia angesammelt und w\u00e4re in andere Geb\u00e4ude und Fakult\u00e4ten gegangen, um einen noch gr\u00f6\u00dferen \u00dcberblick \u00fcber die behandelten Themen zu erhalten. Ebenfalls w\u00e4re es interessant gewesen, noch mehr Interviews zu f\u00fchren, um die pers\u00f6nlichen Beweggr\u00fcnde f\u00fcr das Partizipieren von Latrinalia verschiedener Menschen herauszufinden. Dadurch, dass das Taggen und Latrinalia oft als Vandalismus bezeichnet werden und diese als illegal gelten, ist es kompliziert an Menschen heranzukommen, die offen \u00fcber das Thema sprechen wollen, da diese vermeiden wollen von der Universit\u00e4t sanktioniert zu werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ich werde in den n\u00e4chsten Monaten weiterhin die Latrinalia auf den Toiletten der Universit\u00e4t sammeln und auch in andere Geb\u00e4ude gehen, um gegebenenfalls f\u00fcr meine Bachelorarbeit die Entwicklung der Diskussionen und Aussagen aufzeigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Beginn meiner Arbeit ging ich mit der \u00dcberzeugung rein, dass Latrinalia und der anonyme Austausch im \u201egesch\u00fctzten\u201c Raum der Toiletten inh\u00e4rent gut sei. 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