{"id":92,"date":"2022-03-03T12:32:27","date_gmt":"2022-03-03T11:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/lampenfieber\/?p=92"},"modified":"2022-03-09T20:00:14","modified_gmt":"2022-03-09T19:00:14","slug":"erinnerungsprotokoll-die-zauberfloete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/lampenfieber\/2022\/03\/03\/erinnerungsprotokoll-die-zauberfloete\/","title":{"rendered":"Erinnerungsprotokoll \u201eDie Zauberfl\u00f6te\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist Dienstag, der 11.01.22.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Es liegen stresserf\u00fcllte und isolierte Tage hinter mir. In meiner WG gab es einen Corona-Fall und nachdem ich drei N\u00e4chte bei einer Freundin unterkommen konnte, begab ich mich erstmals wieder in die Wohngemeinschaft und isolierte mich soweit es ging, beschr\u00e4nkte meinen r\u00e4umlichen Aufenthalt auf mein Zimmer.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ein Theaterbesuch im Januar war schon l\u00e4nger geplant. Nicht nur im Rahmen des Ethnologie Seminars, sondern auch, um endlich wieder rauszukommen und aufzuatmen nach den Tagen der Selbstisolierung und Hektik.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Theaterbesuch wurde am Abend zuvor geplant. Auch, wenn der Wunsch eine Vorstellung der Inszenierung zu besuchen schon l\u00e4nger bestand. \u201eDie Zauberfl\u00f6te\u201c\u2014 Ein Name, ein Titel, der vielen Menschen ein Begriff ist. Die Melodie einem der Titelsongs spielt sich automatisch in meinem Kopf ab. \u00dcber eine WhatsApp Gruppe werden spontan Karten f\u00fcr den n\u00e4chsten Abend gebucht.<\/p>\n<p>Schon hier zeichnet sich der Einfluss der hohen Infektionszahlen deutlich ab. Es bestehen Sonderregeln bei der Wahl der Sitzpl\u00e4tze, bestimmte Abst\u00e4nde m\u00fcssen eingehalten werden, sodass die Zahl der verf\u00fcgbaren Pl\u00e4tze mit dem Infektionsgeschehen noch einmal reduziert wurden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Meine Freund*innen und ich haben Gl\u00fcck und ergattern 3 Karten zum erm\u00e4\u00dfigten Preis.<\/p>\n<p><strong>Es ist Mittwoch, der 12.01.22.<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem frischen Pfefferminztee und Austausch im Theater Caf\u00e9 \u201eNOON\u201c begeben wir uns auf den Weg zum Theater am Goetheplatz. Das Geb\u00e4ude hat durch die Beleuchtung eine eindrucksvolle Wirkung. Am Eingang wird wie erwartet der Nachweis einer Impfung und das digitale Ticket \u00fcberpr\u00fcft. Wir m\u00fcssen nicht warten, k\u00f6nnen parallel an mehreren T\u00fcren eintreten. Auch die Garderobe ist relativ \u00fcberschaubar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als wir den Theatersaal betreten, wird uns klar warum: Die meisten Zuschauenden sind bereits an ihren Pl\u00e4tzen, gleichm\u00e4\u00dfig und zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberschaubar in den Sitzreihen verteilt. Es bleiben zehn Minuten bis Spielbeginn. Es sind junge Menschen wie wir, Senioren und Seniorinnen, Paare, keine Kinder.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ein schweifender Blick durch den Saal ist von wei\u00df best\u00fcckten Gesichtern dominiert. Jede*r tr\u00e4gt ausnahmslos eine FFP2 Maske. Eine weitere Bedingung f\u00fcr den Besuch der Theatervorstellung.<\/p>\n<p>Kurz vor Beginn der Vorstellung ert\u00f6nt der Klang, der den Beginn der Vorstellung signalisiert.<\/p>\n<p>Da es sich um ein Musiktheaterst\u00fcck, eine Oper handelt, betritt der Dirigent des Orchesters den Raum und wird vom Publikum begr\u00fc\u00dft. Es ist nicht nur die erste Theaterauff\u00fchrung im Theater seit Beginn der Pandemie f\u00fcr mich, sondern auch die erste Oper, die ich nun pers\u00f6nlich erleben werde. Es ist f\u00fcr mich etwas besonderes, dass Ger\u00e4usche und Musik live gespielt werden. Die Anzeige, die \u00fcber der B\u00fchne h\u00e4ngt und den gesungenen Text anzeigt ist ebenfalls eine \u00dcberraschung f\u00fcr mich.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Schnell wird mir klar, dass ich bei diesem St\u00fcck Eindr\u00fccke erlebe, die nur durch eine Anwesenheit aller Beteiligten m\u00f6glich ist. Die Kost\u00fcme der Vogelfiguren sind detailliert und kreativ mit verschiedenen Stoffen best\u00fcckt. Ich sehe den Stoff schwingen und wenn Schauspielende sich bewegen oder interagieren kann ich genau h\u00f6ren wie Materialien sich zueinander verhalten. Ich lege in jedem Moment fest worauf ich meine Aufmerksamkeit setze.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>In einem Moment ist es das Spiel, die Handlung oder der Gesang und im n\u00e4chsten ist es ein anderes Detail, das vielleicht sogar au\u00dferhalb der B\u00fchne liegt.<\/p>\n<p>Rechts vom Orchester ist ein Mann positioniert, der Trommeln bedient. Ich glaube nicht, dass er Teil des Orchesters ist. Er erzeugt durch das Bedienen verschiedener Trommeln und einer Art Kurbel die Ger\u00e4uschkulisse. Ich kann genau beobachten wie fokussiert er ist und bin begeistert davon wie vielseitig die Mittel sind, die eingesetzt werden, um die Wirkung des Schauspiels und der Musik zu entfachen.<\/p>\n<p>Nach vergeblichem Warten auf eine Pause, entschied ich mich mitten im St\u00fcck das WC aufzusuchen. Bevor ich zur\u00fcck in den Saal konnte, wurde ich aufgehalten. \u201eDas ist Pr\u00e4senz\u201c &#8211; denke ich.Die Zeit, in der ich den Raum wieder betreten darf wird abgepasst. Es soll der Szenenwechsel abgewartet werden. S\u00e4\u00dfe ich vor einem Bildschirm, h\u00e4tte es niemanden interessiert wann oder wie ich die Auff\u00fchrung verfolge.<\/p>\n<p>Den Heimweg treten wir mit ausgelassener Stimmung an, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten. Nachdem ein wir ein Erinnerungsfoto schie\u00dfen, verlassen wir das Theater am Goetheplatz und begeben uns in Richtung der Haltestelle \u201eDomsheide\u201c, um mit der Stra\u00dfenbahn nach Hause zu gelangen. Es ist kalt und recht sp\u00e4t. Um 22:00 Uhr fahren die meisten Bahnlinien nur noch halbst\u00fcndig. Als wir in eine einsteigen wollen, scheint diese selbst sp\u00e4t dran zu sein und schlie\u00dft direkt vor unserer Nase wieder die T\u00fcr. Mein Mantel wird in der schlie\u00dfenden T\u00fcr eingeklemmt, wir m\u00fcssen ihn herausziehen. Fassungslos warten wir in der K\u00e4lte auf die n\u00e4chste Bahn, die uns schlie\u00dflich nach Hause bringt.<\/p>\n<p>Es war ein gelungener Abend, vor allem das St\u00fcck war wirklich einen Besuch wert. In der Corona-Zeit haben sich einige alternative Formen des Theaters vor allem im digitalen Raum entwickelt. Ich denke aber, dass all diese Entwicklungen auch parallel zum B\u00fchnentheater ablaufen werden ohne, dass das Pr\u00e4senztheater dabei an seiner Relevanz oder Besonderheit verliert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Ich konnte es genie\u00dfen den Schall der Instrumente auch k\u00f6rperlich zu sp\u00fcren und kontrollieren zu k\u00f6nnen auf welche vielseitigen Aspekte des darstellenden Spiels ich meine Aufmerksamkeit richte. Ich glaube und hoffe, dass diese Form des Theaters sich zwar immer weiter ausdifferenziert, aber nie verschwinden wird.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Vorausgesetzt die Pandemie l\u00e4sst es zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Dienstag, der 11.01.22.\u00a0 Es liegen stresserf\u00fcllte und isolierte Tage hinter mir. 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