KuWi für Zwischendurch


Feldforschung, Methoden und mehr
8. Dezember 2018, 20:37
Filed under: Allgemein

In der heutigen Vorlesung (05.12.) haben wir über die eigentliche Arbeit und Bereiche der Kulturwissenschaft gesprochen.
Ich glaube, das war bis jetzt die Vorlseung, aus der ich am meisten mitnehmen konnte. Denn jetzt verstehe ich auch viel besser die Texte, die wir bisher so gelesen haben. Ich kann mich besser in die Forscher hineinversetzen, was ihr Anspruch war, was sie erreichen wollten, wie und warum sie ihre „Forschungsobjekte“ ausgesucht haben, die ja immer Menschen sind.
Vorher habe ich mich ein, zwei mal gefragt, warum dieser Kulturwissenschaftler sich ausgerechnet mit dieser Person befasst hat. Was macht einen Simon, oder Primo so interessant, dass man etwas aus seinem Leben  berichten muss?
Doch nun dämmert es mir, dass das eben auch der Punkt der Kulturwissenschaft ist, dass man ganz gewöhnliche Menschen befragt und trotzdem auf hochspannende Ergebnisse stoßen kann. Diese Menschen müssen gar nichts außergewöhnliches geleistet haben. Manchmal sind es die Umstände in denen sie leben, ihre Lebensweise allgemein, oder ihre Arbeit/ihr Hobby.
Besonders interessant fand ich die Arbeit „In Search of Respect: Selling Crack in El Barrio“ von Philippe Bourgois, der auf die Strukturen einging, in denen Menschen leben und von denen sie augenscheinlich bestimmt werden. Es ist also nicht die alleinige Schuld des Individuums, wenn es von der Gesellschaft verstoßen wird und gesellschaftlich abrutscht. Dennoch darf man nicht vergessen, dass die Individuen nicht komplett fremdgesteuert sind, sondern autonom handeln! Ein Spagat, das vernünftig darzustellen.

Wie bereits erwähnt, kann ich jetzt viel besser verstehen, warum die Forscher so viel Zeit mit den Menschen verbringen, die sie befragen und warum diese Befragungen so wichtig sind. Dass man über einen längeren Zeitraum und tiefgreifende Gespräche sehr viel mehr erfahren kann, als bei einem kurzen Treffen und einem ausgefüllten Fragebogen. Zumindest, wenn es darum geht, eine Kultur, oder Personengruppe zu erforschen. Fragebögen können natürlich auch zu guten Ergebnissen führen. Wie es in der Vorlesung hieß, muss die Methode eben zur Forschung passen und daraus ergibt sich dann das Ergebnis, welches aus den Biografien der Teilnehmenden, oder Daten, oder beidem bestehen kann.

Ich gebe zu, mein Hauptfach Geschichte beruhigt mich in der Hinsicht etwas, dass man dort meist nicht mit lebenden Leuten auf Tuchfühlung geht, sondern vor allem durch Quellen den Ursachen auf den Grund geht und sich an diesen abarbeitet. Zu den Menschen, die Bestandteil der Forschung sind, hat man meist eine größere (raum/zeitliche) Distanz. Auch haben wir bereits einen Großteil der Methoden in der Geschichtswissenschaft kennen gelernt und ich konnte viel besser nachvollziehen, wie und warum die historische Forschung betrieben wurde.
In KuWi erschien mir vieles am Anfang recht beliebig und nicht sehr wissenschaftlich. Das hat sich nun geändert.
Jetzt finde ich es interessant, dass ein Fach eher distanziert (vor allem mit Quellen) arbeitet und das andere Fach davon lebt, dass sich die Forscher unter die Leute mischen und mit ihnen in Kontakt treten.

Ich bin nun etwas aufgeschlossener gegenüber den Themen und auch Texten, denn ich muss zugeben, dass ich zuvor oft den Sinn hinter den Forschungen nicht klar erkennen konnte.

 

 




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