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Exzerpt: Daniel Miller „Der Trost der Dinge“
3. Dezember 2018, 20:26
Filed under: Allgemein

Miller, Daniel (2010): Der Trost der Dinge. Berlin: Suhrkamp Verlag.
Kapitel: Sternbesäte Quietscheenten (Simon und Jacques) S. 62-75

Seitenzahl Thema Zusammenfassung Anmerkung
S. 62

 

 

 

 

 

 

S. 63

Sammelleidenschaft – Simon sammelt CD’s; 15000 Schallplatten und 2000 CD’s hat er ausgelagert
– Musik ist Stück weit sein Gedächtnis, an ihr hängen Erinnerungen
– er würde keine Platten einfach verkaufen oder wegwerfen
– er ist Elektro-Fan, was ihm auch viel bedeutet, aber er hat auch „schmalzige“ Musik, bei der man einfach gute Laune hat-> Er durchlebt, begreift und drückt seine Gefühle durch Musik aus
-> Objekte als Gedächtnisstütze

 

S. 63 Der Einfluss von Musik (Dingen) – verwendet bestimmte Musik um seine Gefühle/Stimmung zu beeinflussen
– genießt Musik wie andere eine Mahlzeit
– nutzt Musik, um seine Phantasie anzuregen: denkt sich eigene Musikvideos aus, die nichts mit dem Text zu tun haben müssen, sondern sich nur aus der Musik ergeben
-> hat „Angst“ vor schlechten Launen, sieht alles positiv

 

 

 

 

S. 64 Was soll mit den Dingen erreicht werden?
Für einen selbst, aber auch nach außen.
– Simon pflegt einen kreativen Umgang mit Unterhaltungsmedien: möchte gerne weiter interpretieren -> Musik eignet sich dazu am besten, weil sie einen dazu „zwingt“, sich etwas auszudenken
– Simon äußert sich über alles, was er grade denkt; manche Menschen könnten das für nazistisch halten; er äußert seine Gefühle aber, um darüber nachzudenken, er kündigt etwas an, damit er es auch umsetzt-> er legt viel Wer auf seine Außendarstellung und möchte so wahrgenommen werde, wie er wirklich ist; arbeitet ständig an sich
 

 

 

 

 

 

 

-> deshalb ist es ihm wahrscheinlich auch wichtig, so viel von seiner Sammlung bei sich zu haben, wie möglich, damit die Menschen ein breites Bild seiner Persönlichkeit erkennen können

S. 65 Materialismus und Sammlung – er ist kein Materialist, die Sammlung ist organisch mit seinem Alter gewachsen, wie auch er selbst (protestantische Erziehung: Besitz als Zeichen des Erfolgs) -> bei Simon auch Zeichen von „Wachsen“
S. 66 Typisierung und Abgrenzung – hat kein Problem mit seiner Homosexualität, sehr wohl aber mit den Klischees
– lehnt „typisch schwule“ Verhaltensweisen und Kleidung ab
– hasst es, wenn schwule Männer zu „Modeaccessoires“ für hetero Frauen werden
-> auch hier möchte er ganz genau steuern, wie er wahrgenommen wird und das bedeutet als nicht „typisch schwul“; er lässt sich also auch aufdiktieren, keine „schwulen“ Gegenstände, bzw. Kleidung zu benutzen
S. 67-69 Gegenstände als Erinnerungsstütze

Außenwirkung von Hobbies, persönlichen Objekten

– Simon mag es überhaupt nicht, wenn man Fotos von ihm macht; auf diesen kann er nicht bestimmen, wie die Betrachter ihn wahrnehmen
– anders ist es mit Bildern, die als Erinnerungsstütze dienen, die er auch nutzt, um sich selbst weiterzuentwickeln
– Simon möchte ich nicht über sein Aussehen, sondern über seinen Verstand, seine Hobbies (Musik), etc. definieren
– möchte nicht über sein Aussehen nachdenken, seinen Körper, der vergänglich ist, sondern über Kontinuität und Positives
– wenn er sich bei seinem ständigen Prozess der Erneuerung wieder aus einer Beziehung löste, gab er sie nie ganz auf, sondern hielt immer den Kontakt
– baute eine engere Verbindung zu seiner Mutter auf, indem sie ihm Briefe als Freund, nicht als Sohn schrieb
 

 

 

 

-> damit bestätigt er die Annahme Millers, dass Gegenstände etwas über ihren Besitzer aussagen, denn genau das tut Simon durch seine Sachen

-> wie seine wachsende Sammlung, die er im Gegensatz zu seinem alternden Körper selbst gestalten kann

-> wieder werden Objekte (Fotos) zur Erinnerung aufbewahrt

 

 

 

S. 69 Sichtweisen auf Objekte – Simon könnte als oberflächlich gelten, da er vor allem auf die schönen Dinge des Lebens achtet und permanent versucht, optimistisch zu sein -> er möchte die Leute aber einfach an seinem positiven Weltbild teil haben lassen -> eine Möglichkeit der positiven Betrachtungsweise eben durch materielle Objekte, oder  Erinnerungen, die durch Objekte hervor gerufen werden
S. 69-71 Unabhängigkeit von Erwartungen

Persönliche Verknüpfungen stehen über dem materiellen Objekt

Jacques ist Simons Lebensgefährte, ruhig und gelassen
– er hat kein Problem damit, als Klischee für Franzosen her zuhalten und ist auch der Schwulenszene gegenüber aufgeschlossener.
– Er schickt seiner Mutter Bilder von seiner neuen Arbeitskleidung um ihr zu zeigen, dass es ihm gut geht und er Erfolg hat
– Jacques hat viele Pflanzen; Sammlung von geklauten Biergläsern
– er sammelt die Fotos digital; Simon druckt sie aus
– Jacques hat viele Bilder von sich und seinen Freunden/seiner Familie hängen -> er macht sich keine Gedanken, was diese Bilder über ihn aussagen könnten, sondern sieht sie eher als Deko
-> Jacques interessiert sich weniger für die Objekte an sich, sondern die Aktivität, mit denen er sie verbindet: Pflege der Pflanzen, Zubereitung von Essen, Mitgehen lassen von Biergläsern
-> er hat anscheinend auch kein Problem mit Objekten/Kleidung, die einem oder mehreren Klischees entsprechen

 

 

 

 

 

-> anders als Simon nutzt Jacques die Bilder nicht primär als Erinnerungsstütze

 

-> Jacques sucht vlt nicht Trost in den Objekten, aber in den verbundenen Aktivität (z.B. Kochen gegen das Heimweh?)

S. 71 Erinnerungen und Persönlichkeit unabhängig von Objekten – Jacques hat kein Problem mit dem Älter werden und hofft, dass Simon auch etwas gelassener wird
– er verbindet Erinnerungen viel eher mit Speisen und Gerüchen
– sieht seinen Besitz nicht als Spiegelung seines Wachstums
S. 72-73 Zurschaustellung von Objekten – Simon plant bereits, dass sie in eine größere Wohnung umziehen, in der immer noch jeder sein eigenes Zimmer hat; es gibt dann Räume, über die nur er, nur Jacques, oder sie beide bestimmen
– Jacques achtet nicht so genau darauf, wo seine Sachen liegen, Simon räumt sie lieber zurück an ihren Platz; dennoch haben sich seine Pflanzen in der ganzen Wohnung ausgebreitet
-> zwischen den beiden scheint es genaue Regeln zu geben, welche Sammlungen sich mischen dürfen (Pflanzen, Enten) und welche nicht; das liegt vlt auch daran, dass sie mit den Gegenständen gemeinsame Erinnerungen/Aktivitäten verbinden
S. 73-74 Abweichender Umgang mit Objekten und Zuschreibung von Wichtigkeit

Objekte als Messung von „Erfolg“ (auch schon weiter oben)

– träumen von einem eigenen Haus, das aber, aufgrund der Preise, wohl eher in Estland als in London liegen wird -> dort wäre auch genug Platz für ihre Unterschiedlichen Sammlungen
– Simon möchte ihre Beziehung an Gegenständen (wie einer Champagnerflasche zur Feier) nachvollziehen können, damit findet sich Jacques ab und versichert Simon auch, dass sie ruhig das selbe im Restaurant bestellen können und trotzdem noch eigenständige Menschen sind
– Simon braucht auch Mitbringsel, oder neue Sachen, um die Beziehung wachsen zu sehen;
auf der anderen Seite mag er Dinge nicht, die ihn an Jacques Exfreunde erinnern (Fotos, das Bett) -> doch diese Objekte verlieren auch ihre Bedeutung und bekommen eine neue, gemeinsame
– so auch ein Sessel, der Simon eigentlich zu „schwul“ war, an den er sich jetzt aber doch gewöhnt hat.
-> ein gutes Geschenk für Simon, dessen Jacques sich auch schon bediente, sind die Quietscheenten, die in der ganzen Wohnung in allen Varianten zu finden sind
-> beiden scheint es wichtig zu sein, dass ihre Gegenstände zu Geltung kommen, sie somit einen Teil von sich präsentieren können
-> Objekte als Zeichen, dass Beziehung wächst, wie auch Simon an Objekten nach vollzieht, dass er wächst-> (Anmerkung Millers: grade die Quietscheenten seien „typisch schwul“, wobei er ja vorher eben keine Typen festlegen wollte und keine Person als Vertreter ihrer „Gruppe“ sehen wollte)



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