{"id":220,"date":"2025-06-12T12:46:47","date_gmt":"2025-06-12T10:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kuwiwochen\/?p=220"},"modified":"2025-06-12T12:46:47","modified_gmt":"2025-06-12T10:46:47","slug":"stillstand-eine-poetische-reflexion-ueber-den-handykonsum-in-unserer-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kuwiwochen\/2025\/06\/12\/stillstand-eine-poetische-reflexion-ueber-den-handykonsum-in-unserer-gesellschaft\/","title":{"rendered":"\u201eStillstand \u2013 eine poetische Reflexion \u00fcber den Handykonsum in unserer Gesellschaft.&#8220;"},"content":{"rendered":"<h4><strong>Stillstand \u2013 eine poetische Reflexion \u00fcber den Handykonsum in unserer heutigen Gesellschaft <\/strong>von Anouk Piotrowski.<\/h4>\n<h4><\/h4>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Stillstand. Pl\u00f6tzlich ist mein Kopf leer. Ich wollte, nein musste immer meine Gedanken verdr\u00e4ngen. Verjagt habe ich sie damit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Wo bleiben meine eigenen Ideen, meine Kreativit\u00e4t und meine Neugier?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Ein Hauch von Scham \u00fcberkommt mich. Ich tausche meinen eigenen Sinn gegen ein Dopamin geflutetes, grell leuchtendes Display ein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Es f\u00fchlt sich an wie ein schlechter Deal mit dem Teufel. Die Gier \u00fcberf\u00e4llt mich wie seine warme Lava, sie umh\u00fcllt mich, wird zu Stein, l\u00e4sst mich nicht los. Stundenlang, Video f\u00fcr Video vernachl\u00e4ssige ich mich selbst. Ich trickse meinen K\u00f6rper aus. Ergaunere mir die Belohnung. Scrolle beinahe im Sekundentakt. Es braucht ein Ende.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Und Zack &#8211; ein Sto\u00df in die Realit\u00e4t. Meine Daten sind aufgebraucht und Wlan gibt es in meiner Wohnung noch nicht. Ich bin perplex.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Es brodelt eine tiefe Angst in mir. Die Welt dreht sich weiter ohne mich. Sekunden ziehen sich wie Tage. Wann war ich das letzte Mal mir selbst ausgesetzt? Unbeholfen starre ich an die Decke, zum Fenster, auf mein Handy. Wie immer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Eine Steppenhexe rollt durch meinen Kopf, ein Kr\u00e4hen erklingt. Zum Abschalten brauche ich eine Lawine an Dopamin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Ich wusste nicht, dass ein Gef\u00fchl so \u00e4tzend sein kann. Ich h\u00e4tte gedacht, mensch hat mehr Kraft als so ein kleines flimmerndes Ding. Falsch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Ich gr\u00fcble, ich strenge meinen Kopf wirklich an, kein Gedanke qu\u00e4lt sich hinaus. Nichts will sich mehr selbst erdenken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Ein weiteres Ablenkungsman\u00f6ver folgt. Ich putze, ich miste meine Kleidung aus, ich r\u00e4ume die ganze Wohnung auf und um. Die Sonne strahlt an mir vorbei. Geht es darum die ganze Zeit besch\u00e4ftigt zu sein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Mir f\u00e4llt es wie Groschen von den Augen \u2013 ich habe vergessen, wie ich bin, verlernt, was ich mag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Die Liste formt sich in mir, jetzt oder nie, ich muss schreiben.<sup>1<\/sup><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Es sprudelt aus mir hinaus. Die Verschwendung hat ein Ende. So viel will ich tun, so wenig h\u00e4lt mich zur\u00fcck. Durchatmen. Die Hektik sausen lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Eine warme Briese meiner selbst \u00fcberkommt mich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\">Ein Gedanke plagt mich. Er pr\u00e4gt mich. Ich muss an Sie denken, daran wie sie aufgewachsen sind, wie sie sich verhalten haben, wie sie mit sich selbst ausgesetzt waren. Wie haben Sie ihre Zeit verbracht?<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ich will es auch erleben.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ich will diese Welle an Gef\u00fchlen auch sp\u00fcren. Ich will auch Langweile.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ich will nicht entkommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ich vergleiche mich, ein Samstagmorgen. Sie bl\u00e4ttern durch die Zeitung. Ich rolle mich im Bett herum. Sie machen sich auf den Weg zum B\u00e4cker. Mein Handy wechselt zwischen links und rechts. Jedes weitere Mal komm ich angekrochen. Ich wei\u00df was ich tu, ich wei\u00df, es tut nicht gut. Die Verbindlichkeit geht fl\u00f6ten.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">176 Millionen Augenpaare der Welt an Bildschirme gefesselt.<sup>2<\/sup> Meins eines davon.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">173 mal am Tag er\u00f6ffnet sich mein Portal zur Hirnf\u00e4ule. So sehr ich es auch will, ich komme nicht los. Es braucht harte Ma\u00dfnahmen. Muss ich das Ding zerst\u00f6ren um mich zu l\u00f6sen?<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ein Zwiespalt so gro\u00df. Ganz oder gar nicht. Anders schaffe ich es nicht. Mein Herz wird von Panik durchflutet sobald ich das kleine Ding nicht an mir sp\u00fcre. Es nimmt mir die Angst in der dunklen, leeren Wohnung.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><span style=\"font-size: 14pt\">Und Zack \u2013 neue Daten sind gebucht und 1&amp;1 lacht sich ins F\u00e4ustchen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-223 alignright\" style=\"font-family: var(--typography_fonts_text)\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kuwiwochen\/files\/Stillstand_Bild.jpg\" alt=\"Dopamin Liste\" width=\"238\" height=\"350\" \/><\/p>\n<p><sup>1<\/sup> <span style=\"font-family: var(--typography_fonts_text)\">Abbildung 1.: \u201eDopamin Men\u00fc\u201c von Anouk Piotrowski<\/span><\/p>\n<p><sup>2 <\/sup><em>Handysucht \u2013 die Droge des digitalen Zeitalters? <\/em>(o. J.). Health-rise.de. URL: https:\/\/www.health-rise.de\/blog\/Handysucht-die-Droge-des-digitalen-Zeitalters, abgerufen 16.2.2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nStillstand \u2013 eine poetische Reflexion \u00fcber den Handykonsum in unserer heutigen Gesellschaft von Anouk Piotrowski. Stillstand. 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