{"id":216,"date":"2025-06-23T13:23:00","date_gmt":"2025-06-23T11:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kuwiwochen\/?p=216"},"modified":"2025-06-23T13:23:00","modified_gmt":"2025-06-23T11:23:00","slug":"das-konzept-lifesharing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kuwiwochen\/2025\/06\/23\/das-konzept-lifesharing\/","title":{"rendered":"Das Konzept \u201eLifesharing\u201c"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"font-weight: 400\"><strong>Das Konzept \u201eLifesharing\u201c anhand meiner Auslandserfahrung.<\/strong><\/h3>\n<h4>von Jette H\u00f6ft.<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\"><u>Lifesharing &#8211; was ist das eigentlich?<\/u> <\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Lifesharing bedeutet, dass das Pflegepersonal mit Menschen mit Lernbehinderungen in einem Haushalt zusammenlebt und sie Lebenserfahrungen teilen. Es bietet den Menschen mit Lernbehinderungen die M\u00f6glichkeit, Teil einer Familie zu sein und am Gemeinschaftsleben teilzunehmen. (Department of Human Services, o.\u202fJ.)<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">So habe ich mein Leben in meinem Auslandsjahr nach dem Abitur verbracht. Ich habe ein Jahr in einer Community in Schottland gelebt und gearbeitet. In diesem Text setze ich mich mit meiner Erfahrung auseinander und nicht mit dem Konzept und Strukturen der Community. Um den Datenschutz zu wahren werde ich in diesem Text die Lifesharinggemeinschaft, in der ich mein Auslandsjahr absolvierte, nicht namentlich benennen, sondern austauschbar die Begriffe Community und Gemeinschaft verwenden.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">In der Community haben die Menschen mit Lernbehinderung mit dem prim\u00e4ren Pflegepersonal, h\u00e4ufig deren Kindern und Freiwilligen zusammengelebt. In der Gemeinschaft gab es ca. 15 von diesen H\u00e4usern. Zus\u00e4tzlich gab es noch Workshops, wie zum Beispiel die Farms, die Bakery, die Confectionary, den Store, das Caf\u00e9, den Metalworkshop und die Gardens. Jeder Bewohner des Dorfes, also die Menschen mit Lernbehinderungen, die Freiwilligen und die meisten des ans\u00e4ssigen Pflegepersonals, haben in diesen Workshops gearbeitet. Jeder, also auch die Menschen mit Lernbehinderungen, hat somit zum Wohl des Dorfes und zur Gemeinschaft einen Beitrag geleistet. In den H\u00e4usern herrscht ein famili\u00e4res Gef\u00fchl und man verbringt viel Zeit zusammen. Der Tages- Wochenablauf ist strikt durchgeplant, da es den Bewohnern hilft, wenn sie eine Feste Routine haben. Die Community baut also auf das Konzept von Lifesharing, bei dem es darum geht sich als Teil dieser Gemeinschaft zu sehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Ich habe diese Art zu leben f\u00fcr mich in vielen Aspekten sehr positiv wahrgenommen, sehe aber auch einige kritische Punkte.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Es hat sich gut angef\u00fchlt, Teil einer Community zu sein. Ein starkes Gemeinschaftsgef\u00fchl war sp\u00fcrbar und man wusste stets, dass man nicht alleine ist und sich alle gegenseitig unterst\u00fctzen. Ich hatte auch das Gef\u00fchl etwas Gutes zu tun, in dem ich anderen Menschen helfe und meine eigenen Bed\u00fcrfnisse eher zur\u00fcckstelle. Durch diese Lebensweise hat man schnell enge freundschaftliche oder famili\u00e4re Beziehungen zu den Bewohnern, dem ans\u00e4ssigen Pflegepersonal und den anderen Freiwilligen aufgebaut. Diese Beziehungen habe ich in der Zeit sehr wertgesch\u00e4tzt und mit einigen stehe ich durch diese enge Bindung immer noch im Kontakt.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Kritisch sehe ich jedoch, dass den Freiwilligen ohne jegliche Pflegeerfahrung und Fachwissen so schnell so viel Verantwortung zugeschrieben wird. Wir haben nur ein einfaches und sehr oberfl\u00e4chliches Training bekommen und mussten dann mit dieser Grundlage arbeiten. Ein Fachkr\u00e4fte- und Pflegepersonalmangel wird sozusagen mit g\u00fcnstigen unerfahrenen Arbeitskr\u00e4ften gef\u00fcllt. Obwohl die Freiwilligen ein wichtiger Teil des Konzepts Lifesharing sind, da sie in den sehr strikten Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresablauf jedes Jahr wieder \u201efrischen Wind\u201c und neue Ideen einbringen, sind sie in vielen Pflegesituationen nicht ausreichend ausgebildet. Aufgrund des sehr durchstrukturierten Alltags blieb mir kaum Freizeit. Man soll f\u00fcr die Gemeinschaft leben und seine eigenen Bed\u00fcrfnisse so weit wie es geht zur\u00fcckstellen, das empfand ich aber oft als schwierig. Man arbeitet den ganzen Tag und ist dabei immer unter Menschen. Oft h\u00e4tte ich eine Pause gebraucht und einfach etwas Zeit f\u00fcr mich. Das war aber nicht m\u00f6glich, da mein Tag f\u00fcr mich geplant wurde und die Aufgaben erledigt werden mussten. Wenn ich dann Freizeit hatte, war es schwer abzuschalten, da ich sozusagen in meinem Arbeitsumfeld gelebt habe. Ich habe die Villager durch die W\u00e4nde geh\u00f6rt und auch wenn ich frei hatte, hat mich das Gef\u00fchl der Verantwortung f\u00fcr die Menschen mit Lernbehinderungen nie komplett verlassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">Um in einer Community zu leben und Lifesharing zu betreiben, muss man also bereit sein, seine eigenen Bed\u00fcrfnisse zur\u00fcckzustellen und sich komplett darauf einlassen. Wenn man sich darauf einl\u00e4sst kann es einem auch viel zur\u00fcckgeben, wie das Gef\u00fchl der Gemeinschaft und die besonderen Beziehungen, die man aufbaut.<\/span><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 14pt\">F\u00fcr die Kulturwissenschaft bieten solche Communities und das Konzept von Lifesharing ein vielschichtiges Forschungsfeld. Sie unterscheiden sich von den klassischen Gesellschaftsstrukturen und es gibt viele Aspekte, die man gut erforschen kann, wie zum Beispiel die Dynamiken in der Gemeinschaft, die gelebte Inklusion und die Alltagsstrukturen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><u>Quellen:<\/u><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: left\">Department of Human Services (o.\u202fJ.): <em>Lifesharing and Everyday Living Options<\/em>. Commonwealth of Pennsylvania. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.pa.gov\/agencies\/dhs\/resources\/intellectual-disabilities-autism\/lifesharing.html\">https:\/\/www.pa.gov\/agencies\/dhs\/resources\/intellectual-disabilities-autism\/lifesharing.html<\/a> (Zugriff am 7. Mai 2025).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nDas Konzept \u201eLifesharing\u201c anhand meiner Auslandserfahrung. von Jette H\u00f6ft. &nbsp; Lifesharing &#8211; was ist das eigentlich? 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