Erziehungswissenschaftliche Grundlagen und Konzepte im Umgang mit Leistungsheterogenität

„Viele LehrerInnen bemühen sich zwar um einen methodisch abwechslungsreichen und schüleraktivierenden Unterricht. Innere Differenzierung ist (…) in der Schulpraxis aber (noch?) kaum verbreitet; die konzeptionell angelegten Möglichkeiten werden lediglich in bescheidenen Grenzen genutzt“ (Trautmann/Wischer 2011, S. 123).

Warum, glauben Sie, tun sich Lehrkräfte im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft schwer? Überlegen Sie mögliche Erklärungen. Sie können dabei die Vorlesungsfolien sowie die beiden eingestellten Texte von Reh (2005) und Jürgens (2005) zu Rate ziehen.

In der Tat ist es so, dass sich Lehrer in der derzeitigen Lage mit einer heterogenen Schülerschaft häufig schwer tun. Das „alt und bewährte“ aktuelle Schulsystem kommt den Lehrern mit einer frühen Homogenisierung der Klassenverbände vermeintlich entgegen. Doch ist diese Vorgehensweise tatsächlich eine Verbesserung der Umstände? Im Folgenden möchte ich nun nur einige Gründe nennen, warum der Umgang mit einer Heterogenen Lerngemeinschaft häufig zu einer Überforderung der Lehrkräfte führt.

Als einen der Gründe kann man die durchschnittliche Klassengröße, die sich mittlerweile mit einer Steigenden Tendenz bei annähernd 30 SchülerInnen pro Klasse beläuft. Ein individueller Umgang mit all diesen Schülern ist zwar keine Utopie, jedoch aber immerhin ein sehr hohe Anforderung, die an die Lehrkräfte gesetzt wird.

Eine Unmittelbare Folgerung hieraus ist, dass das Lehrpersonal unter anderem eine „Bereitschaft zu erhöhtem Aufwand in der Unterrichtsvorbereitung und -reflexion“ zeigen muss, wie es in der Präsentation von Herrn Prof. Dr. Idel nachzulesen ist. Das heißt konkret, dass sich die Arbeitszeit von Lehrern unentgeltlich erhöhen würde.

Ein weiterer, interessanter Punkt ist die Verkürzung der Schulzeit mit der Einführung des Abiturs nach 12 Jahren. Durch dieses Konzept werden, wie anhand der wöchentlichen Stundenzahlen zu sehen ist, höhere Erwartungen an die SchülerInnen gesetzt. Die Frage ist, ob der selbe Lernstoff in dieser Zeit auch von einer Heterogenen Gruppe bewältigt werden kann. Ich denke, dass dies durchaus machbar ist, jedoch nur unter der Bedingung, dass die angepriesene individuelle Förderung auch tatsächlich gegeben wird, was zwangsläufig eine Erhöhung des Lehrpersonals erfordert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Lehrkräfte häufig mit einer Heterogenen Schülerschaft schwer tun, da das alte Schulsystem noch immer dominierend ist und eine Durchsetzung eines so reformistischen Gedankens Anpassungen des Gefüges erfordert.

 

Ein Gedanke zu „Erziehungswissenschaftliche Grundlagen und Konzepte im Umgang mit Leistungsheterogenität

  1. Ich stimme mit deiner Sichtweise zu der Frage, wieso sich Lehrkräfte mit einer heterogenen Schülerschaft schwertun, überein.
    Meiner Meinung nach, sind das größte Problem die viel zu großen Klassen, die die Arbeit in jeglicher Hinsicht erschweren. Die große SchülerInnenzahl setzt voraus, dass die LeherInnen einen größeren Aufwand bei ihren Unterrichtsvorbereitungen treffen. Jedoch ist nicht jede Lehrkraft gewillt dies auf sich zu nehmen und selbst wenn, bleibt es fraglich, ob es möglich ist, sich auf fast 30 SchülerInnen im Einzelnen zu konzenrtrieren.

    Wie du ebenfalls erwähntest, wird dem Ganzen mit der Verkürzung der Schulzeit mit dem Abitur nach nur 12 Jahren, nicht geholfen. Der Stoff bleibt der gleiche, er muss lediglich in einer kürzeren Zeit bearbeitet werden. Dies wiederum setzt die Lehrkräfte sowie die SchülerInnen unter vermehrten Leistungsdruck. Dem kann nur mit kleinen Klassen entgegengewirkt werden. Hier kann man individuell auf die SchülerInnen eingehen, um sie dann dementsprechend zu fördern. Das hieße für die LehrerInnen, dass sie einen geringeren Aufwand in Bezug auf ihre Unterrichtsvorbereitungen – aber dennoch höheren als zuvor, aufgrund der verkürzten Schulzeit – zu leisten hätten und man somit sicherlich positiver an eine heterogene Schülerschaft heranginge.

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