{"id":22,"date":"2023-05-26T18:35:58","date_gmt":"2023-05-26T16:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kristinasblog\/?p=22"},"modified":"2023-05-26T18:35:58","modified_gmt":"2023-05-26T16:35:58","slug":"rv07-dr-nadja-belova-chemie-kein-fach-fuer-alle-gesellschaftskritische-ansaetze-aus-der-chemiedidaktik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/kristinasblog\/2023\/05\/26\/rv07-dr-nadja-belova-chemie-kein-fach-fuer-alle-gesellschaftskritische-ansaetze-aus-der-chemiedidaktik\/","title":{"rendered":"RV07\/\/ Dr. Nadja Belova\/\/ Chemie \u2013 Kein Fach f\u00fcr alle? Gesellschaftskritische Ans\u00e4tze aus der Chemiedidaktik"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1.) <strong>Formulieren Sie basierend auf den Vorlesungsinhalten drei Thesen, die f\u00fcr Sie einen modernen Chemieunterricht f\u00fcr alle ausmachen. Orientieren Sie sich gerne an den Grundannahmen von STL (Scientific and Technological Literacy for All), setzen Sie jedoch eigene Schwerpunkte.<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8218;<\/strong> Until today, science teaching in Germany in general and in chemistry and physics in particular is still criticized as being too strongly focused toward the structure of discipline approach <strong>[<\/strong><strong>\u2026<\/strong><strong>]<\/strong>. <strong>&#8218;<\/strong> (Fischer et al., 2005; Ostermeier &amp; Prenzel, 2005, zitiert nach Marks et al., 2014, S. 288). Dieses Zitat verweist auf die <strong>(bis heute)<\/strong> beherrschende Rolle der <strong>reinen Fachwissenschaft <\/strong>im Chemieunterricht. Damit stellt sich die Frage wie an dieser Stelle ein Paradigemenwechsel von statten finden kann, der einen modernen Chemieunterricht f\u00fcr <strong>Alle<\/strong> zum Ziel hat. Ich bin zu folgenden <strong>Thesen\/\u00dcberlegungen<\/strong> gekommen:<\/p>\n<ol>\n<li><u>Alltagsbezug:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Chemie steckt \u00fcberall im Alltag. Chemische Produkte sind auf Schritt und Tritt in allen Bereichen des Lebens zu finden. Genau aus diesem Grund sollte das erlernte (chemische) Wissen durch die Lehrkraft in einen <strong>\u201erealen Kontext\u201c<\/strong> eingebettet werden. Beispielweise k\u00f6nnten die Lehrer*innen aktuelle, gesellschaftliche Themen aufgreifen in denen Bezug zu dem Unterrichtsfach hergestellt werden kann. Dadurch k\u00f6nnen sich die SuS <strong>aktiv<\/strong> mit dem Thema befassen und m\u00fcssen nicht nur stumpf das Wissen der Lehrer*innen \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><u>Digitale Medien:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei diesem Punkt geht es vor allem darum, dass P\u00e4dagogen*innen die Vorteile des <strong>Aufkommens sozialer Medien <\/strong>nutzen und diese in ihren Unterricht integrieren (Craig-Hare et al., 2018, S.102). Laut einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center&#8217;s Internet &amp; American Life Project nutzen 92 % der Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren t\u00e4glich das Internet, 76 % nutzen Social-Media-Seiten und 71 % geben an, dass sie mehr als eine Social-Media-Anwendung nutzen (Craig-Hare et al., 2018, S.83). Diese Umfrage untermauert die <strong>Relevanz <\/strong>der Nutzung sozialer Medien im Allgemeinen. Doch auch innerhalb der Schule\/ des Klassenzimmers steigt die Verwendung interaktiver Tools und Anwendungen.<\/p>\n<p>Diese haben das Potenzial, Sch\u00fcler*innen und Lehrer*innen in die effiziente und effektive Praxis der <strong>Argumentation<\/strong> einzubinden; das bekr\u00e4ftigt auch die Theorie, dass Lernen eine soziale Aktivit\u00e4t sei (Vygotsky, 1978, zitiert nach Craig-Hare et al., 2018, S.85) und in einem authentischen Kontext stattfinden m\u00fcsse (Lave &amp; Wenger, 1991, zitiert nach Craig-Hare et al., 2018, S.85). Internettools sind in der Lage die <strong>Zusammenarbeit<\/strong> und den <strong>Informationsaustausch<\/strong> zu <strong>f\u00f6rdern<\/strong> und dadurch k\u00f6nnte man das <strong>Engagement<\/strong> und die <strong>Interaktion<\/strong> der Sch\u00fcler*innen mit relevanten Inhalten und Praktiken <strong>steigern<\/strong> (Junco, Helbergert, &amp; Loken, 2011; Kabilan, Ahmad, &amp; Abidin, 2010, zitiert nach Craig-Hare et al., 2018, S.85).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube auch, dass vor allem bei MINT-F\u00e4chern der Einsatz von digitalen Medien sinnvoll ist, um <strong>komplexere Inhalte<\/strong> <strong>besser veranschaulichen<\/strong> zu k\u00f6nnen. Die Lehrkraft k\u00f6nnte dies umsetzen, indem er\/sie auf Bilder und Videos verweist, die den (komplexen) Sachverhalt darstellen. Zudem k\u00f6nnen auch Wissenschaftler*innen in den schulischen Diskurs eingebunden werden, um die <strong>Erfahrung<\/strong> der SuS zu <strong>erweitern<\/strong> und ihnen die <strong>Wissenschaft zug\u00e4nglicher<\/strong> zu machen (Craig-Hare et al., 2018, S.85).<\/p>\n<p>Nicht au\u00dfer Acht zu lassen ist allerdings die <strong>\u201eerfolgreiche\u201c<\/strong> Verwendung\/Anwendung der sozialen Medien. Durch die <strong>Integration <\/strong>dieser, in den regul\u00e4ren Unterricht, k\u00f6nnen die SuS einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Medien <strong>\u00fcben<\/strong> mit dem Ziel <strong>Informationen auch kritisch zu betrachten <\/strong>(Belova, 2023, S.24).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><u>Relevanz\/M\u00f6glichkeiten in dem Bereich Chemie:<\/u><\/li>\n<\/ol>\n<p>Meines Erachtens sollte die Vermittlung des Bildes von den Anforderungen und M\u00f6glichkeiten der (zahlreichen) <strong>Berufe<\/strong> in diesem Bereich ein Bestandteil des Unterrichts sein. Dadurch wird die allumfassende Relevanz dieses Faches nochmal deutlich. Zus\u00e4tzlich sollte man den SuS aufzeigen, welchen <strong>Einfluss Chemie<\/strong> in unserer <strong>heutigen Welt<\/strong> \u00fcbt. Veranschaulichen k\u00f6nnte man dies, indem man die Beziehung zwischen der Gesellschaft und Chemie aufgreift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.) Reflektieren Sie auf Basis der Vorlesungsinhalte und des Grundlagentextes, inwieweit chemisches Wissen im Allgemeinen und naturwissenschaftliches Wissen im Speziellen aus Ihrer Sicht als Teil des Allgemeinwissens (im Sinne einer \u201eScientific Literacy for All\u201c) angesehen werden kann. Beziehen Sie hier auch ihre eigenen Erfahrungen aus dem schulischen Chemieunterricht\/Ihrem Alltag ein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Umgang mit <strong>gesellschaftlichen Problemstellungen<\/strong> und die <strong>F\u00e4llung rational begr\u00fcndeter Entscheidungen<\/strong> sind <strong>\u00fcbergeordnete Ziele<\/strong> der allgemeinen Bildung (Gr\u00e4ber, 2002, S.9).<\/p>\n<p>Eben diese Ziele werden beim chemischen Wissen\/ naturwissenschaftlichen Wissen miteinbezogen und stellen somit einen interegalen Teil der allgemeinen Bildung dar (Belova, 2023, S.13).<\/p>\n<p>Die Chemie und die Gesellschaft stehen in einer zusammenh\u00e4ngenden Beziehung zueinander (Weitze et al., 2017, S.9). Chemisches Wissen ist essentiell, um alles M\u00f6gliche zu verstehen, was zum Leben geh\u00f6rt. Durch meinen Chemieunterricht ist mir bewusst geworden, dass sich ohne diese (chemischen) Kenntnisse viele der gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit \u2013 die Verschmutzung der Luft, der Erde, des Wassers \u2013 nicht bew\u00e4ltigen lassen (Weitze et al., 2017, S.10). Durch diesen Aspekt ist mir die Relevanz der (gesellschaftlichen) Rollen und Aufgaben der Chemie ersichtlich geworden.<\/p>\n<p>3.) <strong>In einem Interview zur Sinnhaftigkeit des Hinterfragens naturwissenschaftlicher Informationen in sozialen Medien (zum Beispiel naturwissenschaftsbasierter \u201eFakenews\u201c) sagte eine Lehrkraft: \u201eEs ist bl\u00f6d zu sagen, aber es ist im Endeffekt eine intellektuelle Grenze f\u00fcr mich; also auch-\u2026 oder Lebensumstandsgrenze, wenn die [Anm.: Die Sch\u00fcler*Innen] einfach in ihrem Lebensumfeld so anders damit umgehen und nur plakative \u00c4u\u00dferungen sozusagen verbreiten und nutzen und das auch v\u00f6llig in Ordnung ist in deren Umfeld, so\u2026, dann werden die da nicht rauskommen. Also das schaffen die dann alle nicht, das geht dann nicht, das ist dann so Kampf gegen Windm\u00fchlen.\u201c. Verfassen Sie eine Antwort darauf.<\/strong><\/p>\n<p>Aus dem Interview geht hervor, dass die Lehrkraft Bedenken bez\u00fcglich des Umgangs mit naturwissenschaftlichen Informationen aus dem Netz hat.\u00a0 Wir leben in einer \u00fcberwiegend technikaffinen Gesellschaft und gerade deswegen betrachte ich es als Notwendigkeit, sich als Lehrkraft damit auch auseinanderzusetzen. In den sozialen Medien\/ im Netz k\u00f6nnen immer irgendwelche Falschmeldungen und Fake-News herumschwirren, doch als Lehrer*in sollte man in der Lage sein, seinen SuS einen bewussteren Umgang zu vermitteln. Nat\u00fcrlich ist es nicht m\u00f6glich, dass man als Lehrkraft jeden einzelnen Sch\u00fcler zum Umdenken bewegen kann. Man sollte jedoch <strong>versuchen<\/strong> den SuS Werkzeuge an den Tag zu legen mit denen sie in der Lage sind besser filtern zu k\u00f6nnen im Netz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Quellenverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p>Belova, Nadja (Mai 2023): Chemie \u2013 (k)ein Fach f\u00fcr alle?: Gesellschaftskritische Ans\u00e4tze aus der Chemiedidaktik [Vorlesung Pr\u00e4sentation]. Folie S.13,24.<\/p>\n<p>Craig-Hare, J., Rowland, A., Ault, M., &amp; Ellis, J. D. (2018). Practicing Scientific Argumentation Through Social Media. In Information Resources Management Association (Ed.), Social Media in Education: Breakthroughs in Research and Practice. Hershey, PA: IGI Global. S.83,85,102.<\/p>\n<p>Gr\u00e4ber, W. (2002). \u201eScientific Literacy&#8220;- Naturwissenschaftliche Bildung in der Diskussion. In P. D\u00f6brich (Hrsg.), Qualit\u00e4tsentwicklung im naturwissenschaftlichen Unterricht. Fachtagung am 15. Dezember 1999 (S. 1-28). DIPF., S.9<\/p>\n<p>Marks, Ralf\/ Stuckey, Marc\/ Belova, Nadja\/ Eilks, Ingo (2014): The Societal Dimension in German Science Education \u2013 From Tradition towards Selected Cases and Recent Developments. Eurasia Journal of Mathematics, Science and Technology Education, S. 288.<\/p>\n<p>Weitze, M., Schummer, J. &amp; Geelhaar, T. (2017). Zwischen Faszination und Verteufelung: Chemie in der Gesellschaft. Springer Spektrum. S.9-10.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; 1.) Formulieren Sie basierend auf den Vorlesungsinhalten drei Thesen, die f\u00fcr Sie einen modernen Chemieunterricht f\u00fcr alle ausmachen. 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