Ethnografische Filmtage

Hier kommt mein Kurztext zu einem der Filme von den Ethnografischen Filmtagen, welche am 15.11.2017 in der Keksdose präsentiert wurden. 

MIRR – The field in Bunong (Kambodscha) 

Dank der netten Atmosphäre, bei der der Hörsaal zum Kino umfunktioniert wurde, konnte man sich entspannt zurücklehnen und den Film, welcher das Thema „land grabbing“ thematisiert, auf sich wirken lassen. Ich werde chronologisch vorgehen und dabei auf die, in meinem Kopf entstandenen Fakten eingehen. Die Darsteller werde ich nicht namentlich benennen. Die Beziehungspositionen und Rollen erkläre ich so, wie ich sie erkannt habe. Alles in allem möchte ich euch eine kleine Zusammenfassung vorstellen.

Das Singen wird als Bewältigung von Trauer praktiziert. Singen tun die Buong ständig. Generell herrscht eine ständige Schuldzuschreibung unter den DorfbewohnerInnen. Die Männer, darunter viele Familienväter, sind sich über ihre Rolle einig: Die Männer müssen kämpfen und die Frauen kümmern sich um den „Haushalt“, wenn man die offenen Holzhütten, ohne richtiges Dach und Boden so nennen mag. Wenn die Truppen kommen, die den weit verteilt lebenden Menschen die Nachricht überbringen, dass das Land, auf dem sie leben, nicht ihnen gehört und sie nicht willkommen sind, möchten die Frauen am liebsten mit ihren Kindern sofort fliehen, anstatt ihre Männer kämpfen zu sehen. Die Väter, die sich gleichzeitig auch um die Nahrung und damit insbesondere um die Existenz der kompletten Familie kümmern, gehen unausweichlich an dem psychischen Druck ein. Bei einer offenen Diskussionsrunde im Stamm, in der vor laufender Kamera über die Vor- und Nachteile der Filmproduktion geredet wird, kommt es zu einem kleinen Rollenspiel. Es würde nicht reichen nur den Alltag zu zeigen, deswegen müsse man spielen wie bestimmte Situationen ablaufen. „Ist der Alltag zu harmlos?“, fragen sich die, bei der Diskussion gleich beteiligten Frauen und Männer. In dem Rollenspiel werden Gewalt und Alkoholismus angesprochen. Die Hauptrolle, ein Familienvater, sucht alle Ansprechpartner auf, die ihm bekannt sind oder empfohlen wurden. Egal was sie tun, sie haben kein Recht auf das Grundstück, wenn sie es nicht nachträglich vom Staat kaufen. Nichtmal NGO’s können (oder wollen?) etwas dagegen tun. Der Vater unternimmt eine lange Reise, fährt durch Wälder, Steppen und Dörfer. Er will für seine Familie freies Land finden, schließlich hat er kein Geld. Tauschhandel ist die Währung in Bunong. Ohne Glück fährt er zurück und bekommt wenigstens als Übergangslösung vom Saat ein Kompensationsangebot. Er darf noch zwei Jahre auf dem kleinen Stück Land sein zerbrechliches Hab und Gut stehen lassen. Die Familie darf noch zwei Jahre, solange der Schatten nicht zu groß wird, ihren Reis zum Überleben auf der jetzigen Gummibaumplantage anbauen! In zwei Jahren sollen sie Lesen und Schreiben lernen, um sich einen Job zu suchen, mit dem sie Geld verdient. Damit können sie ja tun und lassen was sie wollen. Wobei der Vater wieder derjenige ist, der offensichtlich im Film die Schulbank drückt.

Der gesellschaftliche Zwang ist also auch in die letzten Winkel der von Menschen besidelten Erdzonen gedrungen. Wobei das nicht einmal die Hauptkritik ist. Viel eher stellt sich einem die Frage: Wem gehört das Land? Warum wird sich so wenig um die Leute gekümmert, die ihre Existenz verlieren? Was würde ich tun? Wenn ich das Geld hätte, würde ich das Land kaufen, die Menschen ihren kleinen Teil lassen und mich mit dem restlichen zufriedengeben. Das klingt jetzt einfach. Ebenfalls unverantwortlich wird es allerdings, wenn man auf dem Land eine Fabrik baut und die Menschen dort weiter leben lässt, dies mindert enorm ihre Lebensqualität, aufgrund von Abgasen und Schattenwurf. Alles in allem löst dieser Film lohnenswerte Denkanstöße aus und ist absolut weiterzuempfehlen.

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