{"id":40,"date":"2025-05-14T10:08:28","date_gmt":"2025-05-14T08:08:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/julienschnick\/?p=40"},"modified":"2025-05-19T19:39:56","modified_gmt":"2025-05-19T17:39:56","slug":"rv05-blogbeitrag-zum-12-05-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/julienschnick\/2025\/05\/14\/rv05-blogbeitrag-zum-12-05-2025\/","title":{"rendered":"RV05 Blogbeitrag zum 12.05.2025"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">1) Das schulische Parallelsystem in der Provinz Bozen stell ein Spannungsfeld innerhalb des Bem\u00fchens um ein inklusives Bildungssystem dar. W\u00e4hrend die sich die Autonomie auf den Schutz und Erhalt der sprachlichen und kulturellen Identit\u00e4ten der drei Sprachgruppen (Deutsch, Italienisch, Ladinisch) st\u00fctzt, f\u00fchrt eine organisatorische Trennung in der Praxis zu einer segmentierten Bildungserfahrung, die Chancenungleichheiten und soziale Auftrennung verst\u00e4rken kann (vgl. Seitz 2025, Folie 12). Ein inklusives System basiert allerdings auf der Idee, dass alle Kinder \u2013 unabh\u00e4ngig von s\u00e4mtlichen Heterogenit\u00e4tsmerkmalen \u2013 gemeinsam lernen und auf diese Weise soziale Geschlossenheit und gegenseitiges Verst\u00e4ndnis gest\u00e4rkt werden (vgl. Prengel, 2019, S.\u202f45 f.). Die institutionalisierte Trennung nach Sprache steht daher in Spannung zu den Prinzipien der Inklusion, da sie den Austausch, das gemeinsame Lernen und die Teilhabe aller Lernenden an denselben Bildungsr\u00e4umen systematisch erschwert.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Die Forschung zeigt, dass gerade heterogene Lernsettings einen positiven Beitrag zum Abbau von Vorurteilen leisten k\u00f6nnen (Florian &amp; Spratt, 2013, S.\u202f124). In diesem Kontext w\u00e4re eine kritisch-reflexive \u00dcberpr\u00fcfung der bestehenden Modelle unter Einbeziehung von inklusionsp\u00e4dagogischen Perspektiven angebracht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">2) Da die Idee eines inklusiven Bildungssystems das gemeinsame Lernen aller Kinder<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>\u2013 unabh\u00e4ngig von s\u00e4mtlichen Heterogenit\u00e4tsmerkmalen \u2013 ist, erscheint mir die Fokussierung auf bestimmte Differenzmerkmale wenig sinnvoll. Gerade die Fixierung auf medizinisch-defizitorientierte Diagnosen, f\u00fchrt leicht zur Etikettierung und Stigmatisierung von Kindern und reduziert diese auf ihre Beeintr\u00e4chtigung (vgl. Prengel, 2019, S.\u202f47 f.). Auf der anderen Seite verfolgen diese diagnostischen Verfahren auch das Ziel spezifische F\u00f6rderbedarfe zu identifizieren und Ressourcen so zielgerichtet bereitstellen zu k\u00f6nnen. Es erscheint in diesem Zusammenhang sinnvoll den inklusiven Ansatz weniger als den Fokus auf individuellen Defizite zu verstehen, sondern vielmehr als die Gestaltung barrierefreier Lernumgebungen f\u00fcr alle (vgl. Florian &amp; Spratt, 2013, S.\u202f123). Allerdings ist ein vollst\u00e4ndiger Verzicht auf Kategorien nicht realistisch, wohl aber die Notwendigkeit, Diagnosen kritisch zu reflektieren und sie nicht als Ausschlusskriterium, sondern als Ausgangspunkt f\u00fcr flexible Unterst\u00fctzungssysteme zu betrachten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">3) Ein zentraler Erfolgsfaktor f\u00fcr inklusiven Unterricht ist die Teamarbeit. Forschungsergebnisse zeigen, dass multiprofessionelle Kooperationen zwischen Lehrpersonen, Sonderp\u00e4dagog:innen, Sozialarbeiter:innen sowie Erziehungsberechtigten ma\u00dfgeblich dazu beitragen, die Bed\u00fcrfnisse heterogener Lerngruppen zu adressieren (vgl. Widmer-Wolf 2014, S. 34 ff.). Dabei erm\u00f6glicht Teamarbeit nicht nur den Austausch von Expertise, sondern auch die gemeinsame Entwicklung kreativer und flexibler Unterrichtskonzepte, die auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen eingehen, sollte dies allerdings nicht gelingen kann es zu einer Aufteilung der Kinder in kleine Gruppen entlang der Qualifikation des Lehrpersonals kommen (vgl. Widmer-Wolf 2014, S. 34). Insbesondere in komplexer werdenden Lernsituationen, in denen Differenzierungs- und Unterst\u00fctzungsbedarfe auftreten, kann kollegiale Zusammenarbeit zur Entlastung beitragen und den professionellen Umgang mit Heterogenit\u00e4t f\u00f6rdern, allerdings ist eine solche interprofessionelle Zusammenarbeit ma\u00dfgeblich von der Gegenseitigen Wetsch\u00e4tzung und dem Austausch zwischen allen Beteiligten abh\u00e4ngig (vgl. ebd., S. 31 ff.). F\u00fcr eine erfolgreiche Teamarbeit bedarf es also klarer Strukturen, regelm\u00e4\u00dfiger Absprachen und einer wertsch\u00e4tzenden Teamkultur, die die Expertise aller Beteiligten anerkennt (vgl. ebd.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Quellen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Florian, L. &amp; Spratt, J. (2013). Enacting Inclusion: A Framework for Interrogating Inclusive Practice. European Journal of Special Needs Education, 28(2), S.\u202f119\u2013135.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Prengel, A. (2019). P\u00e4dagogik der Vielfalt. Inklusive Bildung in der Schule. 6. Aufl. M\u00fcnchen: Carl Link Verlag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Seitz, S. (2025). Inklusive Bildungspraxis in S\u00fcdtirol \/ Italien: Gestaltungsm\u00f6glichkeiten innerhalb inklusiver Strukturen. Vortrag: Universit\u00e4t Bremen vom 13.05.2025<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Widmer-Wolf, Patrik: Praxis der Individualisierung. Wie multiprofessionelle Klassenteams F\u00f6rdersituationen f\u00fcr Kinder im Schulalltag etablieren. Opladen u.a. : Budrich UniPress 2014<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1) Das schulische Parallelsystem in der Provinz Bozen stell ein Spannungsfeld innerhalb des Bem\u00fchens um ein inklusives Bildungssystem dar. 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