{"id":7,"date":"2025-04-22T17:18:03","date_gmt":"2025-04-22T15:18:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jnjkfdbn\/?p=7"},"modified":"2025-04-22T17:18:03","modified_gmt":"2025-04-22T15:18:03","slug":"mehrsprachigkeit-im-unterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jnjkfdbn\/2025\/04\/22\/mehrsprachigkeit-im-unterricht\/","title":{"rendered":"Mehrsprachigkeit im Unterricht"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Stellungnahme zum \u00dcbergang von Seiteneinsteiger*innen in die Regelklasse<\/strong><\/p>\n<p>Die Entscheidung, ob Sch\u00fcler*innen mit nicht vollst\u00e4ndig entwickelten bildungssprachlichen Deutschkenntnissen in die Regelklasse aufgenommen oder an eine Oberschule verwiesen werden, darf nicht allein auf sprachliche Defizite gest\u00fctzt werden. Andrea Daase (2025) betont, dass der Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen in konkreten schulischen Kommunikationssituationen geschieht \u2013 also gerade durch die Teilnahme am Regelunterricht. Ein Verweis auf fehlende Sprachkenntnisse kann somit zu einem Ausschluss von Lerngelegenheiten f\u00fchren, anstatt gezielt beim Erwerb zu unterst\u00fctzen. Wird zudem der Schulwechsel in ein sozial belastetes Umfeld vollzogen, droht zus\u00e4tzliche Benachteiligung. Sprache darf nicht als Selektionsinstrument, sondern muss als p\u00e4dagogischer Auftrag verstanden werden.<\/p>\n<p><strong>2. Eigene Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit im Unterricht<\/strong><\/p>\n<p>In einer eigenen Unterrichtssituation erlebte ich, wie eine mehrsprachige Sch\u00fclerin einem seiteneingestiegenen Sch\u00fcler durch \u00dcbersetzung und Erkl\u00e4rung half. Diese Form des Translanguaging (Kirsch &amp; Mortini, 2016) er\u00f6ffnete dem Sch\u00fcler wichtige Zug\u00e4nge zum Unterricht, f\u00fchrte aber auch zu einer gewissen sozialen Isolation, da er sich zunehmend nur an diese eine Person hielt. Diese Erfahrung zeigt, dass Mehrsprachigkeit gezielt und p\u00e4dagogisch begleitet werden muss, um ihr Potenzial voll auszusch\u00f6pfen und zugleich neue Ausschl\u00fcsse zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>3. Konsequenzen f\u00fcr meine zuk\u00fcnftige Unterrichtsgestaltung<\/strong><\/p>\n<p>In meinen F\u00e4chern Mathematik und Sport begegnet mir sprachliche Heterogenit\u00e4t auf besondere Weise. Der Mathematikunterricht bietet durch Zahlen und Symbole alternative Zug\u00e4nge, w\u00e4hrend der Sportunterricht durch k\u00f6rperliche Bewegung auch mit geringem Sprachanteil funktionieren kann. Dennoch zeigen beide F\u00e4cher auch sprachliche Anforderungen, etwa bei Aufgabenstellungen oder Regelverst\u00e4ndnis. Deshalb m\u00f6chte ich st\u00e4rker auf sprachsensible Vermittlung achten \u2013 durch Visualisierungen, klare Anleitungen und ein bewusstes Sprechen in verschiedenen Registern, wie es im Vortrag von Daase (2025) gefordert wird.<\/p>\n<p><strong>4. Schule in einer mehrsprachigen Gesellschaft gestalten<\/strong><\/p>\n<p>Eine Schule, die Mehrsprachigkeit gerecht wird, muss sprachliche Vielfalt als Normalit\u00e4t anerkennen. F\u00fcrstenau (2011) fordert, jeder Sprache \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrem Status \u2013 einen Eigenwert zuzuschreiben. Das bedeutet, Erstsprachen k\u00f6nnen und sollen in den Unterricht eingebunden werden, etwa zur Begriffserschlie\u00dfung. Studien wie die von Prediger et al. (2019) zeigen, dass dies auch im Fachunterricht \u2013 z.\u202fB. in Mathematik \u2013 kognitive Prozesse unterst\u00fctzt. Entscheidend ist, dass Schulen strukturell die Verantwortung f\u00fcr den Spracherwerb \u00fcbernehmen, statt ihn externalisiert als H\u00fcrde zu behandeln.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><br \/>\n<em>\u2022 Daase, A. (2025). Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung. Vortrag im Rahmen der BAUMHET-Ringvorlesung, Universit\u00e4t Bremen.<\/em><br \/>\n<em>\u2022 F\u00fcrstenau, S. (2011). Mehrsprachigkeit als Voraussetzung und Ziel schulischer Bildung. In: F\u00fcrstenau &amp; Gomolla (Hrsg.), Migration und schulischer Wandel. Wiesbaden: VS Verlag.<\/em><br \/>\n<em>\u2022 Kirsch, C. &amp; Mortini, S. (2016). Translanguaging als Lehr- und Lernstrategie. Forum f\u00fcr Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg 365, 23\u201325.<\/em><br \/>\n<em>\u2022 Prediger, S. et al. (2019). Mehrsprachigkeit als Ressource im Fachunterricht. In: Lernende Schule (86). Velber: Friedrich Verlag.<\/em><\/p>\n<p>RV03<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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