Eine gemeinsame Lernsituation?! – Eine Zusammenfassung und meine eigene Meinung

Hans Wocken – gemeinsame Lernsituation

Seite: 41 – 49 

Hans Joachim Wochen geht in seinem Text aus dem Jahre 1998 „gemeinsame Lernsituationen – eine Skizze zur Theorie gemeinsamen Unterrichts“, auf verschiedene Lern- und Lebenssituationen ein, die Kindern in ihrem schulischen Alltag begegnen können. Visualisiert werden Unterrichtssituationen in verschiedenen Schaubildern, welche aus zwei Ebenen bestehen. Durch einen horizontalen Pfeil wird der so genannte Inhaltsaspekt dargestellt, auf vertikaler Ebene befindet sich der Beziehungsaspekt. Je nachdem wie dominant ein Aspekt in der jeweiligen Lernsituation ist, wird dieser entweder als eine gestrichelte Linie oder eine durchgezogene Linie wiedergegeben. 

Koexistente Lernsituation: 

Diese ist dadurch bestimmt, dass das Verhalten der jeweiligen Person zum größten Teil durch ihr eigenes Handeln bestimmt ist. Die Individualität und das eigene angestrebte Ziel stehen stark im Vordergrund. Nur ergänzend lässt sich der Beziehungsaspekt wiederfinden. In Bezug auf eine Unterrichtssituation könne man die koexistiente Lernsituation mit einem, eins für einen Schüler/in individuell angefertigten, Wochenplan vergleichen. Das Kind bearbeitet seine Aufgaben, seins Lernstandes entsprechend in einer Gewissen Zeit, unter individuellen Bedingungen und Ansprüchen. Eine Gruppenarbeit oder ein direkter Austausch mit den Mitschülern findet nicht statt. 

Kommunikative Lernsituation:

Die kommunikativ Lernsituation steht im direkten Kontrast zu der koexistienten Lernsituation, da  hierbei der Fokus auf die Kommunikation und das Miteinander gelegt wird. Jedoch spielt die Vermittlung des Lerninhaltes weniger bis gar keine Rolle mehr. Demnach sind die Unterrichtsgespräche oft gegenstandslos und beruhen auf die direkte Interaktion von Schüler A mit Schüler B. Hierbei tritt die unterrichtende Pädagogin passiv in den Hintergrund des Geschehens. 

Subsidiäre Lernsituation: 

Bei der subsidiären Lernsituation ist sowohl der kommunikative, als auch der Beziehungsaspekt relevant für den Lernerfolg des Schülers/in. Jedoch lässt sich hierbei anmerken, dass die Verteilung beider Aspekte nicht systematisch ist. Wocken bezeichnet dies als Asymmetrie. Zudem lässt sich die subsidiäre Lernsituation in zwei verschiedene Kategorien unterteilen.

Bei der unterstützenden Lernsituation bietet Schüler A, Schüler B beiläufig Unterstützung bei der Bewältigung einer Aufgabe an, jedoch arbeitet dieser kontinuierlich weiter an seinem Lernziel. Somit wird durch einseitige Kommunikation dem hilfsbedürftigen Schüler B Unterstützung gewährleistet. 

Bei der prosozialen Lernsituation ist es für den unterstützenderen Schüler A nicht mehr möglich, sich parallel zu seiner Hilfestellung für Schüler B,  auf seine eigenen Belange zu konzentrieren. Der Schüler/in stellt seine eigenen Bedürfnisse zurück, um den vermeintlich schwächeren Schüler/in bei der Bewältigung der Aufgabe zu helfen. 

Kooperative Lernsituation: 

Bei der kooperativen Lernsituation arbeiten alle Instanzen, bzw. Schüler, zusammen an der Bewältigung einer Aufgabe. Es ist zu unterscheiden, ob die Gruppe von Schülern zusammen ein gemeinsames Ziel (solidarische Lernsituation) oder eine unterschiedliche Zielsetzung (komplementäre Lernsituation) verfolgt. Verfolgen sie unterschiedliche Ziel, so sind sie denn noch auf Kooperation und Interaktion untereinander angewiesen. Arbeiten die Schüler zusammen an einem gemeinsamen Ziel, so stärkt dies die Gemeinschaft und es kann eine steuernde synergetische Kraft entfaltet werden.

Welche Lernsituation sollte im inklusiven Unterricht verwendet werden? 

Meiner Meinung nach ist es nicht möglich im inklusiven Unterricht differenziert nur eine Lernsituation anzuwenden. Demnach ist es wichtig als Lehrperson die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schüler/innen wahrzunehmen und diesbezüglich die Lernsituation anzupassen. So könnte es möglich sein, bei einem von Unruhe geprägten Klassenklima, in der Einzelarbeit (koexistente Lernsituation), auf eine kommunikative Lernsituation bzw. Gruppenarbeit oder Partnerarbeit zurück zugreifen. 

Zudem sollte gewährleistet sein, dass ein Schüler/in, welcher auf Grund eines expliziten Förderbedarf auf Hilfe angewiesen ist, diese in jeder Situation in Anspruch nehmen kann. Diesbezüglich ist die unterstützende Lernsituation von Vorteil, da der hilfsbedürftige Schüler hierbei aktiv in den Unterricht mit eingebunden wird und der unterstützende Schüler durch die direkte Wiedergabe sein Wissen, oder seine Aktivität ausbaut und festigt. Jedoch ist meiner Meinung nach die prosoziale Lernsituation kritisch zu betrachten, da der unterstützende Schüler A hierbei von seinem eigenen Lerninhalt abgelenkt wird. 

Abschließend lässt sich sagen, dass für einen inklusiven, vielfältigen und kooperativen Unterricht, welcher sich auf alle Schüler und Schülerinnen bezieht, die kooperative Lernsituation vom Vorteil ist, da hier bei die unterschiedlichen Schüler unabhängig von ihren individuellen Lernzielen und Voraussetzungen sich gemeinsam Wissen aneignen können. Demnach können die Kinder zum Beispiel innerhalb einer Gruppendiskussion lernen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und  sich gegenseitig bei  Bedarf unterstützen können. 

Ein Gedanke zu „Eine gemeinsame Lernsituation?! – Eine Zusammenfassung und meine eigene Meinung“

  1. Hallo liebe Jill,
    ich finde, dass du den Text von Hans Joachim Wocken zu dem Thema „Gemeinsame Lernsituation“ sehr gut und präzise zusammengefasst hat. Der Aufbau und die Struktur deines Beitrags gefällt mir gut, da es sich als Leser gut lesen lässt und man gut folgen kann. Besonders gefallen hat mir dein Einstieg und die damit verbundene Erläuterung zu den vorhandenen Skizzen, die Hans Joachim Wocken zur Veranschaulichung nutzt. Du hast alle wesentlichen Aspekte der jeweiligen Lernsituation aufgelistet und dies mit praktischen Beispielen aus dem Schulalltag nochmals verdeutlicht. Dadurch kann man die Theorie besser verstehen und sich hineindenken. Ich habe den Text selber gelesen und ebenfalls zusammengefasst, jedoch habe ich diese Beispiele nicht erwähnt und habe nach dem Lesen deines Beitrages festgestellt, dass es dies eindeutig in meinem Beitrag fehlt.
    Man merkt, dass du dich mit dem Text und dem Thema gut auseinander gesetzt hast. Dies wird vor allem bei deiner eigenen Meinung deutlich. Ich kann deiner Meinung nur zustimmen, dass man in einem inklusive Unterricht nicht nur nach einer Lernsituation arbeiten sollte. Gerade im inklusiven Unterricht muss die Möglichkeit bestehen, dass die Individualität und die Bedürfnisse des Einzelnen berücksichtig werden. Angesichts dessen könnte ich mir ebenfalls vorstellen, dass die kooperative Lernsituation für einen inklusiven Unterricht am besten geeignet sein könnte.

    Vielen Dank für deinen Beitrag 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.