{"id":41,"date":"2020-07-29T17:21:27","date_gmt":"2020-07-29T15:21:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jessica2\/?p=41"},"modified":"2020-07-29T17:21:27","modified_gmt":"2020-07-29T15:21:27","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jessica2\/2020\/07\/29\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Liebe Leser*innen,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">im Folgenden schreibe ich eine pers\u00f6nliche Abschlussreflexion zur Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c. Im ersten Teil fasse ich die f\u00fcr mich zentralsten Erkenntnisse aus den verschiedenen Vorlesungen zusammen. Dabei nehme ich Bezug auf die unterschiedlichen, fachdidaktischen Aspekte und \u00fcbertrage diese vor allem auf die von mir studierten F\u00e4cher \u201eMathematik\u201c und \u201eInklusionsp\u00e4dagogik\u201c, sowie allgemein auf die erziehungswissenschaftlichen Erkenntnisse zur Schule und Unterricht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Im Rahmen der Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c habe ich verschiedene Eindr\u00fccke und Perspektiven zum Thema kennengelernt, von denen ich nun die f\u00fcr mich pr\u00e4gnantesten erl\u00e4utere: <\/span><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Im Einstieg der Ringvorlesung ging es um das Spannungsfeld zwischen Heterogenit\u00e4t und Homogenit\u00e4t. So ist es im Allgemeinen der Auftrag der Schule sich zu einer heterogenen und inklusiven Schule zu entwickeln. Doch Vielfalt ist gleichzeitig auch eine anspruchsvolle Realit\u00e4t: h\u00e4ufig entsteht bei Lehrkr\u00e4ften ein gewisser Ordnungswunsch (Suchen nach Gemeinsamkeiten) gegen \u00dcberforderung. Es k\u00f6nnen Stereotype Vorstellungen entstehen, die Basis f\u00fcr Diskriminierung sind. Eine Abweichung von der Norm wird oft als Defizit bzw. St\u00f6rfaktor angesehen. So ist Heterogenit\u00e4t immer mit einer sozialen Konstruktion verbunden, die von expliziten und impliziten Ma\u00dfst\u00e4ben f\u00fcr eine ebenfalls konstruierte Einheitlichkeit abh\u00e4ngt. Es impliziert die Differenzen und Streuung um eine Norm (Vergleichsdimension). (vgl. Gomolla 2009: 22) Ein Beispiel hierf\u00fcr w\u00e4re das Feststellen der sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarfe. Daraus ergeben sich verschiedene Antinomien, bei denen eine Balance zwischen Vereinheitlichung und Differenzierung gefunden werden muss. So ergibt sich beispielsweise das Spannungsfeld zwischen Inklusion und Individualisierung. Neben einer gemeinsamen inklusiven Schule, m\u00fcssen also gleichzeitig die einzelnen Sch\u00fcler mit ihren individuellen Bed\u00fcrfnissen im Vordergrund stehen. (vgl. Wenning 1999)\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Die n\u00e4chste f\u00fcr mich pers\u00f6nlich pr\u00e4gnante Erkenntnis ist bezogen auf den Literaturunterricht. \u201eM\u00e4dchen lesen h\u00e4ufiger als Jungen\u201c und \u201eJungen lesen schlechter als M\u00e4dchen\u201c waren zentrale Aussagen der Vorlesung. (vgl. Phillip 2011 a) Daraus ergeben sich verschiedene Konsequenzen f\u00fcr die schulische Praxis. Wichtig w\u00e4re es beispielsweise auch m\u00e4nnliche Kollegen oder V\u00e4ter mit einzubeziehen, damit eine gr\u00f6\u00dfere Vielfalt an Lesevorbildern vorliegt. Zudem sind Fortbildungen, um einen gendersensible Lekt\u00fcreauswahl zu gew\u00e4hrleisten, bei der die Jungen und M\u00e4dchen mit einbezogen werden sollten, von Vorteil.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/span><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">In einer weiteren spannenden Vorlesung ging es um den Zusammenhang von Sprachkompetenz und der Mathematikleistung. (vgl. Krummheuer 1997; van Oers 2013) Vor allem ein Migrationshintergrund kann Auswirkungen auf den mathematischen Kompetenzerwerb des Kindes haben. (vgl. Heinze et al. 2007; Schmitman gen. Pothmann 2008). Aber auch der sozio\u00f6konomische Status der Eltern oder die H\u00e4ufigkeit der mathematikbezogenen Erfahrungen im Alltag sind bedeutsame Einflussfaktoren auf den Bildungserfolg des Kindes. (vgl. Schuchardt et al. 2014) Somit ist ein sprachsensibler Mathematikunterricht von gro\u00dfer Bedeutung. Sprache taucht im Mathematikunterricht in verschieden Weisen auf: Bei Textaufgaben, beim Besprechen oder Pr\u00e4sentieren von L\u00f6sungswegen, sowie aber auch als kognitive Funktion, beim mathematischen Denken. Ein sprachsensibler Mathematikunterricht kann beispielsweise mit der Methode \u201eScaffolding\u201c gef\u00f6rdert werden. Dies ist ein Angebot sprachlicher Ger\u00fcste, an welches sich die Sch\u00fcler*innen orientieren k\u00f6nnen. Es wird zwischen \u201eMacro-Scaffoling\u201c (von Lehrkraft gest\u00fctzte Angebote) und \u201eMicro-Scaffolding\u201c (Unterst\u00fctzungsangebote in spontaner Interaktion mit der Lehrkraft oder unter den Kindern) unterschieden. Auch das WEGE-Konzept nach Verboom (2013) kann als Unterst\u00fctzung dienen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Im Folgenden zweiten Teil gehe ich auf die Faktoren zum schulischen Umgang mit Heterogenit\u00e4t ein, die den Schulalltag besonders pr\u00e4gen. Leistungsheterogenit\u00e4t ist ein Beispiel f\u00fcr einen bedeutsamen Aspekt in der Schule. \u201eLeistungsbedingte Heterogenit\u00e4t meint im Lernprozess z.B. Unterschiede in Geschwindigkeit, F\u00e4higkeit oder Bereitschaft und im Abschluss abweichende Ergebnisse.\u201c (Wenning 2007, S. 25) Bedingungen, wie beispielsweise das Niveau der Bildungsaspiration der Eltern oder aber auch schulische Bedingungen haben Einfluss auf die Leistung der Sch\u00fcler*innen. Vor allem kommt es aber auf die Haltung der Lehrkraft an und zudem sind alle am Unterrichtsprozess Beteiligten gemeinsam entscheidend f\u00fcr den Einfluss der Leistung. (vgl. Zierer 2015, S. 25) Zentrale Aufgaben von Lehrkr\u00e4ften sind es Leistungen wahrzunehmen, r\u00fcckzumelden und zu beurteilen. Beim Wahrnehmen der Leistungen spielt das intersubjektive Situationsverst\u00e4ndnis eine zentrale Rolle. (vgl. Krammer 2017, S. 114) Au\u00dferdem muss das Lernen beobachtet und analysiert werden, indem Informationen \u00fcber die individuellen Lernst\u00e4nde gegeben, \u00fcber Ausgangslagen, aktuelle Einzelleistungen, Strategien, Lernentwicklungen und n\u00e4chsten Schritte begr\u00fcndet werden. (vgl. Haug\/Helmerich 2017, S. 18) Um Leistung r\u00fcckzumelden, ist das \u201eEffektive Feedback\u201c eine Methode und gleichzeitig eine wichtige Aufgabe f\u00fcr den Lernerfolg. (vgl. Hattie 2009;Hattie&amp;Timperley, 2007) Beim Leistungen beurteilen gibt es nach Heinzel (2009) die Entwicklungsfunktion (kontinuierlich) und die Steuerungsfunktion (punktuell).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Im letzten Abschnitt nenne ich zwei erziehungswissenschaftliche Fragestellungen aus der Ringvorlesung, zu denen ich gerne in meinem weiteren Studium mehr erfahren w\u00fcrde. Weiter besch\u00e4ftigen w\u00fcrde ich mich zum einen gerne mit dem sprachsensiblen Mathematikunterricht, da ich selbst Mathe studiere und auch Sprache in mehreren Zusammenh\u00e4ngen in der Grundschule auftaucht. Zum anderen interessiert mich das Thema Leistungsheterogenit\u00e4t, daher m\u00f6chte ich mich im weiteren Verlauf des Studiums damit besch\u00e4ftigen. Leistungen wahrnehmen, r\u00fcckmelden und beurteilen sind zentrale Aufgaben f\u00fcr meinen sp\u00e4teren Beruf als Lehrkraft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Danke, dass ich viele spannende und erkenntnisreiche neuen Vorlesungsinhalte kennenlernen konnte, die zum Nachdenken und zur Weiterarbeit anregen.<\/span><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\"><strong>Literatur <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Gomolla, Mechthild\/ F\u00fcrstenau, Sara 2009: Migration und schulischer Wandel: Unterricht. VS Verlag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Haug\/Helmerich (2017): \u201eIch wei\u00df nicht, wie es weitergeht\u201c \u2013 Anregungen aus der Praxis f\u00fcr eine individuelle Lernbegleitung. In: Die Grundschulzeitschrift: , Nr. 305\/Oktober 2017, S. 7-12.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Heinze, A., Herwartz-Emden, L. &amp; Reiss, K. (2007). Mathematikkenntnisse und sprachliche Kompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund zu Beginn der Grundschulzeit. Zeitschrift f\u00fcr P\u00e4dagogik 53, 4, 562-581.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Heinzel, F. (2009): Tradierte Formen der Leistungsbeurteilung. In: Bartnitzky, H., Br\u00fcgelmann, H., Hecker, U., Heinzel, F., Sch\u00f6nknecht, G. &amp; Speck-Hamdam, A. (Hrsg.) (2009). Kursbuch Grundschule. Frankfurt a. M.: Grundschulverband \u2013 Arbeitskreis Grundschule. S. 222-233<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Krammer, K. (2017): Die Bedeutung der Lernbegleitung im Kindergarten und am Anfang der Grundschule. In: Schuler, Stephanie; Streit, Christine; Wittmann, Gerald (Hrsg.): Perspektiven Mathematischer Bildung im \u00dcbergang vom Kindergarten zur Grundschule. Wiesbaden: Springer Spektrum, S. 107-124<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Krummheuer, G. (1997). Narrativit\u00e4t und Lernen. Mikrosoziologische Studien zur sozialen Konstitution schulischen Lernens. Weinheim: Beltz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Philipp, Maik (2011a): Lesen und Geschlecht 2.0. F\u00fcnf empirisch beobachtbare Achsen der Differenz neu betrachtet. In: leseforum.ch 01\/11.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Schuchardt, K., Piekny, J., Grube, D. &amp; M\u00e4hler, C. (2014). Einfluss kognitiver Merkmale und h\u00e4uslicher Umgebung auf die Entwicklung numerischer Kompetenzen im Vorschulalter. Zeitschrift f\u00fcr Entwicklungspsychologie und P\u00e4dagogische Psychologie, 46 (1), 24-34<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Verboom, L. (2013). Sprachf\u00f6rderung im Fach mit Plan. Das WEGE-Konzept am Beispiel \u201eOrientierung auf der Hundertertafel\u201c. Grundschule Mathematik, H. 39, 16-19<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Wenning, Norbert (1999): Vereinheitlichung und Differenzierung. Zu den \u201ewirklichen\u201c gesellschaftlichen Funktionen des Bildungswesens im Umgang mit Gleichheit und Verschiedenheit. Opladen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif\">Wenning, N. (2007): Heterogenit\u00e4t als Dilemma f\u00fcr Bildungseinrichtungen. In: Boller, S.\/Rosowski, E.\/Str<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nLiebe Leser*innen, im Folgenden schreibe ich eine pers\u00f6nliche Abschlussreflexion zur Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c. 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