{"id":18,"date":"2023-05-11T12:17:53","date_gmt":"2023-05-11T10:17:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jasminatblog\/?p=18"},"modified":"2023-05-11T12:20:43","modified_gmt":"2023-05-11T10:20:43","slug":"18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jasminatblog\/2023\/05\/11\/18\/","title":{"rendered":"Kognitive Heterogenit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>Welche Rolle spielen Intelligenz und Vorwissen f\u00fcr erfolgreiches Lernen? In welchem Verh\u00e4ltnis stehen diese beiden Heterogenit\u00e4tsdimensionen zueinander? Wie hat man ihren jeweiligen Einfluss auf Lernerfolg empirisch untersucht? Und was bedeuten die Befunde f\u00fcr Schule und Unterricht?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Intelligenz und Vorwissen sind beide notwendig f\u00fcr ein erfolgreiches Lerne, da Intelligenz alleine nicht reicht zum lernen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Intelligenz n\u00fctzt nichts, wenn man nicht das n\u00f6tige Wissen f\u00fcr dessen Anwendung hat und Wissen allein n\u00fctzt nichts wenn man nicht die Intelligenz besitzt sie n\u00fctzlich einzusetzen (vgl Gruber; Stamouli 2009, S.35). In einem Diagramm wurde die Leistung anhand einer Nacherz\u00e4hlung einer Fussballgeschichte in Abh\u00e4ngigkeit von Vorwissen und Klassenstufe ausgewertet (Schneider, K\u00f6rkel &amp; Weinert, 1989).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Es wurden die Klassenstufen 3, 5 und 7 in betracht gezogen und es wird deutlich, dass hohe Intelligenz und ein hohes Ma\u00df and Vorwissen vor allem bei den Drittkl\u00e4sslern eine gute Leistung erzielt. Bei den F\u00fcnft- und Siebtkl\u00e4ssler sieht man jedoch, dass die meisten gute Leistung erzielen, dessen Vorwissen h\u00f6her ist als ihre Intelligenz. Aus dem Diagramm l\u00e4sst sich also schlie\u00dfen, dass beides, Intelligenz und Vorwissen, ben\u00f6tigt werden um gute Leistungen in der schule zu erbringen. In manchen Klassenstufen ist es leistungstragender eine hohe Intelligenz und ein hohes Vorwissen zu haben, zum Beispiel wie im Diagramm in der dritten Klasse, da man am Anfang der Schulzeit die Grundsteine f\u00fcr den sp\u00e4teren Lernstoff legt und die Kinder die Intelligenz brauchen ihr Vorwissen richtig zu nutzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr die Schule bedeutet die Befunde, dass Kinder aufgrund ihrer allgemeinen Begabung und Intelligenz nicht bewertet werden k\u00f6nnen. Wenn man davon ausgeht, dass alle Kinder dasselbe Vorwissen besitzen und sie deshalb alle gleich unterrichtet, komme es zur Leistungsheterogenit\u00e4t. Hier unterscheidet man zwischen drei Effekten. Zum einen gibt es den Matth\u00e4us-Effekt, der besagt, dass wenn das Vorwissen die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr den Lernerfolg ist, vergr\u00f6\u00dfert der Unterricht diese unterschiede. Was also f\u00fcr alle \u201egut\u201c ist hilft letztendlich den \u201eBesseren\u201c mehr, also denjenigen, die ein besseres Vorwissen haben. Eine anderer Effekt ist die Wechselwirkungen von F\u00e4higkeiten zwischen Personeneigenschaften und Behandlung und Unterricht. Hier k\u00f6nnen durch \u201eoffene\u201c Aufgaben diejenigen gef\u00f6rdert werden, die aufgrund vom ausreichenden Vorwissen, gut zurecht kommen. Dadurch kommt es aber dazu, dass es mehr Unterst\u00fctzungsbedarf bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit ung\u00fcnstigen Vorraussetzungen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Der dritte Effekt ist die Homogene vs heterogene Lerngruppen zu bilden wo \u201est\u00e4rkere\u201c Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit \u201eschw\u00e4cheren\u201c zusammenarbeiten, ohne aber dabei zu leiden. Meistens bevorzugen aber nur die \u201eschw\u00e4cheren\u201c Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die heterogenen Gruppen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Einige Befunde zur Rolle von Intelligenz und Vorwissen beim Lernen waren f\u00fcr Sie m\u00f6glicherweise \u00fcberraschend. Oder Sie sehen einige der Forschungsergebnisse kritisch in Bezug auf Schule und Unterricht. Welche (Forschungs-)Fragen ergeben sich daraus (z.B. f\u00fcr Ihr Orientierungspraktikum)? Und wie k\u00f6nnten Sie diese Fragen beantworten?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr mich pers\u00f6nlich \u00fcberraschend war die Tatsache, dass das Vorwissen einflussreicher auf die Leistungen sind als die Intelligenz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Fragen die sich mir gestellt haben sind zum einen:<\/p>\n<ul>\n<li>Kann man den Unterricht so gestalten, dass jeder Sch\u00fcler seine beste Leistung daraus enth\u00e4lt?<\/li>\n<li>Ist unser Schulsystem zu allgemein spezifiziert auf das Vorwissen der Kinder und vernachl\u00e4ssigt dadurch ihre hohe Intelligenz?<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Am Ende des Vortrags wurden zwei verschiedene Adaptionsmodelle dargestellt. Finden Sie Praxisbeispiele zu jeder der in den Modellen genannten Reaktionsformen (Weinert, 1997) bzw. Adaptionsm\u00f6glichkeiten (Leutner, 1992).<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400\">Man unterscheidet bei dem Modell der Reaktionsformen von Weinert ( 1997) zwischen den vier Reaktionsformen: passiv, substitutiv, aktiv und proaktiv.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Bei der passiven Reaktionsform wird der Leistungsunterschied ignoriert und es wird sich am Durchschnittssch\u00fcler orientiert. Ein Beispiel w\u00e4re hier der Klassenarbeitsschnitt. Wenn der Schnitt bei 1,5 liegt, gehen Lehrkr\u00e4fte davon aus, dass das Thema von allen verstanden wurde und f\u00e4ngt das neue Thema an, wodurch die zwei oder drei Sch\u00fcler die eine f\u00fcnf oder sechs geschrieben haben, ignoriert werden. Bei der substitutiven Form werden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler nach Leistungen aufgeteilt zum Beispiel in eine lernstarke und eine lernschwache Gruppe. Bei der aktive Unterrichtsform kann der Unterricht an die lernrelevanten unterschieden angepasst werden und es entsteht ein adaptiver Unterricht. Hier w\u00e4re ein Beispiel, wenn die Klasse einen wochenlangen mit aufgaben bekommt, wo alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihr eigenes Arbeitstempo entscheiden kann. DurchWahl Aufgaben kann auch der Leistungsvorsprung der Leistungsst\u00e4rkeren kompensiert werden. Die letzte from ist die proaktive Form, wo die gezielte F\u00f6rderung der einzelnen, Lernschw\u00e4chen \u00a0Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler stattfindet. Hier bestimmt der Lehrende das Lerntempo (Helmke,2009).<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Bei dem Modell von Leutner (1992) \u201eZweck vs. Umsetzung\u201c werden drei Reaktionsformen vorgeschlagen. Zum einen man, durch entsprechende Anpassung des Lernziels, die Lernschwachen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00f6rdern und an den jeweiligen Leistungsstand angepasst werden. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, durch Anpassung der Lernmethode, sich gegenseitig helfen, zum Beispiel in gemeinsamen Lerngruppen. Zu letzt kann man noch die Lernzeit nach der jeweiligen Pr\u00e4ferenz der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler anpassen, damit jeder sein eigenes Arbeitstempo hat durch, wie vorhin schon angesprochen, Wochenpl\u00e4ne.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400\">Quellenverzeichnis<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Gruber, Hans: Stamouli, E. (2020). Intelligenz und Vorwissen. In E. Wild &amp; J. M\u00f6ller (Hrsg.),<em> P\u00e4dagogische Psychologie<\/em> (s.25-44). Heidelberg: Springer.<\/li>\n<li>Helmke, A. (2009). <em>Unterrichtsqualit\u00e4t und Lehrerprofessionalit\u00e4t. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts.<\/em> Seelze-Velber: Klett- Kallmeyer. (Kapitel 4.9)<\/li>\n<li>Schmidt-Borcherding, Florian: Umgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule. Die kognitiven Dimensionen von Lernerfolg: Intelligenz vs. Vorwissen, Vorlesung am 09.05.2023, Folie 23- 31.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Rolle spielen Intelligenz und Vorwissen f\u00fcr erfolgreiches Lernen? In welchem Verh\u00e4ltnis stehen diese beiden Heterogenit\u00e4tsdimensionen zueinander? Wie hat man ihren jeweiligen Einfluss auf Lernerfolg empirisch untersucht? Und was bedeuten die Befunde f\u00fcr Schule und Unterricht? Intelligenz und Vorwissen sind beide notwendig f\u00fcr ein erfolgreiches Lerne, da Intelligenz alleine nicht reicht zum lernen. 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