{"id":43,"date":"2019-06-17T09:01:54","date_gmt":"2019-06-17T07:01:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jannatimm\/?p=43"},"modified":"2019-06-17T09:01:54","modified_gmt":"2019-06-17T07:01:54","slug":"mehrsprachlichkeit-in-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jannatimm\/2019\/06\/17\/mehrsprachlichkeit-in-der-schule\/","title":{"rendered":"Mehrsprachlichkeit in der Schule"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">An Ihrer Schule gibt es eine \u2013 wie \u00fcblich sehr heterogen besetzte \u2013 Vorklasse, in welcher\u00a0sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am\u00a0Regelunterricht vorbereitet werden. F\u00fcr einige wird nun der \u00dcbergang diskutiert. Ein\u00a0Gro\u00dfteil der Lehrkr\u00e4fte pl\u00e4diert \u2013 mit Verweis auf die noch nicht vollst\u00e4ndig\u00a0ausreichenden (bildungssprachlichen) Deutschkenntnisse \u2013 sie an eine Realschule zu\u00a0\u00fcberweisen, obwohl die Sch\u00fcler*innen hinsichtlich ihrer Lernf\u00e4higkeit und ihrer\u00a0Vorbildung eigentlich die Voraussetzungen f\u00fcr das Gymnasium mitbringen und gerne an\u00a0der Schule bleiben w\u00fcrden. Nehmen Sie auf Basis der Vorlesung Stellung dazu.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit \u2013 in der hier verstandenen breiten Sicht \u2013 in\u00a0Schule und Unterricht (selbst als Sch\u00fcler*in und(oder Praxiserfahrungen) haben Sie\u00a0bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Was m\u00f6chten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zuk\u00fcnftigen\u00a0Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche F\u00e4higkeiten fehlen Ihnen\u00a0daf\u00fcr noch?<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein. Welche\u00a0Rahmenbedingungen m\u00fcssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit ihrer\u00a0Sch\u00fcler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten k\u00f6nnen?<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Zun\u00e4chst einmal m\u00fcsste ich genauere Informationen haben. Ich m\u00fcsste mich zun\u00e4chst informieren wie flei\u00dfig und wie erfolgreich die SuS bisher waren und wie die Lehrkraft ihr zuk\u00fcnftiges Lernen einsch\u00e4tzt. Auch m\u00fcsste ich wissen, was den bisherigen Lernerfolg beeinflusst hat. Sollten die SuS flei\u00dfig sein und einen ausgepr\u00e4gten Willen und Lust am Deutschlernen haben, w\u00fcrde ich sie vehement verteidigen. Eine Versetzung auf eine Realschule w\u00e4re in einem solchen Falle langfristig keine faire L\u00f6sung. Auch wenn pers\u00f6nliche Probleme das Lernen in der Vergangenheit negativ beeinflusst haben, ist es wichtig die SuS zu unterst\u00fctzen, statt zu versetzen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass keine pers\u00f6nlichen Probleme vorlagen und die Deutschlehrkraft das Lernen der SuS als ungen\u00fcgend einstuft, w\u00fcrde ich mich meinen KollegInnen anschlie\u00dfen. Wichtig hierbei w\u00e4re noch die Anmerkung, dass ein erneuter Wechsel auf das Gymnasium m\u00f6glich ist, sollten die SuS ihre Kenntnisse verbessern.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">In unsere Klasse kam in der 10. Stufe ein Junge aus Rum\u00e4nien: Andi. Andi konnte wenig Deutsch sprechen und sein Englisch war auch nicht besonders gut. Als er in unsere Klasse kam, war das gr\u00f6\u00dfte Problem, dass sich bei uns schon jeder kannte und sich feste Freundschaften schon gebildet hatten. Andi war irgendwie immer au\u00dfen vor, auch wegen der Sprachbarriere, wurde aber zum Gl\u00fcck nicht gemobbt. Er tat mir damals sehr leid und obwohl ich nichts mit ihm gemeinsam hatte, unterhielt ich mich manchmal mit ihm. Ich sprach meistens Englisch aber er sagte, ich solle Deutsch sprechen, denn er m\u00f6chte es gerne lernen. Das Problem war, dass ich ihn auf Deutsch nicht verstehen konnte und daher meistens, wenn er redete, nur nickte und \u201eJa\u201c sagte. Irgendwie tat mir das leid, aber ich wusste damals nicht, wie ich mit ihm umgehen sollte. Unsere Lehrer waren dagegen noch deutlich \u00fcberforderter. Die meisten sagten einige Aufgaben auf Deutsch, und wenn Andi sie nicht verstand, wiederholten Sie sie exakt genau gleich auf Deutsch, nur lauter. Das verstand Andi nat\u00fcrlich genauso wenig. Manchmal versuchte er auf Fragen mir Zeigen und Englisch zu antworten, doch vor allem die Lehrkr\u00e4fte ab einem Alter von 40 Jahren stellten sich dabei quer und nahmen einfach andere SuS dran. Man merkte, dass er ein intelligenter Mensch war, denn er war in Mathematik besonders gut und in anderen F\u00e4chern, in denen Deutsch eine untergeordnete Rolle spielte (wie Kunst, Filmunterricht, Informatik und Chemie). Ich glaube, dass das jeder irgendwie wusste, jedoch keiner etwas gegen die Sprachbarriere tun konnte und wir alle folglich nichts als Mitleid f\u00fcr Andi \u00fcbrighatten. Heute wei\u00df ich, dass man vieles h\u00e4tte anders machen m\u00fcssen und unser Mitleid Andi genauso wenig geholfen hat, wie das laute Wiederholen von Aufgabenstellungen.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Ich habe unter anderem gelernt, dass bestimmte Worte wie \u201eMigrant\u201c Vorurteile \u00fcber die sprachlichen Kompetenzen ausl\u00f6sen, die nicht der Realit\u00e4t entsprechen m\u00fcssen. Dar\u00fcber hinaus sind Vorurteile und falsche Vorstellungen \u00fcber die ben\u00f6tigte Zeit zum Lernen einer zweiten Sprache (Allgemeinsprachliche und Bildungssprachliche Kompetenzen) weit verbreitet. Fehlinformationen und Stereotypen-Denken hindern hierbei eine positive Unterst\u00fctzung der SuS und eine zukunftsgerichtete Inklusion von mehrsprachlichen SuS. Ich m\u00f6chte mir f\u00fcr meinen zuk\u00fcnftigen Unterricht vornehmen, weniger in Stereotypen und Vorurteilen zu denken. Bis dahin ist es noch ein weiter weg, da ich unweigerlich oft in Stereotypen denke, da ich bestimmte Assoziationen mein ganzes Leben lang genutzt habe.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">Zwar ist dies keine besonders hilfreiche Antwort, aber ich muss in diesem Bezug zugeben, dass ich davon leider keine ausgearbeiteten Vorstellungen habe. Ich bin nicht sicher, ob man auf alle heterogenen Aspekte einer Person (darunter Mehrsprachigkeit) \u00fcberhaupt R\u00fccksicht nehmen muss, oder ob sich Menschen nicht auch mit den harten Rahmenbedingungen arrangieren sollten. Die Aufgabenstellung nimmt jedoch an, dass ein registersensibler Unterricht die grundlegend sinnvollste L\u00f6sung ist.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Ihrer Schule gibt es eine \u2013 wie \u00fcblich sehr heterogen besetzte \u2013 Vorklasse, in welcher\u00a0sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am\u00a0Regelunterricht vorbereitet werden. F\u00fcr einige wird nun der \u00dcbergang diskutiert. 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