{"id":10,"date":"2019-05-13T09:04:17","date_gmt":"2019-05-13T07:04:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jannatimm\/?p=10"},"modified":"2019-06-03T15:01:58","modified_gmt":"2019-06-03T13:01:58","slug":"mathematische-leistungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/jannatimm\/2019\/05\/13\/mathematische-leistungen\/","title":{"rendered":"Mathematische Leistungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"\">\n<ul>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><span class=\"\">Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein Grund zur Sorge<\/span><span class=\"\">? Welche Bedeutung kommt dem zweigliedrigen Schulsystem (Oberschule \/ Gymnasien) in Bremen diesbez\u00fcglich zu?<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><span class=\"\">Spielen im Mathematikunterricht, kann das angesichts von Leistungsunterschieden ein Ansatz sein?<\/span> <span class=\"\">Beziehen<\/span> <span class=\"\">und begr\u00fcnden Sie eine Position aus Lehrenden-Sicht, die auch Sch\u00fclersichtweisen einbezieht<\/span><span class=\"\">.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><span class=\"\">Spielen kann im Handeln \u201estecken bleiben\u201c, das Denken kommt zu kurz.\u00a0<\/span> <span class=\"\">Formulieren<\/span> <span class=\"\">Sie<\/span> <span class=\"\">zwei Fragen, welche Ihnen helfen k\u00f6nnen, m\u00f6gliche Denkhandlungen von Lernenden zu beobachten<\/span><span class=\"\">.<\/span><\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><span class=\"\">Benennen\u00a0<\/span><span class=\"\">Sie\u00a0<\/span><span class=\"\">zwei<\/span><span class=\"\">unterschiedliche\u00a0<\/span><span class=\"\">M\u00f6glichkeiten<\/span><span class=\"\">,<\/span> <span class=\"\">wie\u00a0<\/span><span class=\"\">Sie\u00a0<\/span><span class=\"\">als\u00a0<\/span><span class=\"\">Lehrkraft\u00a0<\/span><span class=\"\">ausgehend\u00a0<\/span><span class=\"\">vom\u00a0<\/span><span class=\"\">Spielen\u00a0<\/span><span class=\"\">eine\u00a0<\/span><span class=\"\">weitere\u00a0<\/span><span class=\"\">kognitive\u00a0<\/span><span class=\"\">Aktivierung\u00a0<\/span><span class=\"\">von<\/span> <span class=\"\">Lernenden\u00a0<\/span><span class=\"\">anregen\u00a0<\/span><span class=\"\">k\u00f6nnen<\/span><span class=\"\">.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<ol>\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\">Urspr\u00fcnglich hatte ich mir nach dem Abitur geschworen, mich nie wieder intensiv mit Mathematik zu besch\u00e4ftigen. Nun sah ich auf dem Ablaufplan \u201eMathematikdidaktik\u201c und dachte daran, dass ich auch so langsam mal einen Blogbeitrag verfassen m\u00fcsste. Also besuchte ich die Vorlesung; doch im Hinterkopf behielt ich stets meine Schulzeit. In der 8 Klasse verstand ich nicht, wie ich 1,5 + 1,5 ohne den Taschenrechner rechnen sollte und als sich dann Buchstaben in die Mathematik mischten, war ich vollkommen aufgeschmissen. Die Frage ob \u201eUnterschiede in den mathematischen Leistungen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein Grund zur Sorge\u201c seien, ist daher keine besonders einfache Frage. F\u00fcr mich l\u00e4uft sie zwangsl\u00e4ufig darauf hinaus zu beantworten, ob denn auch meine eigenen mathematischen F\u00e4higkeiten ein Grund zur Sorge seien. Zun\u00e4chst einmal ist es verst\u00e4ndlich, sich diese Frage zu stellen, denn hinter \u201eUnterschieden\u201c k\u00f6nnen auch \u201eUngerechtigkeiten\u201c stecken. M\u00e4dchen werden oftmals im Bezug auf Naturwissenschaften (darunter auch Mathematik) anders sozialisiert und die soziale Herkunft und selbst Schulform spielt bei jedem SuS eine gro\u00dfe Rolle f\u00fcr die mathematischen Schulleistungen. Kinder haben bereits von Geburt an unterschiedliche Privilegien und Voraussetzungen, die sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Dann gibt es durch die unterschiedlichen weiterf\u00fchrenden Schulen eine weitere Auslese, welche ma\u00dfgeblich durch die Verh\u00e4ltnisse, in denen ein Kind aufw\u00e4chst, beeinflusst wird. Kinder aus Akademiker-Familien haben nach Angaben der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (Stand: 2010) eine h\u00f6here Chance sp\u00e4ter ein Gymnasium zu besuchen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Dar\u00fcber hinaus sind nach Angaben der OECD \u201edie Unterschiede (Varianz) in den Ergebnissen f\u00fcr Mathematik in Deutschland zu 17 Prozent auf den sozio-\u00f6konomischen Status der Sch\u00fcler zur\u00fcckzuf\u00fchren\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Mathematische Leistungen sind also zu einem Teil an die soziale Herkunft der Sch\u00fclerInnen gebunden. Doch allein die Tatsache, dass die stetig-erm\u00fcdende Frage nach der Leistung wieder auftritt, sollte schon der erste Denkansto\u00df in diesem Sachverhalt sein. Die \u00dcberlegung wie man mathematische Leistungen steigern kann, h\u00e4ngt oftmals enger mit einem unterschwelligem Wirtschafts- und Konkurrenzdenken zusammen, als einem Bem\u00fchen f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit. Studien wie PISA scheinen in den K\u00f6pfen vieler wie ein Wettbewerb der Nationen zu sein, in dem es Gewinner oder Verlierer gibt<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Dabei wird nicht beachtet, dass die unterschiedlichen L\u00e4nder v\u00f6llig verschiedene Schulsysteme und Anspr\u00fcche haben und, dass PISA mehrfach (u.a. auch von MathematikdidaktikerInnen) f\u00fcr seine ungen\u00fcgende Beweisbarkeit von mathematischer Leistungsf\u00e4higkeit kritisiert wurde<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Trotzdem setzte 2001 nach der Ver\u00f6ffentlichung der PISA-Studie eine deutschlandweite Sorge im Bezug auf die Unterschiede der mathematischen Leistungen von SuS ein. Diese Sorge ist nicht grundlegend unberechtigt, aber fehlgeleitet. Statt PISA als eine Auswertung eines internationalen Wettbewerbs zu sehen, sollten wir uns Gedanken \u00fcber unser Schulsystem und die Urspr\u00fcnge der Bildungsungerechtigkeit machen. Wir sollten auch die Fehlbarkeit und Problematiken an PISA erkennen und uns \u00fcberlegen, wie man noch genauere Ursachenforschung betreiben kann. Die Leistungen sind hierbei nicht zentral, sie sind lediglich ein Symptom. Die Urspr\u00fcnge dieses Symptoms, unter anderem Soziale Herkunft, Geschlecht, Unterrichtsmethoden oder Schulformen, sind der wahre Grund zur Sorge. Die L\u00f6sungen daf\u00fcr sind so divers und kompliziert, dass man dar\u00fcber eine Bachelorarbeit schreiben k\u00f6nnte.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\">Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Lehrende an den oben genannten Ursachen zu arbeiten, sind stark begrenzt. Es bleibt also momentan keine andere Wahl, als Symptome zu bek\u00e4mpfen (auch wenn dies keine langfristige L\u00f6sung f\u00fcr die Bildungsungerechtigkeit sein kann). Andere Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel Spielen im Unterricht, w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit die Leistungen etwas zu verbessern. Zun\u00e4chst muss hierbei jedoch angemerkt werden, dass dies f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte im Fach Mathematik auch eine klare Herausforderung darstellt. In Grundschulen und auf einem niedrigen Niveau k\u00f6nnen mathematische Spiele einfach zu konzipieren sein. Mathematik zeichnet sich jedoch ab einem gewissen Level vor allem durch einen Grad von Abstraktheit aus. In einigen Bereichen wird Mathematik so abstrakt, dass sich kaum oder gar keine realen Beispiele finden, die das Thema anschaulich machen k\u00f6nnten. F\u00fcr das L\u00f6sen einer F-Funktion lassen sich einfach wenig Spiel-M\u00f6glichkeiten finden. Es ist also besonders wichtig die Sch\u00fclerInnen m\u00f6glichst fr\u00fch mit viel Spiel und anschaulichen Beispielen f\u00fcr mathematisches Denken zu begeistern. Daher k\u00f6nnten ihre Chancen steigen, in sp\u00e4teren Jahren ein hilfreiches Zahlenverst\u00e4ndnis aber vor allem eine Lust an der Mathematik trotz der abstrakteren Aufgaben zu beweisen.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"padding-left: 40px\"><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\">3. Verstehen die Sch\u00fclerInnen die Verbindung des spezifischen Spielens mit dem mathematischen Sachverhalt? Macht das Spiel die SuS unruhiger und unkonzentrierter oder werden sie aufmerksamer?<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px\"><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\">4. Das Spielen ist eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr die SuS sich geistig mit dem Unterrichtsstoff auseinanderzusetzen (kognitive Aktivierung). Doch es gibt noch weitere M\u00f6glichkeiten die geistige Aktivit\u00e4t der Lernenden zu entfachen. Darunter f\u00e4llt zun\u00e4chst einmal die Art der Pr\u00e4sentation des Lehrenden. Laut und deutlich sprechen, nicht zu schnell, rechtzeitig Pausen machen und w\u00e4hrend des Sprechens Akzente setzen, sind wichtige F\u00e4higkeiten, die jede Lehrkraft besitzen sollte. F\u00fcr die Sch\u00fcler wird es so einfacher zu folgen und zu verstehen, was besonders wichtig ist. Eine weitere M\u00f6glichkeit sind kleine Pausen innerhalb der Unterrichtsstunde. Je j\u00fcnger die SuS sind, desto geringer ist ihre Aufmerksamkeitsspanne. Da der Unterricht an deutschen Schulen dar\u00fcber hinaus auch zu fr\u00fch beginnt<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, sollte die Lehrkraft genau auf die Lernenden achten und in den richtigen Momenten Pausen erlauben.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Welchen Einfluss hat die soziale Herkunft beim Zugang zum Gymnasium? (2010), Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, 27.11.2015, <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/216414\/welchen-einfluss-hat-die-soziale-herkunft-beim-zugang-zum-gymnasium-2010\">http:\/\/www.bpb.de\/216414\/welchen-einfluss-hat-die-soziale-herkunft-beim-zugang-zum-gymnasium-2010<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> PISA- Kennwerte zum Kompetenzstand von 15-J\u00e4hrigen, Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), 2012<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Sch\u00fcler-Vergleichstest: Das sind die Sieger der neuen PISA-Studie, Bild.de, 06.12.2016, <a href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/pisa-studie\/das-sind-die-sieger-der-neuen-pisa-studie-49093496.bild.html\">https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/pisa-studie\/das-sind-die-sieger-der-neuen-pisa-studie-49093496.bild.html<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\">(Eine Suche bei Google mit den Stichworten \u201ePISA Gewinner Verlierer\u201c, legt noch viele weitere Quellen offen)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: courier new, courier, monospace\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Kritik an den PISA-Studien, Wikipedia.de, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kritik_an_den_PISA-Studien\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kritik_an_den_PISA-Studien<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt\"><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Der Staat verliert Milliarden, weil Teenager nicht ausschlafen d\u00fcrfen, Stern.de, 07.09.2017, <\/span><a href=\"https:\/\/www.stern.de\/familie\/kinder\/spaeterer-schulbeginn-wuerde-dem-staat-milliarden-einsparen-7609294.html\"><span style=\"font-family: courier new, courier, monospace;font-size: 10pt\">https:\/\/www.stern.de\/familie\/kinder\/spaeterer-schulbeginn-wuerde-dem-staat-milliarden-einsparen-7609294.html<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ein Grund zur Sorge? 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