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Welche Insekten kann man Essen? Wo isst man sie?

Es wird in der Zukunft eine große Herausforderung sein, die Weltbevölkerung zu ernähren. Dadurch entsteht die Frage, ob der Getreide- und Fleischkonsum dann noch reicht bzw. der Bedarf so erhöht werden muss. Deshalb bekommt die Entomophagie immer mehr Bedeutung. 

Bereits 2 Mrd. Menschen essen (Entomophagie) bereits Insekten. Es wurden die Nährwerte von 256 essbare Insektenarten zusammengestellt, die einen sehr hohen Protein- und Energiegehalt aufweisen und dadurch die Menschen mit dem Bedarf an Aminosäuren und vielen Mikronährstoffen versorgen. Ebenfalls ist der Verzehr von Insekten mit weniger Umweltbelastungen verbunden, als die herkömmliche Nutztierproduktion. Somit wäre das „Insektenessen“ eine nachhaltige Alternative Proteinquelle. Nicht nur für den Menschen, sondern auch als Futtermittel für die Fisch- und Geflügelzucht. 

Trotz den positiven Eigenschaften, stößt man rund um den Globus auf wenig Akzeptanz. Speziell in der westlichen Gesellschaft gelten Insekten als schmutzig, gefährlich und schädlich, dadurch erzeugen sie Angst und Ekel. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Einstellung auch nicht allzu schnell ändert, da sich dies so in der Gesellschaft als Norm verankert hat. 

Es gibt von verschiedenen Forschern unterschiedliche Ergebnisse, wieviel Insekten nun genau als essbare Insektenarten zählen. Es werden ungefähr 1400-2000 beschrieben, die in 130 verschiedenen Ländern gegessen werden. Zu den Insekten gehören z.B. Käfer (Coleoptera) 31%, Raupen der Schmetterlinge und Falter (Lepidoptera) 18%, Ameisen, Bienen und Wespen (Hymenoptera) 15%, Heuschrecken (Orthoptera) 14% und Wanzen (Hemiptera) 11%. Die restlichen 12% gehören unterschiedlichen Ordnungen an, die man nicht eindeutig zuordnen kann. Entomophagie wird in den unterschiedlichsten Ländern ausgeübt, vor allem in Afrika, Asien, Süd– und Zentralamerika. Der Kongo, Sambia, Simbabwe und Südafrika zählen zu den Ländern, wo die meisten Arten gegessen werden. 

→ Sehr große Bedeutung in Südostasien ca. 150-200 Insektenarten

In China werden Insekten seit mehr als 3000 Jahren verspeist, von denen 178 Arten als essbar identifiziert wurden. 

 

Als westliche Gesellschaft wird Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland bezeichnet. In dieser Gesellschaft ist es nicht üblich, Entomophagie auszuüben. Durch die wachsende globale Ausbreitung der westlichen Kultur geht es auch in anderen Kulturkreisen zurück. Ein Beispiel wäre hier Australien. In den letzten 200 Jahren ist die Entomophagie der eingeborenen Aborigines zurückgegangen, da europäische Ernährungsweisen übernommen wurden. Allerdings ist ein steigendes Interesse durch den Tourismus und die Entwicklung der Küche, die auf einheimische Lebensmittel aufbauen, zu erkennen. Festzuhalten ist, dass in den USA zwei Arten (Heuschrecken und Käfer), in Kanada eine Art (Heuschrecken), in Frankreich eine Art (Ameisen, Bienen oder Wespen) und in Italien vier Arten (zwei Raupen und zwei Käfer) als essbar dokumentiert worden sind. In der westlichen Bevölkerung gelten Insekten mehr als Delikatesse in Restaurants, als das sie in den Lebensmittel Regalen vorhanden sind. 

 

Vorteile

Nährwert der Insekten

Insekten haben einen hohen Nährstoffgehalt, denn sie sind reich an Proteinen, Fetten, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Doch dies gilt nicht für alle Insekten. Selbst Insekten der gleichen Ordnung können einen unterschiedlichen Nährstoffgehalt aufweisen. Der Nährwert ist dabei abhängig von der Art, dem Entwicklungsstadium, dem Lebensraum sowie der Ernährung des Insekts.

Insekten, die in der EU das Potenzial als Lebens- und Futtermittel haben, sind unter anderem die Hausgrille, die Seidenraupe, der Mehlwurm und die Stubenfliege.

Futterverwertung

Insekten wandeln laut Experten das Futtermittel effizienter in Biomasse um. Um zum Beispiel ein Kilo Lebendgewicht zuzunehmen, benötigt ein Schwein 5 kg Futtermittel – ein Insekt benötigt dahingegen nur 2 kg Futtermittel. Daraus ergibt sich, dass Insekten zwischen 40% und 80% weniger Futtermittel pro Kilo essbarer Masse als herkömmliche Nutztiere benötigen.

Umweltaspekte

1. Landverbrauch: Die Insektenproduktion benötigt pro kg essbares Protein rund 50% bis 90% weniger Land als die Produktion von Fleisch der herkömmlichen Nutztiere.

2. Wasserverbrauch: Insekten nehmen ihren Feuchtigkeitsbedarf über das Futter auf, sie benötigen kein Trinkwasser

3. Treibhausgasemissionen (aufgrund der Haltung von Nutztieren): Insekten emittieren weniger CO2 pro Kilo Gewichtszunahme

Sozio-ökonomischer Aspekt

Ein großer Vorteil, der für die Aufzucht und die Haltung von Insekten spricht ist der, dass kaum Technologie benötigt wird. Dadurch können Insekten auch armen Bevölkerungsschichten einen Lebensunterhalt bieten, daneben sind sie auch besonders attraktiv für Landwirte.

Einsatz als Futtermittel

Insekten dienen zum einen als direkte Nahrungsquelle für den Menschen, zum anderen dienen sie der Fütterung von Nutztieren, welche später für den menschlichen Konsum bestimmt sind.

Nachteile

Gesundheitsrisiken

Bei Insekten muss darauf geachtet werden, dass sie Krankheiten auf den Menschen übertragen können. Allerdings wird das Risiko von Experten als gering eingestuft.

Biologische Gefahren

Zu den biologischen Gefahren zählen unter anderem Bakterien, Viren, Parasiten und Pilze. Allerdings sind sie in den meisten Fällen für den Menschen nicht gefährlich.

Allergien

Insekten können Stoffe enthalten, die beim Menschen allergische Reaktionen oder auch einen Schock auslösen können.

Verunreinigungen

Eine geeignete Verarbeitung sowie Lagerung müssen bei Insekten sichergestellt werden.

 

Umsetzbarkeit

Seit Anfang 2018 ist der Verzehr von Insekten auch in der Europäischen Union geregelt (Insekten in Novel Food Verordnung als potenzielle Lebensmittel). Diverse Anträge für Zulassungen werden momentan bearbeitet. Insekten und Produkte werden bereits vermehrt angeboten, wie zum Beispiel das Netto-Fertiggericht (siehe Bild 1), welches aus Mehlwurmmehl hergestellt wird. Offiziell dürfen also nun Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken europaweit für den menschlichen Verzehr verkauft werden. Die Insekten stammen dabei aus großen Zuchtanlagen in den Niederlanden, Frankreich, Thailand und Kanada, wobei in Kanada sogar in Bioqualität „produziert“ wird (siehe Bild 2). Wichtig bei der Haltung ist das regelmäßige Entfernen von Kot, das Auffrischen der Einstreu und die Desinfektion der Zuchteinheiten nach einem Produktionszyklus. Auch muss auf eine gute Qualität der Futtermittel und die ständige Überwachung eines möglichen Medikamenteneinsatzes geachtet werden. In Österreich und Schweiz gibt es dazu schon konkrete Vorgaben, in Deutschland bisher noch nicht.

         
Bild 1: Insektenpasta aus Mehlwurmmehl
Bild 2: Insektenzuchtanlage in der Niederlande

Wo liegen Probleme?

Es bedarf einem hohen Marketingaufwand um die Akzeptanz von Insekten als Lebensmittel zu steigern (mehr dazu weiter unten). Auf industriellem Maßstab ist die Insektenzucht technisch noch kaum möglich. Bisher gibt es kein deutsches Unternehmen, welches Insekten industriell herstellt. Problem: Es ist wenig erforscht, welche Krankheiten die Tiere befallen können, außerdem ist qualitativ und hygienisch einwandfreies Futter oft teuer. Eine weitere Hürde stellen die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Produktion und den Handel dar.

Wo liegen Chancen?

Die Entomophagie ist  im Bezug auf die globale Nahrungssicherung (Bedarfsdeckung und Ressourcenschonung) ein derzeit vieldiskutiertes Thema in der Forschung und in der Politik. Die  Nachfrage ist  in den letzen Jahren außerdem kontinuierlich gestiegen. Berücksichtigt man die externen Kosten, stellt die Entomophagie eine nachhaltigere und kostengünstigere Alternative dar.

Trotz der guten Ansätze besteht noch dringender Forschungsbedarf in den Bereichen:

  • Technologien zur Massenproduktion (Mechanisierung, Automatisierung, Verarbeitung und Logistik)
  • Lebens- und Futtermittelsicherheit (Untersuchung des Potentials von Insektenallergien des Menschen und der Verdaulichkeit von Chitin, Nährwert von Insekten und deren Beitrag zur Tiergesundheit und menschlichen Gesundheit)
  • Gesetzgebung  (Entwicklung freiwilliger Standardnormen und rechtlicher Rahmenbedingungen zur Regelung von Insekten als Lebens und Futtermittel sowie der menschlichen Gesundheit und Tiergesundheit auf nationaler und internationaler Ebene)
  • Konsumentenakzeptanz und Bildung (Durchführung umfassender Forschung über die Ökologie von Spezies, die zum Verzehr oder zur Zucht beworben werden,       Informieren des Konsumenten über die Vorteile von Entomophagie, Forschung über Möglichkeiten Insekten in die Ernährung zu integrieren)

Die Akzeptanz von Insekten in der Ernährung

Wie vorhin schon erwähnt ist die Akzeptanz Insekten zu essen in westlichen Ländern, hier Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland, geringer als im Rest der Welt. “Dazu ist es notwendig, sich mit den Konsumenten […]zu befassen und Erklärungsansätze zu finden, die Begründungen für die Weigerung, Insekten als Lebensmittel zu akzeptieren, liefern” ( Meixner 2018, S.3) 

In den USA steigt das Interesse an Entomophagie, jedoch nur als Delikatesse in Restaurants oder Spaß-Zutat in Lebensmitteln, selten als ernsthafte Alternative für Fleisch.

Akzeptanz meint, dass Individuen, in diesem Fall die Konsumenten, eine Innovation, hier die insektenbasierten Lebensmittel, annehmen, also regelmäßig als Nahrungsmittel zu sich nehmen. Eine Studie aus Belgien beweist, dass ca. 50% der Teilnehmer*innen ein negatives Vorurteil vor einer Verkostung hatten, aber ⅘ nach dem Probieren eine positivere Einstellung dem Essen gegenüber hatten und sogar bereit waren, Insekten als ein Nahrungsmittel in ihre Ernährung aufzunehmen. Als Fleischersatz würden jedoch nur wenige die Insekten ansehen.
Der freiwillige Kauf von Insekten, die in Supermärkten in Europa angeboten werden ist sehr gering.

Um Konsumenten von den schon genannten negativen Vorurteilen abzubringen, würden sich entweder Berichte in den Nachrichten oder Veranstaltungen mit essbaren Insekten eignen und durch einen Fokus auf die Umweltvorteile zum Positiven geändert werden, oder man versucht die Konsumenten über ihre sensorische Wahrnehmung anzusprechen. Wenn sie Insekten probieren ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie eine positive Einstellung zur Entomophagie entwickeln.

Novel Food und Lebensmittel-Neuphobie

Novel Food = Lebensmittel, die vor dem 15.05.2013 nicht in großen Mengen verzehrt wurden
Lebensmittel-Neuphobie = Leute, die sich weigern bzw es vermeiden Novel Food zu essen
Problem: was heißt “nicht in großen Mengen”?, außerdem wurde nicht von Produkten aus ganzen Tieren (Insekten) gesprochen

Wenn Insekten zum Novel Food gehören, dann müsste die EU es aufwendig und kostenintensiv genehmigen.
2015 wurde die Verordnung in der EU so geändert, dass ganzteilige Insekten zu Novel Food gehören, um den Genehmigungskosten zu entgehen, könnte man Insekten als “Lebensmittel aus einem Drittland” zählen, wodurch die Zulassung in der EU erleichtert werden könnte.

Ekel

Insekten werden in der westlichen Gesellschaft oft als eklig betrachtet, wodurch “[…] auch der Gedanke, sie zu essen, mit Ekel betrachtet wird“ (Meixner/ von Pfalzen 2018). Der Ekel vor Essen ist eine Schutzfunktion, um zu verhindern, dass gesundheitsschädliche Nahrungsmittel gegessen werden, solche wären z.B. verdorbene oder mit Krankheitserregern belastete Lebensmittel. Gelten Produkte in den Augen der Konsumenten als Risiko, so sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Produkt gekauft wird.
Viele Menschen probieren Insekten aus Neugier, andere verbinden jedoch Angst und Ekel mit Entomophagie. Neugier reicht aber nicht aus, um dauerhaft Insekten in die Nahrung von den Probierenden mit aufzunehmen, da die Neugier nach einmaligem Probieren erlischt.

Umweltbewusstsein

Da heutzutage viele, vor allem junge Menschen, ein großes Interesse daran haben, die Umwelt zu schützen, könnte die Entomophagie dadurch neue Interessenten bekommen. Die Umweltbelastung bei der Herstellung ist  bei Insekten deutlich geringer, als bei der Haltung von Nutztieren. Der umweltfreundlichere Essensansatz könnte die Konsumentenakzeptanz den Insekten gegenüber steigern, dies gilt auch bei dem Ersatz von Fleisch durch Entomophagie.

Verarbeitung und Zubereitung

  • ganze Insekten
  • gehackte Insekten, wie in Mehl oder Pasten
  • pulverisierte Insekten, wie in Proteinpulvern

Ganze, sichtbare Insekten schrecken die Menschen ab, nicht-sichtbare Insekten werden hingegen öfter probiert. Demnach sollten die Insekten zerkleinert werden, um das Interesse an Entomophagie zu wecken. Die Kaufbereitschaft würde steigen, wenn die Insekten in bereits bekannte Gerichte untergemischt und mit pikanten Gewürzen gewürzt werden würden.

Auch ein neuer Name für insektenbasierte Lebensmittel könnte einen positiven Einfluss auf deren Verkauf haben. Ein Beispiel, wo dies sehr gut funktioniert hat, ist Sushi. Roher Fisch wäre in der westlichen Gesellschaft wahrscheinlich nicht so akzeptiert worden, wie es heutzutage der Fall ist.

Literaturverzeichnis

BR24 (2019): Essbare Insekten – Ernährung der Zukunft? https://www.br.de/nachrichten/wissen/essbare-insekten-die-ernaehrung-der-zukunft,RNLTKd2, Zugriff: 25.06.2019

Bundeszentrum für Ernährung(2018): Verwendung von Insekten als Lebensmittel. https://www.bzfe.de/_data/files/eif_09_2018_Insekten_NovelFood.pdf, Zugriff: 25.06.2019

Bundeszentrum für Ernährung (2019): Insekten. (K)eine alltägliche Kost. https://www.bzfe.de/inhalt/insekten-558.html, Zugriff: 25.06.2019

FAO (2019): Der Beitrag von Insekten zu Nahrungssicherung, Lebensunterhalt und Umwelt. http://www.fao.org/3/i3264g/i3264g.pdf, Zugriff: 25.06.2019

Meixner, Oliver/von Pfalzen, Leonhard Mörl (2018): Die Akzeptanz von Insekten in der Ernährung – Eine Studie zur Vermarktung von Insekten als Lebensmittel aus Konsumentensicht. Wiesbaden. Springer Gabler

Mengende: In-Takt! (2019): Insekten als Zukunfsnahrung. https://www.mengede-intakt.de/2015/01/06/insekten-als-zukunftsnahrung/, Zugriff: 25.06.19

RTL interaktiv GmbH (2019): Lecker oder ekelig? Insekten sind jetzt offiziell als Nahrungsmittel zugelassen. https://www.rtl.de/cms/lecker-oder-ekelig-insekten-sind-jetzt-offiziell-als-nahrungsmittel-zugelassen-4138206.html, Zugriff: 25.06.19

Verbraucherzentrale Hamburg (2019): Ernährungstrends. Insekten Essen? https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/ernaehrungstrends/insekten-essen, Zugriff: 25.06.2019

WAZ (2019): Netto verkauft jetzt Insektenpasta aus Mehlwurmmehl. https://www.waz.de/wirtschaft/verbraucher/netto-verkauft-jetzt-insektenpasta-aus-mehlwurmmehl-id216258197.html, Zugriff: 25.06.2019