{"id":15,"date":"2018-05-23T11:17:25","date_gmt":"2018-05-23T09:17:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/inabarwich\/?p=15"},"modified":"2018-05-23T11:17:25","modified_gmt":"2018-05-23T09:17:25","slug":"22-05-2018-inklusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/inabarwich\/2018\/05\/23\/22-05-2018-inklusion\/","title":{"rendered":"22.05.2018 Inklusion"},"content":{"rendered":"<p>Besonders zentral erschienen mir die beiden Modelle zur Beschreibung von \u201eBehinderung\u201c. Auf der einen Seite wurde das medizinische Modell vorgestellt, in dem die Personen und ihre \u201eBehinderung\u201c als k\u00f6rperliche Krankheit untrennbar mit einander verbunden ist. Die Behinderung wird dabei klar als Abweichung von einer Norm beschrieben und heute, wie der Name sagt, vor allem in medizinischen Kontexten verwendet.<br \/>\nAuf der anderen Seite wurde \u00fcber das soziale Modell von \u201eBehinderung\u201c gesprochen. Hier steht viel mehr die Umwelt und die Barrieren, die sie f\u00fcr manche Menschen aufbaut, im Vordergrund. Schaut man sich nun die drei aktuellen Diskussionslinien, die zum Thema Inklusion gef\u00fchrt werden, findet man meiner Meinung nach Argumentationen diese Modelle wieder.<br \/>\nDie erste Linie sieht Inklusion als Systemwandel vor. Die Vertreter dieser fordern eine gesellschaftspolitische Ver\u00e4nderung, die Barrieren der Umwelt abbaut. Dieses erg\u00e4nzt das soziale Modell von \u201eBehinderung\u201c und fordert eine grundlegende \u00c4nderung der bisherigen Zust\u00e4nde z.B. in der Schule.<br \/>\nEine zweite Linie fordert die aktuell im Abbau begriffenen Doppelstrukturen, also F\u00f6rderschulen einzig f\u00fcr Kinder mit sozialp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf, wieder als g\u00e4ngiges Modell einzuf\u00fchren. Hier finden sich meiner Meinung nach Argumentationen des medizinischen Modells wieder, welches \u201eBehinderung\u201c als eine Abweichung von der Norm in den Fokus stellt. Diese Abweichungen m\u00fcssen daher auch gesondert behandelt werden.<br \/>\nEine dritte Linie vereint meiner Meinung nach die beiden Diskussionlinien und auch die beiden Modelle mit einander. Ziel ist nach wie vor die Inklusion in einer einheitlichen Schulform, was nur mit einem Systemwandel funktionieren kann. Gleichzeitig wird aber nicht vergessen, dass viele Kinder mit sozialp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf, anders als Kinder ohne diesen auch in einer vollinklusiven Schulform in manchen Bereichen mehr oder andere Unterst\u00fctzung brauchen. Meiner Meinung nach ber\u00fccksichtigt dieses Modell beide Seiten einer \u201eBehinderung\u201c. Zum einen die Wahrnehmung die sich \u00e4ndern muss, damit niemand ausgeschlossen oder benachteiligt wird, zum anderen vergisst diese Modell nicht, dass viele \u201eBehinderungen\u201c echte medizinische Probleme mit sich bringen, die behandelt werden und nicht vergessen werden d\u00fcrfen.<br \/>\nH\u00e4ufig vergessen wird in der ganzen Diskussion meiner Meinung nach, dass jedes Kinde individuell ist. Man m\u00f6chte ein System schaffen, dass einheitlich ist und dann f\u00fcr alle gilt. F\u00fcr manche Kinder mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf ist vielleicht ein mehrgliedriges System f\u00fcr andere ein absolut inklusives System das richtige. Dies gilt aber nicht nur f\u00fcr Kinder, die mit solchem diagnostiziert wurden, sondern auch f\u00fcr Kindern ohne diesen Bedarf. Hier liegen vielleicht andere Probleme z.B. im sozialen Umgang mit anderen vor, die ein Kind mit F\u00f6rderbedarf nicht hat. Daf\u00fcr hat diese vielleicht eine Lernschw\u00e4che, die besonders ber\u00fccksichtigt werden muss. Vielleicht liegt der Schl\u00fcssel daher nicht in einer einzigen L\u00f6sung, sondern viel mehr in einer Vielzahl an M\u00f6glichkeiten in denen jede Person dass f\u00fcr sie passende Angebot suchen kann. <\/p>\n<p>In meinem Alltag sind mir beide Modelle begegnet. Mein pers\u00f6nlicher Kontakt zu Personen, die in die in der Vorlesung vorgestellten \u201eKategorien\u201c passen, sind gro\u00dfteilig chronisch oder psychisches erkrankt. Diese Personen wurden von der Inklusion wenig ber\u00fchrt. Auf Ihre Erkrankungen musste in der Schule nicht in so gro\u00dfem Ma\u00dfe R\u00fccksicht genommen werden, als dass sie wirklichen F\u00f6rderbedarf h\u00e4tten. Weitere Personen, die mir bekannt sind, haben alle eine F\u00f6rderschule besucht und stehen jetzt am Anfang in spezielle inklusiver Ausbildungen.<br \/>\nMeiner Meinung nach w\u00e4re das Bremer Schulsystem f\u00fcr keine dieser Personen richtig ausgestattet gewesen. Die z.B. sehr auff\u00e4lligen Entwicklungsst\u00f6rungen und Lernschw\u00e4chen, h\u00e4tten im aktuellen System nicht aufgefangen werden k\u00f6nnen. Die Personen, haben eine wesentlich engere Betreuung ben\u00f6tigt, als das aktuelle System gew\u00e4hrleisten kann. Auch der Umgang mit Gleichaltrigen, der in der Schule sowie sie im Moment funktioniert unvermeidbar gewesen, w\u00e4re speziell in einem Fall sehr schwierig gewesen. Diese Person beschreitet entwicklungstechnisch einen anderen Weg als der Gro\u00dfteil der andere Teenager und hat gro\u00dfe Schwierigkeiten in diesen Gruppen einen Platz zu finden.<br \/>\nDer Umgang mit chronischen und psychischen Erkrankungen hat zu mindestens schulbezogen besser funktioniert. Hier waren vor allem das Unverst\u00e4ndnis und die Vorurteile gegen\u00fcber diesen Erkrankungen ein sehr gro\u00dfes Problem, diese f\u00fchrten in vielen F\u00e4llen zu starkem Mobbing was erst durch Wechsel auf andere Schulen gestoppt werden konnte (bei diesen Schulen handelte es sich wie bei den erst Schulen jeweils um Gymnasien und Oberschulen aus Bremen).<br \/>\nIch pers\u00f6nlich stell mir jedes Mal, wenn ich \u00fcber Inklusion nachdenke die Frage wie weit ist die Gesellschaft in der Akzeptanz von Unterschieden wirklich. Nat\u00fcrlich steht im Grundgesetz festgeschrieben, dass jeder Mensch gleich an Recht und W\u00fcrde ist, in der Gesellschaft kann ich, dass leider nicht unbedingt beobachten.<br \/>\nAktuell werden durch Bewegungen wie Time\u2019s up und Me too die Recht der Frauen wieder sehr in den Fokus ger\u00fcckt. Seit Anbeginn der Menschheit gibt es Mann und Frau und dennoch scheitert noch im Jahr 2018 der Respekt vor einander, ber\u00fccksichtig man diese die sich nicht mit einer der beiden Kategorien identifizieren wollen oder k\u00f6nnen, nimmt der Respekt und das Verst\u00e4ndnis noch weiter ab.<br \/>\n\u201eBehinderungen\u201c oder andere k\u00f6rperliche und geistige Abweichungen von der Norm, die nicht speziell klassifiziert werden, sind noch wesentlich vielf\u00e4ltige und jede f\u00fcr sich hat bringt ihre Herausforderungen f\u00fcr die Betroffenen. Diese riesige Masse an Vielfalt zu akzeptieren und zu respektieren scheint mir Angesicht der aktuellen Diskussionen zu Umgang mit Geschlechtern (aber auch Herkunft, Religion, Sexualit\u00e4t etc.) f\u00fcr viele Menschen schwieriger als gedacht. Mich w\u00fcrde daher vor allem der Umgang von Kindern untereinander interessieren. Wie begegnen Kindern, Kindern die anders sind als sie selbst? Mit Interesse? Mit Respekt? Mit Abneigung? Interesse habe ich dabei an beiden Seiten auch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besonders zentral erschienen mir die beiden Modelle zur Beschreibung von \u201eBehinderung\u201c. Auf der einen Seite wurde das medizinische Modell vorgestellt, in dem die Personen und ihre \u201eBehinderung\u201c als k\u00f6rperliche Krankheit untrennbar mit einander verbunden ist. 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