{"id":30,"date":"2023-04-02T19:26:08","date_gmt":"2023-04-02T17:26:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/identitaet\/?p=30"},"modified":"2023-04-02T19:26:08","modified_gmt":"2023-04-02T17:26:08","slug":"willkommen-auf-meinem-blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/identitaet\/2023\/04\/02\/willkommen-auf-meinem-blog\/","title":{"rendered":"Willkommen auf meinem Blog!"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Wer bin ich und wer darf ich eigentlich sein? Vermutlich w\u00fcrden die meisten Menschen diese Fragen mit \u2018\u2019All das, was du eben sein magst&#8220; beantworten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Doch wie gro\u00df ist der Spielraum, in dem wir uns bewegen (d\u00fcrfen) denn eigentlich? Ist unser Sein nicht l\u00e4ngst vorgegeben, fast schon vorgeschrieben? Wie realistisch ist es, sich seinem individuellen Identit\u00e4tsprozess hinzugeben, wenn \u00e4u\u00dferliche Faktoren allgegenw\u00e4rtig scheinen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Nichts pr\u00e4gt ein Individuum so stark wie dessen Sozialisation, insbesondere die fr\u00fchkindliche. Pr\u00e4gend bedeutet allerdings nicht, dass keine Ver\u00e4nderung mehr stattfinden kann. Identit\u00e4t ist n\u00e4mlich nicht angeboren, nur eben stark von der Vergangenheit des Individuums gezeichnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Welchen Prozess durchlaufen Personen, die sich entgegen ihrer zugeschriebenen Position in der sozialen Welt, entgegen von Erwartungshaltungen und Rollenzuschreibungen von ihrer Au\u00dfenwelt sowie entgegen ihren individuellen Sozialisationsprozessen auf die Suche nach sich selbst machen und sich in ein Territorium des Ungewissen begeben?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">All diese Dinge werde ich\u00a0 ausschlie\u00dflich anhand von Erfahrungen, Erz\u00e4hlungen und Eindr\u00fccken darstellen. Weit weg also von Wissenschaft und Theorie.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr mein Vorhaben habe ich zwei Menschen interviewt. Ihre individuelle Geschichte soll anonym in einem gesch\u00fctzten Rahmen erz\u00e4hlt und betrachtet werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ausgesucht habe ich mir Personen, die mich aufgrund ihrer individuellen Biografie, aber vor allem aufgrund ihres Seins pr\u00e4gen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Gekennzeichnet von kulturellen, sozialen sowie geschlechtsbasierten Aspekten soll ihr pers\u00f6nlicher Identit\u00e4tsprozess ausschnittsweise dargestellt werden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Hierbei geht es in keinem Fall darum, mit Klischees vor allem von kultureller Natur zu spielen. Vielmehr geht es darum, die zu portr\u00e4tierten Personen in einer best\u00e4rkenden Perspektive zu verk\u00f6rpern.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Grad f\u00fcr das Vorhaben ist sehr schmal.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">An dieser Stelle sollte ich erw\u00e4hnen, dass ich selbst eine Person bin, die t\u00e4glich mit\u00a0 Intersektionalit\u00e4t konfrontiert wird. Damit besitze ich selbstverst\u00e4ndlich keinen Freifahrtschein oder bin frei von rassistischen Gedanken oder \u00c4u\u00dferungen, viel mehr will ich damit sagen, dass ich mir \u00fcber die Verantwortung bewusst bin und alles daran gesetzt habe, mein Vorhaben gewissenhaft und verantwortungsvoll umzusetzen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Gegenstand<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Bei meinem Projekt setzte ich mich mit den Thematiken, Identit\u00e4ts- und Identifikationsprozessen auseinander. Anhand von Erz\u00e4hlungen sollen Biografien besonders unter dem Aspekt der Sozialisierung n\u00e4her betrachtet werden. Hierbei geht es insbesondere um das Wohnumfeld, Familie und Bekannte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Konfliktpotenzial stellen damit einhergehend Erwartungshaltungen, Rollenbilder, Klischees und Zuschreibungen von au\u00dfen dar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Anhand von <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Portr\u00e4ts <\/span><span style=\"font-weight: 400\">sollen Geschichten von Menschen dargestellt werden, die sich entgegen Erwartungshaltungen ihres sozialen Umfelds sich ihrer eigenen Identit\u00e4t bewusst sind und diese nach au\u00dfen tragen k\u00f6nnen oder um Personen, die dabei sind, sich diesem Prozess zu widmen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Fragestellung<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Inwiefern beeinflusst Sozialisierung die Identit\u00e4t? Welche Konsequenzen zieht es mit sich, wenn Zuschreibungen und Erwartungshaltungen von au\u00dfen mit eigenen Lebensvorstellungen nicht zusammenpassen? Wie kann ein Leben entgegen von vorbestimmten Rollenbildern aussehen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Diese offenen Fragen werden im Verlauf des <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Portr\u00e4ts <\/span><span style=\"font-weight: 400\">beantwortet.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Identit\u00e4t<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Identit\u00e4t, eine dieser Thematiken, die wahrscheinlich jedes Individuum betrifft. Ich werfe die Vermutung in den Raum, dass sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jede\/jeder aktiv mit dieser Thematik befasst, zumindest hoffe ich das.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Passiv befassen wir uns wahrscheinlich seit unserem Dasein damit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der soziologische Begriff f\u00fcr Identit\u00e4t lautet: \u2018\u2019F\u00fcr die Antwort auf die Frage, wer wir sind\u2019\u2019 (Abels 2017, S.2).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine von unz\u00e4hligen Definitionen, bei dieser gehe ich teilweise mit.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Im Folgenden soll es aber gar nicht um theoretisch wissenschaftliche Betrachtungsweisen gehen, viel mehr um eine pers\u00f6nliche.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der erste Gedanke bei dem Begriff, ist ehrlich gesagt Verwirrung, anschlie\u00dfend Sehnsucht und dann wieder \u00dcberforderung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">\u00dcberforderung in dem Sinne, da es schier unendlich Antwortm\u00f6glichkeiten gibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Identit\u00e4t erz\u00e4hlt bis zu einem gewissen Grad eine Geschichte. Eine Geschichte, gepr\u00e4gt von Erfahrungen, Werten und Normen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Bis zu einem gewissen Punkt haben wir wahrscheinlich einen sehr geringen Einfluss auf unsere Identit\u00e4t, unser Sein also. Solange wir uns eben aktiv daf\u00fcr entscheiden oder eben auch nicht daf\u00fcr entscheiden, neue pr\u00e4gende Ereignisse wahr- und anzunehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wir sind also in unserer Identit\u00e4t in gewisser Weise vorbestimmt. Was auf der einen Seite ziemlich paradox ist, da Identit\u00e4t etwas unglaublich intimes ist. Etwas, das vermeintlich nur uns betrifft oder viel eher nur uns betreffen sollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Doch Identit\u00e4t ist ver\u00e4nderbar.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Portraits\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zwei Menschen nennen wir sie Beti (39) und Hadnet (26).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Schwarze, weiblich gelesene Personen, aufgewachsen in den Randbezirken westdeutscher Gro\u00dfst\u00e4dte.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Menschen au\u00dferhalb dieses Kosmos w\u00fcrden die Gegend als Struktur schwach bezeichnen. Beti und Hadnet hatten w\u00e4hrend ihres Heranwachsens keinerlei Assoziationen hinsichtlich dessen. Im Nachhinein sieht das bei beiden etwas anders aus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Beti formuliert hierzu folgendes: \u2018\u2019..ich wei\u00df nicht, ob ich es als Brennpunkt bezeichnen w\u00fcrde, r\u00fcckwirkend vielleicht schon\u2019\u2019. Als Kind macht man sich eher weniger Gedanken \u00fcber solche Thematiken.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Aufgewachsen sind beide, umgeben von Plattensiedlungen, vielen Menschen unterschiedlicher Migrationsgeschichte sowie vieler verschiedenen Sprachen im direkten Umfeld und umgeben von Arbeiter*innen Familien.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Sozialisiert sind beide in einem Nordost-Afrikanischen Kulturkreis.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Rollenbilder innerhalb der Familie werden eher traditionell gehalten, zumindest im gelebten Alltag. Abseits dessen wurde beim Heranwachsen viel Wert auf Bildung und ein gepflegtes Erscheinungsbild gelegt, umgesetzt durch meist strenge Erziehungsma\u00dfnahmen und wenig Spielraum f\u00fcr Freientfaltungen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcrs erste war&#8217;s das mit den offensichtlichen Gemeinsamkeiten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Beti und Hadnet sind an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Der offensichtlichste Unterschied liegt in ihrem Alter und den dazugeh\u00f6rigen Lebenserfahrungen. Trotz allem eint die beiden sehr viel. Mehr sogar, Sie stehen in einem \u00fcberaus engen Verh\u00e4ltnis zueinander, haben \u00e4hnliche und doch auch sehr unterschiedliche Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben gesammelt. Stehen im st\u00e4ndigen Austausch und pr\u00e4gen sich auf eine Art und Weise gegenseitig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Nennenswert an dieser Stelle ist, dass die Interviews unabh\u00e4ngig voneinander gef\u00fchrt wurden, die eine wei\u00df nichts von der anderen und ihrem erscheinen in diesem Blog.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Aber nun von vorne.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Beti ist in Asmara, Eritrea geboren. Zu dieser Zeit bestimmte der Unabh\u00e4ngigkeitskrieg zum Nachbarland \u00c4thiopien das Leben der Menschen vor Ort.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Im Alter von ca. 5 Jahren verlie\u00dfen Beti, ihr Bruder und die Mutter das Land, um perspektivisch auf ein besseres Leben zu zielen. Der Vater hatte hierf\u00fcr Jahre zuvor das Land verlassen. Zu dritt verbringen sie also knapp zwei Jahre im Sudan, bevor sie im Alter von 7 Jahren nach Deutschland emigrieren.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Szenenwechsel\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">K\u00f6ln-Chorweiler.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">3 Jahre verbringen die drei in der Siedlung. Die Beziehung zum Vater kommt langsam ins Rollen. Dieser arbeitet in Rheydt, M\u00f6nchengladbach und ist nur sporadisch physisch anwesend. Um ein geregeltes Familienleben zu realisieren, ziehen die drei zum Vater nach M\u00f6nchengladbach, wo sie fortan die n\u00e4chsten 20 Jahre verbringen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Bis dahin war ihr Leben also gepr\u00e4gt von ihrer Mutter, dem \u00e4lteren Bruder, der Abwesenheit ihres Vaters, drei verschiedenen L\u00e4ndern und Sprachen sowie unterschiedlichen Kulturkreisen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Vom einfachen Leben auf dem Land hinein in Plattenbausiedlungen in einer Gro\u00dfstadt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Fremdes Klima, fremde L\u00e4nder, fremde Menschen, fremde Sprachen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine Geschichte, mit der sich sicherlich sehr viele Menschen mit Migrationsbewegungen identifizieren k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der erneute Umzug ver\u00e4nderte ein paar dieser Merkmale.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die H\u00e4user weniger hoch, die Menschen weniger bunt, aber vor allem ein geregeltes Familienleben. Der Besuch des \u00f6rtlichen Gymnasiums spiegelte die bisher gelebte Realit\u00e4t nicht wirklich wider.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Kaum Menschen mit Migrationsgeschichte, zumindest mit keiner offensichtlichen, Menschen <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">\u2018\u2019Afrikanische Herkunft kann ich in Prozent gar nicht ausdr\u00fccken. Also es waren nicht mal eine Handvoll Leute, die eine etwas dunklere Hautfarbe hatten auf der Schule. Bei ca. 700-800 Sch\u00fcler*innen\u2019\u2019 (Beti).<\/span><\/i><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das Lebensumfeld ver\u00e4ndert sich, die Lebensverh\u00e4ltnisse zumindest sozio\u00f6konomisch eher weniger, \u2018\u2019Es ging uns jetzt nicht schlecht, aber es war jetzt auch nicht so viel Geld da, also das Einkommen w\u00fcrde ich sagen, war jetzt aber nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig\u2019\u2019.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es folgten das Abitur, ein Freiwilliges Soziales Jahr sowie ein duales Studium der Gesundheits\u00f6konomie bis hin zur T\u00e4tigkeit der Gleichstellungsbeauftragten.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Betrachtet man die gegebenen Bedingungen, ein wahrscheinlich nicht allzu typischer Werdegang, zumindest zu dieser Zeit nicht und eigentlich auch zur jetzigen Zeit nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">An dieser Stelle m\u00f6chte ich auf keinen Fall eine vermeintliche Erfolgsgeschichte eines Migrantenkindes darlegen. Von diesen verf\u00e4lschten Geschichten gibt es genug.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Trotzdem finde ich diese Informationen nennenswert, um dies in das gro\u00dfe Ganze eingliedern zu k\u00f6nnen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Welchen Raum haben die oben genannten Erfahrungen, Merkmale und Lebensumst\u00e4nde denn nun eingenommen?<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">\u2018\u2019Ich wollte gerade sagen, das hat mich nicht gro\u00dfartig beeinflusst, das ist aber v\u00f6lliger Quatsch..Ich habe das nicht als nachteilig oder negativ empfunden, weil das war halt der Zustand und ich kannte es auch nicht anders und ich hatte jetzt auch nicht das Gef\u00fchl irgendwas zu vermissen, dadurch das es nicht so wahr. Es ist mir halt aufgefallen, war halt immer besonders, aber das ist auch etwas, was sich wie ein roter Faden durchzieht, wenn man halt anders ist als die anderen. Sei es jetzt was die Herkunft angeht oder die Optik,\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">einfach auch vom Werdegang auch.\u2019\u2019 (Beti)<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Hadnet, die in Deutschland geboren ist und sicherlich in mancherlei Hinsicht mit \u00e4hnlichen Dingen konfrontiert wurde, hat teilweise \u00fcbereinstimmende Meinungen hierzu.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr sie war es eher der Versuch, in beiden Kulturkreisen zu funktionieren, sich unterzuordnen und vor allem anzupassen. Es waren weniger die Erwartungen, die von einer wei\u00dfen Mehrheitsgesellschaft an Migratinnenkinder gestellt werden, als der eigene famili\u00e4re Anspruch, einen Ausgleich zwischen zwei Welten zu erzeugen und aufrechtzuerhalten.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eben jener Ausgleich, der an einen gestellt wird.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Druck, gewisse Erwartungen zu erf\u00fcllen, hat einen gro\u00dfen Teil ihres Lebens eingenommen. Teilweise sogar das Leben bestimmt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das st\u00e4ndige Anpassen hat so viel Raum eingenommen, dass die aktive Suche nach Identit\u00e4t v\u00f6llig untergegangen ist. So sehr, dass f\u00fcr sie selbst es gar nicht zur Debatte stand, sich ihrer eigenen widmen zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das Gef\u00fchl von <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">\u2018\u2019Mein Werdegang und somit mein Sein ist l\u00e4ngst vorbestimmt\u2019\u2019 (Hadnet).<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das Gef\u00fchl von \u2018\u2019Ich muss Erwartungen von au\u00dfen erf\u00fcllen, um erf\u00fcllt zu sein\u2019\u2019 (Hadnet).\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das Gef\u00fchl von \u2018\u2019Versagen, wenn ich mich von einem Kulturkreis entferne, um mich selbst zu verwirklichen\u2019\u2019 (Hadnet).\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Alles vor dem Hintergrund, dass einem st\u00e4ndig genau das zum Vorwurf gemacht wurde.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Frage, wie sie sich selbst verwirklichen kann, ohne die Erwartungen von au\u00dfen v\u00f6llig beiseite zu stellen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Druck abzuliefern.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Druck zu funktionieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Druck, allem und jedem gerecht zu werden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr sie schien es lange Zeit kaum m\u00f6glich, sich unter diesen Bedingungen auf sich selbst und seine W\u00fcnsche f\u00fcr das Sein zu konzentrieren.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Input anderer hat beide Frauen stark gepr\u00e4gt. Beti vermeintlich weniger als Hadnet. Beide nehmen in ihren Familien sogenannte Sonderrollen ein. Ob dies nun freiwillig passiert, mal dahin gestellt.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">\u2018\u2019Ich habe das\u00a0 Gef\u00fchl, gerade im famili\u00e4ren Kontext wird die Entwicklung auch nicht immer zugelassen oder wahrgenommen,\u00a0 da muss man dann aktiv gegenhalten und dann kann man auch\u00a0 aufbrechen, aber ist halt kein Selbstl\u00e4ufer.\u2019\u2019 (Beti)<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ab einem gewissen Punkt haben sich beide aktiv daf\u00fcr entschlossen, sich zur\u00fcckzuziehen. Neue Menschen und neue Erfahrungen in ihr Leben zu lassen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Von da an pr\u00e4gen beide Dinge wie das Studium, der Auszug aus dem Elternhaus, Umz\u00fcge in neue St\u00e4dte, neu entdeckte Subkulturen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die aktive Gestaltung der eigenen Identit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Demografische und biografische Erinnerungen ver\u00e4ndern ihre Pers\u00f6nlichkeit und gleicherma\u00dfen ihre Identit\u00e4t.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Selbstbestimmt und immer ihrer Unabh\u00e4ngigkeit bedacht, widmen Sie sich neuen Lebensabschnitten.<\/span><\/p>\n<p><b><i>Identit\u00e4t<\/i><\/b><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr mich ist das halt ganz viel, einmal tr\u00e4gt die Biografie zur Identit\u00e4t bei, der Lebensweg tr\u00e4gt zur Identifikation bei und Charaktereigenschaften eines Menschen.\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">Das sind f\u00fcr mich die drei wichtigsten S\u00e4ulen, die Identit\u00e4t ausmachen.\u00a0<\/span><\/i><\/p>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400\">Und dazu geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch das Umfeld in allen Bereichen.<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer bin ich und wer darf ich eigentlich sein? 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