RV14 // Prof. Dr. Yasemin Karakasoglu und Dennis Barasi // Rassismus oder Rassismen? Eine Diskussion und ihre Relevanz für (angehende) Lehrkräfte

1. Diskutieren Sie, a.) welche Möglichkeiten Sie sehen, durch ihr Handeln als Lehrer*in den auf Folie 17 dargestellten Formen des institutionellen Rassismus zu begegnen b.) Wo und warum sind Ihren Einflussmöglichkeiten in der Schule Grenzen gesetzt?

Die allerwenigsten Menschen heutzutage würden sich selber als rassistisch bezeichnen. Vor allem weiße Menschen greifen stattdessen lieber darauf zurück, sich selber als “farbenblind”, also komplett “unvoreingenommen” gegenüber Personen verschiedener Herkünfte, zu bezeichnen. Diese “colour-blindness” ist allerdings ein ganz eigenes Problem, da man hiermit einfach die Tatsachen des im Alltag weiterhin bestehenden Rassismus ignoriert und man nur vor diesem die Augen verschließt, nicht vor der Rasse selber (Arndt 2017, S. 42). Als Lehrkraft muss man sich also der bestehenden rassistischen Strukturen bewusst werden, die zu den auf der Folie genannten Formen führen und sich selber kritisch hinterfragen, ob man diese fortführt. Man könnte bei der Bewertung von SuS andere Lehrkräfte fragen, ob sie mit der Bewertung übereinstimmen, oder womöglich eine unbeabsichtigte unfaire Behandlung erkennen. Wenn man rassistische Strukturen, oder Reproduktion von Rassismus in Schulbüchern und Material erkennt, dann muss dies unbedingt mit den SuS besprochen werden. Die Sprachvielfalt die sich in einer heterogenen Klasse findet sollte gefördert und in den Unterricht mit einbezogen, statt unterdrückt werden. 

Die Themen die man bespricht sind natürlich meistens vom Bildungsplan gesetzt, daher muss man sich an diesem orientieren, wann man Rassistische Strukturen ansprechen kann. Sollte einem auffallen, dass eine andere Lehrkraft Rassismus unbeabsichtigt fördert, dann kann man diese darauf ansprechen, aber man kann nicht aktiv in diesen Unterricht eingreifen. 

 

2. Lesen Sie das folgende Beispiel „Daniela Schneider“ aufmerksam durch. Was könnten Sie Daniela Schneider mit Bezug auf das Konzept equality/equity (Folie 14) argumentativ entgegnen, um sie von der Maßnahme zu überzeugen, muslimischen Schüler*innen an dem hohen islamischen Feiertag frei zu geben?

Hier wird eindeutig das Christentum als “Normalzustand” wahrgenommen und alles was von diesem abweicht als etwas störendes. Es wird vollkommen ignoriert, dass ein Großteil der in Deutschland anerkannten Feiertage christlich geprägt ist und keiner islamisch. Wenn wir die Situation mit dem “equality/equity” Konzept vergleichen, dann ist die Situation in der alle die gleichen, in Deutschland etablierten Feiertage bekommen, mit dem von equality zu vergleichen. Alle bekommen das gleiche, ungeachtet des Kontexts. Es scheint “fair” in der Theorie, aber spiegelt die Wahrheit nicht wieder und ignoriert, dass Feiertage einen Zweck außerhalb von schulfrei haben. Das zweite Bild zeigt eine Situation in jeder das gegeben wird, was sie braucht. So würden dann muslimische SuS an den ihnen heiligen Feiertagen frei kriegen um nicht nur an den christlichen Feiertagen frei zu haben, was ihnen kulturell gesehen nichts bedeuten würde.

 

3. Bitte begründen Sie mit Bezug auf rassismustheoretische Ansätze, inwiefern der Interviewausschnitt Hinweise auf antimuslimischem Rassismus enthält.

Alles was der Interviewten Daniela Schneider unbekannt oder fremd erscheint wird zusammengeworfen und der deutschen Norm entgegengestellt, egal wie unterschiedlich russische, türkische und arabische SuS untereinander eigentlich sind. Hier wird “othering” angewandt um deutsche SuS von nichtdeutschen SuS abzutrennen. Diese Abgrenzung wird mit der Kritik an einer “Extrabehandlung” aufgrund von islamischen Feiertagen auf muslimische SuS spezifiziert und nicht muslimische SuS werden in eine erfundene Opferrolle gerückt und eine erfundene Grenze gezogen, welche Rassismus gegen muslimische SuS rechtfertigt (Arndt 2017, S. 32) und sich zum Beispiel darin äußert, dass diesen keine Möglichkeit gegeben wird an den ihn heiligen Feiertagen ihre Religion auszuüben. 

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