{"id":106,"date":"2021-01-19T14:18:11","date_gmt":"2021-01-19T13:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/homestory\/?p=106"},"modified":"2021-04-14T15:09:49","modified_gmt":"2021-04-14T13:09:49","slug":"vorstellungstext-marei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/homestory\/2021\/01\/19\/vorstellungstext-marei\/","title":{"rendered":"Hallo! Ich bin Marei."},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\">Irgendwo zwischen B\u00fccherstapeln, zu vielen Schuhen und nicht endenden Zalando-Bestellungen, da bin ich: Marei.<br \/>\nIch studiere Medien- und Kommunikationswissenschaften im Profilfach und Kulturwissenschaften im Komplement\u00e4rfach an der Universit\u00e4t in Bremen. Ich liebe Fotografie, das Leben, die weite Welt, kleine Herzigkeiten und gute B\u00fccher. Neben einer Schw\u00e4che f\u00fcr die sch\u00f6nen, oberfl\u00e4chlichen Dinge des Lebens bin ich auch gerne mal ganz nachdenklich. Mit einem Buch auf der Couch oder mit dem Kopf bei all den gro\u00dfen Problemen dieser Welt.<br \/>\nW\u00e4hrend mein Freund mir beim Schreiben \u00fcber die Schulter schaut, habe ich ihn gefragt, wie er mich mit drei W\u00f6rtern beschreiben w\u00fcrde, weil mir selber keine W\u00f6rter einfallen wollen. Er lehnt sich r\u00fcber, k\u00fcsst meinen Scheitel und sagt das ginge nicht: \u201eDu bist so viel mehr als drei W\u00f6rter\u201c.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Aber sind wir nicht alle so viel mehr als drei W\u00f6rter?<br \/>\nAls es im Rahmen des Seminars darum ging, sich selbstst\u00e4ndig ein Thema zu \u00fcberlegen, wusste ich sehr genau, was mich interessieren w\u00fcrde. Seit Beginn der Corona-Pandemie halte ich mich, wie wir alle, sehr viel Zuhause auf. Trotz meiner Leidenschaft f\u00fcr das Reisen war mein Zuhause schon immer etwas ganz besonders, etwas, dass mir kein Ort auf der ganzen Welt bisher bieten konnte. Zuhause ist all das, was mit etwas bedeutet: es sind materielle und pers\u00f6nliche Dinge, die nicht in einen Koffer passen oder die mir zu wertvoll sind, um sie durch den Regenwald von Laos zu schleppen, es ist meine Familie und vor allem ist es ein Gef\u00fchl. Das Gef\u00fchl <i>zu Hause<\/i> zu sein.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Vor allem aus dieser engen Verbundenheit mit meinem eigenen Zuhause habe ich mich schon immer gefragt, wie es sich anf\u00fchlen muss, keines zu haben. In meinem Umkreis habe ich schon des \u00f6fteren den Satz geh\u00f6rt \u201ein Deutschland muss niemand auf der Stra\u00dfe leben\u201c. Es w\u00fcrde Sozialleistungen geben und Hilfe f\u00fcr alle denkbaren Lebenslagen. Doch warum gibt es dennoch Menschen, die keine eigene Wohnung haben oder gar obdachlos sind?<br \/>\nMit unserer Arbeit an dem Thema m\u00f6chte ich Obdachlosen gerne eine Stimme geben. Ihnen die M\u00f6glichkeit geben, ihre Geschichte zu erz\u00e4hlen. Obdachlosigkeit hat viele Geschichten. Menschen, die auf der Stra\u00dfe leben sind ebenfalls nicht nur obdachlos, Junkies und verwahrlost. Auch sie sind mehr, als nur drei W\u00f6rter.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Obdachlose, die ganz unten angekommen zu sein scheinen, d\u00fcrfen nicht herabgew\u00fcrdigt werden. Wie im Grundgesetzt verankert: die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Ferdinand von Schirach schreibt in seinem Buch Kaffee und Zigretten dazu:<\/p>\n<p class=\"p1\">\u201eDie W\u00fcrde des Menschen ist die strahlende Idee der Aufkl\u00e4rung, sie kann den Hass und die Dummheit l\u00f6sen, sie ist lebensfreundlich, weil sie von unserer Endlichkeit wei\u00df, und erst durch sie werden wir in einem tiefen und wahren Sinn zu Menschen.\u201c<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\">Und so m\u00f6chte ich nach Schirach im wahren Sinn ein Menschen sein, in dem ich auch die W\u00fcrde eines obdachlosen Menschen wahre. Immer, aber jetzt, w\u00e4hrend einer Pandemie, mitten im Winter, ganz besonders.<br \/>\nIch tippe die letzten W\u00f6rter ab und mein Blick wandert in Gedanken immer wieder aus dem Fenster, um den Schneeregen anzuschauen, w\u00e4hrend mein Freund wieder in das Zimmer kommt. \u201eMir ist etwas eingefallen! W\u00e4rmflasche. Du sitzt am Schreibtisch immer mit deiner W\u00e4rmflasche an den F\u00fc\u00dfen.\u201c<br \/>\nIch schaue ihn an und finde die Situation bezeichnender, als mir lieb ist. Ich sitze in meinem gem\u00fctlichen Zuhause mit einer W\u00e4rmflasche an den F\u00fc\u00dfen, um nicht zu frieren, w\u00e4hrend drau\u00dfen jemand bei Temperaturen um die 0 Grad mit einem Schlafsack ausgestattet nach einem Platz zum schlafen sucht, im Freien.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwo zwischen B\u00fccherstapeln, zu vielen Schuhen und nicht endenden Zalando-Bestellungen, da bin ich: Marei. Ich studiere Medien- und Kommunikationswissenschaften im Profilfach und Kulturwissenschaften im Komplement\u00e4rfach an der Universit\u00e4t in Bremen. Ich liebe Fotografie, das Leben, die weite Welt, kleine Herzigkeiten und gute B\u00fccher. 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