Heterogenitätsüberlegungen aus der Religionsdidaktik

  1. Das begegnungspädagogische Setting, wie es in dem in Bremen als überkonfessionell ausgerichteten Religionsunterricht angelegt ist, ist eine gleichsam zentrale wie auf Bundesebene einzigartige Position Bremischer Schulpolitik (Bremer Klausel des überkonfessionellen RU). Zugrunde liegt diesem Konzept heute vor allem eine Antwort auf die Tatsache einer sich immer stärker ausformenden religiös-konfessionellen Binnenheterogenität der SuS, welche in enger Verbindung mit religiöser Pluralität der Gesellschaft zu stellen ist. In diesem auch grundsätzlichen Bekenntnis zur Heterogenität diskutiert die Religionsdidaktik verschiedene programmatische Aspekte des Religionsunterrichtes, welcher in Deutschland durch das Grundgesetz sowohl auf negative, als auch positive Religionsausübung verpflichtet ist.

Ein zentraler Apekt ist hierfür der Umgang mit den gegebenen „religiösen Überschneidungssituationen“ (Kenngott), welche mit ihrem Konfliktpotenzial eine Grundlage zur religionsdidaktischen Bildung der SuS darstellt. Konflikte werden dabei nicht nur in ihrem destruktiven Potanzial, sondern ebenso in ihrer Möglichkeit der Förderung von „Denken, vertiefter Auseinandersetzung und Positionierung“ (Kenngott) anerkannt und gebraucht. Das „Begegnungslernen“ (Lühnemann) fördert im gleichnamigen Setting also idealerweise Verstehens- und Toleranzprozesse, welche im Sinne einer Gemeinbildung der Schüler über die Institution hinaus letztlich zum Besseren Umgang mit religiös motivierten (politischen) Fragestellungen führt.

Der erhöhte Differenzierungsgrad und die Erweiterung auf allgemeine Aspekte religiös-menschlicher Erfahrungen ist mitunter für fundamentale Auffassungen von SuS schwer nachzuvollziehen. Toleranzerziehung solle dem Credo „schiedlich-friedlich, aber nicht in relativierender Gleichgültigkeit“ (Kenngott) folgen. Wenn konkrete Inhalte verschiedener Religionen im Interreligiösen Diskurs zusammengelegt werden, ist es leicht möglich, dass die Profilierung verloren geht. Dazu muss man beachten, dass sich die Profile möglicherweise schärfer aus Kulturwissenschaftlicher Sicht beobachten und herausbringen lassen. Dies sei wohl zu beachten.

2. Ich habe soweit keine Erinnerungen an meinen Religionsunterricht. Muss wohl substanzlos und uninspirierend gewesen sein. Die einzige Erinnerung ist jene aus der 5. oder 6. Klasse, wo wir ein Bild aus dem Paradies mit Adam und Eva malen sollten und ich der einzige war, der beide Nackt gemalt hat. Darüber hat sich unsere Lehrerin (Pastorin) bei der Klassenbeschauung an der Wand furchbar empört, was alle anderen noch mehr zu lachen gebracht hat. Ich habe dann gesagt, dass Adam und Eva ja erst nach dem Sündenfall überhaupt erkannten, dass sie Nackt waren und sich daraufhin bedeckt haben. Da wurde die Lehrerin noch wütender und ich musste den rest der Stunde vor der Tür verbringen.

3. Ich würde gerne beobachten, welche Rolle Religion(-spraxis) im Schulleben der einzelnen SuS einnimmt. Es lassen sich bestimmt unterschiedliche Ebenen religiöser Ausübung/Identität bei den SuS feststellen, die von ganz banal alltagsorientierter Anpassung (z.B. Ramaden-Müdigkeit oder die Freude auf ein langes Wochenende an Pfingsten) bis zu tief-religiösen Überzeugungen und Konflikten reichen. Diese verschiedenen Grundlagen zu erkennen kann es folgend spannend machen, zu schauen, wie religiöse Verhaltensweisen/Argumentationen zu verstehen sind und was für Möglichkeiten sich für Lehrkräfte aufzeigen, im Hinblick auf die allgemeine Bildung/Erziehung der SuS, mit diesen umzugehen. Also: Wann und wie tritt religion in der Schule in Erscheinung und was ergibt sich daraus für die Perspektiven/Praxis der SuS.

 

 

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