{"id":27,"date":"2016-05-12T21:50:27","date_gmt":"2016-05-12T19:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hilke1\/?p=27"},"modified":"2016-05-12T21:51:02","modified_gmt":"2016-05-12T19:51:02","slug":"27","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hilke1\/2016\/05\/12\/27\/","title":{"rendered":"6. Vorlesung: Die Situatuion von Jungen in der Schule"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wilfried Bos stellt in der Begleituntersuchung zu IGLU 2003 fest, dass Jungen sich in der Tendenz \u2013 im Vergleich mit der weiblichen Gleichaltrigengruppe \u2013 signifikant weniger sicher in Schule f\u00fchlen, deutlich weniger gerne zur Schule gehen und eindeutig h\u00e4ufiger das Gef\u00fchl haben, dass sich die Lehrkr\u00e4fte nicht\/wenig um sie k\u00fcmmern. Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese Ergebnisse und wie k\u00f6nnte man diese Situation verbessern?<\/p><\/blockquote>\n<p>Woran k\u00f6nnte es liegen, dass Jungen sich in Schulen weniger sicher f\u00fchlen, als M\u00e4dchen die im gleichen Alter sind? Zuerst f\u00e4llt einem dort der starke \u00dcberschuss an weiblichen Lehrkr\u00e4ften in Grundschulen auf. Hierdurch k\u00f6nnen Jungen sich weniger gut auf ihre Lehrkr\u00e4fte einlassen, da ihnen eine gleichgeschlechtliche Ansprechperson fehlt, die sie auch als Vorbild nehmen k\u00f6nnten. Diese Homogenit\u00e4t kann dazu f\u00fchren, dass Jungen sich in Schulen weniger akzeptiert f\u00fchlen, da sie sich nicht vollst\u00e4ndig mit ihren Lehrkr\u00e4ften identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt ist die allgemeine Auffassung, dass Jungen immer stark sein sollen. S\u00e4tze wie &#8222;Jungs heulen nicht!&#8220;, &#8222;War doch nur ein Kuscheltier, stell dich nicht wie ein Weichei an!&#8220; oder &#8222;Ein Indianer kennt keinen Schmerz!&#8220; f\u00fchren dazu, dass Jungen sich davor scheuen, Gef\u00fchle offen zuzulassen und diese auch in ihrem engeren Umfeld und gegen\u00fcber ihren Bezugspersonen nicht ansprechen und\/oder zum Ausdruck bringen, aus Angst dann als Weichei, als &#8222;Schwuchtel&#8220; zu gelten. Das f\u00fchrt auch dazu, dass sie ihre Probleme nicht ihren Lehrkr\u00e4ften, ihren Vertrauenslehrern oder auch Schulpastoren schildern, und eine harte Schale entwickeln, damit sie eben diesem Stereotyp eines Jungen entsprechen und nicht aus der Norm fallen.<\/p>\n<p>Es ist au\u00dferdem immer wieder zu sehen, dass Jungen eher in naturwissenschaftlichen und sportlichen Bereichen gef\u00f6rdert werden und M\u00e4dchen eher in k\u00fcnstlerischen und literarischen Bereichen. Dieses weitere Klischee kann dazu f\u00fchren, dass sowohl Jungen als auch M\u00e4dchen sich nicht trauen, ihre Interessen auszuleben, wenn diese nicht dem allgemeinen Rollenklischee entsprechen. Der Unterschied bei Jungen und bei M\u00e4dchen ist hierbei, dass man diese Problematik im Bezug auf M\u00e4dchen l\u00e4ngst erkannt hat und dementsprechend durch verschiedenste Ma\u00dfnahmen diesem Ph\u00e4nomen entgegenwirkt.<\/p>\n<p>Eben diese Vorurteile eines stereotypen Jungen f\u00fchren aber auch dazu, dass Lehrerinnen und Lehrer anfangen k\u00f6nnen, Jungen emotional zu vernachl\u00e4ssigen, weil diese ja &#8222;so stark&#8220; sind und &#8222;keine Gef\u00fchle&#8220; haben. Es kann also nur Besserung dieses Ph\u00e4nomens auftreten, wenn sehr fr\u00fch bei der Erziehung von Kindern begonnen wird. Hier sollte mehr darauf geachtet werden, dass Rollenklischees gar nicht erst entstehen, oder, wenn sie doch schon im Ged\u00e4chtnis eines Kindes verankert sind, darauf hingearbeitet wird, diese immer mehr aufzubrechen und, wenn m\u00f6glich, ganz abzuschaffen.<\/p>\n<p>Auch Lehrerinnen und Lehrer m\u00fcssen sich immer wieder klar machen, dass sie nicht nach Vorurteilen und Stereotypen urteilen d\u00fcrfen, sondern sich immer wieder klar machen, dass jeder Mensch individuell zu betrachten ist, damit sich optimal um ihn oder sie gek\u00fcmmert werden kann und er oder sie dann auch die optimalen Voraussetzungen f\u00fcr eine ideale Lernumgebung hat. Au\u00dferdem sollte viel mehr auf die Psyche eines Kindes eingegangen werden und weniger auf seine Leistungen, denn ohne einen Menschen der mit sich selbst im Reinen ist( vgl. Rogers Ideal- und Realselbst), kann sich auch Leistung nicht optimal entfalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilfried Bos stellt in der Begleituntersuchung zu IGLU 2003 fest, dass Jungen sich in der Tendenz \u2013 im Vergleich mit der weiblichen Gleichaltrigengruppe \u2013 signifikant weniger sicher in Schule f\u00fchlen, deutlich weniger gerne zur Schule gehen und eindeutig h\u00e4ufiger das Gef\u00fchl haben, dass sich die Lehrkr\u00e4fte nicht\/wenig um sie k\u00fcmmern. 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