Von Unsensibilität geprägt

In dem vorliegenden Auszug aus Martina Webers Studie zeigt sich deutlich, dass Lehrerinnen und Lehrer sich selbst immer wieder schwer tun, Heterogenität in der Schule richtig anzugehen.

Einem türkischstämmigen Mädchen wird ganz selbstverständlich eine Sicht- und Denkweise auferlegt, die diese vielleicht gar nicht mehr vertritt. Die eingegrenzte Eigenständigkeit der Frau bei der Partnerwahl wird zum Thema. Doch fühle die Betroffene sich längst nicht mehr nur einer, nämlich der türkischen, Kultur angehörig und sehe sich auch nicht in der Pflicht, Derartiges in ihren Aufsätzen aufzugreifen.

Es ist kritisch zu betrachten, weshalb die Lehrerin auf diese Weise reagiert. Sie könnte und müsste im Sinne der gleichen Behandlung ebenso einem deutschstämmigen Mädchen, ebenso allen Jungen, die Weitsicht abverlangen, auf die Gegebenheiten anderer Kulturen Rücksicht zu nehmen. In den Grundlagen der Pädagogik ist von Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Kulturen die Rede, was ein wünschenswerter Zustand wäre. Die Realität sieht, wie im Beispiel der Klassenarbeit um Romeo und Julia noch anders aus. Hier scheint es berechtigt, der Lehrerin eine gewisse Ignoranz und fehlende Sensibilität zu zu schreiben, da sie es letztlich nicht schafft, wirklich all ihre Schülerinnen und Schüler objektiv zu behandeln.

5 Gedanken zu „Von Unsensibilität geprägt

  1. Ich finde du hast zu der Fragestellung wichtige Aspekte angesprochen, die das Verhalten der Lehrerin gegenüber der türkischstämmigen Mädchen möglicherweise erklären könnten. Ich denke auch, dass die im Text genannte Lehrerin zwar der Heterogenität bewusst ist, jedoch unsensibel an das Thema sich wagt. Sie vergisst dabei ihre weitere Pflicht, die Schüler gleichberechtigt zu behandeln. Der letzte Satz ist meiner Ansicht nach eine berechtigte Meinung über die in unserem Text genannte Lehrerin. Ich habe eher die Vermutung, dass der Lehrerin wahrscheinlich nicht bewusst ist, das Kulturen sich auch ändern können und somit auch turkischstämmige sich eine neue Sozikulturelle Denkweise aneignen wollen\können. Um so, eine Erkenntnis über ihre Schüler zu erhalten, hätte sie das Thema ganz anders angehen müssen und nicht vor der Klasse sich über die Klausuren bestimmter Schüler\innen aufregen. Das nenne ich fehlgeschlagene Lehrerkompetenz.

    • Ich finde den Aspekt, dass die Lehrerin aufgrund von Unbewusstsein ihrer eigenen Vorurteile so gehandelt hat, am Gravierendsten. Das ist eigentlich der Kern, an dem man ansetzen muss, um wirklich ein multikulturelles Verständnis zu schaffen..sicher ein Ziel, das nicht allzu leicht zu erreichen ist.

  2. Liebe Hilke, liebe Taha,
    ergänzend zu Eurem Austausch würde ich gerne Euren Aspekt der Veränderbarkeit von Kulturen aufgreifen. Bedenkt man z.B., dass in Deutschland bis in die 1970er Jahre Frauen (gesetzlich geregelt) ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner keine Arbeit aufnehmen durften. Hier ein Link:
    http://www.focus.de/wissen/mensch/geschichte/tid-21578/zum-weltfrauentag-meilensteine-der-frauenemanzipation-in-deutschland-die-erste-frau-die-ohne-erlaubnis-ihres-ehemannes-arbeiten-darf_aid_605621.html

    Gleichzeitig finde ich es wichtig zu bedenken, dass Kulturen nicht immer mit einem Nationalstaat gleichzusetzen sind. Konkret meine ich, dass in einem Nationalstaat (in diesem Fall: türkischstämmig) unterschiedliche kulturelle Werte vertreten sein können (z.B. generiert über Stadt/Land oder soziale Herkunft) und wenn Kulturen sich immer durch die einzelnen Menschen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Bewegung befinden, kann man dann von DER Kultur sprechen?

    Herzliche Grüße
    Aysun

    • Hallo Aysun,
      Es ist ein sehr interessanter Link. Ich habe erst jetzt davon erfahren, jedoch ist mir ähnliches bekannt gewesen, dass noch vor ca. 60 Jahren Mädchen und Jungen auf getrennte Schulen gingen. Meine Grundschullehrerin erzählte uns immer, dass es (von Eltern und Leher aus ) verboten war sich mit einen Jungen eine enge bzw. intime Beziehung ein zu gehen, geschweige denn einen Freund mit nachhause zu bringen.
      Mit deinem Gedankengang, dass man Kultur nicht mit Nationalstaat gleichsetzen kann, hast du ein sehr wichtigen Punkt angesprochen, wenn nicht sogar den zentralsten Punkt . Ich als tütkisch-/arabischstämmiges Mädchen kann aus Erfahrungen sprechen, wie Facettenreich die türkische Kultur, oder eher Kulturen sind. Den größten Unterschied merke ich, wenn ich in der Türkei zum Urlaub bin. Wie sich die türkischen Mitbürger in Sachen Kultur-, Soziowerte hier unterschiedlich entwickelt haben, ist es dort viel ausgeprägter. Und das geht von dem Europäischen Teil Istanbuls bis Anatolien…echt unglaublich und interessant. Man muss wirklich neutral, mit Interesse und mit einer gewissen Sensibilität an solche Themen ran tasten. Genauso ein großes Interesse habe auch an deutsche und viele andere Kulturen. Das ist mit ein Grund warum ich mich dafür entschieden habe, den Beruf Lehrerin auszuüben.

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