RV14- Strukturelle und individuelle Formen der Ausgrenzung und Abwertung


Grundlegend werden sowohl bei Mobbing, aber auch bei Diskriminierung und Rassismus Personen und Personengruppen schlecht behandelt und ausgegrenzt. Jedoch können diese drei Formen der Ausgrenzung anderer nicht ein zu eins gleichgesetzt werden.

So richtet sich Mobbing meistens gegen einzelne Personen, dabei sind in der Regel keine bestimmten Eigenschaften des Opfers relevant. Zudem ist das anhaltende Zufügen von Schaden über einen längeren Zeitraum zusätzlich charakteristisch für Mobbing, ungeachtet dessen, welcher Form (bspw. physisch, verbal oder über das Internet) dessen. (Wachs & Schubarth, 2021).

Diskriminierung richtet sich nicht ausschließlich an einzelnen Personen, sondern auch an Personengruppen (definiert durch bspw. Sexualität, Alter, Religion), welche auf Grund von Stereotypen und Vorurteilen als schlechter angesehen werden als die Gruppe, der man selbst angehört. Die Identität des Betroffenen wird dabei also im Gegensatz zum Mobbing nicht außer Acht gelassen, weshalb Mobbing zwar diskriminierend sein kann, es keinesfalls aber immer sein muss. (Arani, 2020)

Rassismus stellt eine verschärfte Form der Diskriminierung da, bei der die betroffenen Personen auf ihr äußeres Erscheinungsbild reduziert und der „Rasse“ zugeordnet werden, der sie vermeintlich angehören. Dazu gehört auch, dass jeder „Rasse“ bestimmte Merkmale zugeschrieben werden, bei denen die als störend empfundenen Merkmale dann dazu dienen Rassismus zu legitimieren. Rassismus und auch Diskriminierung sind demnach ein gesellschaftliches Problem, das sich aus Stereotypen und Vorurteilen ergibt und durch Fehlendes Handeln von staatlicher Seite noch gestärkt werden kann. (Tsianos, 2016)

 

 

In meiner eigenen Schulzeit habe ich selbst Fälle von Mobbing, Diskriminierung und Rassismus mitbekommen und erlebt. Ich hatte dabei oftmals den Eindruck, dass zum einen einfach gar nicht über mögliche (psychische) Folgen für das Opfer nachgedacht wurde, zum anderen, dass das Bewusstsein für Diskriminierung und Rassismus fehlte. Vieles, das ich schon damals als nicht in Ordnung und diskriminierend empfunden habe wurde von anderen als Spaß empfunden oder einfach komplett übergangen. So wurde ein indischer Junge, der in meine Klasse ging, oftmals für den roten Punkt auf seiner Stirn ausgelacht. Einmal empfand eine Gruppe anderer Jungen es sogar als witzig sich mit einem Filzstift selbst Punkte auf die Stirn zu malen, ohne zu wissen, welche Bedeutung dies in der Kultur des betroffenen Jungen hatte. Wird dieses Fehlverhalten nicht direkt thematisiert, entsteht leicht der Eindruck es sei normal und alltäglich, die festigt fehlendes Bewusstsein nur. (Nguyen, 2013)

Was Mobbing betrifft waren mir die Ursachen in den seltensten Fällen bewusst, auch ich selbst war davon betroffen und habe mich oftmals gefragt, was genau ich falsch gemacht habe. Durch die Ausführungen und Erklärungen von Strohmeier (2019) bin ich jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass es wohl gar keine speziellen Gründe gebraucht hat, weder im Bezug auf mich selbst, als auch auf andere bei denen ich Situationen mitbekommen habe. Es schien wohl einzig darum zu gehen dem Opfer viel Schaden zufügen zu können. Zusätzlich scheint es zusätzlich wohl eine Art von Gruppenzwang zu geben, der – so vermute ich – wohl auch durch die Angst ausgelöst wird, selbst zum Opfer zu werden, wenn man sich Täter*innen nicht anschließt. Dadurch kann ein infektiöses Wesen des Mobbings beschrieben und festgestellt werden. (Wachs & Schubarth, 2021)

 

 

In dem uns vorliegenden Fallbeispiel wurde Herr Yilmaz Opfer einer rassistisch diskriminierenden Äußerung seines Kollegen. „Kameltreiber“ ist ein bekannter diskriminierender Ausdruck für aus dem arabischen Raum stammende Menschen, weshalb die Einordnung dieser Aussage nicht schwerfallen sollte. Ich würde also tatsächlich zunächst das Gespräch mit dem Lehrer suchen, der diese Aussage getroffen hat, zum einen um die Intention von diesem zu erfahren und zum anderen, um ihm darauf hinzuweisen, dass eine solche Aussage ungeachtet der genauen Beweggründe, selbst dann, wenn es nur „Spaß“ war, nicht tragbar ist. Da eine Schülerin anwesend war, würde ich dem Kollegen bewusst machen, dass es sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte, dass er eine Vorbildfunktion hat. Äußert er solche Dinge, wird die Schülerin, auch dann, wenn sie den genauen Kontext nicht verstanden hat, davon ausgehen es sei normal und in Ordnung so. Zusätzlich würde ich ihm wohl ebenso nahelegen, sich für diese Äußerung bei Herrn Yilmaz zu entschuldigen.

Als nächstes würde ich direkt mit Herrn Yilmaz sprechen, diesem kurz erklären, weshalb ich dies erst tue, nachdem ich mit dem Kollegen gesprochen habe, um ihn dann nach seinem Befinden zu fragen. Ich würde mir anhören, wie dieser bei der Aussage des Kollegen empfunden hat und nach seinen Wünschen dazu fragen, ob er diese Situation lieber allein versuchen möchte zu klären, oder sich weiterhin Unterstützung wünscht, nicht nur in der Situation selbst sondern auch darüber hinaus im Bezug auf bspw. ein klärendes Gespräch unter Aufsicht der Schulleitung. Wünscht er sich Unterstützung, würde ich ihm diese natürlich weiterhin zu sichern.

Zu guter letzte fehlt jedoch noch ein Gespräch mit der Schülerin, die die Situation mitbekommen hat, auch dieses würde ich noch am selben Tag suchen. Die Schülerin bekäme dann die Möglichkeit zu erklären, wie sie die Situation wahrgenommen und dabei empfunden hat. Ebenso gibt es mir die Möglichkeit der Schülerin deutlich zu machen, dass diese Situation alles andere als normal ist. Das wiederum führt hoffentlich dazu, dass diese ein Bewusstsein dafür entwickelt und selbst mehr darüber nachdenkt, ob solche Aussagen angebracht sind, als es ihr Lehrer getan hat.

Ergänzend sei noch erwähnt, dass ich, sollte der Kollege, der das Fehlverhalten gezeigt hat, nicht einsichtig sein, eine Beschwerde bei der Schulleitung einreichen würde, unabhängig davon, ob Herr Yilmaz sich dies wünscht.

 

Literatur:

  • Wachs, S., Schubarth, W. 2021. Schule und Mobbing. In: Hascher, T., Idel, TS., Helsper, W. (eds) Handbuch Schulforschung. Springer VS. Wiesbaden.
  • Strohmeier, D. 2019. Mobbing in multikulturellen Schulen. In: Kracke, B., Noack, P. (eds) Handbuch Entwicklungs- und Erziehungspsychologie. Springer Reference Psychologie . Springer. Berlin, Heidelberg.
  • Arani, A. 2020. Die multireligiöse Schule als Ort von Diskriminierung. In: Joachim Willems (Eds.). Religion in der Schule. Bielefeld: transcript Verlag.
  • Tsianos, S. 2016. Rassismus in der postmigrantischen Gesellschaft.
  • Nguyen, T. 2013. ZEP: Zeitschrift für internationale Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik 36,“Es gibt halt sowas wie einen Marionettentäter.“. Schulisch-institutionelle Rassismuserfahrungen, kindliche Vulnerabilität und Mikroaggression

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