{"id":5,"date":"2020-05-30T13:44:27","date_gmt":"2020-05-30T11:44:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/heterogenitaet2020\/?p=5"},"modified":"2020-05-30T13:44:27","modified_gmt":"2020-05-30T11:44:27","slug":"rv06-dr-eileen-schwarzenberg-meint-inklusion-wirklich-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/heterogenitaet2020\/2020\/05\/30\/rv06-dr-eileen-schwarzenberg-meint-inklusion-wirklich-alle\/","title":{"rendered":"RV06: Dr. Eileen Schwarzenberg &#8211; Meint Inklusion wirklich alle?"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><strong> Benennen Sie bitte die f\u00fcr Sie zentralen theoretischen Aspekte aus der Vorlesung und begr\u00fcnden Sie die Auswahl. <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein zentraler theoretischer Punkt ist f\u00fcr mich der \u00dcbergang von der Integration zur Inklusion. Dass die Kinder mit Behinderung sich an das bestehende System anpassen oder auf F\u00f6rderschulen gehen m\u00fcssen, ist meiner Meinung nach immer noch ein Problem. Viele Regelschulen sind von ihrer Organisation her nicht in der Lage, Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen mit Behinderung zu inkludieren. Dies w\u00e4re jedoch w\u00fcnschenswert, wenn man irgendwann den letzten Punkt, der \u00dcberwindung des Begriffes Inklusion, erreichen will.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang f\u00e4llt auch die Exklusion durch Organisation sowie durch Interaktion. Hier sehe ich auch einen Widerspruch, der momentan in unserem System besteht: einerseits sollen Menschen mit Behinderung gleichberechtigt behandelt und inkludiert werden, andererseits ben\u00f6tigen sie in der Praxis besondere F\u00f6rderungen z.B. durch SonderlehrerInnen, was wiederum eine Exklusion zur Folge hat. Die einzige M\u00f6glichkeit, sich diesem Widerspruch zu entziehen, sehe ich in einer Umstellung des Systems von einer gruppenbasierten hin zu einer individuellen Ausrichtung. Somit k\u00f6nnte auf besondere Bed\u00fcrfnisse eingegangen werden, wodurch nicht nur Sch\u00fclerInnen mit Behinderung, sondern letztendlich alle Sch\u00fclerInnen profitieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ein weiterer sehr interessanter Punkt ist die Unterscheidung zwischen dem individuellen und sozialen Modell. Das individuelle Modell ist in Deutschland nach meinen Beobachtungen immer noch vorherrschend. Es braucht st\u00e4rkeres Bewusstsein f\u00fcr das soziale Modell und eine Gesellschaft, die sich aktiv daf\u00fcr einsetzt nach diesem sozialen Modell zu leben.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Lesen Sie bitte die Fallbeispiele (siehe unten) und beantworten die Fragen. <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Was f\u00e4llt Ihnen spontan zu den beschrieben SuS ein? Was ging Ihnen beim Lesen durch den Kopf? Welche Rahmenbedingungen (r\u00e4umlich\/materiell etc.) m\u00fcssen f\u00fcr die inklusive Bildung dieser SuS gegeben sein? Was w\u00fcrden sie konkret didaktisch-methodisch im Unterricht mit diesen SuS ber\u00fccksichtigen?<\/strong><\/p>\n<p>Finn: Finn scheint von einer ruhigen Arbeitsatmosph\u00e4re mit klaren Regeln zu profitieren und viel Aufmerksamkeit der Lehrkraft einzufordern. Insbesondere bei Arbeitsauftr\u00e4gen, bei denen die SuS selbstst\u00e4ndig arbeiten m\u00fcssen, scheint er Probleme zu haben. Eine kleine Klasse k\u00f6nnte dabei helfen, die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde herzustellen, die er braucht. Didaktisch w\u00e4re es m\u00f6glich, die Freiarbeitszeit durch kleine Rituale zu unterbrechen, wie z.B. das zentrale Sammeln der fertigen Aufgaben. Eine Sensibilisierung der Mitsch\u00fclerInnen w\u00e4re eine weitere M\u00f6glichkeit, sodass mit allen gemeinsam eine L\u00f6sung gefunden werden kann.<\/p>\n<p>Hanna: Positiv f\u00e4llt hier auf, dass Hanna offensichtlich in der Lage ist, die gestellten Aufgaben mit viel Eifer zu l\u00f6sen, auch wenn sie daf\u00fcr sehr viel Zeit ben\u00f6tigt. Da sie positiv auf Lob der Lehrkraft reagiert, sollte dies auch fortgef\u00fchrt werden. Ihr Arbeitsumfeld sollte gut organisiert und aufger\u00e4umt sein. Zus\u00e4tzlich zur \u00dcbung von Rechenmethoden k\u00f6nnte in der F\u00f6rdergruppe auch ge\u00fcbt werden, wie sie sich auf Wesentliche Aufgaben konzentrieren kann, sodass sie weniger Zeit mit Kleinigkeiten verbringt. Eine didaktische M\u00f6glichkeit, ihr das Mithalten zu erm\u00f6glichen ohne gesonderte Arbeitsbl\u00e4tter zu erstellen, k\u00f6nnte hier eine Unterteilung in grundlegende und weiterf\u00fchrende Aufgaben sein, wobei die weiterf\u00fchrenden Aufgaben optional von SuS gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, die bereits ein gutes Verst\u00e4ndnis der Problemstellung entwickelt haben.<\/p>\n<p>Malik: Eine aufmerksame und freundliche Lehrkraft k\u00f6nnte Malik dabei helfen aus sich herauszukommen. Malik profitiert von visuellen und auditiven Reizen, die ihm kombiniert mit seinem guten Ged\u00e4chtnis beim Lernen helfen k\u00f6nnen. Daher ist es didaktisch besonders wichtig, den Unterrichtsstoff von Seiten der Lehrkraft in gut verst\u00e4ndlicher Sprache und unterst\u00fctzt von Bildern zu vermitteln. Eine M\u00f6glichkeit ihn zu unterst\u00fctzen w\u00e4re, Bilder im Klassenraum z.B. zu den Lagebeziehungen aufzuh\u00e4ngen, sodass er sich daran orientieren kann. Zudem sollte er bei Wortmeldungen immer positiv best\u00e4rkt werden. Er k\u00f6nnte auch mehr Selbstbewusstsein durch Gruppenspiele erlangen, die auf Ged\u00e4chtnisaufgaben und verbal formulierten Antworten basieren.<\/p>\n<p>Lena: Bei Lena besteht durch ihre Assistentin besonders die Gefahr, exkludiert zu werden, weswegen es sehr gut ist, dass sie auch Alltagsaufgaben in der Klasse \u00fcbernimmt. Durch Gruppenarbeiten k\u00f6nnte sichergestellt werden, dass sie sich neben dem Kontakt zur Assistentin und zur Lehrkraft auch aktiv mit ihren Mitsch\u00fclerInnen austauschen kann.<\/p>\n<p><strong>Reflektieren Sie bitte anschlie\u00dfend Ihre bisherigen Erfahrungen an Schulen: <\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong>a) Wie w\u00fcrden Sie ihre Erfahrungen im Hinblick auf die theoretischen Aspekte aus der Vorlesung einordnen? (u.a. Modelle von Behinderung, \u201einkludierende Exklusion\u201c). <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Da ich bisher weder ein Praktikum an einer Oberschule oder einem Gymnasium gemacht habe noch Erfahrungen diesbez\u00fcglich aus meiner eigenen Schulzeit mitbringe, kann ich leider auf diese Frage nur eine eingeschr\u00e4nkte Antwort geben. Nach meiner eigenen Erfahrung in den wenigen Ber\u00fchrungspunkten, die ich bisher hatte, findet eher ein \u201eNebeneinander-her-leben\u201c im Sinne einer inklusiven Exklusion anstelle eines inklusiven Umgangs miteinander statt. So wurde in einem inklusiven Hort, in dem ich ein Praktikum machte, f\u00fcr die \u201eI\u2011Kinder\u201c ein eigener Sonderp\u00e4dagoge eingestellt, welcher auf die speziellen Bed\u00fcrfnisse eingehen sollte. In der Praxis hat das leider dazu gef\u00fchrt, dass besonders ein M\u00e4dchen mit Down-Syndrom getrennt von den anderen Kindern betreut wurde und oft auch kein gegenseitiges Verst\u00e4ndnis entstehen konnte. Vor der Einstellung des Sonderp\u00e4dagogen war das M\u00e4dchen meiner Meinung nach besser integriert, allerdings war oft auch keine Zeit seitens der Betreuer ihr z.B. gesondert bei den Hausaufgaben zu helfen.<\/p>\n<ol>\n<li>b) Welchen Meinungen sind Ihnen im Praktikum \/ in Praxiserfahrungen insbesondere zu der Frage der Inklusion von SuS mit sonderp\u00e4dagogischem F\u00f6rderbedarf an Oberschulen und Gymnasien begegnet und welche Auffassung vertreten Sie selbst?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auch auf diese Frage kann ich nur begrenzt antworten und meine Auffassungen basieren nicht auf praktischen Erfahrungen. Die Inklusion von SuS mit sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf gestaltet sich meiner Meinung nach schwierig. Einerseits sind Lehrer an den Oberschulen bereits mit gro\u00dfen und auch heterogenen Klassen konfrontiert, sodass wenig Kapazit\u00e4ten vorhanden sind, um auf SuS mit besonderen Bed\u00fcrfnissen angemessen einzugehen. Andererseits bringt jede Unterst\u00fctzung durch Sonderp\u00e4dagogen oder gesondertes Lehrmaterial auch eine Sonderbehandlung dieser SuS mit sich, die sie von anderen SuS abgrenzt und klar als \u201eanders\u201c definiert. Meiner Meinung nach br\u00e4uchte es eine grundlegende Umstellung des Unterrichts, sodass auf individuelle Bed\u00fcrfnisse besser eingegangen werden kann.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Formulieren Sie bitte eine Beobachtungaufgabe f\u00fcr den inklusiven Unterricht f\u00fcr zuk\u00fcnftige Praktika.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Besonders interessant finde ich die Interaktion zwischen SuS mit und ohne sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf. Daher k\u00f6nnte beobachtet werden, wie sich die SuS im Unterricht aber auch in den Pausen untereinander verhalten. Wird allgemein R\u00fccksicht auf SuS mit sonderp\u00e4dagogischen F\u00f6rderbedarf genommen? Werden sie z.B. bei Gruppenaufgaben aktiv eingebunden oder findet hier eine Exklusion statt? Wie kann man die sozialen Interaktionen einordnen? Sind sie eher ablehnend und diskriminierend, bevormundend oder werden alle gleich behandelt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benennen Sie bitte die f\u00fcr Sie zentralen theoretischen Aspekte aus der Vorlesung und begr\u00fcnden Sie die Auswahl. Ein zentraler theoretischer Punkt ist f\u00fcr mich der \u00dcbergang von der Integration zur Inklusion. Dass die Kinder mit Behinderung sich an das bestehende System anpassen oder auf F\u00f6rderschulen gehen m\u00fcssen, ist meiner Meinung nach immer noch ein Problem. 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