{"id":39,"date":"2017-05-04T17:36:06","date_gmt":"2017-05-04T15:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/herrleon\/?p=39"},"modified":"2017-05-04T17:37:39","modified_gmt":"2017-05-04T15:37:39","slug":"39","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/herrleon\/2017\/05\/04\/39\/","title":{"rendered":"Leistungsheterogenit\u00e4t im Unterricht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fokussierung des Vorlesungsthemas<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium \u00fcber Ma\u00dfnahmen zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t. Sie erinnern sich kurz an diese Vorlesung: nennen Sie zwei empirisch \u00fcberpr\u00fcfte Fakten zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t, die der Diskussion dienen k\u00f6nnten!<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Studie zum Thema \u201e\u00e4u\u00dfere Differenzierung\u201c wies empirisch nach, dass leistungsstarke Sch\u00fcler von dieser Ma\u00dfnahme leicht profitieren, wohingegen es sich auf leistungsschwache Sch\u00fcler negativ auswirkt. Dies liegt daran, dass die leistungsschwachen Sch\u00fcler nicht von den F\u00e4higkeiten der leistungsst\u00e4rkeren Sch\u00fclern im gemeinsamen Unterricht profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Versuche in der \u201einnere Differenzierung\u201c zeigten gemischte Ergebnisse. Bei <em>leistungshomogenen<\/em> Gruppen zeigte sich f\u00fcr Gruppen mit leistungsstarken und mittelstarken Sch\u00fclern ein sehr geringer Leistungszuwachs, jedoch ein starker Zuwachs in der Motivation. Bei leistungsschwachen Sch\u00fclergruppen hingegen zeigten sowohl der Leistungszuwachs, als auch die Motivation ein starkes Defizit.<\/p>\n<p><em>Leistungsheterogene<\/em> Gruppen erwiesen sich f\u00fcr leistungsschwache Sch\u00fcler stark f\u00f6rdernd, wohingegen die Leistungssteigerung bei den leistungsst\u00e4rkeren Sch\u00fclern stagnierte.<\/p>\n<p>Auch auf die Motivation zeigte die durchmischtheit der Gruppen positive Auswirkung f\u00fcr die leistungsschwachen Sch\u00fcler, wohingegen die Motivation leistungsstarker Sch\u00fcler stark darunter litt.<\/p>\n<p>Diese gemischten Ergebnisse f\u00fchrten zu dem Schluss, dass es mehr auf Unterrichtsqualit\u00e4t, als auf Binnendifferenzierung ankommt, da beide Konstellationen sowohl Vorteile, als auch Nachteile aufweisen und es schwierig ist eine &#8222;bessere&#8220; Alternative zu w\u00e4hlen, ohne eine der beiden Gruppen zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anwendung und theoriegeleitete Reflexion bisheriger Praxiserfahrungen, inklusive Perspektivenwechsel von Lernenden zu Lehrenden<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Erl\u00e4utern Sie, welches Unterrichtsmuster Sie in Ihrer bisherigen Erfahrung selbst als das wirkungsvollste erlebt haben! Diskutieren Sie Ihre Beobachtung vor dem Hintergrund der Vorlesung!<\/li>\n<\/ol>\n<p>Meine pers\u00f6nliche Erfahrung bez\u00fcglich des effektivsten Unterrichtsmusters zeigte mir, dass ein geleiteter Unterricht mit Praxisbezug am wirkungsvollsten ist. Das praktische Arbeiten und auseinandersetzen mit einem Unterrichtsthema und das Aufstellen eigener Arbeitshypothesen sorgten bei mir zum einen f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Motivation, zum anderen aber auch f\u00fcr die besten Leistungssteigerungen. Dabei war es jedoch wichtig, bei R\u00fcckfragen stets eine Bezugsperson zur Seite zu haben.<\/p>\n<p>Dies w\u00fcrde dem Prinzip der <em>direkten Instruktion<\/em> entsprechen, welche auch als das erfolgreichste Unterrichtskonzept gilt.<\/p>\n<p>Die Kombination aus praxisorientierter Arbeit und eigener Erarbeitung der Theorie liefert eine gute Basis zum Erlangen und Sichern\u00a0von Wissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anwendung und theoriegeleitete Reflexion zuk\u00fcnftiger Praxiserfahrungen<\/strong><\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>Entwickeln Sie eine kurze Aufgabe mit drei gestuften Lernhilfen, die Sie in Ihrem Fach morgen im Unterricht einsetzen k\u00f6nnten! Erl\u00e4utern Sie die gestuften Lernhilfen und beschreiben Sie, wie sie im Unterricht erkennen k\u00f6nnen, ob diese erfolgreich gew\u00e4hlt sind.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Prinzip der gestuften Lernhilfe sieht eine, in Stufen aufgeteilte, Hilfe zur Bearbeitung von Aufgaben vor. Dabei soll zun\u00e4chst ein lernstrategischer Hinweis, wie z.B. \u201efertige eine Skizze an\u201c, \u201ebesprich die Aufgaben mit deinem Sitznachbar\u201c, gegeben werden, danach eine L\u00f6sungshilfe. Dies kann in der Form von Hilfszetteln geschehen, welche auf der Vorderseite eine Strategie und auf der R\u00fcckseite die L\u00f6sung enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr eine Aufgabe k\u00f6nnte sein:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Beschreibe den Aufbau einer Nervenzelle in einer sinnvollen Reihenfolge. Beschreibe zus\u00e4tzlich den Ablauf eines Aktionspotentials.<\/em><\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Lernhilfe w\u00e4re nun:<\/p>\n<p>1.<\/p>\n<p><em>Strategie: Wiederhole m\u00fcndlich den Aufbau einer Nervenzelle zusammen mit deinem Sitznachbarn.<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00f6sung: Die Nervenzelle besteht aus den Synapsen (Endk\u00f6pfchen), dem Soma (dem Zellk\u00f6rper), dem Axonh\u00fcgel, dem Zellkern, dem Axon (Myelinscheide und Ranvier\u2019sche Schn\u00fcrringe) und den Dendriten.<\/em><em>\u00a0Bringe diese nun in die korrekte Reihenfolge.<\/em><\/p>\n<p>2.<\/p>\n<p><em>Strategie: Entwirf eine Skizze einer Nervenzelle, beschrifte diese und versuche anhand deiner Skizze deine Beschreibung zu strukturieren.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00f6sung: (Beschriftete \u00dcbersicht einer Nervenzelle)<\/em><\/p>\n<p>3.<\/p>\n<p><em>Strategie: Skizziere den Verlauf eines Aktionspotentials (benutze die Begriffe: Schwellwert, Repolarisation, Depolarisation, Ruhepotential, Hyperpolarisation) und versuche anhand deiner Skizze deine Beschreibung zu strukturieren.<\/em><\/p>\n<p><em>L\u00f6sung: (Beschriftete Skizze eines Aktionspotentials)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit diesen Lernhilfen kann der Sch\u00fcler stufenweise an die L\u00f6sung herangef\u00fchrt werden, jedoch ohne bereits ein vollst\u00e4ndiges Ergebnis zu erhalten. Dies sorgt daf\u00fcr, dass der Lerneffekt erhalten bleibt und gleichzeitig auch ein Erfolgsgef\u00fchl mit dem erfolgreichen Abschlie\u00dfen der Aufgabe erlangt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sichtbar wird der\u00a0Erfolg der Lernhilfe, falls jeder Sch\u00fcler am Ende des Unterrichts\u00a0in der Lage ist den Aufbau einer Nervenzelle und eines Aktionspotentials zu beschreiben oder zumindest zu skizzieren. Auch die H\u00e4ufigkeit der zus\u00e4tzlich gestellten Fragen gibt Auskunft \u00fcber die Effektivit\u00e4t der Lernhilfen. Falls viele Sch\u00fcler trotz der Lernhilfen weiterhin Fragen haben sollten, sind diese nicht selbsterkl\u00e4rend genug. Sind jedoch alle Sch\u00fcler, die die Lernhilfe benutzt haben, schneller fertig, als es im Normalfall zu erwarten w\u00e4re, dann gibt diese eventuell zu viel Information preis und vereinfacht die Aufgabenstellung zu sehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anwendung und theoriegeleitete Reflexion auf der Unterrichts- und Schulebene:<\/strong><\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>Eine Kollegin sagt: \u201eGesamtschulen sind ja immer mal wieder der letzte Trend, ob wir sie nun Oberschulen nennen oder Sekundarschulen, die Idee ist doch dieselbe. Alle werden gemeinsam unterrichtet, was f\u00fcr eine Ideologie. Dabei zeigt doch die empirische Forschung klar, dass das Gymnasium nur von den besten SuS besucht werden sollte. Die schlechten f\u00fchlen sich hier doch viel zu schnell \u00fcberfordert und das frustriert sie so sehr, dass sie vollkommen abschalten.\u201c Was antworten Sie der Kollegin?<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde zun\u00e4chst fragen, auf welche empirische Forschung sie sich bezieht.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung, dass \u201eschlechte\u201c Sch\u00fcler sich \u00fcberfordert f\u00fchlen, ist eine sehr einseitige Sichtweise auf die Idee eines gemeinsamen Schulsystems. Sicherlich gibt es Sch\u00fcler, auf welche das hohe Leistungsniveau eines Gymnasiums \u00fcberfordernd wird. Es ist jedoch nachgewiesen, dass Leistungsheterogenit\u00e4t innerhalb von Gruppen oder Klassenverb\u00e4nden durchaus leistungssteigernd auf\u00a0ansonsten leistungsschwache Sch\u00fcler wirkt. Somit wird es auch Sch\u00fcler geben, welche durch den \u201eTrend\u201c der Gesamtschule erst ihr volles Potential entwickeln.<\/p>\n<p>Danach w\u00fcrde ich ihre Einstellung gegen\u00fcber leistungsschwachen Sch\u00fclern hinterfragen, da mir ihre Wortwahl nicht gef\u00e4llt. Einen Sch\u00fcler als \u201eschlecht\u201c zu bezeichnen, empfinde ich als \u00e4u\u00dferst abwertend, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Schulleistung nicht die Intelligenz eines Sch\u00fclers widerspiegelt, sondern viel mehr Flei\u00df und gute Lernstrategien belohnt.<\/p>\n<p>Mit diesem Hintergrund spr\u00e4che noch mehr f\u00fcr leistungsheterogene Klassen, da auf diese Weise Methoden und Strategien zwischen den Sch\u00fclern ausgetauscht werden k\u00f6nnen und so zus\u00e4tzlich das Gemeinschaftsgef\u00fchl und damit auch die Motivation gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fokussierung des Vorlesungsthemas In einer Konferenz in Ihrem Fachbereich in Ihrem Fach an Ihrer Schule diskutiert das Kollegium \u00fcber Ma\u00dfnahmen zum Umgang mit Heterogenit\u00e4t. 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