Abschlussreflexion

1. Benennen Sie die für Sie zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie Erkenntnisse auf die Didaktiken ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen.

Die für mich zentralen Erkenntnisse der Ringvorlesung, bezogen auf die Fachdidaktik meiner Fächer Mathematik und Politik sind zum einen das spielerische Herangehen an (neue) Themen, sowie das Zusammentragen von verschiedenen Definitionen bzw. Vorstellungen.

Das spielerische Kennenlernen von Zusammenhängen hat mich sehr begeistert, da meiner Meinung nach das Problem in der Mathematik besteht, dass sie für viele Schülerinnen und Schüler ein abstraktes Fach darstellt, in welchem sie oft den Wert für ihr späteres Leben nicht sehen können. So wirkt es für viele schlicht sinnlos, Zusammenhänge aus beispielsweise Stochastik zu lernen. Der spielerische Zugang aber zeigt, dass viele Spiele auf Logik basieren, wodurch man sie durchschauen und wenn man sich die Logik zunutze macht, gewinnen kann. Dieser gemeinschaftliche Sinn fürs Gewinnen und das Erkennen der Logik machen die Mathematik zu einem für jedes Individuum nützliches Werkzeug und gewinnt damit an Wert. Von Vorteil ist außerdem, dass Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Leistungsniveaus oder mit verschiedenen sozialen Hintergründen dennoch zusammen spielen können, da das Spielen schnell für Gemeinschaft sorgt und es alle verstehen, wenn es ausreichend erklärt wurde. So kommt es zu Kreativität, freiem Denken, Strategieentwicklung und gesundem Wettbewerb. (Timo Leuders, 2009)

Ein weiterer fachdidaktischer Zugang zu neuen Themen, vor allem anwendbar in Politik, ist das Finden von Definitionen oder Austauschen von Vorstellungen zu einem bestimmten Begriff. Diese Methode wurde von Prof. Dr. Andreas Klee vorgestellt und zeigt wie unterschiedlich wir alle geprägt sind. Denn fragt man die Schülerinnen und Schüler nach ihrer Vorstellung, was ein Staat darstellt, sind die Antworten sehr vielfältig. An diesem Ansatz gefällt mir, dass so jede Schülerin und jeder Schüler an ihrem bzw. seinem Standpunkt abgeholt werden können. Man kann also auf missverständliche oder irrtümliche Definitionen reagieren und erklären wie es dazu gekommen sein kann. (In dem Zusammeenhang ist es vielleicht sinnvoll, die Definitonen anonym zusammentragen zu lassen) Außerdem wird den Schülerinnen und Schülern gezeigt, dass jeder unterschiedlich viel Vorwissen mitbringt, dies aber in Ordnung und normal ist. Das ist meiner Meinung nach eine starke und wichtige Botschaft.

Wichtige generelle Erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse waren für mich die Heterogenität insgesamt und generell, sowie die Herausforderung zwischen individueller Hilfe und gemeinsamem Unterricht.

Zur Herterogenität generell lässt sich sagen, dass mir durch die Betrachtung der vielen verschiedenen Dimensionen von Heterogenität (Sozialer Status, Geschlecht, Leistung etc. Etc.) noch einmal klarer und bewusster geworden ist, wie sehr unterschiedlich jeder einzelne Mensch einfach ist. Dies wird für mich als Lehrer eine große Herausforderung, aber dennoch sehe ich in dieser Tatsache viel mehr die Schönheit der Vielfältigkeit. Diese möchte ich versuchen zu bewahren und auch meinen Schülerinnen und Schülern beizubringen, da diese Sichtweise meiner Meinung nach das zentrale Mittel gegen Rassismus, Diskriminierung, Mobbing und weitere ausgrenzendeVerhaltensweisen ist.

Deutlich geworden ist für mich außerdem, dass Heterogenität ein zentraler Fakt ist, welcher die Schule prägt, ich aber dadurch nun vor der Herausforderung stehe, wie ich mit einer so heterogenen Gruppe nun wirklich umgehe. Mir ist bewusst, dass die Ringvorlesung dies nicht leisten kann, dennoch ist es ein zentraler Aspekt, welcher mich sehr beschäftigt: Wie kann ich dem einzelnen Schüler mit Motivationsproblemen so helfen, wie ich gerne würde, wenn neben ihm weitere 29 Schülerinnen und Schüler sitzen, welche ihre eigenen individuellen Probleme haben, welche genauso meine Aufmerksamkeit verdienen, ich aber nur 90 Minuten pro Woche Zeit habe und mit dem Unterrichtsstoff vorankommen muss? Hier ist es schwierig alles unter einen Hut zu bekommen, sodass ich den Mittelweg gehen muss. Hierbei gilt es nicht deprimiert zu sein, dass ich nicht jedem oder jeder einzelnen so helfen kann wie ich gerne würde.

3. Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema UMHET. Bitte begründen Sie Ihre Wahl.

Zur Fragestellung: Wie gehe ich mit Schülerinnen oder Schülern um, die einen Sonderförderbedarf haben? Prof. Dr. Frank J. Müller hat uns Studierende mit dieser Frage konfrontiert und ich fand erschreckend wie ratlos alle waren. Das Land Bremen hat sich zur Inlusion entschlossen, aber meiner Meinung nach reicht es nicht den Studiengang IP zu etablieren, sondern die “normalen” Lehrkräfte brauchen in ihrem Studium ebenfalls eine Einführung in den Umgang mit äußerst “herausfordernden” Schülerinnen und Schülern. Da dies ein Aspekt von Heterogenität darstellt, würde ich mich über eine weitere Thematisierung in diesem Zusammenhang sehr interessieren und vemutlich auch sehr bereichern.

Die zweite Fragestellung, die mich sehr interessieren würde, ist die des Anspruches an die Mathematik verbunden mit der Feststellung von Leistungsheterogenität. Genau lautete die Frage: “Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler ein Grund zur Sorge?”, welche uns Prof. Dr. Christine Knipping stellte. Meiner Meinung nach ist Leistungsheterogenität eine natürliche Gegebenheit, da jedes Individuum seine individuellen Stärken und Schwächen mit sich bringt. Deshalb sind Unterschiede in Leistungen in jedem Fach normal und legitim. Nun stellt sich jedoch die Frage, was das Mindestmaß an Kompetenz sein sollte. Wie gut sollten Schülerinnen und Schüler also beispielsweise in der Mathematik sein? Für mich ist die Antwort, dass alle in ihrem Leben und Beruf klarkommen sollten, also zum Beispiel Flächen- und Prozentrechnung beherrschen sollten. Hier würde die gestellte Frage nun beginnen interessant zu werden: Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler oberhalb dieses Levels ein Grund zur Sorge? Wie weit sollte es die Oberstufenmathematik treiben? Reicht nicht irgendwann die gelernte Mathematik, auch wenn die Berechnung von Integralen und abstrakten Wahrscheinlichkeiten noch nicht erlernt wurde? Oder kann irgendwann das erforderte Mindestlevel erreicht sein und die Schülerin oder der Schüler sich aussuchen ob er seine oder ihre mathematischen Kenntnisse vertiefen oder sich lieber auf ein anderes Fach/Thema konzentrieren möchte? Das sind meiner Meinung nach Fragen in einem sehr interessanten Themenfeld.

4. Welche in den Vorlesungseinheiten von BAUMHET thematisierten Problematiken/Aspekte sehen Sie für sich persönlich als besondere Herausforderung? Wie könnten Sie sich, im Uni-Kontext oder auch darüber hinaus, auf diese Herausforderungen vorbereiten?

Wie bereits angedeutet, sehe ich die Problematik eine sehr heterogene Gruppe als homogene Klasse unterrichten zu müssen als große und vielleicht zentrale Herausforderung. Da ich für diese Problematik bereits sensibilisiert wurde, werde ich im weiteren Studienverlauf bewusst auf Hilfe und Tipps achten, sowie schauen ob sich entsprechende Wahlpflichtmodule belegen lassen. Auch in den fachdidaktischen Modulen werde ich versuchen von den Erfahrungen der Dozenten und Dozentinnen zu lernen. Außerhalb der Uni lässt sich dieser Herausforderung schlecht begegnen, weshalb ich auch damit rechne, dass ich als junger Lehrer lerne, mit solchen Situationen umzugehen.

Ein weiterer, für mich persönlich wichtiger Aspekt, ist der Fakt, dass jedes Individuum einzigartig ist. So kann es zum Beispiel nicht sein, dass sich eine Schülerin nicht für Naturwissenschaften zu interessieren traut, nur weil sie weiblich ist. Oder, dass sich jemand aufgrund seiner Religion fremd fühlen muss. Oder aufgrund seiner Hautfarbe. Die Herausforderung besteht also darin, dass was für mich selbstverständlich ist und dass, was vielleicht in der Erziehung der Schülerinnen und Schüler versäumt wurde nachzuholen ohne dafür zu viel Zeit zu verwenden, zu stark zu beeinflussen oder dadurch nicht mehr ernst genommen zu werden. Diese Herausforderung ist für mich sehr wichtig, da sie meines Erachtens auch zum Beruf eines Lehrers gehört, dafür aber teilweise wenig Raum existiert und es auch auf die Beziehung der Schülerinnen und Schüler zu mir als Lehrer ankommt. Ich bin mir nicht sicher ob ich mich bewusst auf diese Herausforderung vorbereiten kann, ich denke, dass dies ein Thema ist, mit welchem ich mich automatisch mit Mitstudierenden oder Freunden und Freundinnen auseinandersetze. Möglicherweise wird es aber auch im Studium noch thematisiert oder mir die Möglichkeit gegeben es zu thematisieren.

Published in: on 16. Juli 2019 at 13:12 Comments (1)
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  1. on 27. August 2019 at 14:46 Deniz Said:

    Der Beitrag erfüllt die Anforderungen der Abschlussreflexion.

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