{"id":795,"date":"2020-06-08T14:53:01","date_gmt":"2020-06-08T12:53:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/?p=795"},"modified":"2020-06-17T08:51:53","modified_gmt":"2020-06-17T06:51:53","slug":"von-der-ag-weser-zur-waterfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/06\/08\/von-der-ag-weser-zur-waterfront\/","title":{"rendered":"Von der AG Weser zur Waterfront: Die Revitalisierung eines Werftgel\u00e4nde"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_796\" style=\"width: 334px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-796\" class=\"wp-image-796 \" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/files\/Waterfront_Hinrichs.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"219\" \/><p id=\"caption-attachment-796\" class=\"wp-caption-text\">Die Waterfront von oben. (Quelle: Hinrichs, J. (2012): Die Waterfront soll gr\u00f6\u00dfer werden. Bremen: Weser Kurier.)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left\">Der Bremer Bev\u00f6lkerung ist das Areal im Ortsteil der Bremer Industrieh\u00e4fen heute vor allem aufgrund des dort gelegenen Shopping-Centers \u201eWaterfront\u201c bekannt. Doch die Geschichte des Gebiets ist vielf\u00e4ltig und Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels. Im folgenden Beitrag wird dieser sowie die damit einhergehenden Umstrukturierungs-versuche des Gebiets n\u00e4her beleuchtet.<span style=\"font-size: 8pt\">\u00a0<\/span><!--more--><\/p>\n<p><strong>Schlie\u00dfung der AG Weser (1983)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Industriebetriebe in Bremen-Gr\u00f6pelingen, zu denen unter anderem die AG Weser z\u00e4hlte, bildeten lange Zeit das wirtschaftliche Zentrum des Stadtteils (Z\u00f6ller 2006: 159, Schuchmann 2002: 121).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">In den 1870er und 80er Jahren erlebte die bremische Wirtschaft einen Aufschwung. Im Zuge dessen wurde 1872 aus der ehemaligen Maschinenfabrik von Carsten Waltjen die AG Weser (Roder 2002: 63). Ende des 19. Jahrhunderts wurde die AG Weser von der Stephanikirchweide nach Gr\u00f6pelingen umgesiedelt, hin zu dem Areal, auf dem sich heute die \u201eWaterfront\u201c befindet. Zu der Zeit war die AG Weser vor allem f\u00fcr den Bau von Postdampfern verantwortlich (Roder 2002: 67).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Im Zuge der zunehmenden Internationalisierung nach dem Ersten Weltkrieg schlossen sich 1926\/27 mehrere Unternehmen um die AG Weser herum zur Deutschen Schiff- und Maschinenbau AG zusammen. In der folgenden Weltwirtschaftskrise und ohne die Unterst\u00fctzung des Bremer Vulkan zerbrach dieser Zusammenschluss jedoch wieder (Roder 2002: 72). Der Zweite Weltkrieg schw\u00e4chte die Bremer Wirtschaft stark und lie\u00df gro\u00dfe Areale der Bremer H\u00e4fen zerst\u00f6rt zur\u00fcck. Darunter auch das Areal der AG Weser, die in der Nachkriegszeit neu aufgebaut werden musste (Roder 2002: 75).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Eine weitere Wirtschaftskrise folgte in den 1970er Jahren, im Zuge dessen viele Unternehmen der verarbeitenden Industrie, darunter auch der Schiffbau schlie\u00dfen mussten (Roder 2002: 78). 1983 wurde schlie\u00dflich auch die Bremer Werft AG Weser geschlossen (Schuchmann 2002: 121).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><b>Er\u00f6ffnung und Schlie\u00dfung des Space Parks (2004)<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ende der 1970er Jahre ver\u00e4nderte sich die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland grundlegend. Die wirtschaftliche Produktion im sekund\u00e4ren Sektor verlagerte sich zunehmend in den terti\u00e4ren Sektor. Auch Bremen musste sich an die Ver\u00e4nderungen, die mit dem Strukturwandel einhergingen, anpassen. F\u00fcr Bremen als Wirtschaftsstandort war bislang die Produktion im sekund\u00e4ren Sektor, in den auch der Schiffsbau f\u00e4llt, ma\u00dfgebend. Der terti\u00e4re Sektor spielte in der Wirtschaft dagegen kaum eine Rolle (Wauschkuhn 1998: 2). Um sich weiterhin im Standortwettbewerb behaupten zu k\u00f6nnen, musste sich das Land Bremen an die nationalen und globalen Entwicklungen anpassen (Wauschkuhn 1998: 3). Besonders relevant war hierf\u00fcr eine Terti\u00e4risierung der Wirtschaft (Wauschkuhn 1998: 6).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Gro\u00dfes Potential wurde zu der Zeit im Technologiebereich gesehen (Wauschkuhn 1998: 10). Der Schwerpunkt lag hier in der Meeresforschung sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie. Im internationalen Wettbewerb konnte sich die Raumfahrtindustrie in Bremen bereits erfolgreich durchsetzen (Wauschkuhn 1998: 10). Um dieses Image zu festigen, wurden unter anderem die Gro\u00dfprojekte <i>Ocean Park<\/i> und <i>Space Park<\/i> geplant. Mithilfe dieser Vergn\u00fcgungsparks sollte die Wirtschaft gest\u00e4rkt und Bremen als nationaler und internationaler Tourismusstandort gef\u00f6rdert werden (Wauschkuhn 1998: 12, Z\u00f6ller 2006: 159).<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">2004 wurde der<i> Space Park<\/i> auf dem ehemaligen Gel\u00e4nde der AG Weser er\u00f6ffnet. Dieser war einer der ersten integrierten Entertainment- und Shopping-Center Deutschlands und stand ganz unter dem Motto \u201eRaumfahrt und Zukunft\u201c (Z\u00f6ller 2006: 159). Doch schon bei der Planung des Gro\u00dfprojektes konnte das Konzept des <i>Space Parks <\/i>nicht \u00fcberzeugen. Im Einkaufsteil fehlte es an gro\u00dfen Namen der Einzelhandelsunternehmen, da diese nicht gen\u00fcgend Potential hinter dem Konzept vermuteten. Doch ohne sogenannte \u201eAnkermieter\u201c mieteten sich auch keine kleineren Gesch\u00e4fte ein. Das Fehlen einer florierenden Shopping Mall wirkte sich letztlich auch auf den Erfolg des Vergn\u00fcgungsparks aus, dem es seit der Er\u00f6ffnung an Besuchern mangelte (Z\u00f6ller 2006: 161). Aufgrund zu geringer Nachfrage musste der <i>Space Park<\/i> nach nur sieben Monaten Betriebslaufzeit geschlossen werden (Z\u00f6ller 2006: 161). Das Scheitern des <i>Space Parks<\/i> kostete Bremen rund 600 Mio. Euro und ist auch heute noch ein Sinnbild f\u00fcr fehlgeleitete Entwicklung (Miller 2008: 148).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><b>Er\u00f6ffnung der \u201eWaterfront\u201c (2008)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Trotz des Misserfolgs mit dem <i>Space Park <\/i>fand das Hafenareal 2006 einen neuen Investor. Die LNC Property Group aus Dublin sah Potential in der Immobilie am Wasser. Das Areal war bereits vollst\u00e4ndig erschlossen. Die Architektur war hochwertig und die Immobilie lag unmittelbar am Wasser. Es gab bereits eine Anbindung an den \u00d6PNV und mehrere tausend Parkpl\u00e4tze. Auch ein Hotel und ein Multiplexkino waren dort bereits angesiedelt (Miller 2008: 148). Hinzu kam, dass der Kaufpreis vergleichsweise g\u00fcnstig war. Auch hatte sich die Kritik rund um die Entstehung des <i>Space Parks<\/i> mittlerweile wieder gelegt und ein Neubeginn wurde erm\u00f6glicht (Miller 2008: 149).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bei der Planung des neuen Einkaufszentrums wurde vor allem darauf geachtet, aus vergangenen Fehlern zu lernen. So wurde beispielsweise darauf verzichtet, das Thema Luft- und Raumfahrt in die neuen Entw\u00fcrfe zu integrieren. Auch sollten nicht mehr die touristischen Freizeitattraktionen im Vordergrund stehen, sondern die Bed\u00fcrfnisse der Einwohner (Miller 2008: 150). Das neue Einkaufszentrum sollte au\u00dferdem st\u00e4rker in die Region integriert und das Potential der Wasserlage mehr ausgenutzt werden (Miller 2008: 151).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">2008 wurde auf dem ehemaligen Werftgel\u00e4nde schlie\u00dflich das Einkaufszentrum <i>Waterfront <\/i>er\u00f6ffnet. Das Einkaufszentrum hat eine Verkaufsfl\u00e4che von 44.000 qm<sup>2<\/sup>\u00a0(Gabriel, Ludwig, Salot 2015: 95).<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><b>Literaturverzeichnis<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Gabriel, S.\/Ludwig, T.\/Salot, M. (2015): Strukturwandel in Bremen. Befunde und Herausforderungen. Bremen: Arbeitnehmerkammer Bremen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Miller, J (2008): Vom Space-Park-Debakel zur neuen Freizeit- und Shoppingdestination am Wasser. In: Busch, A. (Hrsg.): IBW-Symposium 2008. Projektentwicklung brachgefallener Fl\u00e4chen und Immobilien. Kassel: Kassel University Press GmbH, S. 145-160.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Roder, H. (2002): Bremens Wirtschaft im Wandel (1850-2000) oder Bremen &#8211; ein notorischer Sp\u00e4tz\u00fcnder? In: Bremisches Jahrbuch hrsg. in Verbindung mit der Historischen Gesellschaft Bremen vom Staatsarchiv Bremen, Band 81, S. 55-82.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Wauschkuhn, M. (1998): Strukturwandel und standortpolitischer Handlungsbedarf im Land Bremen. Bremen: Materialien des Universit\u00e4tsschwerpunktes \u201eInternationale Wirtschaftsbeziehungen und Internationales Management.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Schuchmann, J. (2002): Projektentwicklung Space Park Bremen. Revitalisierung eines historischen Werftgel\u00e4ndes. In: Symposium 2002. Projektentwicklung brachgefallener Fl\u00e4chen. Kassel: Kassel University Press GmbH, S.121-134.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Z\u00f6ller, S. (2006): Erlebnishandel im Automobilvertrieb. Machbarkeitsstudie und Nutzungkonzeption f\u00fcr ein Autothemencenter. Wiesbaden: Deutscher Universit\u00e4ts-Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bremer Bev\u00f6lkerung ist das Areal im Ortsteil der Bremer Industrieh\u00e4fen heute vor allem aufgrund des dort gelegenen Shopping-Centers \u201eWaterfront\u201c bekannt. Doch die Geschichte des Gebiets ist vielf\u00e4ltig und Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels. 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