{"id":1604,"date":"2020-07-22T20:41:25","date_gmt":"2020-07-22T18:41:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/?p=1604"},"modified":"2020-07-24T09:30:18","modified_gmt":"2020-07-24T07:30:18","slug":"kaffee-vom-monopol-mokkas-zum-kolonialen-exportschlager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/kaffee-vom-monopol-mokkas-zum-kolonialen-exportschlager\/","title":{"rendered":"Kaffee &#8211; Vom Monopol Mokkas zum kolonialen Exportschlager"},"content":{"rendered":"<p>Beginnend mit dem 17. Jahrhundert wurde Kaffee von Seiten der Handelskompanien Aufmerksamkeit geschenkt und als Handelsgut in den Europ\u00e4ischen Raum transportiert. Schnell entwickelte sich die Stadt Mokka im Jemen zum zentralen Anlaufpunkt f\u00fcr den Kaffeeexport nach Europa (Chaudhuri 2010: 359), war doch Ihre Lage vorz\u00fcglich und sie seit jeher ein Knotenpunkt f\u00fcr den Indien-Handel (Chaudhuri 2010: 374). Problematisch f\u00fcr die europ\u00e4ischen L\u00e4nder war hingegen, dass die eigenen Produkte kaum auf Resonanz gesto\u00dfen sind. So musste der Kaffee im Jemen mit Silber bezahlt werden, was zu gro\u00dfer Missgunst der Herrschenden f\u00fchrte (Krieger 2011: 190).<!--more--> Ob es sich hierbei um einen merkantilistischen Effekt, die Staaten versuchen m\u00f6glichst einen Export\u00fcberschuss zu erzeugen (Caspari 2019: 48), oder ob die Handelskompanien die eigenen Marge erh\u00f6hen wollten, ist nicht ganz eindeutig. So stieg zwar die Anzahl an gekauften Kaffeebohnen von der Niederl\u00e4ndische Ostindien-Kompanie zwischen 1703 und 1711 von 100-125 Tonnen auf 300-350 Tonnen (Chaudhuri 2010: 362), allerdings wurden diese seitens der Holl\u00e4nder gr\u00f6\u00dftenteils an die muslimischen L\u00e4nder weiterverkauft (Clarence-Smith\/Topik 2003: 27). Im Vereinigten K\u00f6nigreich zeichnete sich eine \u00e4hnliche Entwicklung ab. Die Britische Ostindien-Kompanie importierte 1711 254 Tonnen und verdoppelte diese innerhalb von 10 Jahren. Der Unterschied zu den Niederlanden war aber, dass hier der Kaffeemarkt inl\u00e4ndisch lag (Chaudhuri 2010: 361). Sodass hier der Merkantilismus dazu gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte, dass die Kaffeepflanze in den eigenen <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/01\/lerneinheit-11-kolonialismus-postkoloniale-perspektiven\/\">Kolonien<\/a> angepflanzt wurde. Einzige Herausforderung dabei war, dass sich die Jemeniten ihrer Stellung bewusst waren und deswegen den Export von Kaffeepflanzen\/-samen unterbanden. Dies gelang aber nicht, sodass die Kaffeepflanze in den Kolonien sesshaft wurde (Krieger 2011: 190\u2013192).<\/p>\n<p><strong>Kaffee als koloniales Gut<\/strong><\/p>\n<p>Besonders wichtig bei der Kultivierung des Kaffees au\u00dferhalb der Arabischen Welt haben sich die Niederlande hervorgetan. Die niederl\u00e4ndische Kolonie auf Java avancierte schnell zu einem der ertragreichsten Kaffeeanbaugebieten der Welt, wodurch Mokka schnell an den Rand gedr\u00e4ngt wurde (Glamann 1981: 206). Java war so bedeutend f\u00fcr die Niederl\u00e4nder, dass 1830 ein Gro\u00dfteil des nach Europa exportierten Kaffees dort produziert wurde und 1880 18% des gesamten global gehandelten Kaffees ausmachte (Clarence-Smith\/Topik 2003: 157). Einzig die Bauern, die auf Gehei\u00df der Niederl\u00e4nder Kaffee anbauen mussten, konnten nicht vom Kaffeeboom profitieren. Sie mussten unter schlechten Bedingungen ein bestimmtes Soll an Kaffeepflanzen anbauen. Trotz der schlechten Bedingungen f\u00fcr die Kaffeepflanzen war dies ein ertragreiches Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Niederl\u00e4nder, da sie den javanischen Bauern einen sehr niedrigen Preis bezahlten (Clarence-Smith\/Topik 2003: 27\u201328). Gleichzeitig wurde der Anbau des Kaffees von den Bauern alleine ohne die Aufsicht der Kolonialherren absolviert (Clarence-Smith\/Topik 2003: 157\u2013158). Durch den Befall von Kaffeerost, einer Pilzart, begann die Bedeutung von Java als Anbaust\u00e4tte nachzulassen (Clarence-Smith\/Topik 2003: 164).<\/p>\n<p>Das Vereinigte K\u00f6nigreich versuchte ab 1815 in Ceylon (Sri Lanka) ebenfalls Kaffee anzubauen und ab 1840 trugen diese Versuche erste Fr\u00fcchte und hatten ab 1860 eine nennenswerte Gr\u00f6\u00dfe erreichen. Im Gegenzug zu Java wurde hier von Seiten der Kolonialherren mit allen Mitteln versucht, dass die Plantagenbesitzer aus Gro\u00dfbritannien kamen und die einheimischen Bauern nur als Arbeiter auf der Plantage angestellt waren. Dies wurde durch mehrere Mechanismen bewerkstelligt: erstens finanzielle und logistische Unterst\u00fctzung, zweitens im Falle von Auseinandersetzungen mit den Arbeitern wurde fast immer zugunsten der Plantagenbesitzer geurteilt, drittens Versuche von Einheimischen Unternehmern wurden durch h\u00f6here Besteuerung und geringe Aussicht auf Kredite unterminiert (Clarence-Smith\/Topik 2003: 173\u2013176). Aufgrund des Mangels an einheimischen Arbeitern wurden indische Arbeiter rekrutiert und bildeten schnell den Gro\u00dfteil auf den Plantagen (Clarence-Smith\/Topik 2003: 178). Damit die Plantagenbesitzer maximale Kontrolle aus\u00fcben konnten, gab es auf den Plantagen eine strikte hierarchische Gliederung die die Arbeiter zu Menschen zweiter Klasse degradierte (Clarence-Smith\/Topik 2003: 182, 184). Ceylon als Anbaugebiet f\u00fcr Kaffee verschwand aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts von der Bildfl\u00e4che (Clarence-Smith\/Topik 2003: 422).<\/p>\n<p>Frankreich war bei seinen Vorhaben eine eigene Anbaust\u00e4tte f\u00fcr Kaffee zu besitzen erfolgreicher. \u00dcber das 18. Jahrhundert hinweg war R\u00e9union eine bedeutsame Kolonie f\u00fcr den Kaffeeanbau. Die Franzosen haben auf R\u00e9union einerseits stark auf franz\u00f6sische Plantagenbesitzer und Sklaven gesetzt, andererseits wurde die Konzession f\u00fcr die Plantage an denn Anbau von Kaffee gebunden. Im Jahre 1735 waren 80% der Bev\u00f6lkerung auf R\u00e9union Sklaven. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts nahm die Kaffeeproduktion immer weiter ab. Dies hatte einerseits damit zu tun, dass die Plantagenbesitzer wieder vermehrt Nahrung anpflanzen sollten, andererseits mit der Empfindlichkeit der Kaffeepflanze gegen\u00fcber den auftretenden Zyklonen (Clarence-Smith\/Topik 2003: 67\u201370). Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auf privater Initiative mit der Kultivierung der Kaffeepflanze in Amerika begonnen (Clarence-Smith\/Topik 2003: 28). Mit der Unabh\u00e4ngigkeit von Lateinamerika begann der Aufstieg Brasiliens als der gr\u00f6\u00dfte Kaffee Produzent der Welt (Clarence-Smith\/Topik 2003: 421\u2013423). Durch die technische Anspruchslosigkeit der Kaffeepflanze konnte Brasilien durch gro\u00dfe Fl\u00e4chen an Land und den Einsatz von Sklaven alle anderen Regionen bez\u00fcglich der Kaffeeproduktion in den Schatten stellen. Ebenfalls war das Klima und eine auf den Export ausgerichtete Infrastruktur von Vorteil f\u00fcr Brasilien. Im Sp\u00e4teren Verlauf konnte Brasilien von der Entwicklung der Eisenbahn sowie der Dampfschifffahrt profitieren. Einerseits wurden dadurch entferntere Regionen besser angebunden, andererseits konnten die Kaffeebohnen schneller transportieren werden. So kamen sie frischer am Bestimmungsort an. Dar\u00fcber hinaus konnte Brasilien nach der Abschaffung der Sklaverei 1888 auf einen stetigen Strom an europ\u00e4ischen Arbeitern zur\u00fcckschauen (Clarence-Smith\/Topik 2003: 31\u201333).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/aufarbeitung-der-bremer-kolonialgeschichte\/\"><strong>Bremen als Kaffeestadt<\/strong><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/postkoloniale-perspektiven-auf-die-bremer-haefen\/\">Bremen<\/a> war bereits fr\u00fch eine Stadt des Kaffees. Wie auch im <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/05\/11\/lerneinheit-4-handel-schifffahrt\/\">\u00dcberseehandel<\/a> war Hamburg immer ein anhaltender <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/06\/09\/die-ewigen-konkurrenten-die-bremer-haefen-und-der-hamburg-hafen-im-internationalen-vergleich\/\">Konkurrent<\/a> (Krieger 2011: 141). Anfang des 20. Jahrhunderts waren beide St\u00e4dte und deren H\u00e4fen die Mittelpunkte des <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/06\/10\/die-bremischen-haefen-im-europaeischen-wettbewerb\/\">Mitteleurop\u00e4ischen<\/a> Kaffeeimportes (Bremen.online o. J.; Krieger 2011: 226), wenn auch Hamburg vor Bremen lag (Elmsh\u00e4user 2007: 85). Bremen konnte f\u00fcr sich aber ein paar wichtige Meilensteine entscheiden. So wurde das erste Kaffeehaus Deutschlands 1673 (Krieger 2011: 166) von einem Niederl\u00e4nder in Bremen er\u00f6ffnet (Bremen.online o. J.). Genauso ist Ludwieg Roselius mit dem Kaffee und der Stadt verbunden. Roselius hat 1906 in Bremen die <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/06\/14\/fotoraetsel-9\/#comments\">Kaffee HAG (Kaffee-Handels-und-Aktien-Gesellschaft)<\/a> gegr\u00fcndet, die als erstes Unternehmen entkoffeinierten Kaffee auf den Markt gebracht hat (Bremen.online o. J.; Elmsh\u00e4user 2007: 85). Genauso haben sich die beiden noch heute bekannten R\u00f6stereien Jakobs (1907) und Eduscho (1924) in Bremen angesiedelt (Bremen.online o. J.).<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Bremen.online (o. J.): Kaffeegeschichte &#8211; Kaffeehauptstadt Bremen hat Pionierrolle. Text abrufbar unter: <a href=\"https:\/\/www.bremen.de\/leben-in-bremen\/kulinarisch\/kaffeegeschichte\">https:\/\/www.bremen.de\/leben-in-bremen\/kulinarisch\/kaffeegeschichte<\/a> (Zugriff am 17.7.2020).<\/li>\n<li>Caspari, Volker (2019): \u00d6konomik und Wirtschaft. <em>\u00d6konomik und Wirtschaft<\/em>, Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.<\/li>\n<li>Chaudhuri, K. N. (2010): Coffee. In: The Trading World of Asia and the English East India Company 1660\u20131760. Cambridge: Cambridge University Press, 359\u2013384.<\/li>\n<li>Clarence-Smith, William Gervase\/Topik, Steven (Hrsg.) (2003): The Global Coffee Economy in Africa, Asia, and Latin America, 1500\u20131989. Cambridge University Press.<\/li>\n<li>Elmsh\u00e4user, Konrad (2007): Geschichte Bremens. M\u00fcnchen: C.H.BECK.<\/li>\n<li>Glamann, Kristof (1981): Dutch-Asiatic Trade 1620 \u2013 1740. Dordrecht: Springer Netherlands.<\/li>\n<li>Krieger, Martin (2011): Kaffee &#8211; Geschichte eines Genussmittels. K\u00f6ln: B\u00f6hlau Verlag GmbH &amp; Cie.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginnend mit dem 17. Jahrhundert wurde Kaffee von Seiten der Handelskompanien Aufmerksamkeit geschenkt und als Handelsgut in den Europ\u00e4ischen Raum transportiert. 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