{"id":1601,"date":"2020-07-22T19:29:08","date_gmt":"2020-07-22T17:29:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/?p=1601"},"modified":"2020-09-25T15:08:40","modified_gmt":"2020-09-25T13:08:40","slug":"koloniale-produkte-tabak","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/koloniale-produkte-tabak\/","title":{"rendered":"Koloniale Produkte: Tabak"},"content":{"rendered":"<p><em><span style=\"font-weight: 400\">Ein Beitrag von Maike Bockwoldt und Jule Rump<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Der Konsum von Tabak in Europa l\u00e4sst sich bis in das Jahr 1492 zur\u00fcck verfolgen, als Columbus Amerika &#8222;entdeckte&#8220;. Hier wurde Tabak, schon lange bevor die Europ\u00e4er Amerika erreichten, als Genussmittel konsumiert. Letztendlich ist die Einf\u00fchrung von Tabak in Europa den Spaniern zu verdanken, welche 1518 die Verwendung von Tabak \u00fcbernahmen und mit nach Spanien brachten. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Auch heute ist der Konsum von Tabak noch weit verbreitet. Es wird davon ausgegangen, dass ca. 23% der deutschen Erwachsenen Tabak konsumieren.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">In Bezug auf das Hafenseminar m\u00f6chten wir uns in dem folgenden Blogbeitrag mit dem <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/01\/lerneinheit-11-kolonialismus-postkoloniale-perspektiven\/\">kolonialen Produkt<\/a> Tabak auseinander setzen.\u00a0<\/span><!--more--><\/p>\n<p><b><i>Tabak als Kolonialware &#8211; Was sind \u00fcberhaupt koloniale Produkte?\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zu den Kolonialwaren werden \u00fcberseeische Lebensmittel, aber auch Genussmittel wie zum Beispiel <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/kaffee-vom-monopol-mokkas-zum-kolonialen-exportschlager\/\">Kaffee<\/a>, Tabak, Kakao, Tee und viele weitere gez\u00e4hlt. Unter Kolonialware k\u00f6nnen alle Rohstoffe fallen, welche in Kolonien vorzufinden sind und mit welchen gehandelt wird.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Den Kolonialwarenhandel grenzt man statistisch vom Produktenhandel ab. Bei dem Produktenhandel geht es um den Handel mit den Erzeugnissen aus dem eigenen Land. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Der Begriff Kolonialwarenladen wurde noch bis in die 1970er Jahre verwendet. Bremen besitzt mit dem Kolonialwarenladen \u201eWllhelm Holtorf\u201c den letzen Kolonialwarenhandel in ganz Deutschland.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Der Begriff Kolonialwarenhandel ist eng mit den Begriffen \u201eAusbeutung durch Industriel\u00e4nder\u201c, \u201eunfaire Arbeits- und Handelsbedingungen\u201c sowie \u201eSklaverei\u201c verkn\u00fcpft. Dies l\u00e4sst sich auf die Zeit des Kolonialismus zur\u00fcckf\u00fchren.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>Die Geschichte des Tabaks<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Tabak ist ein pflanzliches Produkt und es gibt ca. 75 verschiedene Arten dieser Pflanze. Hiervon haben jedoch nur zwei eine Bedeutung f\u00fcr die Produktion von Tabak. Diese Pflanze kann man \u00fcberwiegend in China, Amerika, S\u00fcdostasien, Balkan und Europa finden. Urspr\u00fcnglich kommt die Pflanze aus Amerika, aber durch Seeleute im 16. Jahrhundert wurde die Pflanze und somit auch der Tabakkonsum nach Europa gebracht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Diese Pflanzenart wurde urspr\u00fcnglich f\u00fcr spirituelle Rituale und f\u00fcr zeremonielle Zwecke genutzt. Tabak kann in vielen verschiedenen Arten konsumiert werden. Zum einen kann man es rauchen und schnupfen, aber es kann auch gegessen werden. Der Konsum von Tabak begann mit der &#8222;Entdeckung von Amerika&#8220;. Tabak wurde sehr schnell zu einem teuren und bedeutenden Handelsgut, was auch an der medizinischen Wirkung lag. Au\u00dferdem f\u00f6rderte der drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg die Verbreitung von Tabak, da schwedische Soldaten die Sitte des Rauchens in Europa verbreiteten. Im 17. Jahrhundert war den Menschen schon bewusst, das der Konsum von Tabak sch\u00e4dlich ist und deswegen wurde der Tabakkonsum an vielen Orten verboten, doch die gro\u00dfe Nachfrage verhalf dem Handel immer wieder zu gr\u00f6\u00dferen Ums\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ende des 16. Jahrhunderts versuchte England ein Verbot f\u00fcr Tabak in Kraft zu setzen, indem sie die Verzollung um 4000 % erh\u00f6ht wurde. Dies f\u00fchrte dazu, dass der illegale Handel wuchs und somit wurden die erh\u00f6hten Z\u00f6lle wieder gesenkt. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">In Deutschland wurde im 17. Jahrhundert in vielen Kleinf\u00fcrstt\u00fcmen ein Verbot f\u00fcr Tabak eingef\u00fchrt. Ausnahme war der Kauf in Form von Medizin in Apotheken. Dieses Verbot wurde zur\u00fcck genommen, als der Staat erkannte, dass Tabak den Staatshaushalt verbesserte.<\/span><\/p>\n<p><b><i>Bremen als traditioneller Rohtabak-Handelsplatz<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Seit 1801 gab es in Bremen um die 59 Tabakfirmen. Damit ist Bremen schon seit Jahrhunderten als ein traditioneller \u201eRohtabak-Handelsplatz\u201c gekennzeichnet. 1852 war Bremen Haupteinfuhrplatz f\u00fcr den Rohtabak in Nordeuropa. Zeitgleich arbeiteten 10 000 Bremer in der Zigarrenfabrikation.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>Vogelsang und die Martin Brinkmann AG Europas gr\u00f6\u00dfte Fabrik\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Im Jahr 1857 er\u00f6ffnete Christian Friedrich Vogelsang einen Tabakwaren-Kleinhandel in der gro\u00dfen Johannisstra\u00dfe 127, in Bremen. An diesen Laden wurde drei Jahre sp\u00e4ter eine Tabakfabrikation angegliedert. Unter der Leitung von Kannengie\u00dfer, welche der Laden 1914 kaufte, entwickelte sich die Firma zu einem der bedeutendsten Tabakwarenherrsteller. 1925 wurde eine Fabrik in der Industristra\u00dfe erbaut. Ender der 1930er Jahre wurde Vogelsang zu den gr\u00f6\u00dften und vor allem bekanntesten Tabakfabriken in Deutschland gez\u00e4hlt. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch, konnte die Firma nicht mehr an den Erfolg der Vorkriegszeit ankn\u00fcpfen und schloss sich schlussendlich im September 1965 mit der Martin Brinkmann AG zusammen.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">Die Brinkmann AG wurde 1813 gegr\u00fcndet. Anfang 1900 siedelte sich die Firma in Woltmershausen an und so entstand hier in Bremen die gr\u00f6\u00dfte Zigarettenfabrik in ganz Europa. Hier fanden rund 6000 Bremer Arbeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Auch der Sohn von Vogelsang &#8211; Heinrich Vogelsang- ist sehr bedeutungstragend f\u00fcr die Tabakgeschichte in der Kolonialzeit. Er arbeitete mit dem Tabakh\u00e4ndler Adolf L\u00fcderitz zusammen und war Leiter der ersten L\u00fcderitz Expedition nach Angra Requena (heutiges Namibia). L\u00fcderitz und Vogelsang gr\u00fcndeten die erste deutsche Kolonie in Afrika.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400\">In Bremen ist eine Stra\u00dfe nach Vogelsang benannt, aufgrund der voranschreitenden Aufarbeitung der Kolonialgeschichte ist dies aber sehr umstritten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Auch an Die Brinkmann AG wird sich bis heute erinnert.\u00a0 Im Bremer Hauptbahnhof kann man das <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/20\/diskussion-ueber-das-brinkmann-mosaik-im-bahnhof\/\">Brinkmann-Mosaik<\/a> an der Wand betrachten. Das Mosaik wurde 1951 von der Brinkmann AG gestiftet. Es wurde lange Zeit hinter einer Holzverkleidung versteckt. 2002 wurde es wiederentdeckt und kann seitdem betrachtet werden. Es ist ein Abbild der Bremer Rolle im Kolonialismus. Ebenfalls ist es ein weiteres Beispiel daf\u00fcr, dass Bremen durchzogen von kolonialen Spuren ist.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>Die Bremer Tabakb\u00f6rse<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ende der 50er Jahre verlegte sich dann das Zentrum des indonesischen Tabakhandels von den Niederlanden nach Bremen. Darauf folgend gr\u00fcndeten drei alte Bremer Rohtabakhandelsfirmen mit den indonesischen Partnern die \u201eDeutsch-indonesische Tabakhandelsgesellschaft\u201c im Jahr 1959. Dieser Zusammenschluss besteht noch heute. Ebenfalls finden zweimal j\u00e4hrlich gro\u00dfe Tabakauktionen in der <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/06\/21\/fotoraetsel-10\/\">Bremer Tabakb\u00f6rse<\/a> statt, welche extra f\u00fcr die Tabakauktionen im Jahr 1961 gegr\u00fcndet worden ist.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><i>Tabak und die Gesundheit<\/i><\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chten wir noch einmal auf das Thema \u201eTabak und die Gesundheit\u201c eingehen. Der Konsum von Tabak ist auch heute noch sehr weit verbreitet und z\u00e4hlt bei vielen Menschen zu einer allt\u00e4glichen Besch\u00e4ftigung. Trotzdem zieht es erwiesenerma\u00dfen viele Risiken und Gesundheitssch\u00e4den mit sich. Rund 6. Millionen Menschen sterben j\u00e4hrlich an den Folgen von Tabak. Davon sterben ca. 10% durch passives rauchen.<\/span><\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-weight: 400\">Atzendorf, Josefine, (September 2019),<\/span><span style=\"font-weight: 400\"><a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Ludwig_Kraus2\/publication\/335542810_Gebrauch_von_Alkohol_Tabak_illegalen_Drogen_und_Medikamenten_Schatzungen_zu_Konsum_und_substanzbezogenen_Storungen_in_Deutschland\/links\/5d6cd49945851508860665c0\/Gebrauch-von-Alkohol-Tabak-illegalen-Drogen-und-Medikamenten-Schaetzungen-zu-Konsum-und-substanzbezogenen-Stoerungen-in-Deutschland.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten Sch\u00e4tzungen zu Konsum und substanzbezogenen St\u00f6rungen in Deutschland<\/a>, M\u00fcnchen, Deutsches \u00c4rzteblatt <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400\">su, hanseatischer Tabakh\u00e4ndler aus Passion, Die Welt, 2001 aus: <\/span><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article442477\/Hanseatischer-Tabakhaendler-aus-Passion.html\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/www.welt.de\/print-welt\/article442477\/Hanseatischer-Tabakhaendler-aus-Passion.html<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\"> (Stand: 21.06.20)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400\">Bremer Tabakb\u00f6rse, 2019, aus: <\/span><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bremer_Tabakb%C3%B6rse\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bremer_Tabakb%C3%B6rse<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\"> (stand: 22.06.20)<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-weight: 400\">Martin Brinkmann AG, 2020 aus: <\/span><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Brinkmann_AG\"><span style=\"font-weight: 400\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martin_Brinkmann_AG<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400\"> (Stand: 21.06.20)<\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Maike Bockwoldt und Jule Rump Der Konsum von Tabak in Europa l\u00e4sst sich bis in das Jahr 1492 zur\u00fcck verfolgen, als Columbus Amerika &#8222;entdeckte&#8220;. Hier wurde Tabak, schon lange bevor die Europ\u00e4er Amerika erreichten, als Genussmittel konsumiert. &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/2020\/07\/22\/koloniale-produkte-tabak\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11848,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[732206],"tags":[],"coauthors":[838911],"class_list":["post-1601","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolonialismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11848"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1601"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1601\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1625,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1601\/revisions\/1625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1601"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/hafenblog\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=1601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}