Die Arbeit als Festmacherin – Hier weht ein anderer Wind!

Ein Festmacher beim festmachen. Quelle: Hafen Hamburg (2020)

Dem Hamburger Hafen stehen insgesamt mehr als 90 FestmacherInnen mit 17 Festmacherbooten und 20 Winschen-Fahrzeugen zur Verfügung (Hafen Hamburg 2020). Eine dieser Festmacherinnen ist Fanny, die für diesen Beitrag interviewt wurde.

 

Der Hamburger Hafen ist schon immer spannend gewesen

Fanny ist gebürtige Hamburgerin und arbeitet am Hamburger Hafen als Festmacherin. Der Wunsch nach einer Ausbildung führte sie letztendlich nach ausführlicher Recherche an den Hamburger Hafen, wo sie bei den FestmacherInnen lernte. Insbesondere das Bedürfnis danach, in Hamburg zu bleiben und eben nicht auf die große See hinaus zu fahren, war ein wesentlicher Aspekt sich für die Hafen- und gegen die Binnenschifffahrt zu entscheiden. Vorherige Berührungspunkte bis auf ein Praktikum zuvor hatte sie mit dem Hamburger Hafen jedoch nicht; diesen fand sie dennoch schon immer spannend. Für Fanny ist die Interdisziplinarität des Berufes dabei besonders zu betonen, denn viele Fähigkeiten werden während und auch nach der Ausbildung erworben. So zum Beispiel das Erlernen von Boot fahren bis hin zu grundlegenden Aspekten der Reparatur an Schiffen und Autos fördert ein allgemeines Verständnis in verschiedenen Bereichen der Hafenarbeit und entwickeln dieses auch weiter.

Bei den Festmachern gefällt es mir von der Arbeit her, die man dort macht, am meisten

Im Gegensatz zur Touristik fährt man bei den FestmacherInnen mit dem Boot richtige Manöver. Vor allem wenn besondere Strömungen hinzukommen, ist die Fahrt äußerst anspruchsvoll. Ein typischer Arbeitsalltag ist dabei in Schichten eingeteilt, wobei die Freizeitgestaltung gut im Voraus geplant werden kann, denn: Eine Schicht dauert jeweils zwölf Stunden, wobei jeweils sieben Tage hintereinander gearbeitet wird. Die darauffolgenden sieben Tage hat man frei. Während die Nachtschicht von 17 bis 5 Uhr morgens dauert, knüpft die Frühschicht dort an, das heißt, dass diese 5 Uhr morgens beginnt und um 17 Uhr endet. Bei der Arbeit angekommen wird Fanny von der Zentrale, mit der sie durch einen Funken im sogenannten Pritschenwagen kommuniziert, zu einem Standort mit der Aufgabe des Festmachens eingeteilt. Ist der Auftrag fertiggestellt, wird sie erneut eingeteilt, sodass sechs bis sieben Schiffe in einer Schicht festgemacht werden können.

Geht ein Auftrag ein, so wird dieser meist mit dem Auto ausgeführt. Dabei kommt ein Pritschenwagen zum Einsatz, mit dem grundsätzlich auf dem Hafen gefahren wird. Dieser besitzt am hinteren Teil eine Auflagefläche. Auf dieser gibt es eine Wende, die durch einen Motor angetrieben wird. Diese nimmt den FestmacherInnen viel Arbeit ab, da sie die Seile der Schiffe an Land zieht.

Für Anlagen, die nur mit dem Boot erreicht werden können dienen kleine Arbeitsboote, die von dem oder der SchiffsfahrerIn gefahren werden und bereits an der Kaimauer warten. An diesen ist ein aus Stahl gefestigter Schlepphaken befestigt. Mit dem Boot wird die Leine direkt vom Schiff geholt und an den Schlepphaken festgehakt. Die Pfahlperson wirft dann eine Wurfleine mit der sogenannten Affenfaust an das Boot, um die Leinen, die der oder die LeineneinholerIn annimmt, hochziehen zu können. Anschließend werden diese Leinen am Poller festgemacht. Die Wurfleine kann aber auch sehr gefährlich werden. So kommt es immer noch häufig vor, dass ArbeitskollegInnen verletzt werden, weil in diesen Affenfäusten schwere Eisenketten versteckt sind – solche werden dann beschlagnahmt.

Es gibt viele verschiedene Situationen die auftreten können, da hat man schon viel Abwechslung

Die Schattenseiten des Berufes belaufen sich auf gefährliche Situationen, die jeder Zeit eintreten können. Es muss sich immer wieder mit unerwarteten Ereignissen eingestellt und andere Herausforderungen gemeistert werden. So muss während des Festmachens zum Beispiel mit der Strömung der Elbe und Verwirbelungen sowie der großen Schraube vom Schiff gerechnet werden. Dabei ist genau darauf zu achten, wie das Boot manövriert wird, damit das Ziel auch erreicht wird. Außerdem kann es richtig gefährlich werden, wenn die Affenfaust ArbeitskollegInnen trifft oder wenn Seile reißen. Letzteres hat Fanny zwar schon häufig miterlebt. Kritisch sei die Situation in ihrer Anwesenheit jedoch noch nicht gewesen, da sie immer viel Abstand gehalten hat.

Wind- und Wetterfestigkeit ist außerdem eine Eigenschaft, die für diesen Beruf mitgebracht werden sollte. Die Arbeit bei schlechtem Wetter, zum Beispiel Schnee im Winter oder bei schlechten Sehverhältnissen bei Nebel erschweren die Arbeit oft, ggfs. muss dann mit dem Radar gefahren werden. Dennoch ist für Fanny die Arbeit an der frischen Luft und am Wasser insbesondere im Sommer ein Mehrwert.

Das ist eigentlich das wichtigste: dass du ordentlich Knöf in den Armen hast. Ob du dann dabei gemachte Fingernägel hast oder nicht ist eigentlich egal, solange du ordentlich arbeitest

Die Tatsache, dass im Jahr 2012 alle 110 Festmacher im Hamburger Hafen Männer waren (Töpper 2012) gehört der Vergangenheit an. Neben Fanny gibt es in ihrem Bereich noch zwei weitere Arbeitskolleginnen, wovon eine nun ihre Ausbildung beginnt. Auch Frauen können im Beruf als Festmacherin ordentlich anpacken. Den Gedanken, dass Frauen auf Grund ihrer körperlichen Statur ungeeigneter für den Beruf seien, lehnt Fanny entschieden ab. Durch die Anwendung von Technik, wie beispielsweise die Winde, wird die körperliche Arbeit zum einen erleichtert. Zum anderen ist der Beruf auf Teamwork ausgelegt, sodass es kaum Situationen gibt, in denen man auf sich allein gestellt ist.

Solche Gedanken zum Verhältnis von Frauen und Hafenarbeit verdeutlichen aber auch, dass das Arbeitsumfeld des Hafenbetriebes männlich geprägt und noch immer männlich dominiert ist. Werden alle Beschäftigungsverhältnisse miteinbezogen haben summa summarum unter der Hamburg Port Authorithy (HPA) im Jahr 2018 insgesamt 1.980 Personen gearbeitet. Davon waren lediglich 459 Personen weiblich und 1.521 männlich. Neben der Schaffung von familienfreundlichen Umständen in den Häfen (z.B. durch flexible Arbeitszeiten) ist seit dem Jahr 2014 ein Anstieg der Beschäftigungszahlen der Frauen in der HPA erkennbar (Hamburg Port Authority 2019: 104). Damit liegt die Frauenquote in der HPA bei 23 Prozent – bei bremenports liegt diese zurzeit bei 26 Prozent. Um den Frauenanteil am Hafen zu fördern, kann auch Fanny als Vorbildfunktion für andere Frauen dienen, da diese ihr eventuell in den Beruf folgen werden.

Im Beruf als FestmacherIn weht also ein anderer Wind – hier bedarf es aufgrund der gefährlichen Situationen, die eintreten können, Risikobereitschaft und Standhaftigkeit.

 

Literatur

  • Bremen Ports (o.J.): Frauenförderung bei bremenports. Text abrufbar unter: https://bremenports.de/unternehmen/jobs-karriere/ihr-arbeitgeber/frauenfoerderung/ (Zugriff am 18.05.2020).
  • Hafen Hamburg (2020): Festmacher. Text abrufbar unter: https://www.hafen-          hamburg.de/de/festmacher (Zugriff am 15.05.2020).
  • Hamburg Port Authority (2019): Wirksam handeln. Werte schaffen. Nachhaltigkeitsbericht des Hamburger Hafens 2017/2018. In: Hamburg Port Authority vom 11.2019. Text abrufbar unter: https://www.hamburg-port-authority.de/de/suche/?term=Nachhaltigkeitsbericht (Zugriff am 18.05.2020). 
  • Töpper, Verena (2012): Festmacher im Hafen. “Reißende Taue schlagen wie Schwerter”. In: Spiegel Job & Karriere (25.07.2012). Text abrufbar unter:       https://www.spiegel.de/karriere/berufsportraet-festmacher-vertaeuen-schiffe-im-     hafen-a-845945.html (Zugriff am 15.05.2020).

4 Gedanken zu „Die Arbeit als Festmacherin – Hier weht ein anderer Wind!

  1. Vielen Dank für die spannenden Eindrücke! Können Sie sagen ob Fanny direkt beim Hamburger Hafen oder bei einem bestimmten Terminabetreiber beschäftigt ist? (Der Name des Arbeitgebers ist dabei weniger relevant als die Struktur der Beschäftigungsverhältnisse im Hafen)

    Wie haben Sie die Interviewsituation empfunden? Interviews sind ja eine häufige Methode der Datenerhabung, die aber im Studium leider kaum eingeübt wird …. Toll, dass Sie das einfach mal ausprobiert haben!

    • Fanny ist bei einer Festmacher Firma angestellt, wovon es mehrere im Hamburger Hafen gibt. Diese sind als eigenständig zu betrachten und sind damit unabhängig von der Hamburg Port Autohrity (HPA) oder den Terminals.

      Das Interview zu führen war sehr spannend für mich, insbesondere weil es das erste Mal war. Ich habe für mich mitgenommen, dass eine gute Vorbereitung und eine umfangreiche Recherche vor dem Interview unabdingbar sind. Außerdem hat mich das theoretische Wissen aus dem Studium bei der Vorbereitung durchaus unterstützen können.

  2. Informative Darstellung eines für den Laien nahezu unbekannten Berufes!
    Der Beitrag lässt sich angenehm lesen, weil er bei vergleichsweise wenig Länge viel Informationen enthält.
    Vielen Dank.

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