{"id":77,"date":"2023-11-13T15:39:19","date_gmt":"2023-11-13T14:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/gruppefuenf\/?p=77"},"modified":"2024-01-21T20:37:26","modified_gmt":"2024-01-21T19:37:26","slug":"kurzer-einblick-in-ein-anderes-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/gruppefuenf\/2023\/11\/13\/kurzer-einblick-in-ein-anderes-leben\/","title":{"rendered":"Kurzer Einblick in ein anderes Leben (SL_B3)"},"content":{"rendered":"<p>Da wo sich die Landesgrenzen von Kasachstan, der Mongolei und China treffen, reiste ich 2017 in eine Stadt Namens \u201eNowokusnezk\u201c in Russland. Ich kann mich noch genau erinnern, mit welcher Vorfreude ich auf diese Reise gewartet habe. Nun stand ich da, neben mir mein Gep\u00e4ck und kein bisschen Unsicherheit. Ich ging selbstbewusst zur Glast\u00fcr, welcher der Ausgang schien zu sein und wusste sofort, was mich dahinter erwartet. Ich machte die T\u00fcr auf und mir kam direkt eine schwere, dicke Luft entgegen, die nach Abgasen und wortw\u00f6rtlich nach Tankstelle roch. Ich l\u00e4chelte. Perfide, dass solch ein Geruch einen gl\u00fccklich machen kann, aber so war es. Ein Mann entdeckte mich und kam auf mich zu- wir fielen uns in die Arme. Wir beide freuten uns, denn das letzte Treffen war schon drei Jahre her. Wir setzten uns ins Auto und fuhren los. Der Mann am Steuer ist mein Onkel, lustiger Typ. Nimmt sich nie ernst. Um ehrlich zu sein ist er gar nicht mein Onkel, sondern der Cousin meiner Mutter. Aber die Menschen in Russland geben nicht viel auf genaue Bezeichnungen von Familienmitgliedern. Entweder ist man Schwester, Tante, Cousin oder Onkel. Ist ja auch egal, denn von Grund auf sind wir eins: Familie.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Als ich aus dem Auto stieg, waren da Menschen die das Auto schon aus 200 Metern Entfernung h\u00f6rten. Ist auch nicht wirklich schwer, denn der Schotterweg ist laut und sonst kommt auch nur alle 2 Stunden ein Auto vorbei. Ich stieg aus und dort standen alle. Wir umarmten uns fest und es f\u00fchlte sich nicht danach an, dass wir uns drei Jahre nicht gesehen und auch nicht wirklich geh\u00f6rt haben. Da wo ich war, ist keine Stadt mehr, es ist eigentlich auch kein richtiges Dorf mehr, denn die meisten sind schon l\u00e4ngst in die Stadt gezogen. Fr\u00fcher war es mal ein Dorf mit guter Infrastruktur. Es gab eine Schule, einen Arzt, ein Jugendzentrum, mehrere L\u00e4den, sogar eine Tankstelle. Ich spreche nicht mehr von der Stadt \u201eNowokusnezk\u201c, wo ich aus dem Flugzeug stieg, sondern einem kleinen Dorf namens \u201eNikolajewka\u201c. Ein \u201eDorf\u201c, welches vor einigen Jahren noch auf Google Maps zu finden war, heute nicht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Damals war ich zu jung mit den \u201eAlten\u201c zu sitzen und zu Alt mich mit den Kindern zu besch\u00e4ftigen, also machte ich nach dem Abendessen einen Spaziergang. Ich ging zum Fluss, der nur 100 Meter vom Haus entfernt ist. Ich stand vor ihm, \u00fcberlegte kurz, zog meine Schuhe aus und begab mich in das nicht mehr allzu tiefe Wasser. Es ist kalt und ich sp\u00fcre die Str\u00f6mung an meinen Kn\u00f6cheln. Fr\u00fcher durften wir nicht zu tief rein, heute geht mir das Wasser bis maximal zu den Knien. Das Wasser, welches hier flie\u00dft ist klar.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Es kommt irgendwo aus der Taiga, von einem Berg, habe ich mir sagen lassen, und es wird immer weniger. Die wenigen Menschen brauchen es, denn kaum eine Person hat hier flie\u00dfend Wasser. Der Fluss verl\u00e4uft einmal in der Runde, so k\u00f6nnen die Bewohner ihr Wasser dort holen, wo es f\u00fcr sie am n\u00e4chsten dran ist. Ich ging zur\u00fcck und zur Feier des Tages wurde schon die \u201eBanja\u201c (beheizbarer Waschraum) geheizt. So sa\u00df die ganze Familie im Vorraum dessen, mit dem Tisch voller Essen und nach und nach begaben sich die ersten Familienmitglieder in den Waschraum. Frauen gehen mit Frauen, M\u00e4nner mit M\u00e4nnern der Reihe nach sich waschen. Wenn man alleine m\u00f6chte, wartet man, bis sich alle gewaschen haben und begibt sich als letzter in diesen warmen Raum. Ich ging rein und nahm mir ein relativ gro\u00dfes Gef\u00e4\u00df, in das Gef\u00e4\u00df packte ich mir zur H\u00e4lfte kaltes Wasser aus einer gro\u00dfen Tonne und zur anderen H\u00e4lfte hei\u00dfes, welches vom Ofen kochend hei\u00df erw\u00e4rmt wurde. Die Wand besteht aus Baumst\u00e4mmen, zwischen den Ritzen Moos reingefr\u00fcckt. Auf dem Boden sind breite Dielen, zwischen den ca. 1 cm Platz, damit das Wasser gut abflie\u00dfen kann. Es gibt kein Abwassersystem.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Nach dem Waschen, setzt man sich entweder zu den anderen oder geht ins Haus und legt sich da hin. Ich entschied mich hinzulegen, die Reise war anstrengend. In dem Zimmer, in welchem ich die n\u00e4chsten Wochen schlafen werde, schlafe ich nicht allein. Auf ca. 6m2 schlafe ich auf dem Bett und meine Cousine neben mir auf dem Boden. Das Bett ist hart und damit man die Matratzenfedern der alten Matratze nicht sp\u00fcrt, liegen noch zwei Decken auf dieser. Ich legte mich hin und h\u00f6rte den K\u00fchlschrank brummen, welcher sich am Fu\u00dfende des Bettes befand. Das Zimmer hat dunkelbraun lackierte Dielen, welche bestimmt schon drei mal \u00fcberlackiert worden sind, da es mehr nach Lack, als nach Holz aussah und die M\u00f6bel die rumstanden waren alt. Der Schrank ist wie das Bett aus dem gleichen Pressspahnholz, welches mit einer dunklen Plastikholzoptik verkleidet worden war. Beides m\u00fcsste aus den 90er Jahren sein, sieht aber aus wie aus den 70ern.<\/p>\n<p>Das Leben ist Russland ist anders als das Leben in Deutschland, welches ich kenne. Auch innerhalb von Russland unterscheidet sich das Leben enorm. Schon aufgrund der unterschiedlichen Klima und der unterschiedlichen Kulturen, welche dort in der Minderheit vertreten sind. Ein Thema, welches mich sehr interessiert und welchem ich gerne irgendwann n\u00e4her auf den Grund gehen m\u00f6chte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da wo sich die Landesgrenzen von Kasachstan, der Mongolei und China treffen, reiste ich 2017 in eine Stadt Namens \u201eNowokusnezk\u201c in Russland. Ich kann mich noch genau erinnern, mit welcher Vorfreude ich auf diese Reise gewartet habe. 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