{"id":196,"date":"2023-12-16T20:09:16","date_gmt":"2023-12-16T19:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/gruppefuenf\/?p=196"},"modified":"2023-12-16T20:09:16","modified_gmt":"2023-12-16T19:09:16","slug":"sl-freier-text-myra-reiche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/gruppefuenf\/2023\/12\/16\/sl-freier-text-myra-reiche\/","title":{"rendered":"SL Freier Text Myra Reiche"},"content":{"rendered":"<p>https:\/\/1drv.ms\/b\/s!Ai0SVrHN_6vEgoEmS-SDwPrdtgiF-Q?e=LlaRUU<\/p>\n<p>SL Freier Text, Myra Reiche, Matrikelnummer: 6298663. 09-05-M1-T3 Tutorium 3 \u201eEinf\u00fchrung in die Ethnologie\u201c (WiSe 23\/24). Seminarleitung Sarina Poloczek.<\/p>\n<p>Beobachtungsprotokoll von Myra Reiche am 16.12.2023<br \/>\nRB 41 Hamburg Hbf \u2013 Bremen Hbf, vorletztes Abteil im oberen Bereich, Uhrzeit: 18:35 \u2013 19:25 Uhr.<br \/>\nIch sitze in einem Viererabteil mit Tisch an meinem Laptop. Im Abteil befinden sich au\u00dfer mir 16 Menschen. Es erfolgt eine Durchsage \u201eBitte bleiben sie von den Ausg\u00e4ngen zur\u00fcck, damit der Zug abfahren kann\u201c. Kurz darauf die n\u00e4chste Durchsage: \u201eSehr geehrte Fahrg\u00e4ste, bitte bleiben sie von den T\u00fcren zur\u00fcck, die T\u00fcren schlie\u00dfen jetzt. Ich wiederhole: Die T\u00fcren schlie\u00dfen jetzt.\u201c Wenige Augenblicke sp\u00e4ter f\u00e4hrt der Zug an, gefolgt von der n\u00e4chsten Durchsage, die auf die Zwischenhalte, den n\u00e4chsten Halt Hamburg-Harburg und das geltende Alkoholverbot in der Regionalbahn verweist.<\/p>\n<p>Mir ist sehr warm im Zug. Die Menschen, die ich von meinem Sitzplatz aus genauer beobachten kann, haben ihre Winterjacken alle ausgezogen. Zwei Gruppen von Menschen, die sich unterhalten sind zu erkennen. Vier Personen sitzen in einem anderen Vierer und unterhalten sich. Hinter mir sitzen zwei Personen mit grau-blonden Haaren und deutlich sichtbaren Falten im Gesicht, die sich miteinander unterhalten. Die eine Person hustet viel. Im Gespr\u00e4ch wird \u00f6fters gelacht. Es kommt eine Person mit blondem Kurzhaarschnitt, grauem Kapuzenpulli und einer gerade geschnittenen Jeans die Treppe hoch und blickt sich suchend um. Die Person tr\u00e4gt eine schwarze Winterjacke mit einem wei\u00dfen Logo in der Hand. Die Person geht an mir vorbei und verschwindet wieder. Hinter mir vernehme ich noch mehr Gel\u00e4chter, welches ich nicht zuordnen kann.<\/p>\n<p>Vor mir steht eine Person auf, die ich bisher nicht wahrgenommen habe. Die Person hat lange blond-braune Haare und einen langen, metallisch glitzernden Wintermantel an. Die Person zieht zuerst diesen, und dann noch einen Pulli aus. Die Vier Personen, die sich unterhalten, lachen deutlich h\u00f6rbar auf. Ich sehe in der Spiegelung der Fenster, wie eine Wasserflasche mit Papieren abgetrocknet wird und der Deckel von zwei H\u00e4nden zugeschraubt wird. <\/p>\n<p>Der Zug h\u00e4lt in dieser Zeit in Harburg. Vier Menschen steigen in unserem Abteil dazu. Unter anderem ein gro\u00dfer Mensch mit sehr kurzen Haaren, sowie eine Person mit dunkelbraunen Haaren. Die beiden Personen setzten sich nebeneinander auf zwei Sitze. Die gro\u00dfe Person mit kurzen Haaren tr\u00e4gt ein l\u00e4ngliches P\u00e4ckchen in den H\u00e4nden, welches in Hellgr\u00fcnem Papier verpackt ist. Das P\u00e4ckchen ist hinten schmal und vorne breiter und runder. Die Person legt es sanft auf deren Scho\u00df ab. <\/p>\n<p>Von hinter mir sind zwei Stimmen zu h\u00f6ren, die einen hellen, klaren Klang haben und sehr aufgeweckt klingen. Die Person mit der metallischen Winterjacke ist gerade wieder aufgestanden und zieht diese wieder an.<br \/>\nDanach setzt die Person sich wieder an den vorherigen Platz. Rechts von mir sitzt eine Person allein. Die Person hat braune Lederschuhe, eine dunkelblaue Jeans und einen burgunderroten Wollpullover. Die Person sitzt auf einer Jacke in der Farbe dunkelgr\u00fcn und auf dem Platz neben der Person ist ein schwarzer Rucksack. Die Person tr\u00e4gt In-Ear-Kopfh\u00f6rer und eine Brille und schaut durchgehend auf das Telefon in der Hand, welches sich in einer schwarzen Schutzh\u00fclle befindet. <\/p>\n<p>Zwischendurch wird die Ger\u00e4uschkulisse der Gespr\u00e4che, dem Tippen auf meiner Tastatur und das Rauschen des Zuges durch eine Melodie und die Ansage einer Haltestelle unterbrochen oder durch das Ger\u00e4usch der T\u00fcren, die sich an Haltestellen \u00f6ffnen und schlie\u00dfen. Die Person rechts von mir zieht die dunkelgr\u00fcne Jacke an. Ich sehe, dass eine andere Person aufsteht und die Treppe hinabsteigt. Die Melodie und Haltestellenansage erfolgten. Die Person rechts von mir nimmt den Rucksack auf den Scho\u00df und zieht einen Rei\u00dfverschluss zu. Dann steht die Person auf und setzt die Kapuze der Jacke auf und geht bis zu der Treppe und bleibt dort oben stehen. Der Zug h\u00e4lt und die Person dreht sich um, wir haben kurz Blickkontakt. Dann geht die Person die Treppe runter.<br \/>\nMir f\u00e4llt auf, dass ich in diesem Abteil bisher keine Person mit gr\u00f6\u00dferem Gep\u00e4ckst\u00fcck als einen Rucksack gesehen habe. Wir befinden uns mittlerweile in Buchholz und stehen hier l\u00e4nger als an den anderen Haltestellen. Ich achte auf die Zeit: insgesamt 4 Minuten. Wir fahren wieder los und es erfolgt eine weitere Durchsage, die auf eine Versp\u00e4tung von 5 min verweist aufgrund einer Zug\u00fcberholung. <\/p>\n<p>Mein Blick wandert \u00fcber die von hier aus sichtbaren leeren Sitzen. Es gibt Aufbewahrungsnetze, die jeweils an der R\u00fcckenlehne der St\u00fchle davor befestigt sind. In einem Aufbewahrungsnetz ist eine zu einer Kugel zusammengedr\u00fcckte T\u00fcte, in dem Netz daneben befundet sich eine Bierdose mit der Beschriftung \u201eKrombacher Pils\u201c. Die Dose ist leicht eingedellt und der Verschluss ist ge\u00f6ffnet. Eine weitere gr\u00fcne Dose klemmt in einem Netz in der Reihe davor, mit ebenfalls ge\u00f6ffnetem Verschluss. Auf einem anderen Sitz liegt eine wei\u00dfe Plastikt\u00fcte, die oben zugeknotet ist. Die T\u00fcte ist leicht durchsichtig und ich erkenne in ihr ein blau-wei\u00df kariertes Papiertuch. Eine Person bleibt neben meinem Sitz stehen und geht einen Schritt zur\u00fcck. Dann nimmt die Person die T\u00fcte in die Hand und knotet diese auf, und schaut rein. Dann l\u00e4sst die Person die T\u00fcte liegen und setzt sich in die Reihe mit der Bierdose im Netz. Die Person setzt den Rucksack ab und holt eine andere wei\u00dfe Plastikt\u00fcte heraus und tut die Dose darein. Die Person geht weiter, nimmt dabei auch die gr\u00fcne Dose mit und schaut auf jeden Platz beim Weitergehen.  <\/p>\n<p><strong>Interpretation:<\/strong><br \/>\nAufgrund der wiederholten Aufforderung per Durchsage, dass die T\u00fcren freigemacht werden sollen, schlie\u00dfe ich darauf, dass Menschen in Hamburg diese blockiert haben. M\u00f6gliche Gr\u00fcnde w\u00e4ren ein zu sp\u00e4tes Einsteigen, eine Verabschiedung an der T\u00fcr oder ein mutwilliges St\u00f6ren der T\u00fcren.<br \/>\nDas Personen deren Jacken ausgezogen haben l\u00e4sst mich darauf schlie\u00dfen, dass diesen Personen auch warm ist. Die Personen, die sich unterhalten, scheinen eine Art von Zugeh\u00f6rigkeit zu haben, bei der einen Vierergruppe tippe ich auf eine Freundinnengruppe, die Personen hinter mir wirkten wie ein Ehepaar, die Personen mit dem l\u00e4nglichen Paket wie ein P\u00e4rchen. Das Paket wirkte wie ein Blumenstrau\u00df. <\/p>\n<p>Die Person, die die Winterjacke aus- und dann wieder angezogen hat, hat mich verwirrt. Vielleicht hat die Person es doch ohne Jacke als zu kalt empfunden? Das Aufstehen und Hinsetzen wirkten umst\u00e4ndlich. <\/p>\n<p>Die Wasserflasche schien eine Sprudelflasche zu sein, die beim \u00d6ffnen gespritzt hat.<br \/>\nDie hellen, klaren Stimmen haben wahrscheinlich zu Kindern geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die Person, die rechts von mir sa\u00df, hat vielleicht mein Beobachten wahrgenommen und sich deswegen am Treppenabsatz noch einmal umgedreht, oder hatte vielleicht kurz das Gef\u00fchl etwas vergessen zu haben. Die Person stand wahrscheinlich am Treppenabsatz, weil die Treppe und der Vorraum der T\u00fcren von Menschen, die auch aussteigen wollen, gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Die Gegenst\u00e4nde, die in den Netzen und auf den Sitzen lagen, schienen besitzlos zu sein und als M\u00fcll betrachtet zu werden. Wahrscheinlich wurden diese Dinge von anderen Personen zur\u00fcckgelassen. F\u00fcr die Person, die die Dosen eingepackt hat, schienen diese aber einen Wert zu haben. Die Person wirkte so, dass sie f\u00fcr die T\u00e4tigkeit des Suchens nach zur\u00fcckgelassenen Dingen von Wert an diesem Ort ist.<\/p>\n<p>Keine sichtbaren gro\u00dfen Gep\u00e4ckst\u00fccke lassen mich darauf schlie\u00dfen, dass diese Strecke und diese Bahnlinie in erster Linie zum Pendeln und f\u00fcr Besuche oder Tagesausfl\u00fcge genutzt wird.<\/p>\n<p>Das in der Bahn viel M\u00fcll herumliegt, dabei auch Bierdosen trotz des Alkoholverbots und dass keine Tickets w\u00e4hrend der Fahrt kontrolliert werden, l\u00e4sst mich darauf schlie\u00dfen, dass es sich bei dieser Linie um eine finanziell vernachl\u00e4ssigte Linie handelt, die bei Personalengp\u00e4ssen und im Zugverkehr (siehe Zug\u00fcberholung) hintenangestellt wird. Durch andere Fahrten mit dieser Linie wird diese Interpretation in meinen Augen noch verst\u00e4rkt. Hier werden z.B. auch alte Z\u00fcge eingesetzt, die keine Steckdosen haben. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/1drv.ms\/b\/s!Ai0SVrHN_6vEgoEmS-SDwPrdtgiF-Q?e=LlaRUU SL Freier Text, Myra Reiche, Matrikelnummer: 6298663. 09-05-M1-T3 Tutorium 3 \u201eEinf\u00fchrung in die Ethnologie\u201c (WiSe 23\/24). Seminarleitung Sarina Poloczek. Beobachtungsprotokoll von Myra Reiche am 16.12.2023 RB 41 Hamburg Hbf \u2013 Bremen Hbf, vorletztes Abteil im oberen Bereich, Uhrzeit: 18:35 \u2013 19:25 Uhr. Ich sitze in einem Viererabteil mit Tisch an meinem Laptop. 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