In meiner eigenen Schulzeit spielte Mehrsprachigkeit auf unterschiedliche Weise eine wichtige Rolle. Ein Beispiel war der Deutschunterricht in der Grundschule, in dem eine Mitschülerin aus Polen regelmäßig zusätzliche Unterstützung erhielt, weil sie zu Hause vorwiegend Polnisch sprach. Ich erinnere mich, dass sie sich manchmal zurückzog, wenn sie sich sprachlich unsicher fühlte, was deutlich machte, wie wichtig gezielte Förderung ist. In der Oberstufe begegnete ich dann einem Mitschüler aus Syrien, der erst seit zwei Jahren in Deutschland war. Im Englischunterricht konnte er durch seine bereits vorhandenen Englisch Kenntnisse punkten. Ein Beweis dafür, dass Mehrsprachigkeit auch eine Ressource sein kann.

„Das Fach Deutsch als Zweitsprache sollte alle Kinder einer Regelklasse berücksichtigen, die neben Deutsch noch eine andere Sprache sprechen“ (vgl. Riehl & Schröder 2022).

Ich stimme der Aussage zu, dass das Fach „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) alle Kinder berücksichtigen sollte, die neben Deutsch noch eine andere Sprache sprechen. Auch wenn sie sprachlich bereits gut integriert scheinen, bringen sie oft andere Sprachstrukturen und kulturelle Prägungen mit, die im Unterricht beachtet und gezielt gefördert werden sollten. Der Unterricht kann dabei helfen, grammatikalischen Fehlvorstellungen entgegenzuwirken, die durch den Einfluss der Herkunftssprache entstehen können. Deutsch hat häufig andere grammatische Regeln und Strukturen als viele andere Sprachen, beispielsweise im Bereich der Artikel oder der Wortstellung. Werden diese Unterschiede nicht thematisiert, kann das langfristig zu Verständnisschwierigkeiten führen. Durch gezielte Förderung können solche Stolpersteine abgebaut werden, was nicht nur die schulischen Leistungen stärkt, sondern auch das Selbstwertgefühl der Kinder.

Da Schule als „versprachlichte Institution“ (vgl. Ehlich & Rehbein 1986) gilt, ist es entscheidend, dass Sprache kein Ausschlusskriterium wird. Ein Unterrichtsszenario könnte darin bestehen, dass im Sachunterricht mehrsprachige Lernplakate erstellt werden, bei denen die Schüler:innen Begriffe in ihrer Herkunftssprache und auf Deutsch zusammentragen. Ein weiteres Szenario wäre die verstärkte Verwendung von Bildern, Symbolen und Piktogrammen im Unterricht, zum Beispiel bei Arbeitsanweisungen oder Tafelbildern. Diese visuellen Hilfen unterstützen das Sprachverständnis, ohne dass Übersetzungen notwendig sind, und ermöglichen neuzugewanderten Schülerinnen einen barrierearmen Zugang zu den Inhalten. So wird die sprachliche Vielfalt als Stärke integriert und der Bildungserfolg gefördert (vgl. Schroeder 2020).

Literatur:

Riehl, Claudia M.; Schröder, Christoph (2022). DaF/DaZ im Kontext von Mehrsprachigkeit. In: Zeitschrift Deutsch als Fremdsprache 1, 67-76.

Schroeder, René (2020): Inklusiver Sachunterricht zwischen Kind- und Materialorientierung – Mediennutzung und Motive der Medienauswahl im Fokus einer explorativen Lehrkräftebefragung.