Aufgabe 1
Durch einen offenen Unterricht werden den einzelnen SUS Freiräume und Chancen ermöglicht. Die Kinder können selbst frei wählen zu welchen Zeit sie welche Aufgaben bearbeiten, wobei die Aufgaben individuell, je nach Leistungsstand, Interesse, usw. bearbeitet werden können. Das selbstständige Arbeiten, die Teamfähigkeit sowie die Motivation kann durch die Miteinbeziehung der Interessen gefördert werden. Die Theorie des offenen Unterrichts hört sich, gerade für eine heterogene Klasse, sehr vielversprechend an. Doch es gibt auch einige Schwierigkeiten, die ich mithilfe eines Beispiels erläutern möchte.
Eine Integrierte Gesamtschule in meiner Umgebung arbeitet ebenfalls mit offenen und selbstständigen Unterrichtsformen. Die SUS können selbstständig und in ihrem eigenen Tempo an den Unterrichtsthemen arbeiten. Es gibt einen „Matheraum“ und einen „Deutschraum“ zwischen denen sie in bestimmten Unterrichtsstunden frei wählen können. Allerdings wird von der Lehrkraft darauf geachtet, dass jeder/jede SchülerIn mindestens einmal wöchentlich Mathe bzw. Deutsch macht. Die SUS können dann selbst entscheiden, wann sie mit einem Thema so vertraut sind, sodass sie eine „Lernkontrolle“ ablegen können.
Diese offene Unterrichtsgestaltung klingt sehr vielversprechend. Jedoch weiß ich aus meinem Bekanntenkreis, dass es in der Praxis teilweise ganz anders ablaufen kann, als von der Schule geworben wird. Tatsächlich haben Kinder vereinzelt seit mehr als 6 Wochen keinen Matheunterricht mehr gehabt oder sie „trödeln“ mit Absicht in den Stunden herum, da sie genau wissen, dass sie den Termin der Überprüfung selbst frei wählen können. Dieses Beispiel zeigt ganz deutlich, dass das selbstständige Arbeiten an offenen Aufgaben erlernt und geübt werden sollte. Kinder, die das System der selbstständigen Arbeit nicht von Klein auf kennen, könnten überfordert mit der Situation sein und müssen sich erst einmal daran gewöhnen. Andere Kinder müssten lernen, dass sie die Inhalte nicht nur für die Überprüfung lernen, sondern für sich und ihre Zeit sinnvoll einteilen.
Es muss außerdem beachtet werden, dass eine einzige Lehrperson nicht gleichzeitig überprüfen kann, ob alle Kinder tatsächlich arbeiten. Zudem könnte die Korrektur der Aufgaben mehr Zeit in Anspruch nehmen, da es bei offenen Aufgaben keine einheitliche Musterlösung gibt, sondern vielfältige Lösungswege.
Trotz vieler Aspekte, die zu beachten sind, halte ich offene Aufgaben für sehr sinnvoll, da nicht nur das rein fachliche gelernt wird. Auch die Problemlösungsstrategien oder die Kreativität können gefordert werden und die Aufgaben können individuell bearbeitet werden, sodass das einzelne Kind im Vordergrund steht.
Liebe Friederike,
ich fand es sehr schön deinen Beitrag zu lesen. Du verdeutlichst gut, dass der „offene Unterricht“ einige Vorteile mit sich bringt. Ich denke der wichtigste Punkt hierbei ist, dass die einzelnen Kinder besonders interessensorientiert arbeiten und lernen können. Die Kinder haben damit die Chance, sich genau auf ihrem Leistungsstand weiterzuentwickeln.
Dein eigenes Beispiel zeigt, dass offener Unterricht aber nicht nur Vorteile mit sich bringt. Auch ich habe schon von negativen Beispielen gehört. Der offene Unterricht ist ein wichtiges Merkmal der Freinet Pädagogik. Die Mutter eines Kindes, welches solch eine Schule besucht hat meinte mal zu mir: „Ist doch kein Wunder wenn die Kinder die Wahl zwischen Löcher buddeln und Mathematik haben, dass sie sich fürs Löcherbuddeln entscheiden. Dann können sie nach der Schule zwar kein Deutsch und kein Mathe, aber wissen wie man Löcher buddelt.“ So muss es sicherlich nicht an jeder Freinet-Schule aussehen, aber es gibt solche Fälle. Für Kinder ist allgemein Bildung sehr wichtig. Und die könnte mit dem „offenen Unterricht“ zu kurz kommen.
„Offenen Unterricht“ mit Plänen und einigen Vorschriften zu verbinden finde ich sinnvoll. Fraglich ist für mich, ob man ihn dann noch als solchen bezeichnen kann.
Deinen Vorschlag „offenen Aufgaben“ in den Unterricht einzubringen finde ich hingegen sehr gut. Mit diesem Aufgabenformat haben die Kinder auch die Möglichkeit, sich auf ihrem eigenen „Niveau“ zu entwickeln.
Ich bin der Meinung, dass vollständig offener Unterricht nicht für alle Kinder förderlich ist, eher für die wenigsten. Eine gute Methode, jedes Kind zu fördern und zu fordern stellen für mich „offene Aufgabenformate“ in jeglichen Fächern dar.