{"id":474,"date":"2023-06-06T10:55:28","date_gmt":"2023-06-06T08:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/?p=474"},"modified":"2023-06-06T10:55:28","modified_gmt":"2023-06-06T08:55:28","slug":"tambien-la-lluvia-zwischen-gesellschaftskritik-und-filmkunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/2023\/06\/06\/tambien-la-lluvia-zwischen-gesellschaftskritik-und-filmkunst\/","title":{"rendered":"Tambi\u00e9n la lluvia &#8211; Zwischen Gesellschaftskritik und Filmkunst"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jahr \/ Land \/ Filmdauer: 2010 \/ Mexiko, Spanien, Frankreich \/ 104 Minuten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Regie: Ic\u00edar Bolla\u00edn<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Autor: Shawn Korreck<\/strong><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Unterdru\u0308ckung. Sinneswandel. Kapitalismuskritik. Wasserknappheit. Politik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Das sind die zentralen Themen des Films \u201eTambie\u0301n la lluvia\u201c, die sich in jeder Sequenz wiederfinden lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Der Film, der 2010 den Eingang in die Lichtspielha\u0308user dieser Welt bekam, handelt von einem Filmprojekt des jungen Regisseurs Sebastia\u0301n gespielt von Gael Garcia Bernal und seinem Filmproduzenten Costa gespielt von Luis Tosar. Dieser soll in Bolivien gedreht werden und von Christopher Kolumbus Taten handeln bezu\u0308glich dessen Goldgier und dem Umgang mit der indigenen Bevo\u0308lkerung. Um Darsteller fu\u0308r die indigene Bevo\u0308lkerung, speziell fu\u0308r die historische Perso\u0308nlichkeit des Hatuey, einem Ha\u0308uptling des Stammes der Tai\u0301no, der Widerstand gegen die Kolonialmacht erbrachte, zu finden, sucht das Team um Costa und Sebastia\u0301n in der bolivianischen Stadt Cochabamba nach Statisten. Dort treffen sie auf eine riesige Schlange an Bewerbern, aus der besonders einer hervorsticht &#8211; Daniel, gespielt von Juan Carlos Aduviri &#8211; dieser beschwert sich, dass nur eine Handvoll Bewerber fu\u0308r die Statistenrollen interviewt werden, wobei in der Ausschreibung <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">stand, das jeder eine Chance beka\u0308me. Daraufhin bekommt dieser die Rolle des Hatuey, eine der <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Hauptrollen. Costa sieht in Daniel jedoch einen Unruhestifter und ein Problem, dass den Zeit- und Finanzplan des Films gefa\u0308hrden ko\u0308nnte. Mit zunehmender Zeit scheint Costa recht zu haben. In der Stadt Cochabamba kommt es zu einer Wasserknappheit. Dem Ortsteil in dem auch Daniel wohnt wird das Wasser abgedreht, da der Staat dieses privatisieren lassen und somit die Wasserpreise erheblich angehoben hat. Die Filmcrew findet sich inmitten von Protesten wieder, dessen Anfu\u0308hrer Daniel selbst ist. Immer wieder gefa\u0308hrdet Daniel mit den Protesten die Dreharbeiten und sorgt fu\u0308r Drehausfa\u0308lle. Auf Versuche Costas Daniel mit Geld von den Protesten fernzuhalten, reagiert Daniel nicht. Zwar nimmt er das von Costa gebotene Bestechungsgeld an, doch nutzt er dieses nur fu\u0308r seine Protestaktion. Als der Pra\u0308sident Boliviens schlie\u00dflich den Kriegszustand im Land ausruft nachdem die Proteste immer heftiger wurden und auch Daniel immer o\u0308fter eingespannt und sogar zeitweise in das Gefa\u0308ngnis befo\u0308rdert haben &#8211; der nur fu\u0308r den Drehzeitraum von Costa und Sebastia\u0301n herausgeholt werden konnte &#8211; findet sich das Team in einer Ausnahmesituation. Sie entscheiden sich dazu, die Region zu verlassen. Bevor sie dies jedoch tun ko\u0308nnen, werden sie aufgehalten von Daniels Ehefrau, die Costa um Hilfe bittet. So sei ihre Tochter, die ebenfalls eine Rolle im Film hatte, alleine in die Stadt gegangen und durch die Proteste verletzt worden. Unerwartet entscheidet Costa sich dazu, mit ihr in die Stadt zu fahren um das Ma\u0308dchen ausfindig zu machen. Wa\u0308hrend die anderen sich schon auf den Weg machen. Gemeinsam fahren sie in die von Protesten geplagte Innenstadt, in der Soldaten mit Gewehren auf Protester treffen. Trotz etwaiger Gefahren schaffen die beiden es, das Ma\u0308dchen zu retten. Wa\u0308hrenddessen sind die anderen bereits geflu\u0308chtet, bis auf Sebastia\u0301n, der am Grenzpunkt mit Anton, dem Darsteller des Kolumbus, gespielt von Karra Elejalde, verbleibt. Costa wird somit unerwartet zum zweiten Helden des Geschichte, neben dem starken Ka\u0308mpfer Daniel. Am Ende des Films umarmen sich die beiden Ma\u0308nner und Daniel schenkt Costa ein Fla\u0308schchen, gefu\u0308llt mit Wasser. Der Film wird niemals fertiggestellt.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Tambie\u0301n la lluvia gla\u0308nzt vor allem durch seine Schauspieler. Besonders beeindruckend sind die Charakterentwicklungen und die realistische Darstellung dieser. Der Film scheut nicht vor der harten Realita\u0308t, so gibt er nicht vor, \u201eperfekte\u201c Charaktere zu besitzen, die ihrer Art immer ga\u0308nzlich treu bleiben. Stattdessen hat jeder Charakter multiple Eigenschaften, die ihn vielfa\u0308ltig scheinen lassen. Der Regisseur Sebastia\u0301n tritt zu Anfang des Films als gutherziger Mann auf, der von Costas Ha\u0308rte nicht viel ha\u0308lt. Im Laufe des Films dreht sich Sebastia\u0301n jedoch. Es wird klar, dass ihm sein Film wichtiger ist als das Problem mit der Wasserversorgung und die an dem Film beteiligten bolivianischen Statisten. Er scheint geradezu ein weniger durchsetzungsstarker Costa zu sein. Am Ende sieht man, dass Sebastia\u0301n mit Anton als einziger zuru\u0308ckbleibt. Dies gibt dem Zuschauer <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">wiederum einen neuen Blick auf Sebastia\u0301n, den man unterschiedlich deuten kann. Bereut er die Flucht, ha\u0308ngt er seinem Projekt hinterher, oder wartet er tatsa\u0308chlich auf Costa. Sebastia\u0301n scheint also ein ziemlich hin- und hergerissener Mensch zu sein, fu\u0308r den Costa fast schon eine Art Leitfigur ist. Sebastia\u0301n versucht zwar das reingewachsene Bild von Kolumbus mit seinem Film zu a\u0308ndern und dessen Fehlverhalten und Oberfla\u0308chlichkeit zu visualisieren, doch gera\u0308t er in eine a\u0308hnliche Position, als er seinen Film u\u0308ber die Sicherheit und den Zustand der bolivianischen Bevo\u0308lkerung stellt.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 3\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Costa hingegen tritt zu Anfang des Films als das komplette Gegenteil von Sebastia\u0301n auf. Er ist der Produzent des Films. Gekoppelt an das Geld vertritt er die \u201etypisch Gescha\u0308ftsmann- Skruppelosigkeit\u201c. Er wirkt oft kalt, unsympathisch und ha\u0308lt offensichtlich nicht viel von anderen Menschen. Respekt vor der indigenen Bevo\u0308lkerung hat er genau so wenig, wie vor den bolivianischen Statisten, die diese darstellen sollen. Von Daniel und seinen Protestaktionen ha\u0308lt er nichts, denunziert er ihn noch wa\u0308hrend der anfa\u0308nglichen Dreharbeiten, u\u0308ber das Handy bei seinen Gescha\u0308ftspartnern. Alle seine Aktionen und Entscheidungen trifft Costa zugunsten des Geldes und entgegen der Moral und Menschlichkeit. Dies a\u0308ndert sich mit dem Verschwinden von Daniels Tochter. Seine selbstlose Rettungsaktion la\u0308sst nicht einmal ahnen, das er zuvor ein so skrupelloser Gescha\u0308ftsmann war. Auch kleine Einblicke in seine Hintergrundgeschichte mit Sebastia\u0301n zeigen, das Costa trotz seiner Ha\u0308rte auch eine weiche Seite besitzt, die er nur selten zeigt. Die Schlussszene des Films, in der sich Daniel und Costa umarmen, ist fu\u0308r den Zuschauer besonders emotional. Hier wird Costa besonders weich dargestellt und der Zuschauer versteht, dass Costa sich absolut gewandelt hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Ein weiterer Lichtblick des Films ist Anton. Dieser soll den goldgierigen Christopher Kolumbus verko\u0308rpern. Anton ist ein Mann mittleren Alters, sieht von der Zeit mitgenommen aus und scheint ein starker Trinker und Raucher zu sein. Anton geho\u0308rt zu den Nebenfiguren, die trotz ihrer geringer auffa\u0308lligen Rolle, einen gro\u00dfen Einfluss auf den Zuschauer haben. Immer wieder kritisiert Anton Witze, die das Filmteam u\u0308ber die Leiden der indigenen Bevo\u0308lkerung unter Kolumbus gemacht hat. Von Beginn an verha\u0308lt sich Anton respektvoll gegenu\u0308ber der bolivianischen Bevo\u0308lkerung und auch am Ende bleibt er mit Sebastia\u0301n an der Grenze, auf Costa wartend, zuru\u0308ck. Daru\u0308berhinaus scheint Anton Kinder zu haben, zu denen er kaum Kontakt aufgrund seines Jobs hat, was in einer sehr emotional aufgeladenen Sequenz erkla\u0308rt wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Der zweite gro\u00dfe Star des Films neben Costa ist aber mit Sicherheit der willensstarke Daniel. Dieser <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">fa\u0308llt immer wieder durch seine eben genannte Charaktersta\u0308rke auf. Er ku\u0308mmert sich relativ wenig <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">um die Beschaffenheit des Films, sondern ka\u0308mpft fu\u0308r Gerechtigkeit. Trotz seiner Ablehnung, die er <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Costa gegenu\u0308ber ha\u0308lt und die auf Gegenseitigkeit basiert, scheint Daniel im Laufe des Films dennoch etwas Ru\u0308cksicht auf seine Filmrolle zu nehmen und am Ende verzieht er Costas Aussagen und Verhalten ihm gegenu\u0308ber. Auch hier ist die genannte emotional aufgeladene Szene, bei der sich beide Ma\u0308nner umarmen, ein wichtiger Prozess, wenn nicht sogar der wichtigste der Entwicklung beider Charaktere. Daniel weint aus Dankbarkeit gegenu\u0308ber Costa und hofft auf eine Ru\u0308ckkehr von dessen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 4\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Eine der herausragendsten Dinge des Films sind die U\u0308berga\u0308nge von der Binnenhandlung zur Rahmenhandlung. Dies wird strategisch gekonnt immer wieder eingesetzt. Tambie\u0301n la lluvia erza\u0308hlt de facto drei Geschichten. Die erste, die Binnenhandlung, soll die Geschichte von Christopher Kolumbus Entdeckungsreisen neu erza\u0308hlen und vor allem dessen Widrigkeiten aufzeigen. Die Rahmenhandlung des Films sind die Dreharbeiten an sich und deren Probleme. Dabei spielt natu\u0308rlich auch der Kampf ums Wasser eine Rolle. All diese drei Handlungsstra\u0308nge geschehen zwar auf der einen Seite immer unabha\u0308ngig voneinander und doch bedingen sie sich gegenseitig. Dies wird vor allem in der Kameraarbeit und dem Tempo des Films deutlich. Soll die Stimmung des Films sentimentaler und einen gefu\u0308hlvolleren Klang bekommen, handelt es sich meist um die reinen Dreharbeiten, Hintergrundgeschichten der Charakterbeziehungen oder Szenen, wo alle ausgelassen im Restaurant sitzen, essen und Witze machen. Mit nur einem Sprung wird diese Emotionalita\u0308t aufgehoben und der Zuschauer wird plo\u0308tzlich in eine Sequenz bestehend aus schnellen Bildern und actiongeladenen Szenen geworfen. Dies sind zu Beginn vor allem die Szenen aus dem eigentlich von Sebastia\u0301n gedrehten Film. In diesen Momenten wird der Zuschauer aus seinem emotionalen Hoch oder Tief herausgeworfen, der Film nimmt an Fahrt auf und die oft bedru\u0308ckenden Szenen aus dem Film u\u0308ber Kolumbus, wie z.B. die Verfolgungsjagd der Spanier mit den flu\u0308chtenden Indigenen fu\u0308hren zu einem plo\u0308tzlichen Entsetzen des Zuschauers. Im fortlaufenden Film und der damit einhergehenden Zunahme des Proteste, sind es dann vor allem eben die Protestszenen, die dem Film Action und Tempo verleihen. Damit einhergehend wechselt die Kameraarbeit fast immer um hundertachtzig grad. Fa\u0308llt die Kamera gerade in den vielen angesprochenen ruhigen Szenen durch stupide, einfache Kamerafahrten nicht auf, bestehen die Szenen der Proteste und Kolumbus-Szenen aus schnellen Fahrten, kreativeren Kameraeinstellungen und vor allem schnellen Schnitten. Dadurch, dass der Film erza\u0308hlt wie ein Film geschaffen werden soll, wirken die meisten Bilder relativ natu\u0308rlich und einfach, ohne Farbfilter oder a\u0308hnliches. Also besonders realistisch. Wa\u0308hrend die Szenen aus dem Kolumbus-Film hochpoliert, mit bla\u0308ulichem Farbfilter und typischer \u201eHollywood-Blockbuster-Bearbeitung\u201c daherkommen.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 5\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Die Soundkulisse des Films ist ebenfalls an den Szenenwechsel angepasst. Grundsa\u0308tzlich kommt extradiegetischer Musik kaum Bedeutung zu. Diese wird u\u0308berwiegend nur in den bereits erwa\u0308hntem Kolumbusfilm-Szenen verwendet. Au\u00dferhalb des von Sebastia\u0301n realisierten Films ist jedoch immer wieder diegetischer Sound wahrzunehmen, durch Radio, Restaurantmusik oder a\u0308hnlichem. Auch dies ist zuru\u0308ckzufu\u0308hren auf die mo\u0308glichst realistische Darstellung. Zusa\u0308tzlich ist jedoch zu erkennen, das gerade gewisse Sounds einen besonders starken Ausdruck verschaffen. So sind besonders Schu\u0308sse, zerspringende Scheiben, Hubschraubergera\u0308usche oder das Marschieren der Polizisten und Soldaten deutlich akustisch hervorgehoben. Dies gibt dem Zuschauer nicht nur das Gefu\u0308hl na\u0308her dran am Geschehen zu sein und somit auch selber nervo\u0308s zu werden sondern strahlt grundsa\u0308tzlich eine gewisse Gefahr aus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Tambie\u0301n la lluvia erza\u0308hlt nicht ohne Grund eine so spezielle Handlung. Tatsa\u0308chlich siedelt sich der Film an die wahren Begebenheiten des Wasserkriegs im Jahr 2000 der Stadt Cochabamba an. Die im Film dargestellten Ereignisse sind fast ga\u0308nzlich aus den tatsa\u0308chlichen u\u0308bernommen. So auch die zunehmenden Proteste, der Ausruf des Kriegszustands und am Ende das ru\u0308ckga\u0308ngig Machen der Privatisierung des Wassers. Vermutlich ist das auch ein Grund fu\u0308r die realistische und bodensta\u0308ndige Darstellung des Films.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Tambie\u0301n la lluvia ist ein ausgezeichneter Film, der es schafft, drei Handlungsstra\u0308nge in 104 Minuten unterzubringen, zu verbinden, sich gegenseitig zu erga\u0308nzen und trotz dessen mehrere Charaktere aufzuzeigen, die eine vollkommene Entwicklung durchmachen und nicht blass bleiben. Die Message des Films ist klar. Es geht vor allem um die Erfahrungen der indigenen Bevo\u0308lkerung aber auch um moderne Formen der Unterdru\u0308ckung und die Wahrnehmung bestimmter Bevo\u0308lkerungsgruppen in der heutigen Zeit. Auch die Kapitalismuskritik ist nicht von der Hand zu weisen. Die Spru\u0308nge zwischen dem Film um Kolumbus und den Dreharbeiten zeigen vor allem eins auf: Die Zeit und die Form hat sich gea\u0308ndert aber Unterdru\u0308ckung und Diffamierung gewisser Bevo\u0308lkerungsgruppen ist nach wie vor vorhanden. Auch die unterschiedlichen Charaktere und ihre Entwicklungen zeigen dies auf. So ist Sebastia\u0301n ein gutes Beispiel fu\u0308r einen Mann, der erst daherkommt als ein Samariter fu\u0308r die Bolivianer und dessen Interessen ernst nimmt, dem aber im Verlauf der Handlung sein eigener Wille den Film fertigzustellen, doch wichtiger ist. Costa <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">hingegen spiegelt den klassischen Kapitalisten wieder, der fu\u0308r Geld u\u0308ber Moral und Leichen geht <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">und vor nichts zuru\u0308ckschreckt. Es ist fast Ironie, dass gerade Costa am Ende des Films der wohlwollende Samariter fu\u0308r die Bolivianer ist und seine Interessen aber vor allem sein Leben hinten anstellt fu\u0308r die Sicherheit eines fremden Ma\u0308dchens.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 6\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Damit bedient sich der Film also nicht den typischen Klischees, sondern greift diese auf und a\u0308ndert diese vo\u0308llig an. Das sorgt einmal dafu\u0308r, dass der Film nicht vorhersehbar ist und zum anderen dafu\u0308r, dass die Handlungen eine viel ho\u0308here Gewichtung haben. So ist es doch bedeutender, wenn der sonst so harte Costa plo\u0308tzlich weich wird und das Geld hinten anstellt. Dies vertieft den Charakter und ist eine starke Aussage u\u0308ber den tatsa\u0308chlichen Charakter. Wohingegen der scheinbare Samariter, sich am Ende als der tatsa\u0308chlich egoistische herausstellt. Tambie\u0301n la lluvia spielt also mit Klischees.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Insgesamt ist Tambie\u0301n la lluvia meines Erachtens nach ein kleines Meisterwerk. Lediglich einzelne La\u0308ngen ko\u0308nnen dem Film als Kritik angesetzt werden. Doch die Vernetzung von drei unterschiedlichen Handlungsstra\u0308ngen, vermischt mit deutlicher Gesellschaftskritik, tiefen Einblicken in die Charaktere die starke Entwicklungen durchmachen, geben dem Film eine emotionale Tiefe, die nur wenige Filme besitzen. Damit erreicht der Film auch etwas, das nur besonders gute Filme schaffen &#8211; er regt zum Nachdenken an.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahr \/ Land \/ Filmdauer: 2010 \/ Mexiko, Spanien, Frankreich \/ 104 Minuten Regie: Ic\u00edar Bolla\u00edn Autor: Shawn Korreck Unterdru\u0308ckung. Sinneswandel. Kapitalismuskritik. Wasserknappheit. Politik. Das sind die zentralen Themen des Films \u201eTambie\u0301n la lluvia\u201c, die sich in jeder Sequenz wiederfinden lassen. 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