{"id":466,"date":"2023-06-02T11:51:49","date_gmt":"2023-06-02T09:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/?p=466"},"modified":"2023-06-02T11:51:49","modified_gmt":"2023-06-02T09:51:49","slug":"os-fuzis-der-tod-ist-unausweichlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/2023\/06\/02\/os-fuzis-der-tod-ist-unausweichlich\/","title":{"rendered":",,Os Fuzis&#8220; &#8211; Der Tod ist unausweichlich"},"content":{"rendered":"<p align=\"CENTER\"><span style=\"color: #000000\">Titel: Os Fuzis<\/span><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"color: #000000\">Entstehungszeit und -ort: 1964, Brasilien<\/span><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"color: #000000\">Laufzeit: 80 Minuten<\/span><\/p>\n<p align=\"CENTER\"><span style=\"color: #000000\">Regie: Ruy Guerra<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">In ,,Os Fuzis\u201c ist der Tod unausweichlich. Egal, ob sich die Menschen gegen die Ungerechtigkeit wehren oder nicht. Es ist ein Film \u00fcber die Macht einzelner, die alle anderen beherrschen und \u00fcber deren Leben oder Sterben sie entscheiden.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Dieses Werk von Ruy Guerra spielt im Jahr 1963 im Nordosten von Brasilien. In dieser Region herrscht eine D\u00fcrre und die Menschen hungern. Einige haben sich dem Kult um einen heiligen Ochsen angeschlossen. Ihre Anh\u00e4nger glauben, dass der Ochse, wo er auch hinkommt, Regen bringen w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Dies ist allerdings nur einer von zwei Erz\u00e4hlstr\u00e4ngen, die ,,Os Fuzis\u201c verfolgt. Der Andere spielt in einer namenlosen Stadt, in der die Menschen hungern. Eine Einheit der Armee wird dorthin geschickt, um \u00dcberf\u00e4lle der Hungrigen auf ein Lagerhaus zu verhindern.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Beim Ankommen der Soldaten in dem Dorf, spielt eine alte Frau auf einer Marmeladendose, in dessen \u00d6ffnung eine Zugfeder verhakt wurde, eine Melodie. Es klingt metallisch und wie eine Marschhymne. Die Kamera zeigt dabei den Einmarsch der Soldaten im Wechsel mit den Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern, die ihre Fenster \u00f6ffnen und den Soldaten nachsehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Ga\u00facho ist ein LKW-Fahrer, der den Auftrag bekam, Zwiebeln aus der Stadt herauszufahren. Als sein Lastwagen den Geist aufgibt, kann auch er dem Leid der Menschen nicht mehr entgehen. Auf einem Markt bietet ihm ein Mann, seine 14-j\u00e4hrige Tochter zum Kauf an. Ga\u00facho lehnt ab. In dieser Szene ist zu sehen, wie viel die Menschen f\u00fcr etwas zu Essen bereit sind zu geben.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Am Abend sitzen die Soldaten mit einigen der Bewohner in einer Bar und zeigen ihnen ihre Waffen und wie diese funktionieren. Auch Ga\u00facho kommt hinzu und l\u00e4chelt M\u00e1rio, einem der Soldaten, zu. In dieser Szene angedeutet, wird im Verlauf des Abends klar, dass Ga\u00facho selbst Teil der Armee war. Nach einem Wettkampf mit dem Hauptmann der Einheit, in der beide mit verbundenen Augen eine Waffe zusammenbauen sollten, gewinnt Ga\u00facho. Dieser Wettkampf ist als Spiel der zwei Kontrahenten inszeniert.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Wie allt\u00e4glich der Schusswaffengebrauch der Soldaten ist, zeigt eine Szene, in der sie sich langweilen, w\u00e4hrend sie das Lagerhaus bewachen. Als einer der Soldaten eine Ziege entdeckt, wollen sie diese erschie\u00dfen. Ein Schuss f\u00e4llt, die Kamera zeigt wieder auf die Ziege, doch sie wurde nicht getroffen. Stattdessen t\u00f6tete der Soldat den Ziegenhirten.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Aus Angst vor einem Aufstand der lokalen Bev\u00f6lkerung, beraten die Soldaten in ihrem Lager, neben der Leiche sitzend, wie sie dessen Tod verschleiern k\u00f6nnen. In Erinnerung an diese Szene bleibt, wie die Soldaten neben dem Toten essen. Schlie\u00dflich sticht einer der Soldaten mit einem Messer in die Schusswunde und in der anschlie\u00dfenden Sequenz erz\u00e4hlen sie in der Kirche die erfundene Geschichte von einem Assassinen, der den Mann erstach und dann verschwand.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Der Soldat M\u00e1rio besucht am Abend das Haus des Verstorbenen. Im Innern sitzt eine gro\u00dfe Anzahl an Menschen und sie singen Trauerlieder. Die Verse wiederholen sich immer wieder. Im Haus trifft M\u00e1rio Lu\u00edsa wieder. Sie ist eine junge Frau aus dem Dorf, mit der M\u00e1rio zuvor bereits Kontakt hatte. Lu\u00edsa konfrontiert M\u00e1rio mit dem Tod des Dorfbewohners und \u00e4u\u00dfert ihre Vermutung, dass M\u00e1rio und seine Kameraden dahinter stecken.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Beide verlassen gemeinsam das Haus. Sie gehen die verlassenen Stra\u00dfen der Stadt entlang und scheinen sich n\u00e4herzukommen. Zun\u00e4chst k\u00fcsst Lu\u00edsa die Hand von Mar\u00edo, als dieser sichtlich mehr will, wendet Lu\u00edsa sich ab. Mehrfach dr\u00e4ngt sich Mar\u00edo zu Lu\u00edsa, um sie zu k\u00fcssen. Mehrfach wendet Lu\u00edsa sich ab. Die Szene ist d\u00fcster. Mar\u00edo wirkt wie ein wildes Tier und Lu\u00edsa scheint ihm ausgeliefert zu sein. Ein Lied spielt im Hintergrund. Es wirkt ebenfalls wie ein Lied der Trauer. Letztlich schwindet die Gegenwehr von Lu\u00edsa und Mar\u00edo bekommt, was er will. Lu\u00edsas Verzweiflung in dieser Szene ist deutlich zu sp\u00fcren. Der Zwiespalt zwischen Flucht und es geschehen lassen, wechselt sich immer wieder ab. Diese Szene zeigt durch den sexuellen Missbrauch auch das Grundproblem, dem sich dieser Film widmet. Das Problem von Macht auf der einen Seite und Ohnmacht auf der anderen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Doch dass dieses Verh\u00e4ltnis nicht immer so eindeutig ist, zeigt eine der folgenden Szenen. Zuerst zeigt die Kamera, wie die Nahrungsmittelvorr\u00e4te auf zwei Lastwagen geladen und abtransportiert werden. Alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt scheinen dieses Treiben auf dem Marktplatz zu beobachten. Ganz zur Sorge eines der Soldaten. Dieser \u00e4u\u00dfert einem seiner Kameraden gegen\u00fcber, seine Angst vor einem Aufstand. In diesem Moment scheint es, dass der Abtransport durch die Bev\u00f6lkerung gestoppt werden k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">W\u00e4hrenddessen ist Ga\u00facho, der LKW-Fahrer, in der Bar. Er beobachtet, wie ein Mann, mit einem toten Kind im Arm, den Barkeeper nach einer Kiste zur Bestattung fragt. Ga\u00facho fragt den Mann, woran das Kind verstorben sei. Dieser nennt Hunger als Grund. Ga\u00facho, der das Treiben auf dem Marktplatz ebenfalls bemerkt hatte, ist au\u00dfer sich, nimmt einem Soldaten die Waffe ab und schie\u00dft auf die abfahrenden Lastwagen. Er ist der Einzige, der sich gegen das Unrecht wehrt, w\u00e4hrend die Stadtbewohner jede Hoffnung aufgegeben zu haben scheinen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Nun wird Ga\u00facho vom J\u00e4ger zum Gejagten. Die Soldaten verfolgen ihn. Nach einem kurzen Schusswechsel wird Ga\u00facho get\u00f6tet. Dabei zu h\u00f6ren ist lautes und metallisch verstelltes Hundegebell, dass die Pr\u00e4misse der Jagd vervollst\u00e4ndigt. M\u00e1rio hatte sich schlussendlich seinen Kameraden in den Weg gestellt, um seinen Freund Ga\u00facho zu retten. Er scheiterte und Ga\u00facho wird get\u00f6tet. In dieser Szene werden die bestehenden Machtverh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine kurze Zeit infrage gestellt.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Zum Schluss des Films bereiten die Soldaten ihren Abzug vor. Lu\u00edsa verabschiedet sich von M\u00e1rio und fragt, ob sie ihn wiedersehen wird, doch M\u00e1rio kann es ihr nicht sagen, da er es selbst nicht wei\u00df. Diese Szene kommt r\u00e4tselhaft daher. Inzwischen wirkt es mehr als w\u00e4ren Lu\u00edsa und M\u00e1rio ein Paar. Der Hintergrund der Beziehung zwischen den beiden Figuren wirkt unnat\u00fcrlich und spiegelt nicht die Erfahrungen, die die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Szene des sexuellen Missbrauchs machten.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Letztlich ziehen die Soldaten ab, wieder sind alle Stadtbewohnerinnen und Bewohner auf den Stra\u00dfen und sehen den Soldaten nach. Der Fokus der Kamera liegt auf den Gewehren der Soldaten. Im Hintergrund sind die verzweifelten Blicke der Einwohnerinnen und Einwohner zu sehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Der Film endet mit der Geschichte des heiligen Ochsen. Zun\u00e4chst ist die gro\u00dfe Menge der Anh\u00e4nger zu sehen, die einen gebets\u00e4hnlichen Gesang von sich geben. Pl\u00f6tzlich t\u00f6tet einer der Anwesenden das Tier. Anders als zu erwarten, machen sich die Anwesenden \u00fcber das Tier her und der Film endet damit, wie die Menschen Fleisch aus dem Ochsen schneiden.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">,,Os Fuzis\u201c ist ein bedeutender Film des Cinema Novo, welches eine Gegenbewegung zum Hollywood-Kino in Brasilien war und in den 1960er Jahren entstand. Das Cinema Novo war ein politisches Kino, dass Ungerechtigkeiten, wie Ungleichverteilungen der Macht und Hunger darstellte und ein Bewusstsein daf\u00fcr schaffen wollte.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Der Film ,,Os Fuzis\u201c wurde in schwarz-wei\u00df gedreht. Die Soldaten werden als Individuen dargestellt, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung der Stadt im Nordosten Brasiliens eine anonyme Masse zu sein scheint. Nur Lu\u00edsa stich dabei heraus. Die Kamera zeigt explizit die Gewalt und das Elend der Menschen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Die Musik ist in gro\u00dfen Teilen traurig und melancholisch, was die gezeigten Bilder gut erg\u00e4nzt. Gebetsgesang ist die vorherrschende Musik in diesem Film. Eindr\u00fccklich ist ebenfalls der Sound des Hundegebells bei der Verfolgungsjagd. Die Musik wechselt zwischen diegetischer und nicht diegetischer Gestaltung.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Im Mittelpunkt des Geschehens steht, wie bereits beschrieben, der Machtaspekt. Die M\u00e4chtigen setzen sich durch, die Machtlosen sind ihnen ausgesetzt. W\u00e4hrend dieses Muster in einigen Szenen, wie beispielsweise dem sexuellen Missbrauch, klar zu erkennen ist, l\u00e4sst der Regisseur zumindest die Hintert\u00fcr f\u00fcr einen Wechsel des Machtverh\u00e4ltnisses offen. Die Figur Ga\u00facho wehrte sich gegen die Umst\u00e4nde und einer der Soldaten hatte Angst vor einem Aufstand. So scheint es in diesen Sequenzen, als g\u00e4be es die M\u00f6glichkeit des zur Wehr Setzens, mit einem eventuellen Erfolg. Allerdings sind die Dorfbewohnerinnen und Bewohner von jeglicher Hoffnung auf eine Ver\u00e4nderung verlassen.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000\">Dieser Film kann als Aufruf verstanden werden, sich nicht der Situation hinzugeben, sondern aufzustehen und f\u00fcr Ver\u00e4nderung zu k\u00e4mpfen, ohne jedoch die Illusion zu liefern, dies zu einem geringen Preis zu tun.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Titel: Os Fuzis Entstehungszeit und -ort: 1964, Brasilien Laufzeit: 80 Minuten Regie: Ruy Guerra In ,,Os Fuzis\u201c ist der Tod unausweichlich. Egal, ob sich die Menschen gegen die Ungerechtigkeit wehren oder nicht. 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