{"id":411,"date":"2023-05-04T22:48:00","date_gmt":"2023-05-04T20:48:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/?p=411"},"modified":"2023-05-04T22:49:56","modified_gmt":"2023-05-04T20:49:56","slug":"the-questions-we-need-to-face","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/2023\/05\/04\/the-questions-we-need-to-face\/","title":{"rendered":"The questions we need to face"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Film:<\/strong> I Am Not Your Negro (2016)<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Regie:<\/strong> Raoul Peck<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Dauer:<\/strong> 93 Min.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Autor:<\/strong> Helena Holl<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt\"><strong>Disclaimer:<\/strong> <em>Dieser Artikel zitiert historische Archivdokumente, die bel\u00e4stigende W\u00f6rter einigen Menschen entgegen stie\u00dfen. Dennoch diese W\u00f6rter m\u00fcssen im historischen Kontext betrachtet werden und spiegeln auf keinem Fall eine politische Meinung der Autor.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: 18pt\"><strong>\u2013 The questions we need to face \u2013<\/strong><\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 40px;text-align: center\"><span style=\"font-size: 12pt\"><em>\u201cWhat white people have to do is try and find out in their own hearts why it is necessary to have a &#8217;nigger&#8216; in the first place, because I&#8217;m not a nigger. I&#8217;m a man. But if you think I&#8217;m a nigger, it means you need it.\u201d<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt\">\u2013 James Baldwin (1924-1987), im Gespr\u00e4ch mit C.K. Bancroft, 1963 \u2013<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<h2><\/h2>\n<h2 style=\"padding-left: 40px;text-align: justify\"><span style=\"font-size: 12pt\">Es sind Archivbilder aus einer Fernsehsendung im Jahr 1963, die im Film I Am Not Your Negro (2016) gezeigt wurden. Der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin wurde \u00fcber seine Sicht vom Pessimismus, in einer Welt gepr\u00e4gt von der B\u00fcrgerrechtsbewegung und Kampf um die Integration von Afroamerikanern befragt. Er sagte er k\u00f6nne nicht pessimistisch sein, weil er am Leben w\u00e4re. An diesem Tag hatte er keine Ahnung, dass drei seiner Freunden in den kommenden Jahren ermordet sein werden. Erst Medgar Evers, ein paar Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung dieser Fernsehsendung (am 12. Juni 1963). Danach Malcolm X, 21. Februar 1965, und schlie\u00dflich Martin Luther King Jr. am 4. April 1968. Alle drei waren Civil Rights Aktivisten und starben, weil sie das Bild des \u201eschwarzen Mensches\u201c hoch und stolz trugen, was als Gefahr von manchen wei\u00df-amerikanische Zeitgenossen betrachtet wurde. Alle drei starben wegen eines Konzepts. Baldwin erkl\u00e4rt er sei nur ein Mann und die Tatsache, dass er als schwarz betrachtet wurde, w\u00e4re das Ergebnis eines Konstrukts. Der \u201eTerror\u201c der wei\u00dfen Menschen und die \u201eRage\u201c der schwarzen Menschen f\u00fchrten die Lage in den USA immer weiter in der Gewalt . Die Frage, die im Raum bleibt: \u201eWarum?\u201c, ist an jeden \u201ewhite people\u201c gerichtet und wird von der Film I Am Not Your Negro nicht beantwortet. Vielleicht, weil die Antwort immer wechselnd ist oder weil sie tiefer geht: warum brauchen Menschen ein Ziel f\u00fcr jeden Hass? Dieser Frage folgt der Zuschauer im ganzen Film, denn der Blick Baldwins richtet sich vorallem menschlichen Fragen. Woher kommt dieser Hass? Was erlaubte er f\u00fcr eine Zukunft in den USA? Warum konnte kein Verst\u00e4ndnis stattfinden?<\/span><\/h2>\n<h2 style=\"padding-left: 40px\"><span style=\"font-size: 12pt\">Dies ist kein Film \u00fcber epische K\u00e4mpfe, dies ist ein Weg nach menschlicher moralischer Entwicklung und eine Suche nach Urteilen f\u00fcr solche. Archivgespr\u00e4che von Baldwin werden als roten Faden f\u00fcr den Film verwendet. Jede Abteilung der Gliederung sind Ausz\u00fcge Baldwins Briefe. Dazwischen st\u00fcrmen Bilder aus Archiv und Aktualit\u00e4ten, aus der Werbung, aus Filmen, begleitet von Samuel L. Jacksons Stimme. Gelesen wird der unbeendete Roman Remember This House indem Baldwin seine Erinnerungen von Evers, Malcolm X und Luther King erz\u00e4hlen sollte. Es ist viel f\u00fcr den Zuschauer, denn auf dem Bildschirm ist eine Masse verschiedener Medien, die uns vor Geschichte und Gegenwart sitzen lassen. Es gibt keine Zeit zu atmen: jede Pause f\u00fchrt neue Reflexionsschl\u00fcssel ein. Mich st\u00f6rt diese Schnelligkeit nicht, den Film muss man mehrmals schauen und sich von dieser Dringlichkeit impr\u00e4gnieren lassen. Weil der Kampf in den USA, um Gleichheit noch allt\u00e4glich stattfindet und Rassismus immer noch ein weltweit aktuelles Thema ist. Beweis daf\u00fcr ist die Black Lives Matter Bewegung, welche sich 2013 in der Welt verbreitete. Dieses wilde Treiben von Bildern zeigt auch den Kampf um Civil Rights, wie Baldwin selber es empfinden sollte. Baldwin war kein Leader, obwohl er eine \u00f6ffentliche Pers\u00f6nlichkeit war und vom FBI als Gefahr aufgelistet wurde. Baldwin sah sich wie ein Zeuge der Geschichte. Genau dieser Sichtpunkt wird im Film mitgeteilt. Es ist nicht episch, das ganze Werk ist unverbl\u00fcmt und effizient. Da der Zuschauer selbst ein Zeuge ist, funktioniert diese Regie Entscheidung extrem gut. Jeder wird von dem Film angesprochen. Jeder hat eine Rolle zu spielen im Kampf gegen Rassismus und f\u00fcr Integration. Baldwin sagt, er sei ein Zeuge geblieben , um die Geschichte sp\u00e4ter erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen: eine Art gemeinsame Erinnerungsbewacher. Dies erlaubt uns jetzt noch unsere Gesellschaft zu spiegeln und uns die Fragen zu stellen. Was ist der Zukunft unseres Systems? Was sagt Rassismus \u00fcber unsere Gesellschaft aus und woher kommt es? Dieser Film bringt uns dazu unserer Realit\u00e4t in die Augen zu schauen und sie auf an einer tief moralischen Ebene zu hinterfragen. Denn wie Baldwin es erl\u00e4utert: \u201eHistory is not the past. It is the present\u201d .<\/span><\/h2>\n<h2 style=\"padding-left: 40px\"><span style=\"font-size: 12pt\">Die Frage der Moralit\u00e4t kommt immer vor. Im Film wird der anderen Seite der American Dream vorgestellt: einer Welt auf Ausschlie\u00dfung gebaut. Technisch gesehen hat der Regisseur Raoul Peck einen sehr scharfen Blick dem Film gegen\u00fcber beigebracht. Eine Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit verankert das Thema in der heutigen Welt. Dabei bleibt die Geschichte des Civil Rights Kampfes immer im Bewusstsein der Zuschauer. So schockiert wie man sein kann, kommen sobald Bilder, die uns erinnern, dass diese Lage leider in einer Form noch aktuell ist. Das Spiel mit Farben wurde auch sehr klug benutzt. Das ganze Werk f\u00e4ngt und endet in Schwarz-Wei\u00df. So ist die Grundnachricht klar. Aber, wenn es tiefer reinschaut wird, wurden Farben sehr fein benutzt. Wenn Baldwin bei einer Konferenz pl\u00f6tzlich Applaus bekommt wird das Video zur Farbe. Es stellt seine \u00c4u\u00dferungen dar, denn er sagt, dass schwarze Menschen eigentlich \u00fcberhaupt nicht anerkannt werden. Wenn das Publikum applaudiert, wird Baldwin endlich Teil der wei\u00dfen Realit\u00e4t. Ein bisschen fr\u00fcher im Film, erz\u00e4hlt er, wie Kinder ab einem Punkt entdecken, dass sie schwarz sind. Dieser Punkt an dem people of color merken, dass die Welt nach Hautfarbe geteilt sei und, dass sie auf der h\u00e4rteren Seite geboren sind. Das Video wird von Schwarz-Wei\u00df zu Farben ge\u00e4ndert. Dieses Erlebnis ist leider ein h\u00e4ufiges Thema (bemerkenswertes Beispiel daf\u00fcr ist Maya Angelous I Know Why the Caged Bird Sings ). In diesem Film ist der Zuschauer eine Zeuge aber gleichzeitig erleben wir mit, was die Herausforderungen des Schwarz-Seins in den USA sind. Wir sehen die Welt mit anderen Augen, denen Baldwin und denen von so vielen Menschen. Nat\u00fcrlich wird jeder bei diesem Film eine andere Gef\u00fchlsreise erleben. Aber sicher bleibt: I Am Not Your Negro \u00e4ndert das Bild der Welt und steckt viele Reflektionsm\u00f6glichkeiten in den Geist der Zuschauer. Den Film will man wieder sehen und immer tiefer verstehen. Weil es wichtig ist und weil es alle Menschen betrifft, die stigmatisierte Menschen, die Beteiligte, die Leader\u2026aber auch Sie und ich: die Zeugen.<\/span><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Film: I Am Not Your Negro (2016) Regie: Raoul Peck Dauer: 93 Min. Autor: Helena Holl Disclaimer: Dieser Artikel zitiert historische Archivdokumente, die bel\u00e4stigende W\u00f6rter einigen Menschen entgegen stie\u00dfen. 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