{"id":299,"date":"2022-01-14T18:23:56","date_gmt":"2022-01-14T17:23:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/?p=299"},"modified":"2022-01-14T18:25:42","modified_gmt":"2022-01-14T17:25:42","slug":"narcos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/2022\/01\/14\/narcos\/","title":{"rendered":"Narcos"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\"><strong>Jahr \/ Land \/ Filmdauer: <\/strong>2015 \/ Vereinigte Staaten \/ Staffel 1 (10 Folgen, 44-60 Minuten)<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\"><strong>Regie<\/strong>: Jos\u00e9 Padilha<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\"><strong>Autor<\/strong>: Efe Yar<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Stellen Sie sich vor Sie kommen aus armen Verh\u00e4ltnissen, geboren in einer armen Stadt, in einem armen Land und mit 28 haben Sie so viel Geld, dass Sie es nicht einmal z\u00e4hlen k\u00f6nnen, dann sind Sie Pablo Emilio Escobar Gaviria. Die Serie \u201eNarcos\u201c erz\u00e4hlt von einer wahren Geschichte von dem Drogenboss Pablo Escobar. Dabei wird die Serie teilweise aus seiner Sicht erz\u00e4hlt und teilweise aus der Sicht eines DEA-Agenten, Agent Stephen Murphy. Agent Murphy spielt eine entscheidende Rolle im Drogenkrieg gegen die Narcos. Die Erstausstrahlung auf Netflix hatte die Serie am 28. August sowohl in den USA als auch in Deutschland. Es gibt insgesamt 30 Episoden verteilt auf 3 Staffeln bei der eine Episode eine L\u00e4nge von 44-60 Minuten vorweist und als Regisseur Jos\u00e9 Padilha t\u00e4tig war. In dieser Filmkritik wird sich auf die erste Staffel bezogen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Pablo Escobar, gespielt von Wagner Moura, wird neben diesem Namen auch Don Pablo oder El Patron genannt. Er hat den industrialisierten Drogenschmuggel f\u00fcr immer ver\u00e4ndert und sich ein Drogenimperium sondergleichen aufgebaut. Pablo ist nicht nur m\u00e4chtig, sondern geht ebenso brutal zur Sache, was ihn zu einem gef\u00e4hrlichen, wie unberechenbaren Mann macht. Stephen Murphy, gespielt von Boyd Holbrook, m\u00f6chte das von Escobar gef\u00fchrte Drogenkartell st\u00fcrzen und ist bereit daf\u00fcr auch justizwidrige Handlungen in Erw\u00e4gung zu ziehen. Obwohl er zu Beginn der Serie noch etwas naiv an seine Mission herangeht, wird er schnell mit der knallharten Realit\u00e4t des kolumbianischen Drogenbosses konfrontiert und lernt aus seinen Fehlern. Zudem geht Murphy ein gro\u00dfes Risiko ein, da er gemeinsam mit seiner Frau nach Kolumbien zieht und versucht, dort eine neue Heimat zu finden. Den zweiten wichtigen DEA-Agent in der Serie spielt Javier <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Javier_Pe%C3%B1a\">Pe\u00f1a<\/a>, gespielt von Pedro Pascal, welcher gemeinsam mit Murphy gegen die Narcos ermittelt. Pe\u00f1a erkennt schnell, dass Murphy die Lage untersch\u00e4tzt und hilft ihm sich an die gnadenlosen Regeln des Drogenkrieges anzupassen. Au\u00dferdem spricht Pe\u00f1a neben Spanisch dieselbe Sprache wie Murphy und z\u00e4hlt damit zu einer der wenigen Verb\u00fcndeten, die dieser \u00fcberhaupt in der Fremde hat. Neben den drei Hauptcharakteren, spielt der 28. Pr\u00e4sident Kolumbiens, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/C%C3%A9sar_Gaviria\">C\u00e9sar Gaviria<\/a>, eine entscheidende Rolle bei der Bek\u00e4mpfung der Narcos. Gaviria ist in sein Amt getreten, um den Drogenhandel ein f\u00fcr alle Mal zu beenden. Den Pr\u00e4sidenten zeichnet seine ruhige, zielorientierte sowie disziplinierte Denkweise und Handlung aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Die Geschichte von Narcos dreht sich rund um die zwielichtigen Machenschaften einer Gruppe von Drogenbaronen, die vor allem in den 1980er Jahren am Werk waren. Allen voran geh\u00f6rt Pablo Escobar zu ihren M\u00e4nnern, die das illegale Gesch\u00e4ft mit Kokain auf eine komplett neue Dimension brachten und damit einhergehend ein unglaubliches Verm\u00f6gen verdienten. Doch die Welt der Narcos liegt nicht nur im Rausch des Geldes, sondern ist vor allem hart, blutig und konfliktgeladen. Gnade und Mitleid kann sich niemand in diesem Gesch\u00e4ft leisten. Folglich stehen Opfer auf der normalen Tagesordnung wenngleich unter Umst\u00e4nden die eigene Familie ausgemerzt werden muss. Vertrauen ist wohl das wertvollste Gut zu jener Zeit und ist die einzige Garantie auch den n\u00e4chsten Tag lebend genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Als DEA-Agent Murphy in diese d\u00fcstere Welt eintaucht muss er schnell feststellen, dass die kolumbianischen Gangster und deren automatischen Waffen nichts mehr mit den Flipflop tragenden Hippies zu tun haben, die er zuvor in den USA verhaftet hatte\u2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Moura verk\u00f6rpert die Rolle als Escobar sehr authentisch. Man kauft ihm jeden Moment, jede Emotion, in der er spielt, ab. Er spielt sowohl den liebevollen, einf\u00fchlsamen Familienvater, als auch auf der anderen Seite den absolut kompromisslosen Drogendealer, der ohne mit der Wimper zu zucken \u00fcber Leichen geht. Zudem kommen die Standpunkte der DEA-Agenten in der Serie auch sehr nachvollziehbar r\u00fcber, welches eine Sache dabei stark unterst\u00fctzt und f\u00fcr mich die Serie auszeichnet: der Realismus-Effekt. Wenn man sich die Serie anschaut, hat man jeden Moment das Gef\u00fchl, als w\u00e4re es genauso geschehen, wie in der Serie dargestellt. Das wirkt dabei fast wie eine Dokumentation, auch wenn dies keine Dokumentation ist. Es gibt Punkte, welche nicht mit der Realit\u00e4t \u00fcbereinstimmen, dennoch wecken einige Szenen derartiges Interesse in Einem aus, dass man sogar nachrecherchieren m\u00f6chte. Mich hat bspw. interessiert, ob die DEA-Agenten Murphy und Pe\u00f1a wirklich existiert und gegen die Narcos ermittelt haben, wie in der Serie vorgetragen. Auf Wikipedia wird angegeben, die Agenten seien fiktiv. Meine Recherchen haben mich allerdings zum Ergebnis gef\u00fchrt, dass sie existiert haben. Es gibt Interviews mit den beiden damaligen echten Agenten, welche mit der Aussage Wikipedias nicht \u00fcbereinstimmen. Die Serie h\u00e4tte auch ohne die echten Figuren von vor 40 Jahren funktioniert, dennoch wurde mit Narcos das Ziel, die Szenen so echt wie m\u00f6glich wirken zu lassen, nie aus den Augen verloren. Solch ein intensives und durchgeplantes Vorgehen ist bei den wenigsten Serien vorzufinden, selbst bei denen, welche auf wahren Begebenheiten basieren. Das macht Narcos zu einer besonderen Serie, sie wirkt nicht fiktional und kl\u00e4rt zudem noch auf. <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Der Realismus Effekt wird von vielen Sachen unterst\u00fctzt, zum einen sind in der Serie originale Filmausschnitte verwendet. Reden vom damaligen US-Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan oder ganz seltene Aufnahmen von Pablo Escobar, genauso wie Ausschnitte aus dem kolumbianischen Fernsehen sind f\u00f6rdernd, sowohl f\u00fcr das inhaltliche Verst\u00e4ndnis als auch die Authentizit\u00e4t. Auf den Fotos sind die vor \u00fcber 40 Jahren geschossenen Fotos des echten Pablos Escobars zu sehen. Besonders die realen Fernsehausschnitte sind Faktoren, welche zu diesem sich echt anf\u00fchlenden Realismus beitragen. Aus Sicht eines Kritikers k\u00f6nnte dies eigentlich das genaue Gegenteil bewirken. Bspw. k\u00f6nnte man das Empfinden haben es seien zu viele R\u00fcckblicke oder die Serie w\u00fcrde sich zu einer Erz\u00e4hlung entwickeln, worauf die Serie selbst eigentlich nicht abzielt und sich sozusagen selbst schadet. Dies tut sie aber nicht. Die R\u00fcckblicke sind in gesunden Abst\u00e4nden gehalten, bestehen auch meistens nur aus Szenen, welche 1-2 Minuten einer Folge nehmen. Man hat durchaus das Gef\u00fchl, als s\u00e4\u00dfe man fast vor einer Dokumentation. Dies bewirkt, dass man in die Serie reingezogen wird. \u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Man steigt nicht in die Serie mittendrin ein, viel mehr entdeckt und erlebt man Pablo Escobar. Er ist nicht nur ein Gesch\u00e4ftsmann, er wei\u00df auch, dass er der Bev\u00f6lkerung etwas wiedergeben muss, um gefeiert zu werden. In der Serie versucht Escobar selbst Pr\u00e4sident Kolumbiens zu werden, scheitert aber dann, da er mit dem illegalen Drogengesch\u00e4ft in Verbindung gesetzt wird. Die Serie ist nicht drogenverherrlichend, ruft aber trotzdem eine gewisse Faszination f\u00fcr das organisierte Verbrechen hervor. In der Regel ben\u00f6tigt man in Serien mehrere Folgen, um richtig reinzukommen und alle Figuren zu verstehen. Bei Narcos hat man aber bereits in der ersten Folge das Gef\u00fchl ob einem der Plot gef\u00e4llt oder eher nicht. Es ist bemerkenswert, dass es keine deutsche Synchronisation daf\u00fcr gibt, wenn die Lateinamerikaner\/innen miteinander sprechen. Anfangs f\u00fchlt es sich ungewohnt an, eine komplett fremde Sprache \u00fcber mehrere Folgen nur anhand Untertitel zu verstehen, aber man gew\u00f6hnt sich schnell daran und die Serie w\u00fcrde unter keinen Umst\u00e4nden so glaubw\u00fcrdig und realistisch r\u00fcberkommen, wenn die Stimmen der Schauspieler\/innen anderssprachig synchronisiert worden w\u00e4ren. Eine Szene, welche diesen Punkt unterst\u00fctzt, ist das Gespr\u00e4ch von Escobar mit seiner Frau Tata in Folge 5. Escobar ist vor der kolumbianischen Regierung geflohen, weil er gesucht wird. Im Ausland muss Escobar seiner Frau gestehen, wieder zur\u00fcck in die Heimat zu reisen um dort f\u00fcr seine Ziele; f\u00fcr ein besseres Kolumbien, zu k\u00e4mpfen. Die Ernsthaftigkeit und \u00fcberzeugte Ausstrahlung Escobars wird durch seine sanfte, aber bewussten Stimmlage sehr hochwertig vermittelt. Mit einer deutschen Synchronisation w\u00e4re dies unauthentisch und man k\u00f6nnte sich mit dem Schauspieler nicht in diesem hohen Ma\u00dfe identifizieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Dennoch bleibt es mir ein R\u00e4tsel, wieso und warum dann nicht die Originalsprachen beider Sprachseiten, sowohl der lateinamerikanisch Spanischen als auch Amerikanischen Sprache unsynchronisiert geblieben sind. Es ist eine gute Idee den Rezipienten mit originaler Sprache direkter erreichen zu wollen, aber wieso nur mit der \u201eFremdsprache\u201c aus amerikanischer Sicht? Die Serie ist trotz dem Fakt, dass sie in Kolumbien aufgezeichnet wurde, eine amerikanische Produktion. W\u00fcrde es auch genauso andersrum sein, wenn das Produktionsland Kolumbien gewesen w\u00e4re, dass dann dort nur amerikanisch synchronisiert worden w\u00fcrde? Es ist schwierig sich vorzustellen, dass die USA es akzeptieren, w\u00fcrde als das Land mit der \u201eFremdsprache\u201c oder gar als das fremde Land zu gelten. Die Wahrscheinlichkeit w\u00e4re dann h\u00f6her, dass beide Sprachen synchronisiert worden w\u00e4ren. Widerspr\u00fcchlich ist dies schon. Nicht zuletzt ist der Realismus Effekt auch dadurch unterst\u00fctzt, dass echte Szenen abgefilmt werden. Man sieht echte \u00dcberfl\u00fcge \u00fcber tats\u00e4chliche Gebiete in Kolumbien. In Folge 6 begeben sich Milit\u00e4rsoldaten in das Gebiet der Narcos in Tolu. Bei einem Gefecht zwischen den Narcos und dem Milit\u00e4r gelingt es Jose Rodriguez Gacha, einem der 4 K\u00f6pfe des Medellin-Kartells (Drogenkartell Escobars), mit seinem Sohn in einem Auto zu fliehen. Die Flucht h\u00e4lt aber nicht lange an, da das Milit\u00e4r Gacha per Hubschrauber verfolgt. In dieser Stelle wirkt die Szene noch realistischer, da man weitwinkelig auf das Auto und den Hubschrauber hinschaut und diese Aufnahme echt nachgefilmt wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Die B\u00fchnenbilder, die Kost\u00fcme und auch das Make-up sind beachtenswert gelungen. Man hat in diesem Moment das Gef\u00fchl, man befindet sich wirklich in der Epoche der 1980er Jahre. Besonders deutlich wird dies bei dem Gespr\u00e4ch zwischen Escobar und seinen Mitkomplizen des Medellin-Kartells. Die Kleidung ist locker, die Farben ihrer Kleidungen sind kr\u00e4ftig, jeder tr\u00e4gt entweder ein Hemd oder ein Kragenshirt mit ge\u00f6ffneten Kn\u00f6pfen, die Frisuren sind oft lang auf Schulterh\u00f6he, viele tragen auch Schieberm\u00fctzen und Handschmuck. In den meisten Szenen ist keine Musikhinterlegung zu h\u00f6ren. Man hat dadurch ein besseres Gef\u00fchl beim Zuh\u00f6ren. Ein Ton im Hintergrund k\u00f6nnte den Zuschauer beeinflussen, die Handlung anders zu bewerten. Ohne Musik kann man rationaler bewerten und verhindert ein Voreingenommenes Denken gegen\u00fcber den Figuren. H\u00f6rt man Musik, ist sie dezent spannend gitarristisch. Oft h\u00f6rt man Musik in Szenen in denen nicht geredet oder nacherz\u00e4hlt wird. Das Erz\u00e4hltempo ist ebenfalls gelungen. Man hat in jeder Folge das Gef\u00fchl, dass etwas passiert sowie die Geschichte vorangetrieben wird und alle Charaktere eine gewisse Entwicklung haben. Ein Grund daf\u00fcr, dass alles so einwandfrei funktioniert, sind die beiden DEA-Agenten. Stephen Murphy und auch Javier Pe\u00f1a haben die Mitarbeiter von Netflix beraten. Sie standen mit ihnen in E-Mail-Kontakt, haben mit ihnen telefoniert und haben sich auch mit Screenwritern getroffen und gesprochen.<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eIp8u2O64PY\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Zus\u00e4tzlich haben die beiden Schauspieler eine Woche in der DEA-Ausbildungsstelle in Amerika verbracht, um sich da einen echten Eindruck zu holen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Was die Kameraarbeit angeht darf man nicht allzu \u00dcberschw\u00e4ngliches erwarten. Die Kameraf\u00fchrung war zumeist als Totalaufnahme in Kraft. Die einzelnen Schnitte waren nie \u00fcberw\u00e4ltigend inszeniert. Dennoch gab es hin und wieder mal kleine, inszenatorische Gimmicks, das gr\u00f6\u00dftenteils viele reale Filmausschnitte und reale Reden wiedergegeben hat. Die Gimmicks haben mir pers\u00f6nlich am meisten gefallen. Die Dialoge funktionieren erstaunlich gut, sie wirken real. Als Beispiel dient die Szene, in der Escobar mit seinem Kind redet. Es wirkt so, als w\u00fcrde jemand mit seinem Kind reden. Genauso wirkt es real, wenn er mit seinen Verbrecherkomplizen redet. Andersrum wirkt es authentisch, wenn die Agenten mit verschiedenen Leuten innerhalb des Staatsapparates reden. Ein Schnitt findet erst dann statt, wenn eine Szene beendet ist. In vielen Filmen und Serien gibt es in den Szenen Schnitte zu anderen Szenen damit das Interesse bei vorherigen spannungsreichen Szenen bestehen bleibt. Narcos allerdings m\u00f6chte keine Spannung auf diese Weise aufbauen. Viel mehr berichtet die Serie durch ihre Szenen \u00fcber die in Wirklichkeit stattgefundenen Situationen. Einen w\u00fcstenfarbigen Touch konnte ich in Narcos feststellen. Besonders in Szenen, welche sich um Escobar drehten, hatte man als Betrachter\/in das Gef\u00fchl, man w\u00fcrde sich wirklich in S\u00fcdamerika befinden. Die Szenen kommen deshalb nicht nur realistisch r\u00fcber, sie passen auch den Farbton an typisch lateinamerikanische Merkmale an.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Die Serie ist nicht dadurch ausgezeichnet gro\u00dfe Actionszenen zu verk\u00f6rpern. Man fiebert wegen anderen Faktoren mit. Man erlebt den Sumpf aus Korruption und Brutalit\u00e4t, die damit einherging. Man kann die unheimliche Gewalt nachvollziehen, die Pablo Escobar ausgef\u00fchrt und an den Tag gelegt hat. Das Ganze wird immer wieder eingeleitet und ausgeleitet durch einen Erz\u00e4hler, der ausgezeichnet zusammenfasst und ein wohlf\u00fchlendes Empfinden wiedergibt. Besonders auff\u00e4llig ist dies bei der Szene in Folge 9. Escobar hat das Gef\u00fchl, er wird von seinen beiden M\u00e4nnern, welche das Kokaingesch\u00e4ft au\u00dferhalb der La Catedrale (Gef\u00e4ngnis, in dem sich Escobar befindet) weiter fortf\u00fchren, betrogen. Erst fragt er sie aus und zeigt sich zwar emp\u00f6rt, aber nicht ablehnend. Bei der Verabschiedung gibt er ihnen erst die Hand und es scheint als w\u00e4re die Szene beendet, ger\u00e4t dann aber komplett au\u00dfer Kontrolle, ist von dem Gedanken, betrogen worden zu sein, besessen, greift nach einem Billardschl\u00e4ger und schl\u00e4gt kaltbl\u00fctig auf einen der M\u00e4nner zu, weiter und weiter, bis er stirbt. Der andere wurde von Escobars M\u00e4nnern ermordet. Die Leichen wurden anschlie\u00dfend verbrannt. Man sollte Narcos auf jeden Fall schauen, zumindest eine Chance geben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">Diese Serie kann viele Krimi- oder Historien Verfilmungsskeptiker davon \u00fcberzeugen, nicht nur eine Serie in diesem Genre anzuschauen, denn sie kl\u00e4rt den Rezipienten \u00fcber einen der gr\u00f6\u00dften Drogenkonflikte der Welt auf. Der einzige mir nennenswerte Kritikpunkt ist folgender: der \u00dcberraschungseffekt. Dieser kann sich bei Rezipienten, welche bereits ein Vorwissen zu diesem Konflikt haben, geringhalten. Man kann bereits ungef\u00e4hr erahnen, wie der Ablauf stattfinden wird. Die Serie m\u00f6chte aber dies gar nicht vertuschen. Sie m\u00f6chte auf ihrer Art und Weise dem Rezipienten n\u00e4herkommen und an sie fesseln. Spannung, gutspielende Schauspieler, aufschlussreiche und authentische Dialoge, der Realismus Effekt, diese Punkte sind in der Serie \u201eNarcos\u201c wiederzufinden. Die Serie nimmt sich viel vor, schafft es den Inhalt verst\u00e4ndlich abzuwickeln, gibt einen tiefen und interessanten Einblick, der sogar dazu anregt, sich mit der Geschichte Kolumbiens zu besch\u00e4ftigen. Narcos wirft einen d\u00fcsteren Blick auf die Gesellschaft, schafft es aber auch b\u00f6se Figuren symphytisch wirken zu lassen. So ist die Welt nun mal, sie l\u00e4sst sich nicht immer in Gut und B\u00f6se teilen und genau da findet sich ein hochwertiges Mafia-Format wieder, in Narcos. Dort wo mehr Geld im Umlauf ist, ist man auch bereit weiterzugehen und menschliche Grenzen zu vergessen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. unter: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eIp8u2O64PY\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eIp8u2O64PY<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahr \/ Land \/ Filmdauer: 2015 \/ Vereinigte Staaten \/ Staffel 1 (10 Folgen, 44-60 Minuten) Regie: Jos\u00e9 Padilha Autor: Efe Yar &nbsp; Stellen Sie sich vor Sie kommen aus armen Verh\u00e4ltnissen, geboren in einer armen Stadt, in einem armen Land und mit 28 haben Sie so viel Geld, dass Sie es nicht einmal z\u00e4hlen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":13420,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[838105,838106,837424,837200,838103],"tags":[],"class_list":["post-299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-drogenkartelle","category-drogenschmuggel","category-filmkritik","category-geschichte-und-film","category-lateinamerikanischer-film"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13420"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":303,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions\/303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmkritik\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}