{"id":76,"date":"2019-06-23T23:31:20","date_gmt":"2019-06-23T21:31:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/?p=76"},"modified":"2019-06-23T23:31:20","modified_gmt":"2019-06-23T21:31:20","slug":"cold-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/2019\/06\/23\/cold-war\/","title":{"rendered":"Cold War"},"content":{"rendered":"<p>Cold War \u2013 Der Breitengrad der Liebe<\/p>\n<p>\u201eCold War\u201c, dem im Deutschen noch der ungl\u00fcckliche Untertitel \u201eDer Breitengrad der Liebe\u201c hinzugef\u00fcgt wurde (Originaltitel \u201eZimna wojna\u201c), ist der neueste Film des polnischen Regisseurs Pawe\u0142 Pawlikowski. Das Drama handelt von der sich \u00fcber Jahrzehnte spannenden Liebesgeschichte zwischen dem Pianisten und Komponisten Wiktor und der jungen S\u00e4ngerin Zula. Die beiden treffen sich im Polen der Nachkriegszeit im Rahmen eines Folklore-Ensembles, das alte polnische Volkslieder auff\u00fchrt, um das Nationalbewusstsein zu st\u00e4rken, allerdings schon bald von der Sowjetunion als Propagandamittel genutzt wird. Das Liebespaar trennt sich schon bald wieder, als Wiktor in den Westen flieht, w\u00e4hrend Zula, hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu Wiktor einerseits und den Herausforderungen der Emigration zur Zeit des Kalten Krieges und der Bindung zu ihrem Heimatland andererseits, im Osten verbleibt. Damit beginnt eine Art Katz- und Mausspiel zwischen den beiden Geliebten, die sich trotz ihrer fragilen Beziehung zueinander hingezogen f\u00fchlen und sich so im geteilten Europa immer wieder unter verschiedenen Umst\u00e4nden begegnen.<br \/>\nDer Film fokussiert sich dabei fast ausschlie\u00dflich auf die beiden Liebenden und geht kaum auf Nebenpersonen oder andere Handlungsstr\u00e4nge ein. Die \u00fcber die Jahre relevanten Szenen sind zeitlich und r\u00e4umlich eingeteilt und werden durch ein schwarzes Bild klar voneinander getrennt. Dies f\u00fchrt im Verlauf des Films zu einer Fragmentierung der Geschichte, oft wird eine sehr kurze Szene gezeigt, gefolgt von einem Zeitsprung, der die Umst\u00e4nde f\u00fcr die n\u00e4chste Szene stark ver\u00e4ndert. So kommt f\u00fcr mich kein wirklicher Erz\u00e4hlfluss auf.<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beziehung zwischen Wiktor und Zula, die beide wunderbar von Tomasz Kot und Joanna Kulig gespielt werden. Ihre Verbindung wird relativ schnell etabliert und besonders in der zweiten H\u00e4lfte des Films teilen die Liebenden keine Szenen, die nicht direkt die Handlung vorantreiben. Dem Zuschauer wird kaum Zeit gegeben, sich an die beiden Personen und ihre Beziehung zu binden, was durch die zersplitterte Geschichte des Films auch so gewollt zu sein scheint. So erh\u00e4lt der Zuschauer nur eine distanzierte Sicht auf die ungl\u00fcckliche Liebe zwischen Wiktor und Zula, deren Beziehung kaum \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bestehen kann, bevor die Beiden sich wieder entzweien.<\/p>\n<p>Seine wahre St\u00e4rke zeigt \u201eCold War\u201c in seiner Inszenierung. Durch das fast quadratische 4:3 Bildformat wird der Fokus unweigerlich auf die zentralen Figuren gelenkt, was im Einklang mit der Geschichte des Films steht. Komplett in Schwarzwei\u00df gedreht, gelingt es dem Film, die verschiedenen Szenen mit einer eigenen Sch\u00f6nheit auf der Leinwand einzufangen. Von verschneiten Winterlandschaften Polens \u00fcber belebte Stadtbilder in Jugoslawien zu verrauchten Jazz-Bars in Paris wird der Zuschauer auf eine authentische Reise durch das Europa der 50er und 60er Jahre genommen. Dabei ist auch die Musik, die f\u00fcr die beiden Protagonisten eine so wichtige Rolle spielt, von gro\u00dfer Bedeutung. Die verschiedenen musikalischen Auftritte Wiktors und Zulas z\u00e4hlen zu den denkw\u00fcrdigsten Momenten des Films und insbesondere die Vorf\u00fchrungen des Folklore-Ensembles \u201eMazurek\u201c sind beeindruckend nachgestellt. Auch der Wandel der Musik im Laufe der Zeit, von Volksliedern zu Jazz bis zu den Anf\u00e4ngen des Rocks, wird eingefangen.<\/p>\n<p>Wer von \u201eCold War \u2013 Der Breitengrad der Liebe\u201c eine klassische Liebesgeschichte zur Zeit des kalten Kriegs erwartet, wird wohl entt\u00e4uscht werden. Denn obwohl sich die Handlung nur um die tragische Beziehung der beiden Protagonisten zueinander dreht, hat mich das Schicksal von Wiktor und Zula nicht wirklich mitgerissen. Stattdessen nahm der Film mich auf eine Reise in das geteilte Europa des Kalten Krieges und saugte mich an manchen Stellen f\u00f6rmlich in die gezeigten Schaupl\u00e4tze hinein. Er \u00fcberzeugte durch die Sch\u00f6nheit der einzelnen gezeigten Szenen, w\u00e4hrend die \u00fcber 89 Minuten erz\u00e4hlte Geschichte f\u00fcr mich eher im Hintergrund blieb.<\/p>\n<p>Cold War \u2013 Der Breitengrad der Liebe | Polen\/Gro\u00dfbritannien\/Frankreich | 2018 | Liebesdrama | Pawe\u0142 Pawlikowski | 89 min. | Joanna Kulig, Tomasz Kot, Borys Szyc, Agata Kulesza, Cedric Kahn, Jeanne Balibar | FSK: 12<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nCold War \u2013 Der Breitengrad der Liebe \u201eCold War\u201c, dem im Deutschen noch der ungl\u00fcckliche Untertitel \u201eDer Breitengrad der Liebe\u201c&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/2019\/06\/23\/cold-war\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Cold War&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11024,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-76","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11024"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=76"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":77,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/76\/revisions\/77"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=76"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=76"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=76"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}