{"id":70,"date":"2019-06-23T22:40:19","date_gmt":"2019-06-23T20:40:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/?p=70"},"modified":"2019-06-23T22:40:19","modified_gmt":"2019-06-23T20:40:19","slug":"alles-was-du-willst-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/2019\/06\/23\/alles-was-du-willst-2017\/","title":{"rendered":"Alles was du willst (2017)"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Alles was du willst (Originaltitel: Tutto quello che vuoi) ist ein klassischer Feel-Good-Movie. Das ist ein Label, das bei vielen ambivalente Assoziationen hervorruft, in diesem Fall aber durchaus positiv gemeint ist. Es ist der viel bem\u00fchte schmale Grat zwischen ber\u00fchrender Emotionalit\u00e4t und Kitsch, den dieser Film so souver\u00e4n bestreitet, dass man ihm dieses Kunstst\u00fcck zu keiner Zeit anmerkt. Die Erdung dabei sind \u00fcberzeugend gespielte, authentische Dialoge. F\u00fcr Regie und das Drehbuch ist Francesco Bruni verantwortlich.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Alessandro (Andrea Carpenzano) ist 22 Jahre alt. Er hat viel Zeit und die verbringt er bevorzugt mit seinen Freunden in der Stammkneipe. Anderer Zeitvertreib sind Fu\u00dfball gucken (f<i>orza Roma<\/i>), Playstation spielen und Kiffen. Wie seine Freunde hat er weder Abschluss noch Arbeit. Und so richtig Lust dazu hat er auch nicht. Alessandro lebt mit seinem Vater (Antonio Gerardi) und dessen Freundin Regina (<span lang=\"it-IT\">Andrea Lehotsk\u00e1) <\/span>in einer kleinen Wohnung. Das Verh\u00e4ltnis zu Vater und Stiefmutter ist belastet: Der Vater findet keinen Zugang zu seinem Sohn und wei\u00df damit nicht umzugehen, wirkt \u00fcberfordert. Regina hat durch den fr\u00fchen Tod der leiblichen Mutter Alessandros einen besonders schweren Stand bei ihm und muss aufgrund ihrer slowakischen Herkunft Beleidigungen \u00fcber sich ergehen lassen (\u201eZigeuner\u201c). Als sein Vater damit droht ihn rauszuschmei\u00dfen, nimmt er widerwillig einen Job an. Er soll t\u00e4glich mit dem 85 j\u00e4hrigen Giorgio (Giuliano Montaldo) spazieren gehen. Zwischen den beiden entsteht nun eine Beziehung, die zugegebenerma\u00dfen, nicht sonderlich \u00fcberraschend ist \u2013 der h\u00e4ufige Verweis auf <i>Ziemlich beste Freunde<\/i>, wenn von diesem Film die Rede ist kommt nicht von ungef\u00e4hr. Gegens\u00e4tze prallen aufeinander, sie erg\u00e4nzen sich, sie profitieren voneinander, eine Freundschaft entsteht. Trotz aller Vorhersehbarkeit langweilt der Film dabei keineswegs. Alleine der von Giuliano Montaldo (selbst ein preisgekr\u00f6nter Regisseur) gespielte Charakter des Giorgio macht den Film sehenswert. Giorgio ist ein Dichter, der es zu einem betr\u00e4chtlichen Verm\u00f6gen und Ruhm gebracht hat. Seine Frau ist vor f\u00fcnf Jahren verstorben und einsetzendes Alzheimer macht ihn zunehmend von fremder Hilfe abh\u00e4ngig. Giuliano Montaldo \u00fcberzeugt dabei in allen Stimmungslagen mit Tiefe in seinem Spiel: melancholisch, verwirrt, meistens humorvoll, immer mit Grazie.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Angenehm ist auch das Tempo, in dem diese Geschichte erz\u00e4hlt wird. Zu keiner Zeit schreitet die Handlung \u00fcberhastet oder zu schleppend voran. Besonders die Entwicklung, die Alessandro Pers\u00f6nlichkeit im Laufe des Films nimmt wird nachvollziehbar und angenehm subtil erz\u00e4hlt. Es ist eine sensibel ausgewogene Mischung aus handlungstreibenden Szenen und vermeintlich banalen, allt\u00e4glichen Szenen. Letztere sind dabei keineswegs belanglos, sondern leisten ihren Beitrag zu einer plausibel erz\u00e4hlten Entwicklung, die nie erzwungen wirkt. Auch das Tempo innerhalb der Szenen, erzeugt durch Kameraeinstellungen, Schnitt und Musik, ist mit Feingef\u00fchl an die Art der jeweiligen Szenen angepasst. Es gibt hektische Szenen schneller Dialoge und langsame Szenen in kompletter Stille. Besonders der Mut zur Tonlosigkeit und der sparsame, aber dadurch effektive Einsatz von Musik, sticht positiv hervor und tr\u00e4gt dazu bei, dass der Film nie in den Kitsch abrutscht. <i>Alles was du willst<\/i> endet, ich denke so viel kann man verraten mit einem bitters\u00fc\u00dfen Happy-End. Und das macht Sinn, weil das Wort bitters\u00fc\u00df die Atmosph\u00e4re des gesamten Films recht zutreffend beschreibt. In <i>Alles was du willst<\/i> ist nie alles gut, oder alles schlecht. Es bleibt diffus, mit \u00dcberhang zum Optimismus. Ein bisschen sinnbildlich f\u00fcr dieses Gef\u00fchl (zumindest f\u00fcr nicht-italienische Zuschauer und unter der Voraussetzung von Italien als Sehnsuchtsort) ist die im Film vorherrschende Szenerie: Italien unter grauem Himmel.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Von Luca Cesari<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Alles was du willst | I | 2017 | Kom\u00f6die | Francesco Bruni | 106 Min. | Andrea Carpenzano, Giuliano Montaldo, Donatella Finocchiaro, Emanuele Propizio, Arturo Bruni, Antonio Gerardi, Andrea Lehotska, Raffaella Lebboroni, Riccardo Vitiello, Carolina Pavone | FSK unbekannt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nAlles was du willst (Originaltitel: Tutto quello che vuoi) ist ein klassischer Feel-Good-Movie. Das ist ein Label, das bei vielen&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/2019\/06\/23\/alles-was-du-willst-2017\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Alles was du willst (2017)&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2717,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[],"class_list":["post-70","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2717"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70\/revisions\/71"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/filmfestkritiken\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}